Donnerstag, 1. August 2024

Video omnia est!...

...Würden die alten Römer heute nicht nur in Italien, sondern weltweit frohlocken. Video ist alles, weil dieser Planet so schnelllebig, wild, unübersichtlich, unsicher und böse geworden ist. Wir Alten begegnen diesem Trend, alles sehen und beobachten zu wollen, ja gerne mit dem Spruch: "Wer nichts zu verbergen hat - und so weiter..."

Aber wie weit ist es dann noch bis zur totalen Überwachung, wenn "The Wind of Change" uns aus der entgegengesetzten Richtung ins Gesicht bläst und "Big Brother is watching us" zur politischen Realität wird?

Wie immer an heißen Tagen sorgen Dialoge, in denen die "Fürsorglichste" und ich uns verhören, für das Auslösen von Gedanken-Lawinen. Sie sitzt unten in der Küche bei offener Haustür an ihren Sudokus, ich hier oben, einen Stock höher im Arbeitszimmer am Computer. Wir neigen beide auch immer mehr dazu, schlecht zu hören Selbstgespräche zu führen. Was dann nicht selten zu noch größeren Verwirrungen führen kann.

Als ich mir Hose und Strümpfe unter großen Verrenkungen anziehe, stöhne ich laut vor mich hin, dass nähme dies jemand mit versteckter Kamera auf und veröffentlichte es im Internet, meine Unbeholfenheit wohl der Lacher des Tages sein könnte.

"Ja, richtig!" Entgegnet meine Frau, "wir brauchen dringend so einen Video-Beweis wie beim Fußball, damit wir endlich wissen, wer uns die toten Ratten vor die Haustür legt und unsere Kräuter mit Bruchstücken kaputt macht."

Quelle: Überwachungskamera-Berater
Meist verzichte ich darauf, ihr zu erklären, dass ich etwas ganz anderes gemeint hatte.
Aber was für ein Gedanke, dass ich nur das Bildschirmzeichen rund um die Piazza allen Nachbarn mit beiden Händen anzeigen müsste und danach unter dem Torbogen zur Piazza in die Video-Aufzeichnung gucken könnte! Und dann nur  auf unseren Piazza-Stern deuten müsste.  Das hätte schon was: Der Vicenzo war's! Penalty!!!

Aber die Hitze lässt mich schon wieder abschweifen:
Der Hersteller, feinster und maßlos überteuerter Gourmet-Nostalgie an den ersten beiden Kurven der Straße, die hier hoch führt, hat dort eine Video-Überwachung installiert. Besonders mittwochs stauen sich bis zu einem halben Dutzend  riesige Sattelschlepper als Hindernis in den nicht einsehbaren Kurven vor den Firmentoren, um die "Italienischen Momente" für den weltweiten Export abzuholen. Es wäre nett gewesen, wenn die Firma nicht nur an ihre eigene Logistik gedacht hätte, sondern auch den übrigen Verkehr von oben und unten mittels Videowand vor Begegnungen der unheimlichen Art warnen würde.

Quelle: freepik
Raus mit euch aus der Anonymität - ihr versteckten Überwacher!

Aber so ist es eben mit Videos. Sie dienen in erster Linie egoistischen Motiven. Die dort meistens in Unwissenheit Aufgenommenen profitieren allenfalls von kaum überprüfbaren Versprechen nach mehr allgemeiner Sicherheit. Aber die Aufnahmen selbst zu sehen, könnte doch auch das private Verhalten allgemein verbessern. Wenn sich zum Beispiel ein Einbrecher selber beim Einbrechen beobachten würde, läuterte ihn das vielleicht, von seinem Tun abzulassen. Oder der ungeduldige Drängler in der Autoschlage käme endlich zu der Erkenntnis, dass er an der nächsten Ampel nichts gewonnen  hätte. 
Wäre das nicht schön?  - Dann könnte ich auch damit leben, wenn mein viral gehendes Video vom Hose und Socken Anziehen das nächste Katzen-Video toppen täte.

