Mittwoch, 12. August 2026

Das Tomaten-Tohuwabohu

Als wir uns vor mehr als 25 Jahren entschieden hatten, nicht in seine Nähe an den Atlantik zu zeiehen, kam mein bester Freund mit seiner Sippe ím darauf folgenden Sommer auf die Burg, um zu schauen, wo wir gelandet waren - und was letzlich den Ausschlag gegeben hätte.

Beim Frühstück fiel er, der im Bordelaise ja das Gourmet-Paradis um sich hatte, kaum zu bremsen über unsere Tomaten her. Immer wieder rief er, dass allein wegen der Tomaten unsere Entscheidung für Ligurien die richtige gewesen sei.

Lang, lang ist es her, inzwischen kann jeder der einen geeigneten Garten hat, ja das Saatgut für seine Lieblingssorten regional abgestimmt per Internet kaufen. Das führte gewissermaßen zu einer Hitliste. Laut KI sind das die fünf Beliebtesten für den eigenen Anbau:

Quelle: Wurzelwerk

Die süße Cocktailtomate Zuckertraube, die aromatische Cherrytomate Black Cherry, die klassische Flaschentomate San Marzano, die große Fleischtomate Ochsenherz und die wüchsige Wildtomate Johannisbeertomate. Diese Sorten bieten eine tolle Mischung aus Geschmack, Ertrag und Verwendung.

Gerade die Cocktail-Tomaten und die im kommeerrziellen Anbau so ertragreichen anderen Rispen-Sorten haben aber dazu geführt, dass diese eigentliche Vielfalt gewissermaßen unter den Ladentisch fällt. Auf alle Kontinente verteilt wächst die Tomate in mehr als 10 000 Sorten. Nur 4000 davon sind allerdings offiziell erfasst. Im Supermarkt - selbst hier in Italien führte das dazu, dass die Haltbaren und die leicht in Plastikschalen zu verpackenden Sorten derart überhand nehmen, dass wir dort schon seit einiger Zeit keine Pomodori mehr kaufen.

Quelle: Brigitte
Wir konnten es uns aber nicht nur leisten, sondern waren in der begnadeten Situation aus der Umgebung versorgt zu werden. Zum einen wurden wir bis zur Haustür vom Überschuss der Nachbarn und von der Freihaus-Lieferung unserer Schweizer Freundin beglückt . Zum anderen hatten wir lokale Alimentari ausgekundschaftet, die ihre Läden mit köstlichen Eingenproduktionen bestückten.

Quelle: METRO
Die Marinda

Kamen wir schon im Frühjahr her, war auf die Marinda-Frühtomate aus Sizilien immer Verlass.
Parallel zu den Korona-Jahren grif in Ligurien jedoch la grande siccitá immer länger und trockener um sich. Tomaten brauchen einfach viel Wasser und auch eine gelegentliche Abkühlung. 
Als wir heuer anfang Juli angerist sind. ahnten wir schon. was wir von den Paradeisern - wie sie in Österreich heißen - zu erwarten hatten. Die meisten Freiland-Tomate - gleichgültig von welcher Sorte - hatten einen harten, grünen Strunk, der sich durch die geamte Frucht zog und fortgeschnitten werden musste. Runde Sorten - vor allem die von uns mit Mozarella so beliebten Cuore di Bue,  wurden hässlich lang und schrumplich. Unsere Nachbarin, die zu dieser Zeit längst schon 100 Gläser Tomaten einngemacht hätte, konnte nur traurig auf gerade mal ein Dutzend schauen. Auch bei Rosanna, unserer Lebensmittel-Händlerin unten im Capo Luoga waren Tomaten meist schon inden ersten Minuten ausverkauft, diie sie von ihren Gärtnern bekommt. So ging es auch dem Alimentari in Pontedassio, der früher bei Engpässen mit seinen Selbstgezogenen immer unsere letzt Instanz war.

Die Verzweiflung wurde im Super-Supermarkt noch größer, da gab es zwar ein Tomaten-Tohuwabohu  das manierlich aussah und wo die Teile auch noch keine Stellen aufwiesen, aber die Sorten sahen nicht nur künstlich aus, sie schmeckten - wenn überhaupt - wie gesäuerte Zellulose. Meine Frau packte dann tatsächlich einen Plastikbehälter mit Rispen-Tomaten als kleineres Übel in den Warenkorb. Die erinnerten im Geschmack noch am ehesten an früher.

