Mittwoch, 15. Juli 2026

Reingefallen!

 Ärger, Wut, Scham! Anderthalb Wochen hat es gedauert, bis wir es verdaut haben, auf den Lieblingstrick der Autostrada-Wegelagerer herein gefallen zu sein. Scham vor allem deshalb, weil die Masche so bekannt ist, dass sogar die KI uns hätte helfen können, wären wir auf die Dreistigkeit gefasst gewesen.

Quelle. Wohnmobilland Schweiz
Mittags, Gluthitze, Baustelle auf der Tangentiale nach Alexandria. Ende einer Fahrbahnverengung und Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Meine Frau gibt Gas, um einen zuckelnden italienischen Kleinwagen zu überholen, als unser Auto ein dumpfer Schlag trifft: zu wenig hart für einen Stein, nicht weich genug für einen Vogel. Das überholte Fahrzeug betätigt wie wild die Lichthupe, fährt an uns vorbei und bedeutet uns, auf den Seitenstreifen zu fahren. Der Fahrer des Fahrzeuges springt genauso heraus wie ich. Wir treffen uns in der Mitte.

Was denn los sei, frage ich ihn. Er nimmt mich mit zu seinem Auto und zeigt mir einen beschädigten Rückspiegel auf der Fahrerseite. Das sei ein Schaden von 500 Euro, beginnt er sofort zu lamentieren. Die Zweifel, die mich befallen, veranlasst die Beifahrerin auch aus dem Auto zu steigen. Ich will die Polizei verständigen. Da verweist sie auf die Kinder im Wagen und jammert, bei der Hitze können die nicht so lange im Wagen bleiben. Dann verlange ich den Austausch von Versicherungsnummern. Ach, das sei doch in Italien so kompliziert. Was ich denn zahlen könne. Höchstens 100 Euro, mehr habe ich nicht an Bargeld dabei. Bei mir schrillen längst alle Alarm-Glocken. Da zeigt er mir an unserem Auto als vermeintlichen Beweis für den "Fahrfehler" meiner Frau eine Farb-Spur am Heck. Dass sie grün ist und nicht schwarz wie der Spiegel seines Autos, schießt mir sofort durch den Kopf. Obendrein ist sie viel zu hoch für eine Schleifspur durch einen Rückspiegel. Aber da hat meine Frau, die weiter will, und die unangenehme Situation schnell beenden möchte, nach meinem noch einen weiteren Hunderter gezückt.

Dass wir Opfer eines Betrugs geworden sind, wissen wir sofort, nachdem wir freie Fahrt haben und im klimatisierten Auto wieder zur Ruhe gekommen sind.

Hinterher ist man immer schlauer: Wir hätten das Paar samt Auto und Nummernschild sofort mit den Handys fotografieren und die Bilder über den Notruf verschicken sollen. Aber wir kannten diese Masche eben nicht, obwohl doch schon seit einiger Zeit vor ihr international gewarnt wird.

Damit andere, denen so etwas auch aus Unwissenheit widerfährt, gewarnt sind, habe ich Ärger und Scham überwunden und hier das gecursort, was die KI mir gestern zum Sachverhalt offenbart hat:

https://www.youtube.com/watch?v=-urvb8_zHH4

So funktioniert die Masche

  1. Der Knall: Während Sie ein anderes Auto überholen, werfen die Betrüger meist einen Stein oder einen harten Gegenstand gegen Ihr Fahrzeug. Das erzeugt einen lauten Knall, der wie ein Steinschlag klingt.[1, 2]
  2. Das Stopp-Signal: Der andere Fahrer folgt Ihnen, gibt Lichthupe und gestikuliert wild, um Sie zum Anhalten auf dem Seitenstreifen zu zwingen.[1, 2]
  3. Die Forderung: Der Betrüger behauptet, Sie hätten mit Ihrem Fahrzeug seinen Außenspiegel abgerissen. Als „Beweis“ zeigt er auf seinen eigenen (bereits kaputten) Spiegel oder einen schnell gemalten, oberflächlichen Kratzer (oft mit wasserlöslicher Kreide) an Ihrem Auto.[1, 2]
  4. Die Erpressung: Der Täter setzt Sie stark unter Druck, den angeblichen Schaden sofort bar zu begleichen (oft mehrere Hundert Euro), um Polizei und Versicherung zu umgehen.[1, 2]