Dienstag, 30. Juli 2024

Nacht 25 Grad, Mittag 33 Grad, Luftfeuchtigkeit stetig über 60

 Früher sprachen die Menschen bei Werten wie in meiner Überschrift von tropischen Verhältnissen. Aber seit gestern in Düsseldorf zum dritten Mal in Folge diese, unsere Verhältnisse hier von der Burg übertroffen wurden, wird das als paneuropäischer Sommer vermutlich Standard.

Quelle: pixabay
Experten haben exakt vorher gesagt, dass 2024 einen neuen Hitzerekord aufstellen wird, denn elf  viel zu warme Monate in Folge haben den Nordatlantik derart aufgewärmt wie seit vierzig Jahren nicht mehr. Das Meer an flachen ligurischen Stränden erreicht jetzt schon Badewannentemperatur. Der Durchschnitt  der Wasser-Wärme liegt derzeit bei 28. Grad, aber die Hitzewelle hat ja erst begonnen.

Was in diesem Jahr auffällt, ist die vorherrschende, absolute Windstille. Noch nicht einmal im Morgengrauen bewegen sich die Vorhänge im Schlafzimmer durch den sonst kühlenden Steigungswind. Dafür gibt es eine "brezza tesa" um die Normalzeit mittags. Sie kündigt einen verheißungsvollen Wolkenschleier an, der sich bis etwa vier Uhr nachmittags über den gesamten Himmel zieht und nach Gewitter oder zumindest etwas Regen aussieht. Stattdessen gibt es aber nur eine Steigerung der Luftfeuchtigkeit auf über 80 Prozent: Quasi ein Aufguss in der Natur-Sauna

Die Empfehlungen, die Ratgeberseite für die Getränkemenge älterer Leute ausgeben, scheinen im Moment absolut obsolet. Obwohl wir das Haus - wenn wir es vermeiden können - zwischen zehn und 19 Uhr nicht verlassen, schwitzen wir ja stündlich am ganzen Körper mindestens einen Liter aus; nächtens vermutlich immer noch die Hälfte.

Ich entsage daher der Happy Hour und trinke außer einem Bier nach dem Abendessen derzeit keinen Alkohol. Trotzdem lande ich bei etwa 5 Litern Flüssigkeit und bin dann in der Nacht aber immer noch durstig. Überraschend schlafen wir immer noch gut und erholsam. Wie lange noch, ist aber fraglich.

Ich habe einen Trick, um weniger unter den Tropennächten zu leiden: Ich versuche mich einfach an nächtliche Temperaturen zu erinnern, die ich schon aushalten musste, als ich noch gearbeitet habe. Heute bedauere ich all jene Nachbarn, die bei diesen Temperaturen, die Zeit nutzen müssen, um Ausbesserungsarbeiten an ihren Anwesen vorzunehmen.

Um kurz vor eins stiefelte gestern "der ewige Baumeister" Giovanni über die Piazza, um die Fontana leer zu trinken: Mit nackten Oberkörper, unter den bleichen Blähbauch gerutschten Bermudas und einem glitzernden Faschingshütchen auf dem Kopf. Die Rücken-Ansicht als er ging, hätte eine köstliche Karikatur ergeben. Vielleicht liefere ich die noch nach, wenn ich mich endgültig in das kühle Felsgewölbe unserer Cantina flüchte, der Gruft meiner gescheiterten Ambitionen als Maler.

P.S. Das Extremste, was ich mir an Temperaturen bislang zumutete: Innerhalb von nur 72 Stunden reiste ich bei -29 Grad trockener Kälte im Finnischen Tahkovuori ans Ufer des Sambia-Rivers im Senegal bei 42 Grad mit nahezu absoluter Luftfeuchtigkeit...

