Freitag, 2. Oktober 2026

Abschied vom Friedhof der toten Computer

Kennt Ihr das? Wenn man jahrelang auf Dinge schaut, die längst hätten entsorgt werden sollen, haben sie sich im Unterbewusstsein derart verkrallt, dass sie als feste Einrichtung wahrgenommen werden.
Unser Computer-Friedhof hier ist so eine Gedenkstätte. Er ist permanent aber auch eine  traurig schöne Erinnerung, wie rasant die digitale Welt hier oben im Borgo innerhalb eines Vierteljahrhunderts Fuß gefasst hat.

Die Wonnekugel IMac 2001
ist heute immer noch bei Sammlern
für mehr als 100 Euro begehrt.
Als ich - um auch hier arbeiten zu können - den aus dem Büro mitgebrachten IMac in einer Sprache, die ich immmer noch nicht beherrsche, ans Netz  bringen wollte, begann auf der Burg erst die Internet-Epoche. Das hätte ich ohne einen echt italienischen Nerd, dem der Weg vom Hafen in Oneglia nach hier oben nie zu weit war,  bestimmt nicht geschafft. Er kümmerte sich auch darum, dass die Telecom Italia das erste schnelle Kabel bis an mein Bürofenster verlegte.

Dann stiegen wir wegen des Gestaltungsprogramms in München auf Microsoft Windows um. Ich hatte gegenüber meinem Apple-Mann zwar ein schlechtes Gewissen, aber der Fortschritt verlangte es. Und mit ihm musste dann auch wieder ein anderes, schnelleres Kabel her, dass mich derart in eine jahrelange Abhängigkeit zwang, dass ich sehr froh war, als ich mit dem Arbeiten aufhören konnte.

Mein Computer-Friedhof hier
scheint ja noch übersichtlich,
hätte er nicht in München
ein Pendant. Gut, dass Laptops
immer flacher werden.
Die Schubladen des Sideboards
öffnet man lieber nicht.
Sie sind mit Kabelsalat
und musealem Zubehör gefüllt

Während meine Frau ohne Netz an meinem alten IMac ihre Kindergeschichten schreiben wollte, staapelte sich neben meinem Schreibtisch eine kaputte Kiste auf der anderen . Ich musste nun fortan als Privatier wegen des wachsenden beruflichen Bedarfs meiner Tochter und meines Sohnes deren alte PCs und Laptops "aufbrauchen". Nach der plötzlich verstorbenen Apple-Kugel bekam nun auch meine Frau so ein Teil. Sie wollte es aber bald nicht mehr benutzen, weil sie in memoriam des Buchhaltungsprogramms unserer Firma das sie souverän beherrschte im Privaten einen regelrechten Hass auf Computer entwickelt hatte. Den lässt sie bis heute an ihrem armen IPhone aus, das meist schuldlos ist, aber für ihre Ansprüche viel zu viele unerkannte Möglichkeiten bietet...

Ja warum haben wir dann die kaputten Kisten nicht längst schon zum "rifiuti ingembranti" gestellt (wie Sperrmüll vornehm auf Italienisch heißt)?

Weil meine lieben Kids mir seit Jahren versprachen, die Festplatten auszubauen und in die mittlerweile entwickelten "Clouds" hochzuladen. Aber jetzt sind ihre Ferien-Aufenthalte nicht mehr lang genug, um sich zu kümmern.
Doch die Hoffnung stirbt in jedem Fall nicht zuletzt, und keinesfalls vor den Computern. Bei mir sind in deren Leichen unwiederbringliche Fotos und Texte gespeichert, und aus den Kindergeschichten meiner Frau ist der Enkel zwar längst rausgewachsen, aber vielleicht wäre es ja für dessen Kinder einmal interessant, zu lesen, was die Uroma für Gutenacht-Geschichten erzählt hat...