So verhalten Sie sich richtig

  • Nicht anhalten: Fahren Sie auf keinen Fall sofort auf den Seitenstreifen, um anzuhalten. Das kann gefährlich sein und Sie unter Umständen in Bedrängnis bringen.[1, 2]
  • Polizei rufen: Fahren Sie weiter bis zur nächsten Raststätte, Tankstelle oder direkt zu einer Polizeistation (Polizia Stradale oder Carabinieri) und wählen Sie den internationalen Notruf unter der 112.[1, 2]
  • Kein Bargeld: Zahlen Sie niemals Geld vor Ort, ganz gleich, wie aggressiv oder einschüchternd die Täter auftreten. Echte Unfallschäden werden in Italien immer über die Polizei und Versicherung geregelt.[1]
  • Beweise sichern: Wenn möglich, notieren Sie sich das Kennzeichen, die Automarke und die Farbe des gegnerischen Fahrzeugs. Machen Sie Fotos und nutzen Sie, falls vorhanden, Ihre Dashcam

 

Montag, 13. Juli 2026

Buon Prezzo

Irgendwie haben die Mafia-Legenden bei uns Deutschen unterschwellig zu der Ansicht geführt, dass die Italiener sich auch untereinander abzocken. Wie in den beiden vergangenen Jahren mache ich gleich zu Beginn des Briefeschreibens immer in Stichproben so eine Art  Regal-Check mit unserem persönlichen Warenkorb - sowohl im Supermarkt als auch bei unsrem Lieblings-Bäcker. Um es vorweg zu sagen: Im Gegensatz zu den Lebensmittel-Filialisten in Deutschland, die aus jeder Verknüpfung mit dem Zustand der Welt gleich ihre Preise steigen lassen, um sie dann nicht zurück zu nehmen, scheinen die Lieferketten in Italien und die Weltlage keinen besonderen Einfluss auf die Preisgestaltung zu haben. So betrug die Inflationsrate hier im Juni leicht rückläufig 3,0 Prozent. Beim Bedarf fürs Leben spüren wir hingegen seit zwei Jahren mehr oder weniger Gleichstand. Das heißt, aktuell leben wir hier gerade günstiger als daheim.

Rustiche
Der Bäcker-Vergleich hinkt dabei ein wenig durch die hiesige Deckelung und der Abrechnung nach Gewicht. Dennoch ist unter dem Strich fürs gleiche Geld ein deutlicher Mehrwert zu verzeichnen. Wir hatten gleich in den ersten Tagen Gäste. Daher war der Bedarf höher: Ich kaufte 16 Rustiche, die von der Größe etwa zwei deutschen Semmeln entsprechen.
Focaccia

Dazu sechs Focaccie unterschiedlich mit Schinken, Zwiebeln oder Tomaten samt Oliven belegt. Und für den Nachtisch-Espresso nahm ich ein Pfund sortierte vom Meister selbst kreierte und variierende Keks-Spezialitäten mit. Das alles für 23 Euro.
Leider kenne ich eben nur Münchner Preise: Eine Bäckersemmel von Qualität ist in unserem Viertel selten unter einem Euro zu bekommen, In der Größe vergleichsbare Pizzastücke vom Blech kosten durchschnittlich je nach Belag drei Euro, und wenn von Meisterhand gebackene Kekse im Spiel sind, wird für sie ein Stückpreis bezahlt.
Biscotti aus unserm
Tal-Ort Pontedassio

Eins zu Null für Italien.

Die Supermarkt-Bilanz fällt hingegen gemischt aus: Seit zwei Jahren unverändert der Preis für unsere Lieblings-Marken bei Whisky, Gin, Wodka und Tequila. Sie liegen im Schnitt aber um zwei bis drei Euro unter unseren Supermärkten in Deutschland. Es sei denn, die machen immer wieder mal Lockvogel-Angebote. Solche gibt es für harte Sachen in Italien selten. Umso mehr für italienische Weine. Da lohnen sich "Offerte", denn generell haben die Weine wie auch in Deutschland unabhängig von ihrer Qualität empfindlich angezogen.

