Freitag, 6. Juli 2018

Borgo di Belle

Seit immer mehr Männer sterben, denke ich hier oben an Fellini und seine "Stadt der Frauen" mit dem überragenden Marcello Mastroianni in der Hauptrolle. Natürlich gibt es hier auch noch junge Männer, die die Fahne ihres Geschlechts hochhalten, aber sie sind ja tagsüber selten hier.

Mir kommt es so vor, als seien die vedove nicht allein übrig geblieben, weil sie jünger waren als ihre Männer, sondern weil sie mehr innere  und physische Stärken haben. Das führt zu einer Art Matriarchat, was aber nicht unangenehm ist. Im Erscheinungsbild sind sie sich ähnlich, auch wenn sie weitgehend auf den Sexappeal verzichten, dem der Lüstling Fellini den donne maturate ein Denkmal setzte. (Die Marktfrauen im Film Amacord zu Beispiel).

Die beherrschenden Frauen gehen hier immer noch täglich, um sich um ihr Gemüse zu kümmern, in ihre Faschen, die keinesfalls alle in unmittelbarer Nähe liegen. Unsere Bürgermeister-Witwe, die gerade erst ihre Krücken los geworden ist, fährt nun wieder in ihren Obst- und Gemüse-Garten, Giordana, die ihren Falco erst im letzten Winter verloren hat, geht beinahe täglich zu den Wasserfällen. Sie ist über 80 und wirkt drahtig wie braun gebrannt gut 20 Jahre jünger.

Eine Zeichnung von Berni Parker
Ich beneide sie sehr um ihre Fitness. Ich könnte das nicht mehr, obwohl ich ja ein Jahrzehnt jünger bin. Die "Fürsoglichste" auch nicht, aber da sie an ihrem Küchen-Tisch mit offener Tüt zur Piazza hin eine Art Ruhe-Pol in dieser Stille ist, kommen die Ladys gern auf ein Schwätzchen vorbei. Da sie Italienisch besser versteht als spricht, prasseln wahre Wort-Ergüsse über sie hinweg.

Es ist für mich immer wieder verblüffend, dass die Gespräche dann genauso lang werden, wie die mit ihren Schwestern daheim.

Heute war kurz nach dem Aufstehen die kleine Gesangs-Lehrerin von Gegenüber zu einem deutschen Kaffee und einem Dauer-Plausch bei ihr. Als ich das Geschnatter hörte, bin ich gleich zurück ins Bett. Marina, die eine sagenhaft jazzige Alt-Stimm beim Singen performt, dramatisiert beim Reden einige Oktaven höher.

Ich finde das toll, dass die Damen sie so einbeziehen, und noch toller ist es, nachher den ganzen Dorf-Klatsch zu späten Frühstück dargereicht zu bekommen...

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