Quelle: Karaut & Rüben

Bei der Rückfahrt durch den Silberwald der Olivenbäume sahen wir auch, wie die bei der Ankunft noch straff in den Himmel gestreckten Äste ihre Zweige schon hängen ließen. Bis Ende des Monats soll es immer noch nicht Regnen. Dann könnte es in wenigen Jahrzehnten schon eine Wasser-Migraation in Europa geben.

Siehe meinen nächsten Post. Die Wasser-Migration.

Montag, 10. August 2026

Nicht mit den Wölfen heulen!

Quelle: Caccia e Passione
Anderes Land, gleicher Zwiespalt, ähnliche Argumente: In dieser Trockenheit ist es klar, das Wildtiere dorthin ziehen, wo der Mensch Wasserwirtschaft betreibt oder Reserevoire zur Bekämpfung möglicher Waldbrände anlegt. Ob Nutz- oder Raubtier, Durst haben sie alle.

Als gäbe es derzeit keine anderen Probleme zerren Politiker, Landwirte und in ihrem Windschatten natürlich die Jäger die schnell vorangehende, zunächst gewollte Ausbreitung des Italienischen Wolfes in Ligurien (Canis lupus italicus) in eine öffentliche Diskussion. Die verhärteten Fronten ähneln denen in Deutschland sowohl in der Intonataion der Empörung als auch von der Überhöhung der Argumente. Deshalb muss ich nicht im Detail darauf eingehen. Ich habe ein wenig im Netz gestöbert, um mir selbst einen Überblick zur Meinungsbildung zu verschaffen:

Quelle: Wikipedia
Verbreitungsgebiet des Canus Lupus italicus
Demnach leben in den dichten Bergwäldern von Ligurien laut der Behörde ISPRA zwischen sieben und zehn territoriale Rudel, das macht im Höchstfall etwas über 100 Exemplare aus, die sich dann aber vom westlichen Appenin, wo ihre Neunsiedlung begann, bis hinunter in die Südspitze der Cinque Terre verteilen. Im waldigen Hinterland von Genua und Savona wurden männliche Tiere, die aktiver wandern, besendert, so dass sich eine stetig verbessernde Überwachung ergibt. Annäherungen an dichter besiedelte Provinzen mit starker Agrar-Infrastruktur sind im Moment noch selten, aber wer weiß, wie sich der Klimawandel auf die Wanderlust der Graukittel auswirken wird. Fest steht, dass auch im freien Jägerland Ligurien das Problem eher eines vom Menschen mit dem Wolf ist,  als eines des Wolfs mit dem Menschen sein wird, so lange sich beide vermeintlichen Konflikt-Parteien an die hinlänglichbekannte Grundregeln halten.

Aber wieso hat der als exessiver Wildschwein-Verspeiser erheblich an Gewicht eingebüßt habende O.belix dieses Thema überhaupt für einen Post ausgesucht? Er wandert ja nicht mehr durch die Wälder oder auf den Pfaden rund um den Borgo, weil er den viel gefährlicheren Wildschweinen aus dem Weg gehen will, die sich durch ihr nahe gelegenes Schutzgebiet stärker ausgebreitet haben, als es den Wölfen je vergönnt wäre.

Mitte der Woche glaubte Piero, der Musikprofessor, dessen Schlafzimmer auf den Burgzinnen höher liegt als meines, das unverkennbare Heulen eine Wolfes vom Ginster-Pass gehört zu haben. Ich schmunzelte skeptisch, glaubte aber an sein musikalisches Gehör.
In der Nacht zum Samstag hämmerten die Bässe der Band, die im Capo Luogo zur Sagra aufspielte, bis zwei Uhr nachts zu uns herauf ins Schlafzimmer. Meine Frau schlummerte trotzdem selig, während ein Hagel böser Gedanken auf mich niederprasselte. Gerade als ich nach Ende des Festes hinüber daämmerte, hörte ich das Heulen, das ich bislang nur aus Dokumentar- oder Abenteuer-Filmen kannte.
Es kam mir sehr nah und sehr klar vor, und es hätte auch ein Mensch mit Imitationsgabe sein können.
Aber dann las ich heute von dem Wolfsweibchen, das in der Provinz Imperia wohl sechs Welpen im Schutze seines Rudels durch den Winter gebracht hatte. 

