Freitag, 4. September 2026

Wenn der Chat zum "Schätzchen" wird

Als Mann des geschriebenen Wortes habe ich mich nie des gesprochenen verwehrt. Aber ich bemerke doch, wie das Geschriebene immer mehr ins Hintertreffen gerät, weil Sprechen einfach schneller geht und durch immer neue Computer-Programme und Apps noch animiert wird.

Mein persönlicher
Eindruck:
spielerisch witzig
Als vor kurzem meine Tochter samt Familie auf der Burg war, hörte ich sie von allen Stockwerken plötzlich italienische Sätze sprachen. Sie hatten sich eigens für den Aufenthalt hier ein Lernprogramm auf ihre Smartphones geladen, das die Komposition ganzer Sätze in einer Art Quizz verlangt. War die Anwort dann richtig, brauchten sie das dann phonetische umgesetzte Resultat nur noch nachzusprechen. Ich bekam es für "Fortgeschrittene" auch heruntergeladen. Ob ich es dann in der Winterpause verwende, weiß ich noch nicht, denn:
Ich hasse es, mit meinem oder anderen Computern zu sprechen!

Quelle: Pexels
Mein geplagtes Eheweib kann ein Lied über meine Wutausbrüche singen, wenn ich daheim in München wieder einmal beim Einfordern einer früher mühelos gewährten Service-Leistung an das Frage- und Anwortspiel eines Computers gerate. Obwohl mein neuer Laptop mit Mikro und Kamera ausgestattet ist, fiele es mir nicht im Traum ein, mit dieser schwarzen Zigarrenkiste ein Wort zu wechseln. Da bin ich wohl aus der Zeit gefallen. Selbst wenn ich dann meine Tochter bewundere, wenn sie zu einer Diskussion über den argentinischen Tango im Vergleich zu dem Uruguays durch einfache Anfrage bei ihrer Alexa die passenden Tonbeispiele sofort abrufen kann. - Und damit dann auch noch recht bekommt!

Kürzlich las ich, dass immer mehr User lieber ihre intimsten Probleme mit ChatGPT besprechen, weil ihnen ein verlässlicher und vertrauensvoller Gesprächspartner fehlt. Da wird ja der Isolation der Seelen ein Vorschub geleistet, dem kaum einer dann noch entrinnen kann. Wenn der Chat ein "Schätzchen" ersetzen muss, was wird dann aus der Menschheit? Ist ein digitales Fortpflanzungsprogramm etwa zur Begrenzung der Überbevölkerung schon in Arbei?

Quelle: Public Domain Pictures
"Zur Sache Schätzchen"
bald nur noch am Bildschirm?

Wenn alle ausgestorben sind, dann jedenfalls dereinst nicht das ehemalige Söder-Land. Denn in Bayern läuft gerade ein Porjekt, das KI Bayrisch beibringen soll. Da weist die Künstliche Intelligenz nämlich noch eindeutige Defizite auf. Es werden also zum Angewöhnen hochdeutsche Sätze ins Urbayrische umgesetzt.

Als zweisprachig aufgewachsener "Saupreiß" plagt mich da sofort die Erinnerung an meine in München-Ramersdorf geborene und aufgewachsene Test-Redakteurin. Die war nämlich mit einem verheiratet, der zeitlebens in München-Aubing wohnte.
Nur zwei Beispiele ihres immerwährenden Mundart-Streites:

Um Steine. Er: d'Stoa. Sie: Stoana.
Um Sterne: d'Stern. Sie: Steana.
Und wie wäre dann erst der Steuerprüfer aus Niederbayern, der einmal mein Prüfergebnis mit seinem Chiemgauer Vorgesetzten am Telefon erörterte, im KI-Modus intoniert worden..?

https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/kuenstliche-intelligenz-dialekt-bayrisch-100.html

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