Sonntag, 28. Juli 2024

Doping: Windmühlenflügel-Kämpfe, Schein-Erfolge und Vertuschungen

 

Quelle: Deutschlandfunk

In kritischen Zeiten verlangen die Völker von ihrer Führung, dass Helden generiert werden, damit an deren Verehrung von anderen Dingen abgelenkt wird.  Wie das erreicht wird, ist den Mächtigen egal. Und trotz aller ehernen Maßnahmen und Lippenbekenntnissen werden dabei mehr verbotene Mittel eingesetzt  denn je. Egal ob im Sozialen oder im Sport.

Seit "panem et circenses" in den römischen Arenen oder den Ur-Olympiaden der griechischen Antike treibt die Herrschenden dabei nicht edle Größe an, sondern schlichtes Kalkül und politischer Machterhalt durch pompöse Zurschaustellung. Alleinherrscher wie Hitler, Putin und Xi nutzen die Plattform Olympischer Spiele als Demonstration ihrer politischen Wichtigkeit. Und wie stets werden sie dabei von den korrupten oder korrumpierten Granden des IOC hofiert. Denn der Sport ist und bleibt (nach dem Führen von Kriegen) die größte globale Geldmaschine.

Quelle: FAZ.net
Nur Narren hätten geglaubt, dass das unter einem Deutschen an der Spitze des Sports besser werden würde. Da braucht sich jeder nur den Kotau des IOC-Präsidenten Dr. Thomas Bach vor dem Autokraten Xi in Erinnerung zu rufen...  Aber, dass sich die bislang unter dem Mantel der Unanfechtbarkeit agierende WADA, die Welt-Anti-Doping-Agentur, in diesen politisch aufgeweichten Sumpf rund ums Breitband-Doping hineinziehen lässt, ist ein Offenbarungseid für den "sauberen Sport".

Die Pressekonferenz der WADA kurz vor Eröffnung der Pariser Spiele muss wohl ein Panoptikum an Rumdrucksen gewesen sein, wenn man den Berichten der auf Doping spezialisierten Journalisten Glauben schenken darf.

Im Jahr 2021 waren nicht weniger als 23 Chinesische Schwimmer positiv getestet worden, von denen in Paris aber dennoch 11 starten dürfen. Einzelheiten: https://www.sportschau.de/olympia/vor-olympia-in-paris-wada-wegen-fall-china-in-bedraengnis,olympia-paris-doping-china-wada-kritik-pressekonferenz-banka-niggli-100.html

Dieser Sachverhalt zeigt mir, dass sich seit meinen ersten Olympischen Spielen als Berichterstatter 1972 in München im Wesentlichen nichts geändert hat. Und der damalige Olympia-Sieger Bach, der ja unter der "2K-Professoren-Doping-Gilde" (Freiburg, Heidelberg, Köln) damals groß geworden ist, will dem Betrug wohl nicht wirklich einen Riegel vorschieben. War doch vor allem der deutsche Sport vor und nach der Wiedervereinigung nie so sauber, wie man uns mit der plötzlichen Medaillen-Flut danach weismachen wollte.

Fünf Prozent der in Paris an den Start gehenden Athletinnen und Athleten aus so genannten "Risiko-Sportarten" wurden heuer noch nicht einmal getestet!

Nach wie vor gilt: Athleten aus reichen Ländern mit laufender Forschung, wie man am besten dopt, werden nur erwischt, wenn sie sich selbst oder ihre Betreuer beim rechtzeitigen Absetzen verrechnet haben. Es trifft meist Betrüger aus unterprivilegierten Ländern, die auch weniger Zugang zu den neuesten leistungssteigernden Medikamenten haben, von den "Verschleierungs-Präparaten" ganz zu schweigen.

Der erste in Paris Erwischte stammt bezeichnender Weise aus dem Irak...