Ihre Fürsorglichkeit reicht
jedenfalls nicht mehr weiter ins
Computer-Zeitalter hinein:
Die nur noch als Mahnmal
 in der Kemenat emeiner Frau 
stehende "Workstation" samt Drucker
So liebe Leserinnen und Leser!
Das war's mit den Burgbriefen für das ominöse 2026. Die Heimkehr nach München steht an, damit unsere Ärzte-Rallye wieder Fahrt aufnehmen kann. So die Vorsehung uns gewogen bleibt, werfe ich ab dem 14. Oktober wieder mit Steinen im Glashaus herum. Dann kann ich Euch auch nicht mit meinen Einschätzungen im Bezug auf den Fortbestand der schwarz-roten Koalition verschonen. Ich habe ja in meinen Blogs oft genug die Zustände nach der "Weimarer Rpublik" gescchildert. Diesmal gibt es keine Ausreden mehr.!
Mein Gruß geht auch an alle "Bots" denen ich wohl den sprunghaften Anstieg meiner Zugriffszahlen verdanke. Ob USA, Russland, Brasilien oder besonders Deutschland - ich bin zu alt, um mich noch durch Bedrohungen und Fake-Mails - von welcher Seite auch immer - abschrecken zu lassen.
Zum Abschied hat sich
noch ein klitzekleiner
Untermieter in mein Büro
geschlichen. Hoffentlich
findet der kleine Gecko
auf dem gleichen Weg raus,
 wie er reingekommen ist, wenn
wir alles verrammelt haben...


Mittwoch, 30. September 2026

Wir haben doch irgentwo alle einen Schatten!

Was rege ich mich denn darüber auf, dass das Licht im Herbst immer schneller weicht und die Schatten die Piazza nun nahezu den ganzen Tag bedecken? Beides gibt mir Einfaltspinsel doch in jedem Jahr zumindest ein Thema vor. Dass das seit Jahrtmillionen immer nach dem gleichen Schema abläuft, nehmen ja nur die sich anhäufenden Lebensjahre als Reaktionsbeschleuniger wahr! Wie Schatten ein Problem des Zeitgefühls mit sich bringen können, lässt sich schon daran erkennen, wie unterschiedlich wir  Menschen sie auf uns wirken lassen, und wie ambivalent unser Sprachgebrauch dazu ist:

Viele leiden ja schon an der Zeitimstellung, die uns bald wieder erwartet. Als von Medikamenten Abhängiger versuche ich seit Mitte August, meine innere Uhr mit der früher einsetztenden Dunkleheit in Einklang zu bringen. In diesem Sommer bei 90 Tagen trockener Dauerhitze war nichts segensreicher als die wachsend gespendeten Schatten der alten Gemäuer rund ums Geviert. Vor allem, wenn - selten genug - dazu auch ein laues Lüftchen durch die Torbogen wehte.

Das war also bei weitem kein negativ belastetes Schattendasein.

Und wenn ich mitbekam, wie meine Familie, unser holländischer Neuzuzug und das schöne Paar von gegenüber nach viel zu wenigen Tagen der Erholung wieder zu ihrer Arbeit zurück hetzten, war ich mit meinem Schattendasein noch zufriedener. Vor allem, dass ich schon lange der Karriere wegen aus keinem Schatten meines Vorgängers treten musste, um dessen Posten einzunehmen. Ob ich dabei dann für meine "Follower" einen zu langen Schatten warf, lasse ich mal dahingestellt sein. 

Tragisches überschattet häufig, was gerade noch so friedlich existierte.

Quelle: Instagram
"The dark side" of the Moon
wie die Artemis II Mission sie sah
Vor ein paar Tagen reimte ich über den Morgenmond, dabei habe ich total vergessen, dass im ganzen Hype um unseren Trabanten nun auch das geologische und ausbeuterische Interesse an seiner Schattenseite wächst. Vor allem, wenn es dort in den Schlagschatten seiner Pole verwertebares Eis gibt...

Dass manche Mirbürger den Schattenseite des Lebens nicht entkommen, ist zwar oft selbst verschuldet, ändert aber nichts daran, dass unsere asoziale Gesellschaft sie meist schon frühzeitg abgehängt hat.

Quelle: pixbay
Ein Kurschatten kann den
Genesungsprozess durchaus
beschleunigen
Da lobe ich mir begrifflich doch den Kurschatten. Der fördert wenigstens neben der Genesung auch den Hormonhaushalt.

