Freitag, 22. August 2025

Die andere Öl-Krise

 Als wir vorgestern bei unserer Schweizer Freundin zum Abendessen eingeladen waren, gab es zum Wein vorab so pralle Oliven, wie wir sie in dieser Qualität schon einige Zeit von den Erzeugern hier oben nicht mehr kosten durften.

Im vergangenen Jahr hätten ihre Bäume so getragen wie nie zuvor, erzählte sie uns, aber für heuer sähe sie schwarz. Es seien so wenige Früchte zu sehen, als hätten sich die Bäume bei der letzten Ernte "verausgabt".

Schon seit wir nach der Pause erstmals wieder unsere Zickzack-Straße zu unserem Borgo hinauf gefahren waren, ist uns aufgefallen, dass das "Silber-Meer" durch Beschlag stark ausgedünnt worden ist. Jetzt in der Trockenperiode sind die Zwischenräume auf den Terrassen gefährlich ausgedörrt. Hat die Klima-Krise nun auch die Valle degli Olivi in Ligurien erreicht?

Quelle: pixabay
Die köstlichen Tröpfchen
so kostbar wie nie

Wir beziehen unser Öl privat von einem Nachbarn. Er hat sich bislang noch nicht über Ausfälle beklagt, trotzdem aber seinen Preis pro Liter um 20 Prozent anheben müssen. Das ist immer noch sehr viel günstiger und qualitätvoller als die verschnittenen "Öl-Cuvées" aus dem Supermarkt-Regal. Seit 2020 hingegen haben sich die Preise für Olivenöl in Deutschland fast verdoppelt!

Aber was Hitze und Trockenheit mit den Öl-Hainen in Spanien heuer bei den Superbränden gemacht hat, ist auch hierzulande zu erwarten. Bislang haben die Flieger, die beinahe täglich über dem Trichtertal kreisen noch keine expliziten Warnungen absetzen müssen. Die bange Frage ist, ob die paar Tropfen, die gestern tagsüber und  vorgestern Nacht endlich gefallen sind, eine Verbesserung der akuten Lage bringen.

Wer wirklich vom Öl leben muss, der sollte sich schnell etwas einfallen lassen. Ausgerechnet ein Deutscher aus dem so fernen Niedersachsen, bemüht sich seit einem Vierteljahrhundert darum für Italienische Klein-Erzeuger die Bodenbeschaffenheit in den Oliven-Hainen auf natürlichem Weg gegen die Klima-Herausforderung zu wappnen.

Quelle: 123RF
Nicht nur, dass der Olive
durch den Klimawandel der
Saft ausgeht, auch die
viele Handarbeit, die mit
ihrer Ernte verbunden ist,
wird ja auch nicht weniger
und billiger
Conrad Bölicke von der Genossenschaft "Artefakt" experimentiert bei bald ähnlichen Voraussetzungen daheim mit Pflanzen-Kohle, Regenwurm-Kompost und er veranlasste die Öl-Bauern zudem ihre Bäume mit Kaolin-Mehl zu bestäuben. Erstere binden die Feuchtigkeit länger im Boden, und das Kaolin schützt vor der UV-Strahlung.

In jedem Fall sind all diese Maßnahmen wohl in erster Linie ein Spiel gegen die Zeit, das auch das Ertragsplus  von 31 Prozent hier aus 2024 nicht leichter macht. Auf Dauer meint Bölicke müssten sich die Erzeuger generell darauf einstellen, dass sie aus 100 Kilo Oliven bald nur noch 9 Liter Öl gewinnen können, wo sie früher aus der selben Menge noch 13 oder 15 Liter gepresst haben.

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