Wen es interessiert. Hier die aktuelle WADA-Liste.
https://www.wada-ama.org/en/news/wadas-2024-prohibited-list-now-force

Quelle: dreamstime


Freitag, 26. Juli 2024

Wüste Theorien im Kampf gegen Sahara-Staub

 

Quelle: pixabay

In München haben wir nur etwas von Sahara-Staub oder "Blut-Regen" erahnen können, wenn wir auf die geparkten Autos unter uns schauten. Unser Appartement im Glashaus hat Fenster, die nur nach Osten und Norden ausgerichtet sind. Die Wolken, aus denen es Shara-Staub regnet, kommen aber meist aus Süd bis Südwest.


So sehr wir also in der einen Heimat von ihm verschont wurden, bekamen wir es hier rundherum aus allen Himmelsichtungen mit ihm zu tun. Die transportierenden Luftschichten kamen hier oft auch mit den "Ansaugern" vor den Gewittern als Bumerang mit dem Staubregen zurück. Es waren also nicht nur Scirocco oder Libeccio für verkleisterte Fenster oder die grau gesprenkelte Dachterrasse verantwortlich.

Ein paarmal hat es die "Fürsorglichste" mit Schrubber und viel Wasser versucht, aber bei dem vielen Regen im Juni, sah alles Tage später wieder genauso aus.
Aber nun haben wir gran calda, und da löst übermäßiges Wassergeplätscher allein beim Blumengießen schon hysterische Schreie aus den nachbarschaftlichen Gassen aus. Was auch bedeutet, dass die wirkungsvollste Waffe, ein Hochdruck-Reiniger,  wie er nördlich des Alpenhauptgangs empfohlen wird, hier schon gleich gar nicht geht. Aber irgend etwas muss geschehen, wenn unsere rot mit Terracotta ausgelegte Terrasse, nicht bald aussehen soll wie Ardesia (Schiefer). Dringend warnen die einschlägigen Ratgeber-Seiten auch vor trockenem Abreiben der Fenster. Wenn der Micro-Sand trocken abgewischt wirkt er wie Schmirgelpapier und macht die Fensterscheiben blind .

Also habe ich mich mit der Anfrage "cosa fare con la polvere del Sahara" im Internet schlau machen wollen, wie die von ihm so stark betroffenen Italiener*innen mit diesem Problem umgehen. Auf mehren Seiten gewann ich den Eindruck, dass die Einheimischen vor allem Sorge um ihre verschmutzten Autos tragen. An zweiter Stelle rangiert die Angst vor Beeinträchtigung der Atemwege durch die Kombi "Hitze mit Sahara-Staub". Ansonsten lautet der Rat Wasser, Wasser und nochmal Wasser - als hätte es die Knappheit vergangener Jahre, in denen sogar de Strand-Duschen abgeschaltet wurden, gar nicht gegeben. 

Überwiegend kursieren nur wüste Theorien über die besten Mittel gegen die nervige Wüstenfracht. Denn auch die in Eigenwerbung angepriesenen, scharfen Mittel oder lösende Detergenzien sind ja mit Wasser vermischt in den Kreislauf zurück geschickt, nicht im Sinne des Umweltschutzes...

Hier, was ich bei google gefunden habe - zumindest für die Fenster:

Scheiben schonend von feinem Sand befreien
  1. Sprayerdüse auf Sprühstellung drehen.
  2. Zu reinigende Flächen dünn einsprühen und mit weichem Papiertuch oder dem. Microfasertuch PLUS Innen + Scheibe verteilen.
  3. Mit einem neuen trockenen Tuch oder einer trockenen Stelle des Microfasertuches streifenfrei nachwischen.
  4. Und was der ADAC leider auch nur für Autos rät:https://www.adac.de/news/saharastaub-und-autowaesche/
    Quelle: ADAC

Dienstag, 23. Juli 2024

All die ungelesenen Bücher

Manchmal muss ich mir selbst Fragen stellen, für die ich keine Antwort finden kann. Zum Beispiel: Wieso einer, der so einen durchgetakteten Tagesablauf hat wie ich, dass ihn schon die kleinste Abweichung nervös macht, immer noch derart impulsgesteuert sein kann?