Friedrich Merz muss keinen Schatten-Kanzler fürchten. Wenn unser Land nicht unter den braunen Schatten geraten soll, braucht es allerdings Expertive mehr als Parteibücher..  Leider stünden für ein Schatten-Kabinett derzeit nur Luschen zur Verfügung. Im Schatten der Macht von Angela Merkel konnten sich eben kaum Talentea ans Licht arbeiten. Das begünstigt dann eben solche Mickymaus-Figuren wie Philipp Amtor, der sich gerade auf seinen Dienstbalkon einen Strandkorb stellen wollte. Vermutlich, damit sein gewaltiger Schatten bei Sonnenschein nicht ans Tageslicht kommt.

Und wenn Ihr beim Lesen nun den Eindruck habt, der Blogger habe aber einen ebenso gewaltigen Schatten, muss ich dem entgegen halten, dass wir ja alle irgentwie einen Schatten haben. Sonst ließen wir  uns doch nicht von der aktuellen Politik  derart in den selben stellen...

Philsophisch treibt mich die Frage um, obe diese geistige Götterdammerung, die da herauf zieht. überhapt noch Schattenspiele zuließe. Augenzeugen vom Abwurf der ersten Atombombe bericheten, dass ihr e grelle Explosion sämtliche Schatten ausgelöscht hätte. Und da haben uns die Lehrer in der Volksschule wirklich noch geraten, gegen den Atom-Blitz die Schultasche vors Gesicht zu halten?

Deshalb beende ich das jetzt, bevor mein Geschreibsel einen Schatten auf die Zugriffszahlen meiner Blogs wirft, mit den Zeilen eines alten, Berrliner Kinderliedes, die bis heute universelle Geltung haben:

 „Watt’n, watt’n, det Schwein hat keinen Schatten!
Da ging det Schwein um’t Eck und
der Schatten war weg!“

Montag, 28. September 2026

Rosa Morgenmond

Foto: Claus Deutelmoser
O  du rosa Morgenmond!
Trägst mir die bösen Träume fort.
Hat sich's Auftehn schon gelohnt!
Als wäre ich an einem anderen Ort,
Vergess ich die Sorgen um unsre Erde.
Weshalb nur wollen sie auf dir landen?
Als ob sie da oben um die Zukunft zocken.
Wo immer die Menschen Neuland fanden,
Ließ die Zwietracht sie's bald verbocken.
O Mond - noch gehörst du niemandem.
Den Mars sollst du bald möglich machen?
Was wird mit denen, die dort stranden?
Unser Wissen ist doch noch zum Lachen.
Und wem dienen dann die "Marsianer"?
Wieviel braucht er denn noch, der Elon?
Ist der vierte Planet dann Amerikaner?
Was hätte denn der Musk wirklich davon?
All sein Geld macht ihn keinesfalls unsterblich.
Denn die Zeit - sie wird den Reichen nicht reichen!
Und ihr Größenwahn ist hoffentlich auch nicht erblich.
Auch Trump muss diesem Naturgesetz bald weichen!
Den uns folgenden Generationen ist nur eines gewiss:
Dass wenn das Leben auf Erden dereinst vergeht,
Fliegt er auf: der Musk-Mond- Mars-Beschiss.
Ob der Trabant sich dann noch um die Erde dreht?

Freitag, 25. September 2026

In Memoriam Michael Pfeffer

Quelle: www.merkur.de
In den Anfängen als Schreiberling wurde ich oft mit Nachrufen betraut. Angeblich, weil ich sie so einfühlsam schrieb. In Wahrheit drückten sich die Kollegen meist um die geziemenden letzten Worte. Bei  allen, die ich schrieb, fällt mir der heutige besonders schwer, denn er betrifft den ZDF-Sporteporter Michael Pfeffer.
Bis zu seiner Pensionierung nach den Olypischen Spielen von 2024 in Paris, war er Jahrzehnte  lang einem Millionenpublikum als die kompetente Kommentatoren-Stimme für die Tour de France und spektakulären Skirennen bekaannt. Kaum bekannt ist, dass er seine journalistische Laufbahn bei mir begonnen hat, weshalb mich diese Pflicht besonders schmerzt. Wer schreibt schon gerne über einen Schützling der vor einem stirbt.