Quelle: ANSA

Die werden die ligurischen Wolfsgegner nun auch noch verkraften müssen - im "Überlebenskampf".
 Auch wenn sie uns vielleicht näher kommen, ich werde jedenfalls nicht mit jenen heulen, die sie nun wieder tropheengeil bejagen wollen

Ich halte mich lieber an die von der KI emfohlenen Umgangsformen:

Richtiges Verhalten im Detail
  • Ruhe bewahren: Panik ist unbegründet, da Wölfe Menschen in der Regel meiden.
  • Nicht weglaufen: Weglaufen oder Wegfahren (z. B. mit dem Rad) kann den Jagd- oder Hetzinstinkt des Tieres auslösen.
  • Auf sich aufmerksam machen: Sprechen Sie mit ruhiger, aber fester Stimme, klatschen Sie in die Hände oder winken Sie ab, damit der Wolf erkennt, dass Sie ein Mensch sind.
  • Distanz vergrößern: Gehen Sie langsam und unter Blickkontakt rückwärts, um den Abstand zu vergrößern.
  • Einschüchtern bei Annäherung: Sollte der Wolf wider Erwarten folgen oder nicht weichen, machen Sie sich groß, schreien Sie das Tier laut an und werfen Sie notfalls Steine oder Stöcke nach ihm. 
  • Hunde anleinen: Führen Sie Ihren Hund in Wolfsgebieten stets an der Leine und halten Sie ihn nah bei sich, um Konflikte zu vermeiden

Donnerstag, 6. August 2026

Heer der Fliegen 2

Wenn ich schon seinen deutschen Buchtitel zum zweiten Mal entlehne, muss ich ntürlich auch einen Querverweis auf seinen 1954 erschienen Eskapisten-Klassiker machen: William Goldings "Herr der Fliegen" (im Original "Lord of the Flies").
Quelle: Wikipedia
William Golding
1911 -1993
Bei mir geht es natülich wieder um die Insekten-(P)Lage rund um unsere Piazza.
Gerade wenn es so trocken ist, versammeln sich die rastlos schwirrenden Plagegeister bei der Fontana und um die Blumen-Kübel. Meine Frau, die sich täglich zigmal beißen lässt - wohl um von mir abzulenken - hat den gesamten Rüstungsetat für dieses Jahr schon ausgereizt: Im Schlafzimmer steckt einFlüssigkeitsverdunster am Strom, unterm Esstisch und dem Ziertisch draußen wabern grüne Spiralen vor sich hin, und wenn wir abends aus reiner Faulheit in der Küche essen, brennen zusätzliche Zitrus-Teelichter  zur Abwehr in den Kandelabern. Wieso sie dennoch täglich mehrmals aufjammert, bleibt ein Rätsel. Sie meint es ja nur gut mit dem Gießen der Pflanzen.

Übrigens habe ich bislang nur einen einzigen Biss abbekommen. Ob es geschmeckt hat oder mein Blut der Brut der Mücken-Weibchen bei all meinen Medikamenten wirklich hilft, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Quelle: Springer Nature
Der Stechrüssel (Proboscis) einer weiblichen Stechmücken ist keine einfache Nadel, sondern ein hochpräzises Bündel aus sechs feinen, einzeln beweglichen Mundwerkzeugen (Stiletten), das von einer schützenden Unterlippe umgeben. Deshalb
müsste es korrkter Weise Mücken-Biss heißen


Mich plagen zum Ausgleich die Fliegen, die auf mir starten und landen als sei ich ein Fliegzeugträger. Da ich bei der Hitze mitunter mehrmals dusche, kann es an meinem Geruch kaum liegen. Ich glaube, sie mögen meine Ruhe nicht, Sie wecken mich krabbelnd im Morgengrauen. Wenn ich schreibe, sitzen sie entweder auf dem Bildschrim, in der schwarzen Tastatur oder zwischen den tippenden Fingern, als wollte sie, dass ich ihr rastloses Verhalten studiere.
Wenn ich mit der Fliegen-Klatsche in der Hand als "Lord of the Flies" ihre Todeurteile vollstrecken will, verblüffen sie mich einen um den anderen Fehlschlag damit, dass sie wie pogrammiert an Stellen sitzen, an die ich nicht herankomme oder nicht herankommen will. 

Ich habe im Netz keinen Hinweis darauf gefunden, wieso sie sich bei dieser Bedrohungslage vorrangig auf weißes Porzellan, fragile Gläser oder  so auf mühselig verfasste Textzeilen setzen, dass ich bei gewaltsamer Gegenwehr ganze Absätze - wie gerade eben - lösche. Das Verhalten der Fliegen beim Überleben muss trotz ihrer kurzen Lenbensdauer samt ihren Reflexen zum Davonfliegen irgendwie genetisch manifestiert sein. Trotz meiner nachlassenden Geschwindigkeit beim Abklatschen bringe ich täglich doch gut zwei Dutzend dieser Quälgeister zur Strecke, Aber was wird sein, wenn sie es schaffen, dazu noch eine gewisse Schwarm-Intelligenz zu entwickeln? 