Bei den heimatlichen Erzeugern von Agrar-Produkten scheint es jedoch keine Lieferketten-Einflüsse zu geben. Milch und Eier, sowie die heimischen Käse-Sorten sind genauso günstiger wie die Schinken und Salami, die hier erzeugt werden. Allerdings müssen wir für die Butter nach Deutschem Gusto beinahe doppelt soviel bezahlen wie in der Heimat der Butterberge. Überhaupt scheinen mir marktabhängig Preise sowohl nach oben als auch nach unten schneller an die Verbraucher weiter gegeben zu werden als bei den Deutschen Supermärkten. Bei Parma- oder San Daniele-Schinken bringt so eine Marktbeobachtung gerne mal bis zu minus zehn Prozent.

Wie kaufen hier Fleisch, das wir immer weniger konsumieren, ausschließlich bei einem namhaften Spezialisten, der seine Qualität natürlich teuer zu Markte trägt. Der liegt mit dem Metzger daheim, schräg gegenüber vom Glashaus, in etwa gleich auf. Dennoch sind seine Spezialitäten oft günstiger, in jedem Fall aber besser als die verschweißten Teile bei dem in Sichtweite liegenden Super-Super-Mercado.

Quelle: Imperia
Der Glaube, Obst und Gemüse seien auf dem um diese Jahreszeit immer touristischer werdenden Markt günstiger, ist so trügerisch wie in München der Gang auf den Viktualienmarkt. Wir wechseln hier gerne zu einem Supermarkt in der Stadt, der nach unseren Erfahrungen immer das beste und frischeste Angebot hat.
Quelle: riviera time
Die Umstrukturierung hat so gut wie nichts
 zu seiner Übersichtlichkeit beigetragen.
Bei den aktuellen Temperaturen ein achter Saunagang

Mehr als in Deutschland bei heimischen Produkten kommt es im Bereich der rein italienischen Lebensmittel zu unerklärlichen Schwankungen. Das könnte Wetter oder Nachfrage bedingt sein. Letztere wird aber weniger durch Produkte weltweit bedient. Noch immer kurios: Es gibt so gut wie keine Spezialitäten aus dem nahe gelegenen Frankreich...

Unterm Strich ist das für mich ein Unentschieden.

Also Null zu Null!


Freitag, 10. Juli 2026

Trepp auf, trepp ab

 Wer einen Indikator dafür braucht, wie gnadenlos das Alter im Gleichklang  mit dem Abbau der Kräfte  fortschreitet, braucht nur bei annähernd 40 Grad das Gepäck oder die Wochen-Einkäufe über die 43 Stufen und zwei steile Wegstrecken zur Pizza hoch zu schleppen. Da ist man dann alle Jahre wieder ein Quäntchen mehr geplättet.

Wer den Borgo liebt, muss Treppen mögen. Aber er muss auch mit jedem Jahr mehr Vorsicht walten lassen. Für Treppen in mittelalterlichen Gemäuern gilt unbedingt die alte Seemannsregel: Eine Hand für den Mann oder die Frau, die andere fürs Schiff beziehungsweise das Treppengeländer. Was haben wir Jüngeren vor ein paar Jahren geschmunzelt, als Ugo der Bewahrer vom Parkplatz her alle Mauern am Aufstieg auf seine Kosten  mit schmiedeeisernen Geländern bestücken ließ. Da kam - wie ich vor drei Jahren schmerzhaft erfahren musste - Hochmut vor dem Fall. Auch mein langjähriger Golfpartner hat im Frühjahr - gerade verwitwet - drei Tage nach einem Treppensturz allein auf sich gestellt, bewegungsunfähig und dehydriert mit Ach und Krach nur überlebt, weil die Putzfrau ihn noch rechtzeitig gefunden hat.