Ein halbes Jahrzehnt habe ich "Bücherfresser" von einst kaum noch etwas gelesen, was ich nicht selbst geschrieben habe. Kein prämierter Autor oder preisgekrönte Autorin ist mir früher ausgekommen. Nun habe ich keine Ahnung mehr, wieso einer Büchner-Preisträger geworden ist und was innovative, wortschöpferische Sprache sein könnte.

Dazu müssen meine Leserinnen und Leser wissen, dass wir mehrere hundert Bücher entsorgt hatten, bevor wir hier wieder eine dreigeteilte Bibliothek aufgebaut haben. Am Treppen-Absatz hinauf ins Wohnzimmer versteckt sich ein IKEA-Regal, das mit Büchern zweireihig gefüllt ist, die Gäste oder Nachbarn nach dem Lesen hier zurück gelassen haben. Oben in zwei wunderschönen Mahagoni-Boards sind die Bücher wie früher nach dem Alphabet von links nach rechts fortlaufend bis zu einer letzten Ablage geordnet. Auf der türmt sich Ungelesenes mittlerweile beängstigend, dass demnächst eine(n) auf der darunter liegenden Lese-Couch davon  erschlagen werden könnte.

Ich gestehe, von keinem der Regale ging der Impuls aus, wieder intensiver zu lesen. Es wart ihr - liebe Leserinnen und Leser! Seit drei Monaten steigern sich die Zugriffszahlen für meine drei Bloggs jeweils zweistellig, ohne dass ich etwas an meinem Schreibstil geändert hätte - und gegen den aktuellen Trend zu Podcasts. So sehr ich mich darüber freue, wollte ich doch ergründen, woran das plötzlich wachsende Interesse denn liegen könnte.

Lese-Ecken - wie wir sie uns
einst erträumt haben und 
heute kaum noch nutzen

Gut, dass meine erwachsenen Kinder und Leseratten in der Nachbarschaft immer noch aktuelle und angesagte Bücher kaufen, die sie dann mit und meiner Frau geben. So konnte ich mir zumindest die Frage beantworten, wie man denn heute schreibt. Es waren zunächst drei Autoren, die in jüngster Zeit mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurden. Die meisten sind Österreicher. Sie setzen damit eine Tradition fort, die schon in meiner Zeit als Buchhändler unter anderem mit dem fabelhaften Peter Rosei begonnen hatte.

Aber was ist denn in der Zwischenzeit mit dem Erzählen passiert? Ich nenne jetzt bewusst keine Namen, damit ich nicht in den Verdacht gerate, als selbst Gescheiterter  professioneller Eifersucht anheim zu fallen. Außerdem bin ich inzwischen vielleicht auch schon zu alt und zu wenig sachkundig, um urteilen zu dürfen.

Aber nach meinem Geschmack muss sich Erzähltes regelrecht ergießen. Bewusst heischend Konstruiertes fließt eben nicht, und entscheidend ist, dass man sich selbst Geschichten erzählt und nicht für die Ränge in den Kultur-Arenen schreibt. Von den vierzehn Büchern, die ich nach meinem Neuanfang gelesen habe, wird mir nur Isabel Allendes 2022 erschienene Saga "Violeta" in Erinnerung bleiben. Sicher kein so großes Meisterwerk wie das "Geisterhaus", aber so Süffig, dass man es berauscht nur schwer zur Seite legen kann.

Mein oberflächlicher Eindruck - und der gilt auch für die US-amerikanischen Schriftsteller und Autorinnen - ist der, dass immer häufiger das Schicksal von fiktiven, schreibenden Kolleginnen und Kollegen zum Thema wird, weil die Verfasser damit so schön die eigenen Ängste und Sehsüchte in diesem Metier festmachen kann. Und dann reicht auch nur ein gut erdachter Handlungsstrang wie in Robert Seethalers "Ein ganze Leben" offenbar oft nicht mehr aus. Es werden vorzugsweise gleich mehrere und schon gar nicht chronologisch miteinander bis ins Absurde verbunden. Und dann soll das bisweilen auch noch humorvoll sein?