Michael Pfeffer war prädestiniert für beide Zeitschriften, die ich in den 1980ern verantwortete. Seine Vielsprachigkeit und seine Neugier auf Menschen verhalfen ihm zu Reportagen für TRAVELLER's World, und seine ehemalige Zugehörigkeit zur alpinen Deutschen Studenten-Skinationalmannschaft machten ihn zum idealen Kandidaten für unser Testmannschaft bei der Zeitschrift "Ski".
Ich habe ihn heimlich "Sergant Pepper" nach dem Beatles-Album genannt, weil er da schon eine strikte Erscheinung mit klaren Zielen war. Als er auf Anhieb für den ZDF-Reporter-Nachwuchs ausgewählt wurde, war klar, dass ich ihn nicht halten konnte. Was ich auch gar nicht erst versuchte. Er ist einer der wenigen jungen Menschen, die ich ausbilden durfte, bei denen die Verweildauer leider nicht zum Duzen gereicht hat.

Etwas hat er jedoch von uns mitgenommen: Seine Liebe zu Brasilien, die in ihm nach einer Reportage entbrannte. Er heiratete entsprechend eine Brasilianerin und kaufte sich eine Wohnung in Rio.
Dem Vernehmen nach verstarb er vergangene Woche vor einem der berühmten Strände, beim Schwimmen. Er wurde 67 Jahre alt.

Mittwoch, 23. September 2026

Der Gott des "Free Jazz" heute 100

Quelle: John Coltrane Biography
Johnr Coltrane 1926 - 1967
Wären die Beatles  nicht gewesen, wäre ich John Coltrane verfallen. Auf der Suche nach einem eigenen Musik-Geschmack war mir eine Platte aus dem spärlichen Bestand für das primitive Koffer-Gramophon unserer Familie in die Hände gefallen. Es lag unter einer Sammlung von Reden John F. Kennedys, die ich bis zur Bewusstlosigkeit hörte. 1963 war das. Ich war gerade im Konfirmanden-Unterricht und deshalb noch regelmäßiger Kirchgänger. Als Kennedy am 22. November ershossen wurde, war die Kirche im Münchner Stadtteil Bogenhausen so voll, dass viele Leute vor dem offenen Portal standen. Ich war auch unendlich traurig, denn ich war der künstlich erleuchteten Lichtgestalt damals genauso verfallen wie der Rest der Welt.

Zuhause hörte ich mir dann die Kennedy-Reden zum letzten Mal an, weil ich dann zur Entspannung Coltrane auflegte. Ich weiß es nicht mehr genau, aber es waren wohl die "Giant Steps".


In den Augen meines Vaters war ich ja nicht besonders musikalisch, aber Coltranes Saxophon drang durch meine Ohren unmittelbasr in mein Herz. Ich glaube bis zur meiner Konfirmationim im Frühjahr 1964, nach der ich als Agnostiker "wiedergeboren" wurde, habe ich nur diese eine Platte hundertmal gespielt. Bis sie total zerkratzt war und ich schrecklich geschimpft bekam. Rüclblickend muss ich sagen, Coltrane hat mich aus meiner ersten Depression befreit und mich direkt in die ganz anderen Sounds der Liverpooler Boyband getrieben,

Später las ich mal, dass Johne Lennon sich durch die "radikale Avantgarde" von John Coltrane inspiriert fühlte, und Paul McCartney dessen Experimentierfreude unter anderem als Grund für die wechselvollen Alben der Beatles anführte. Getroffen hatten sich die Musiker jedoch nie.


Beide bei Amazon auf Lager
Die beiden meiner Ansicht nach
 innovativsten Alben
der Beatles, in denen Experten
Impulse von Coltrane 
erkannt haben wollen
Coltrane starb 1967 viel zu früh an den Spätfolgen seiner eigentlich längst überwundenen Drogensucht. Zwei Jahre später nahmen die Beatles mit "Abbey Road" ihr letztes Album auf.

Der unsterbliche Coltrane wäre heute 100 geworden
.https://www.youtube.com/watch?v=xy_fxxj1mMY

https://www.youtube.com/playlist?list=PL5raQzrQ7fN1HZdEnQOG-KRlC7-6_ZG0l

https://www.youtube.com/watch?v=l0zaebtU-CA&list=PLpwHb97XjkRv62wpKqSp4n1h48XZZ8SoF

Montag, 21. September 2026

Weht um die Burg im Windschatten der globalen Krisen ein laues Lüftchen der Widerauferstehung ?