Es ist nun mal so der Lauf des Lebens, dass Jahr für Jahr mehr Burggeister allein zurückbleiben. Um so mehr kommt es auf die Achtsamkeit der Nachbarn an. Dabei fällt mir auf, dass die alleinstehenden Einheimischen wohl durch den längeren Umgang mit dem Treppauf und Treppab sich möglicherweise eine Art Turbolader antrainiert haben. Beispielsweise die von mir gerne als Bürgermeister-Witwe apostrophierte Ada, die trotz ihrer Immobilien im Tal, heute weit in den Achtzigern mit zwei künstlichen Hüftgelenken immer noch auf den Treppen rund um die Piazza unterwegs ist, als stamme sie von den einst hier beheimateten Gazellen ab.

Gestern schwer mit Einkäufen versorgt, fiel uns der Weg zum Ca'sanna hinauf aber wieder einmal erstaunlich leicht, obwohl die gnadenlose Hitze um keinen Grad nachgelassen hatte. Im Nu war nämlich das alte neue Auto meiner Frau von Burggeistern im Gesamtwert von über 200 Lebensjahren umringt. Jeder von ihnen schnappte sich ein Stück, so dass für mich nur die als Rucksack tragbare Kühltasche übrig blieb. Trotzdem waren sie nach der ersten Steilrampe schon aus meinem Blickfeld verschwunden.

Foto: Claus Deutelmoser
Die letzten Stufen zur Piazza sind sowohl vertikal als auch
horizontal extrem hängend. Besonders wenn man denkt,
es sei geschafft, sind sie bei dem hier seltenem Regen
oder gar bei gelegentlichem Schnee besonders tückisch

Beneidenswert!

Mittwoch, 8. Juli 2026

Ein Halt der nachhallt

 Wir sind heil angekommen. Das zählt! Früher - seit wir nicht mehr an einem Stück durchbrausen - haben wir die erste Etappe länger gewählt, damit wir nach der zweiten schon am Meer zu Mittag essen konnten.

Auf unserer Route über den Bernardino ist die Schweiz leider immer das teure Muss. Umso mehr hat es uns immer überrascht, wie unterschiedlich die Schweizer Gastfreundschaft ausfällt. Ausgerechnet in Luxus-Hotels wurden wir wegen des Buchungsservice, den wir benutzen, oft als Gäste zweiter Klasse behandelt und auch gern ums Frühstück betrogen. In Appartements sparte man auch am persönlichen Service durch das komplizierte Schlüsselbox-System.

Für diese Anreise suchte ich wegen des späten Termins zunächst wie immer zwischen Bellinzona und Chiasso, sah aber bei Altbewährtem - wohl wegen des Ferienbeginns - Preise, die ich mir bei bereits gemachten Erfahrungen einfach nicht mehr leisten wollte. Außerdem - wegen unserer Auto-Situation wollte ich meiner Frau keine allzu lange Fahrt zumuten. Was gibt's denn genau auf der Hälfte der Distanz zwischen München und Ligurien?

Da traute ich meinen Augen nicht: Im italienischen Winkel von Graubünden, am Ufer des Ticino stieß ich im Netz auf ein Hotel unter Indischem Management, zu dem ein Indisches Restaurant namens Jaipur gehört.

Mir schoss sofort das kürzlich abschlägig beschiedene Referendum um die Deckelung der helvetischen Einwohnerzahl durch den Kopf. Die ultrarechten Eidgenossen wollten ja derart gegen die ihrer Meinung nach zu hohe Migration vorgehen. Ist es in so einem angeheizten Klima sinnvoll,  Indien in der Schweiz aufzusuchen?

Aber es gab ja in meiner Erinnerung andererseits noch die Reise mit Heinrich Harrer nach Ladakh, auf der ich den damals zweithöchsten Rinpoche nach dem Dalai Lama bei seiner Erhöhung fotografieren durfte. Der hatte uns bei einer Audienz erzählt, wie fabelhaft die Schweiz 1961 den Vertriebenen des Chinesischen Überfalls auf Tibet geholfen hatte. Und noch heute birgt sie weltweit eine der größten tibetischen Exilgemeinden und mit Sicherheit deren größte Diaspora in Europa. Noch immer leben bis zu 8000 Tibeter in der Schweiz, die im Laufe der Zeit nicht dem Dalai Lama ins Exil nach Dharamsala in Nordindien gefolgt sind. Wenn sich ein Inder in dem kleinen, mittelalterlichen Dorf Grono so wohlfühlt, dass er dort ein Hotel betreibt, muss dieses schon etwas besonderes sein.