Eine Rezensentin vom renommierten Literatur-Teil der FAZ formulierte hier frei weg zitiert: Man wisse nicht, was der Autor beim Schreiben geraucht hat, aber man müsse bei der Lektüre auf alle Fälle schwindelfrei sein. Ich tue weder das eine noch bin ich das Letztere. Aber mein Lese-Neustart löste doch meine brennende Frage: Interessiert mein Geschreibsel überhaupt noch jemand unterhalb meiner Altersgruppe?

Die Erlösung gab es beim Cena in Piazza: Zwei junge Männer aus Deutschland, die ihre Oma hier oben besuchten, saßen bei mir und entpuppten sich als Leser. Und nicht nur das. Sie fanden es in unserem alten Gemäuer so toll, dass sie es für ihre Zukunft so erhalten wollen.

Es besteht also noch Hoffnung: Sowohl für diese Borgata als auch für ein Schreiben nicht nur im Sinne von  "Luxus und der Moden"...

Immer mehr Junge bei der
Cena in Piazza, nähren die
Hoffnung, dass hier Nahrhaftes
und Leckeres auch von
den nächsten Genrationen 
aufgetischt wird

Sonntag, 21. Juli 2024

Nominiert Daisy!

Nehmen wir einmal an, der mental benachteiligte Donald entdeckt mit seinen Wutausbrüchen, dass viele der gefiederten Machos in Entenhausen das als Befähigung für Leadership auslegten. Dass nicht nur Finanz-Haie, die in ihren Talern baden wie dessen Onkel Dagobert ihn unterstützen, sondern auch Glücksritter wie Gustav Gans auf ihn setzen. Bleibt dann den Omas auf dem Land samt den Debilen wie Franz Gans etwas anderes übrig, als diesem Krakeeler wie einer Lichtgestalt zu folgen?
Quelle: FAZ net

Was kann man tun, wenn diesen gefiederten Deppen im bald gleichgeschalteten Geflügelzentrum demokratische Verhältnisse am Pürzel vorbei gehen?

Wäre ich Berater der Demokraten, stellte ich für die möglicherweise letzte freie Wahl im Kosmos von Entenhausen Daisy Duck auf. Die charmante Leit-Ente ist alles andere als eine "lame duck" und wurde im Laufe aller Cartoons noch mit allen Erpeln und Gantern fertig. Vor allem, wenn die sich unfähig aufplustern, um ihr ans Gefieder zu wollen.

Quelle: pinterest

Noch ist ein derartiges Entenhausen nicht der Mikrokosmos der USA.

Da Joe Biden endlich seinen Alters-Starrsinn gelockert hat und auf einer neuerliche Kandidatur verzichtet, sollten die Demokraten schnell jemanden nominieren, der es an Popularität mit Donald Trump aus dem Stand aufnimmt, ihn aber an Integrität und Intelligenz spielend übertrifft. Dazu noch eine natürliche Charme-Offensive entfachen kann. Kamala Harris kann das so schnell wohl nicht schaffen.

Die Demokraten haben so eine Daisy, die sie noch rechtzeitig nominieren könnten. Die 60jährige Michelle Obama hat zwar vor Monaten schon gesagt, sie stünde nicht zur Verfügung, aber tatsächlich ist sie die einzige Macht, die noch verhindern könnte, dass die USA in Zukunft autokratisch und rachsüchtig regiert werden. Womit dann auch die aktuelle Instabilität der Welt schlagartig noch bedrohlicher würde.

Michelle Obama hätte mehr Wähler bei allen Ethnien. Sie gäbe den Frauen gegenüber dem narzisstisch-sexistischen Macho Trump als wahre "Lady Liberty" eine bessere Perspektive, und sie hätte einen "First Gentleman" an ihrer Seite, der weiß, wie POTUS geht.