Eigentlich sind Überschriften mit einem Fragzeichen hinten dran verpönt. Der Leser erwartet ja Antworten und keine Mutmaßungen. Sorry, ich habe noch keine Antwort auf die Frage, in welchem Zusammenhang lang erwartete Verkäufe und großzügige Renovierungen hier im Borgo im Zusammenhang mit den Krisen in den Tälern stehen könnten.

Quelle: Imperiapost.it
Haben sich die Gebrüder Benneton derart verzettelt, dass das Miranda-Brücken-Desaster von Genua nebst dem Niedergang ihrer Bekleidungsmarke nun auch die Lebensmittel-Kette Bennet erreicht hat? Jedenfalls macht der Hyper-Market am 27. September dicht und überlässt COOP das Terrain. Die Fürsorglichste erlebte schon erste rührende Abschieds-Scenen zwischen Personal und langjaährigen Kunden, aber auch einen großen Ansturm im Sinne von "alles muss raus!".

Dass sich die Doppel-Gemeinde unter uns enorm umstrukturiert, habe ich ja schon vor ein paar Tagen thematisiert. Es gibt diverse Leerstände, aber es überwiegt der Eindruck Oneglia und Porto Marizio befänden sich in einer Phase des "Aufchiquens". Als bereite man sich auf eine andere Käufer- und Bevölkerungsschicht vor. Vielleicht exilierende Amerikaner, Russen und Ukrainer? Die Quadratmeter-Preise für Immobilien im Tal schwanken je nach Lage zwischen vier- und über 6.000 Euro. Parziell wären das schon Deutsche Großstadtpreise. Für italienische Mittelschichtler ist eigener Immobilienbesitz in ihrer Heimatstadt eigentlich unerschwinglich geworden. Gut, dass es da vowiel alten Besitz gibt. Aber was weiß denn ich schon von Märkten?

Ich sehe ja nur, was momentan hier oben los ist. Und nicht alle können sich so eine umfassende Umstrukturierung ihrer Anwesen leisten, wie sie unseere Schweizer Freundin mit ihrem Lebensgefährten realisiert hat. Bei dem, was mir beim Herumstreifen aufgefallen ist, sind bei den kleineren historischen Bestands-Immobilien vor allem Italiener - manche sogar mit schulpflichtigen Kindern - eingestiegen.
Nach über 20 Jahren ist das Haus an der Stirnseite unserer Piazza hinter der Fontana und jeseits der Gasse wohl an ein Ehepaar mit Tochter verkauft worden. Wohlwissend, was da für Renovierungskosten zusammen kommen. Auch das als unverkäuflich geltende Hexenhäuschen unseres verstorbenen Gegenübers, dem Lockführer mit dem Trauma-Erlebnis, ist für 40.000 Euro an eine Holländerin mit erwachsenem Musiker-Sohn gegangen. Die ehemalige Remissa an unserer östlichen Hauswand soll nun als schickes Maisonetten-Appartement vom Sohn des Eigentümers bezogen werden. Zudem haben einige zugezogene Singles unter Berücksichtigung des strengen Denkmalschutz tolle Renovierungsarbeiten an alten Gemäuern geleistet. Kaum auszudenken, was diese Verjüngung der Residenten in den nächsteen Jahren aus unserem alten Wehrdorf  machen könnte.


Bei der Frage der Motivation kann ich aber nur mutmaßen.
Bei den Ausländern scheint es die alte Sehnsucht nach den Italienischen  Momenten zu sein, denn wegen des anderen Klimas muss man ja heute nicht mehr in den Süden ziehen, und näher gelegene Meere und Seen sind immer noch von der Wassertemperaur kühler und von Fauna und Flora auch gesünder als das überheizte Mittelmeer. Bei den jungen Italienern könnte es jdoch ein Rechen-Exempel sein, das langfristig aufginge. Selbst wenn die Spritpreise so hoch bleiben, kann man für den Preisunterschied zwieschen Tal- und Berg-Immobilien ein Berufsleben lang pendeln...