Wohl einige dutzend Male sind wir schon auf der anderen Seite an Grono vorbei gerast, ohne überhaupt von seiner Existenz zu wissen. Weil die Fürsorglichste aller meiner Ehefrauen mit ihrem neuen, noch nicht so vertrauten, fahrbaren Untersatz viel schneller unterwegs war, als erwartet, standen wir am frühen Nachmittag vor verschlossenen Türen. Unter dem indischen Zierrat an der Hausfront fand sich keine Klingel. Unser Klopfen bei Gluthitze hallte in Totenstille wider. Wir wussten ja noch nicht - wie Stammgäste - dass die dreistündige Mittagspause für Wirt und Personal eine Art heiliges Ritual ist.

Dass unser ungeduldiges Klopfen auf geheimen Wegen an das ruhend Ohr des Wirts gelangt ist, tat dessen Freundlichkeit aber keinen Abbruch. Er schleppte unser Übernachtungs-Gepäck in den ersten Stock, zeigte uns alles und führte uns dann in den Privatgarten, wo er uns an einem Tisch im Schatten einen eiskalten Weißwein und Grano Padano hinstellte, um auf dem Absatz kehrt in die Pause zu machen.

Vom mitteilsamen indischen Koch, der mit seiner traditionell anmutenden Frau in einem anderen Winkel des Gartens Siesta und Video-Chats in Urdu mit der Heimat machen wollte, erfuhren wir alles, was es zu unserer Bleibe zu wissen gab in fließendem Deutsch. Er hatte zuvor 16 Jahre in Berlin gekocht. Und weil wir ja in seinem Garten tranken, schaute auch der Eigentümer von Haus und Grund in Badekleidung mal bei dem komischen deutschen Paar vorbei. Der korpulent gemütliche Graubündener in unserem Alter begann gleich damit Sprachliches und Historisches zu ergänzen. Demzufolge verdankte das Hotel seinen unindischen, ladinischen Namen dem Fall des Baches Calanca in den Berg-Schrofen hoch über uns: "Calancasca" eben.

Khanna@albergocalancasca.ch

Die totale Ruhe von Grono ließ uns den frühzeitigen Weingenuss entspannt wegschlafen. Gerade noch rechtzeitig mit großem Hunger erlebten wir dann in den Abendstunden, wie das Dorf sich in eine lebhafte Nachbarschaft verwandelte, in der anscheinend jeder jeden kennt, grüßt und auch gleich auch ein paar Worte wechselt. Auch mit den deutlich als solchen zu erkennenden deutschen Touristen. Grüezi, Ciao, Buona Sera!

Das viergängige indische Menü mit dem Hauptgang Chicken Tandoori war absolut authentisch und schmeckte auch meiner Frau, die vorher ehr skeptisch war, überragend.

Alle Fotos: Claus Deutelmoser
Amuse Gueuile

Baked Onions
Diese Kombination aus Familiärem mit dem Kulinarischem tröstet insgesamt darüber hinweg, dass die preiswerten, sauberen, geräumigen Zimmer (mit Dusche aber ohne Toilette) nicht high end Luxus sind. Für uns war die Übernachtung in Grono jedenfalls ein Halt, der noch lange nachhallt. 
Chicken Tandoori

Naan mit Knoblauch und Koriander



Und zum Nachtisch ein kurzer
Verdauungsspaziergang durchs
malerische Grono






Sonntag, 28. September 2025

Burg-Therapie gegen Trump-Terror

Regelmäßige Besucherinnen und Besucher meiner Blogs, konnten ja meine bösen Ahnungen schon zu Beginn dieses Jahres verfolgen. Es schmerzt mich, dass so viele von der Wirklichkeit übertroffen wurden. Nicht nur dass meteorologische Klima verschlechtert sich von Jahr zu Jahr rund um unseren Planeten, sondern vor allem das politische und dadurch auch das zwischenmenschliche .Dazu all die Katastrophen. Schon jetzt - nachdem erst dreiviertel von ihm rum ist - erlaube ich mir 2025 als das bislang schlimmste dieses Jahrtausends zu bezeichnen. Für mich war es mit der zusätzlichen Bedrohung durch eine zu spät erkannte, ernste Erkrankung das bislang schrecklichste Jahr meines Lebens. Bisweilen war ich versucht, es wegen allem für ein ideales Abschiedsjahr zu halten...