Wer könnte sie überzeugen, sich doch noch als Daisy der Demokraten nominieren zu lassen? Daisy heißt ja Gänseblümchen. Es wird Zeit, dass das platt gemähte Einheitsgrün in amerikanischen Vorgärten mal wieder Farbtupfer bekommt, die den obligaten Stars and Stripes an der Haustür Konkurrenz machen.

Quelle: us today


 

Freitag, 19. Juli 2024

Die Schatten-Zocker-Runde im Geviert

Ach wie liebe ich "La Vita Sociale" auf der Piazza. Ist ja sonst nix los in dieser Borgata. Weil die, die sich das noch zutrauen, ihre gebrechlichen Körper unten an den Stränden der Sonne aussetzen. Oder wenn jünger, müssen sie ja alsbald wieder arbeiten und nutzen die wenigen Tage eben für ein volles Programm, und da passt ein Mußestündchen auf der Piazza allenfalls nach Mitternacht, wenn alle schlafen. Abendstille ist hier ja jeden Tag ab acht. Gut, dass sich da die Scopa-Spieler-Society der Ureinwohner wieder pünktlich jeden Tag - bewaffnet mit Tischlein und Stühlchen -  um vier einfindet und mit dem Zocken beginnt.

Das Spiel ist ja - wie im Post "Hai-Alarm" berichtet - für Außenstehende nicht so leicht zugänglich. Wir müssen uns auf das Beobachten beschränken und stellen fest, wie ruhig die Runden ablaufen. Chiacchierata, also Quatschen, darf nur in den Pausen sein. Oder wenn sich einer zum wiederholten Mal beim Zusammenzählen vertut, So eine Art "Nachtarocken" - wie bei deutschen Kartenrunden - ist unserem Gehör nach eher selten.

Apropos Runden: Die Runden werden rund ums Geviert gespielt. Das liegt am jeweiligen Stand der Sonne. Denn da das Gezocke von vier bis acht gehen kann, könnte direkte Sonneneinstrahlung bei den Betagten, die gerne mal an die 300 Jahre an die Tische bringen, ja Matschbirnen erzeugen. Da ginge ja das Auszählen gar nicht mehr. Dazu muss jeder Spieler oder jede Spielerin auch viel zu konzentriert sein, um rechtzeitig "Scopa!!!" zu rufen, wenn der entscheidende Stich gemacht wird.

Es gilt daher, die Tischlein und Stühlchen im Uhrzeigersinn an der Außenkante der Piazza entlang zu rücken. Wenn der im Dauerstreit mit der Verwandtschaft liegende, aus Rom angereiste Sohn der ältesten Spielerin  hier ist, wird deshalb zur Streitvermeidung direkt unter unserem Küchenfenster und so nah an unserem Kräuter-Eck begonnen, dass man dessen Töpfe auch gerne mal als Aschenbecher benutzt. Mitunter rücken sie sogar so nah an die Küchentür, dass ich die diversen Runden schon mal scherzhaft auffordern wollte,  an unserem Küchentisch weiter zu spielen.  Dann säßen sie auch praktischer Weise in der Nähe kalter Getränke. Aber das sag ich natürlich nicht, weil mein Speisekarten-Italienisch für Sarkasmus nicht ausreichend ist, um todfeindliche Missverständnisse zu vermeiden.

Jetzt, da die Sonne schon wieder früher untergeht, endet die Schatten-Zockerei unmittelbar an der Fontana. Pech für die, die Wasser zum Trinken oder Blumengießen benötigen. Die müssen zumindest warten, bis das aktuelle Spiel zu ende ist.

Hier findet ihr meinen ersten Post zum Thema:  "Hai-Alarm", vom 26. September 2021.
Oder Interessierte probieren, Scopa mal online zu spielen, um nicht so ein Karten-Doofmann wie ich zu bleiben: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.epochalstorm.scopa&hl=gsw&pli=1