Quelle: Instagram
1921 - 2006
Stanislaw Lem, der polnische Science-Fiction-Prophet, erfand schon in den 1980ern in einer Erzählung kleine Fliegen-Computer, die in großen Schwärmen, mit KI menschliche Raumstationen zum Erliegen brachten.

Und da erzählt mir meine Frau beim Frühstück, sie hätte ohne zuzuschlagen einen Fliegen-Dreier auf dem Küchentisch beobachtet, bei dem sich die vermeintlichen Männchen so verhalten haben, wie es eben "männerüblich" sei...

Quelle: Spektrum der Wissenschaften

Mittwoch, 5. August 2026

Von der Fülle des Augenblicks

Für einen späteren Moment im Jahr - wenn ich mich mal wieder über unsere Bank aufrege, die Filiale um Filiale schließt, aber durch feindliche Übernahmen ein  renommiertes europäisches Geldinstitut nach dem anderen schlucken will - hat die fürsorglichste aller meiner Ehefrauen zum daran Erinnern heimlich dieses Foto gemacht.

Den Weg zu dieser Bank schaffe ich sogar barfuß, und der üppige Oleander, der so schön und auch so tödlich giftig sein kann, streut mir sogar noch Blüten, obwohl ich nichts weiter als Gedanken auf ihr Konto einbringe.

Denn darum geht es mir heute bei diesem Post. Keine Bange! Ich will nicht bei Horaz und seinem carpe diem nassauern, obwohl die Ur-Übersetzung mit "pflücke den Tag" gut zu unserer normaler Weise blühenden Piazza passte,  - würde sie nicht auch so unter Hitze und Trockenheit leiden.

Ein Vierteljahrhundert genieße ich nun diese Minuten bei meinem Morgen-Cappuccino. Nur scheinbar hat sich dabei nichts geändert. Aber der Anschein trügt, denn mit jedem Moment des veränderten Denkens wird in diesem Geviert eine andere Perspektive geöffnet.
Als ich noch mein Fischerboot hatte und auch so fit war, dass ich mit dem Rennrad  hier die Pässe rundum befuhr, konnte ich morgens gar nicht früh genug aufbrechen. Die Barca da Pesca  ist längst verkauft. Das Rennrad wartet immer noch darauf, dass  die Sportskanone, die mein Schwiegersohn ist, es aus der Cantina holt und dereinst den fabelhaften Radfernwanderweg an unserer Küste entlang düst. Den erlebte ich nur auf spektakulären Teilstücken, weil er damals noch nicht so durchgängig war wie heute. Vielleicht kommt dann auch mein bis dato noch eher unsportlicher Enkel auf den Geschmack.

Weil ich eben viele Dinge nicht mehr kann, die mich einst prägten, musste ich lernen, umzudenken. Und damit bin ich alter Schwafler endlich beim Thema:
Gleiche Kulisse, aber verändertes Denken füllt Augenblicke mit jeder Menge positiver Überraschungen. An diesem Morgen war es der Wettlauf zwischen der gleißend aufgehenden Sonne mit dem  verblassend untergehenden Mond, die auf ihrem Weg nach Westen gleichzeitig im Azur zu sehen waren.

Und was macht der Schweizer Käse, zu dem mein löchriges Hirn langsam wird? Es reflektiert dazu einen alten Schlager von Connie Froboess:

Quelle: Wikipedia
Lady Sunshine und Mister Moon

Können gar nichts dagegen tun
Dass sie am Himmel sich niemals trafen
Denn wenn er aufsteht, dann geht sie schlafen

Lady Sunshine und Mister Moon
Können gar nichts dagegen tun
Wenn sie auch träumen von einem Märchen
Ein Pärchen werden sie nie
Da sind wir beide besser dran

Montag, 3. August 2026

Warten auf ein Donnerwetter

Seit Wochen warnen die kleinen Dreiecke mit den Ausrufezeichen in den diversen Wetterprognosen davor, dass uns hier oben heftige Unwetter drohen könnten. Inzwischen sind nicht nur wir, sondern auch die einheimischen Burggeister von dem ewig "twentyfourseven" blauen Himmel und den hohen Temperaturen derart genervt, dass wir wohl unsere Gassen gerne mal wieder als Wildwasser-Kanäle erleben würden.