Und dann war da plötzlich das enorme Interesse einer wachsenden Leserschaft weltweit, die meinen Blogs schon nach dem ersten Halbjahr eine neue Rekordzahl bei den Zugriffen bescherte. Dass in der Statistik auf einmal so viele VPN-Verbindungen sind macht mich allerdings stutzig, und auch KI könnte ja Kontext von den Blogs absaugen. Drauf gepfiffen! Hauptsache  ist doch, dass die Gedanken eines alten Mannes unter die Leute kommen - und vielleicht auch zum Nachdenken veranlassen. Aber dass gerade so viele Aufrufe bei Posts erfolgen, die nur Gedanken zum Leben beschreiben, macht mich doch mutig, zu glauben, dass im WWW viele Gleichgesinnte surfen, um ein wenig Erbauung zu finden.

Dafür - liebe Leute - bin ich euch unendlich dankbar. Das Schreiben von Burgbriefen über Menschliches allzu Menschliches war nämlich  die Therapie, die mir mehr über meine Wut auf den täglichen Trump-Terror geholfen hat. als irgendeine Reha.

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn die Sonne kaum noch direkt den Burghof erreicht,
fällt der Abschied auch nicht so schwer

Heute melde ich mich für dieses Jahr von der Burg ab. Noch eine letzte Pizza am Meer, dann machen die "Fürsorglichste" und ich "Casanna" winterfest und hoffen natürlich, dass wir einmal mehr ein kommendes Frühjahr auf diesem Zauberberg erleben dürfen.

Wie immer melde ich mich nach einer Woche Pause aus dem Glashaus wieder. Wir hoffen, dass wir bei all den nicht geworfenen Steinen, die Tür überhaupt noch aufkriegen.

So die Vorsehung uns allen gewogen ist, werfe ich meinen ersten Stein am 6. Oktober.

Freitag, 26. September 2025

Alter Schützt den Mafioso nicht

 Da kann Jonas Jonasson noch so köstlich in seinen Romanen um den "Hundertjährigen" Stories erfinden. Die italienische Wirklichkeit überholt ihn in einer Posse, über die ich gerne schmunzeln möchte, wenn ich mich nicht schon so lange mit dem weltweiten und mörderischen Netzwerk der kalabrischen 'Ndrangheta beschäftigt hätte.

Quelle: La Stampa
Vergangene Woche wurde Pino Piromallo erneut bei einer großangelegten Razzia gegen die Mafia festgesetzt. Piomallo gilt als einer der einflussreichsten Capo dei Capi an der Stiefelspitze. An seinem Lebenslauf lässt sich gut die Aussichtslosigkeit der Arbeit der italienischen Strafverfolgung und des immer noch korrupten Strafvollzugs festmachen;

Quelle: google
Namensvetter
Giuseppe ( Peppino)
1921 - 2005
Nachdem er Jahrzehnte lang aus dem Untergrund die Fäden gezogen hatte, wurde er zur Jahrtausend-Wende geschnappt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor kurzem kam  er nach 22 Jahren wegen seines Alters - offenbar ohne Auflagen - aus dem Gefängnis frei. Dieser Piromallo ist Jahrgang 1945 - also nicht der 1921 geborene, und auch nicht etwa wieder auferstandene, noch berüchtigtere und bereits 2005 verstorbene Mafioso gleichen Namens. Schon allein die Namensgleichheit und die selbe Wirkungsstätte, nämlich die Hafenstadt Gioia Tauro, hat immer schon bei den Fahndern für Verlegenheit gesorgt.

Der noch lebende Piromallo hat also offenbar nach seiner Entlassung gleich die Zügel seines Clans, die er offenbar auch aus dem Gefängnis nicht locker gelassen hat, wieder direkt angezogen. Denn er wurde - wen wunderts - bei der Razzia im Kreise seiner hochrangigen Capi festgesetzt.