P.S. Aus Gründen des gebotenen Datenschutzes kann ich keine Bilder der Objekte zu diesem Post einstellen. Deshalb habe ich nur die allgemeine Schönheit des Borgos mit neutralen Fotos dokumentiert.

Freitag, 18. September 2026

Die Diktatur der Faulheit

Immer wenn die Frau, die mir seit bald sechs Jahrzehnten zur Seite steht, nicht gleich erledigt, was sie sich vorgenommen hat, nagt das Aufgeschobene an ihrem unermüdlichen Pflichtgefühl. Dann beherrscht das Verb "müssen" ihre von Unruhe geprägten Sätze. Gestern beim Frühstück war die Liste dessen, was sie tun muss, so lang, dass ich den alten Satz "niemand muss müssen" mit dem Zusatz "und wir schon gar nicht" einwarf.

Daran nämlich, dass wir das faulste Paar unter den ansässigen Burggeistern sind, werden auch ihre Aktionspläne nichts ändern. Bis vor ein paar Tagen hatten wir ja zumindest noch die Ausrede einer überaus langen und unter für Europas Älteste mörderischen Hintzewelle durch ruhiges Verhalten überstanden zu haben. Die brachte ja ausgerechnet auch noch eine derart dicke Schicht Sahara-Staub auf unserer Dachterrasse aus, dass wir sie jetzt an den kühleren Herbsttagen immer noch nicht nutzen wollen.

Quelle: autoirrtum.de
Wenn die Autowaschanlage
bei Trockenheit zur Hitze-Falle wird
Mantramäßig wiederholt die Fürsorgliche die Pflicht, sie saubermachen zu müssen an erster Steller ihrer Litanei. Da wir aber angehalten sind, sparsam mit dem Wasser umzugehen, weil es in den vergangnen 90 Tagen nur dreimal ein paar Stunden getröpfelt hat,  müssen wir das allerdings immer wieder verschieben. So geht es auch ihrem Auto, das sonst silbermetallic glänzend, nun aussieht, als sei es aus dem schlecht getarnten, maroden Fuhrpark unseres Verteidigungsministers.

Die Waschstraße am Supermarkt in Tal hatte ihren Betrieb auch immer wieder herunter fahren müssen. Wenn sie geöffnet war, bildete sich eine Schlange, in der das Anstehen bei direkter Sonneneinstrahlung tödlich gewesen wäre.

Quelle: Redbubble
Beinahe für all unsere derzeitigen Vorhaben gibt es in Sekundenschnelle Begründungen, wieso wir sie dann doch nicht starten. Auf der Zielgeraden des Lebens scheint mir das aber alles verkraftbar. Was du in unserer zeitlosen Herbstzeit kannst nicht besorgen, das verschiebe ruhig auf übermorgen. Vielleicht kommt doch noch eines der fast täglich angekündigten, starken Gewitter und wäscht Terrasse und Auto im Wolkenbruch gratis.

Im Moment beherrscht uns - wie ich es gerne nenne - die Diktatur der Faulheit! Der müssen wir unbedingt irgendwann ein Ende setzen. Spätestens kurz vor unserer Abreise in ein paar Wochen. Meine pralle Reistasche verharrt übrigens seit unserer Anreise noch immer unberührt im Auto. Zu faul, sie im Dienste der Eitelkeit hoch zu schleppen, Ich habe hier doch in meinen Schränken ausreichend kaum getragene Sommer-Klamotten. Von denen sind einige sogar wieder Alta Moda.

Wäre ich nicht zu faul, nähme ich mir eines der weißen T-Shirts aus meiner Hypergewichtszeit und schriebe darauf mit dickem Filzstift:

A basso la dittatura della pigrizia!
Nieder mit der Diktatur der Faulheit!

Mit dem setzte ich mich dann auf unseren Piazza-Stern und warte, wer sich im Laufe des Tages meinem Protest anschließt.

Foto: Claus Deutelmoser
Was nur, wenn alle zu faul oder zu alt sind,
gegen die Diktatur der Faulheit zu protestieren?
Dann habe ich wenigstens eine Ausrede,
nicht untätig auf dem heißen Stern sitzen zu müssen!