Quelle: pixels - alan cavalho
Es ist immer das gleiche Prozedere: In den frühen Nachmittagsstunden schauen wir von den Zinnen hinüber zu den Wolkenbergen hinter dem Apennin im Nordwesten. Und wenn die es bis an den Rand unseres Trichter-Tals schaffen, frohlocken wir schon. Diesmal klappt es endlich mit dem erlösenden Regen. Ein nur mäßig kühlender Tramontana drückt dann allenthalben mal ein Dutzend dicke Regentropfen aus der feuchten Luft. Das war es dann meist schon. Es grummelt rundum, doch es blitzt und donnert nicht.
Nur einmal - wirklich aus nahezu heiterem Himmel - schlug vergangene Woche ein Blitz wohl so nah ein, dass der Donner gleichzeitig kam; nur gefühlte hundert Meter östlich der Piazza: grell und mit explosivem, sich berstend anhörendem Knall!

Ach ja! Immer wenn mir zum Schreiben nichts einfällt, ist wohl das Burg-Wetter mein Thema?

Eigentlich wollte  ich nämlich das ausbleibende Donnerwetter mit der desaströsen Situation daheim verknüpfen:
Was hat der Merz doch im Plenum noch über die Unfähigkeit seines Vorgängers verbal vom "schlechtesten Kanzler aller Zeiten" gerüpelt! Und jetzt brauchte er die bei weitem politisch nicht größte Verfehlung seines Fraktions-Führers und dessen Rücktritt, um die längst fällige Umbildung seines Kabinetts zu vollziehen. Leider ging das ja wegen des Koalitionsfriedens nicht bei den "Sozen". So bleiben ihm auch noch diese Luschen unbeschadet und zwangsweise erhalten.

Quelle: wikipedia
Auch wenn ihr Privatleben
im krassen Gegensatz zur Zielsetzung
der Partei steht, wird ihr
niemand ihr außergewöhnliches, politisches
Talent absprechen:
AfD-Vorsitzende Alice Weidel
Bei dieser blamablen Performance vor der Sommerpause wurde jedoch eines immer klarer: Deutschland fehlt es derzeit mitte-rechts derart an prägenden, politischen Köpfen, dass der Blick auf die Zustimmungswerte der AfD immer ängstlicher wird.
Der eben nur verbale Machtmensch Merz wird seinen schlingernden Koalitions-Kutter kaum noch auf Kurs halten können. Es braucht an Deck einen, der ein Donnerwetter auf alle niederdreschen lässt, die Deutschland von innen und außen zum Wrack machen wollen: Ob das der POTUS mit seinen neofaschistischen Paladinen ist, die sich immer unverhohlener hier in die Wahlkämpfe einmischen oder ein Innenminister, der sich mit seinen permanenten Angriffen auf unsere Freiheit vermutlich nach dem Fall der Brandmauer lieber in einer Koalition mit der AfD sähe.

 Mann oder Frau: Wo versteckt sich die integre Kraft, die ohne Intrigen integrieren kann, aber auch die Folgen des Donnerwetters, das sie auslöst hat, dann auch noch sicher umschifft.

Quelle: pixbay

Freitag, 31. Juli 2026

Keinen Kredit mehr für die Menschheit!

Stellt Euch vor, Ihr geht auf die Bank, um einen Kredit zu beantragen. Da rechnet Euch der Bankberater vor, dass Ihr mit Ultimo Juli ja schon längst mehr ausgegeben habt, als Euch an Mitteln fürs ganze Jahr zur Verfügung steht! "Wie soll ich Ihnen denn da noch einen Kredit einräumen können? Das lassen unsere Vorschriften einfach nicht zu!"

Quelle: pixabay
Wie lange sie sich noch dreht,
hängt für die Erde nicht davon ab, wie sehr wir Menschen
sie auf Dauer noch ausbeuten können.
Denn sie kugelt immer noch durch den Weltraum,
wenn wir längst ausgestorben sind

Gestern war "Earth Overshoot Day" 2026. Dieser "Erdüberlastungstag", dessen Datum sich penetrant der Jahresmitte nähert, verrät, wann im Jahr die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als unser Planet sie aktuell im Jahr bereitstellen kann. Nach den Maßstäben der Geldwirtschaft hätten wir also jegliche Kreditwürdigkeit verloren, weil wir nicht nur die letzten fünf Monate auf Pump leben, sondern auch keinerlei Anstalten machen,  jemals wieder aus dem Schlamassel  herauszukommen. 