Man könnte schwadronieren: "Alter schützt vor Mafia nicht!". Aber das wäre eine Verharmlosung der tatsächlichen, althergebrachten Macht-Strukturen, in denen "die Ältesten" immer noch die Geschäfte eines über Milliarden schweren Schatten-Imperiums totalitär als Gebieter über Leben und Tod lenken.

Das Netzwerk der 'Ndrangheta, das auch in Deutschland durch Schutz suchende "Rückzügler" (Recidivi) tief verankert ist, handelt weltweit mit Drogen, Waffen und Prostitution, aber macht sich zudem durch Korruption und Geldwäsche nahezu unangreifbar. Wer gerade erlebt, wie der US-Präsident samt einer erkauften Gefolgschaft mit Justiz und Verfassung in aller Öffentlichkeit umspringt, kann nur das Grauen vor dem bekommen, was die Kalabrier de facto in den sogenannten Schwellen-Ländern mit ihrem Geld anrichten.

Quelle: Tagesschau
 An dieser Schatten-Macht wird sich auch die faschistisch angehauchte Giorgia Meloni - ähnlich wie ihr Vorbild Benito Mussolini - ihre scharfen braunen Zähnchen ausbeißen...

Dienstag, 23. September 2025

Flut der Fress-Fotos

 Von jeher gehörte das Stillleben zur hohen Kunst der Malerei. Da auch in jenen Zeiten mitunter die allgemeine Versorgung schlecht war, könnte man glauben, die Alten Meister hätten ihrer Kundschaft vor allem solche von Obst, Fleisch und üppigen Tafeln für deren Wände erschaffen, damit jene in der Not wenigstens optische Wegzehr hätten. Oder war es die Eitelkeit, herzuzeigen, was man sich an Gaumen-Genüssen so alles geleistet hat?

Claus Deutelmoser Öl auf Leinwand, Planegg 1983
Wenigstens habe ich mir in der "analogen Zeit" noch die Mühe
gemacht, solche Stillleben selbst zu schaffen

Aber was hat es zu bedeuten, wenn ich heute in Restaurants Leute dabei beobachte, wie sie Teller um Teller mit ihren Smartphones ablichten? Auch meine Familie ist von dieser Pandemie erfasst worden. Es vergeht kaum ein Tag an dem im Family-Chat nicht "lecker Essen" gepostet wird. Meist auch ohne Kommentar. Ganz im Stile von Stillleben eben, werden da auch ganze Gelage abgebildet.

Claus Deutelmoser. Oil on Canvas: Positano 1984
Siehe auch die Bildergeschichten 
auf meinem Blog "Der Burgschreiber"



Eine Zeit lang konnte ich mich darauf hinaus reden, meine Speisen allein  deshalb abzulichten, weil ich in meinen Blogs auch persönliche Rezepte poste. Aber mittlerweile ist Fress-Fotos zu schießen, auch bei mir zur Manie geworden. Hochgerechnet auf  die vielen dekorierten Teller in meiner Cloud müssten die Menschen weltweit dermaßen Darstellungen ihres "täglich Brot" schlucken, dass in der Nachwelt der Eindruck entstehen könnte, die Welt sei endlich ein Schlaraffenland geworden.

Aber das ist eben nicht der Fall. Leute, die ihr Essen im Restaurant oder daheim aufnehmen, haben eben ein Handy. Wer gar ein Smartphone besitzt, kann sich meist auch leisten, Essen zu gehen. Aber was ist mit dem Großteil der Weltbevölkerung, der weder das eine noch das andere hat? Wäre ich in diesen egomanischen Zeiten noch Idealist, schlüge ich vor, dass jeder oder jede für jedes Posting einer Mahlzeit automatisch auch einen Euro an die Welthungerhilfe spendete...
Teufel eins! Da reichte ja meine Rente gar nicht...

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn ein Wirt aber Obst mit soviel Mühe beschert,
ist es schon ein Fress-Foto wert...

Also mache ich es wir alle anderen. Ich rufe die Fress-Fotos irgendwann in dankbarer Erinnerung für ein Leben auf, das ich privilegierter als viele andere leben durfte.
Hier zum Nachschmecken und -Sehen ein typisch ligurisches Highlight:

Maria mal ohne Knoblauch: Im Sommer 2020