Aber ist es fair von wir oder der Menschheit zu schreiben, wenn nur 1,5 Prozent der Leute mehr als die Hälfte des Weltvermögens auf sich vereinen? Typen, wie die Fußball-Glatze Infantino oder der mit roséfarbener Dauer-Schmachttolle ausgestattete POTUS, die ihr Amt mit Dollar-Pupillen zur eigenen Bereicherung ausüben. Solche Führer machen ja lieber sich und die 1,5 Prozent, die etwas ändern könnten, noch reicher. Damit deren (Geld-)Macht nicht im Hier und Jetzt endet, muss rücksichtslos eben für die Descendenten soviel Kapital aus dem Overshoot generiert werden, wie es nur geht. Irgendwann in Äonen ist die Erde ja sowieso am Ende: Wieso dann nicht die Zeit nutzen?

Keiner Regierungsform - selbst der Demokratie nicht  - wird es daher je gelingen auf die Ressourcen-Bremse zu treten. Nur nicht dem Eigennutz verpflichtete Superreiche, wären heutzutage in der Lage, die permanente Beschleunigung des Ressourcen-Verbrauchs mit einem Umkehrschub zu neutralisieren, Damit ist aber gewiss nicht der Schub gemeint, den der Raketenbauer und reichster Mann der Welt - Elon Musk - mit seinen Zielen überspitzt. Er will in Wahrheit auf anderen Sternen gegebenen Falles die gleiche überproportionale Ausbeuterei betreiben, die ihn dann oder sein Nachkommen zu den vermeintlich Reichsten des Universums machen könnte.

Quelle: pixabay
Was wird die Menschheit auf anderen
Himmelskörpern erwarten?
Ein paar waghalsige Astronauten
sorgen dafür, dass sich
Investoren aus sicherer Distanz
einmal mehr mit der Ausbeutung
von Ressourcen die Taschen füllen

Dienstag, 28. Juli 2026

Vom Fortschritt überholt

2026 scheint das Jahr zu werden, in der uns vor allem technologische Veränderungen die Gewissheit vermitteln, wie sehr wir schom abgehängt sind.

Weil alles so tiptop funktioniert hat, haben wir uns keine Gedanken darüber gemacht, wie es uns überfordert, wenn Geräte ausfallen oder sich Abläufe im Alltag durch Digitalisierung derart drastisch verändern, dass wir nicht mehr mitkommen.

Durch die lange Lebensdauer bei schonender Behandlung waren die meisten technischen Begleiter in unseren beiden Haushalten fast ein Vierteljahrhundert alt, aber auch die jüngeren hatten mindestens ein Jahrzehnt lang funktioniert.

Meine Frau und ich
nutzen vermutlich nur
den Bruchteil aller
Funktionen. Der Rest
überfordert uns
wie galaktische Dimensionen

Die Digitalusierug (sprich Ausstattung mit Smartphones oder Laptops und Online Banking) erledigten meine Kinder. Mit dem Erfolg, dass mein Enkel damit souveräner umgeht als wir Alten.

Schon den Austausch des Autos schafften wir nur mit Hilfe des ADAC, und bei der Anmeldung der Versicherung bekam meine Frau dann auch noch die Senioren- Klatsche mit einem Aufschlag von beinahe 60 Prozent bei einem leistungsschwächeren Fahrzeug.

Sind wir tatsächlich durch Ignoranz blöder als andere im Senioren-Alter - oder geht es such vielen anderen ähnlich?

Gestern gab es mal wieder Geratsche mit dem kleinen Stimmwunder von den Zimnen und uns im Schatten der Piazza.  Marcella war beeindruckt, wie konzentriert sich die Fürsorglichste in all dem Trubel ihrer Lektüre hingab.

Als sie kurz im Haus verschwand, vertraute ich der Nachbarin an,  dass sie sich jetzt wieder den Hunderten ungelesener Bücher im Haus widmen könne, weil unser zwei Jahrzehnte alter Fernseher sich nicht mehr rührte.


Eine Stunde später stand Marcellas  80jähriger Mann Piero mit einem original verpackten 32 Zoll Smart-TV vor der Tür. Wieso er den parat hatte, muss ich erst noch heraus finden. Und dann muss ich ihm noch gestehen, dass ich wohl ohne seine Hilfe mit der Technologie bei all dem alten Kabel-Salat im Wohnzimmet  nicht zurecht kommen werde.

Das hat mir tatsächliche eine schlaflose Nacht beschert...