Mittwoch, 8. Juli 2026

Ein Halt der nachhallt

 Wir sind heil angekommen. Das zählt! Früher - seit wir nicht mehr an einem Stück durchbrausen - haben wir die erste Etappe länger gewählt, damit wir nach der zweiten schon am Meer zu Mittag essen konnten.

Auf unserer Route über den Bernardino ist die Schweiz leider immer das teure Muss. Umso mehr hat es uns immer überrascht, wie unterschiedlich die Schweizer Gastfreundschaft ausfällt. Ausgerechnet in Luxus-Hotels wurden wir wegen des Buchungsservice, den wir benutzen, oft als Gäste zweiter Klasse behandelt und auch gern ums Frühstück betrogen. In Appartements sparte man auch am persönlichen Service durch das komplizierte Schlüsselbox-System.

Für diese Anreise suchte ich wegen des späten Termins zunächst wie immer zwischen Bellinzona und Chiasso, sah aber bei Altbewährtem - wohl wegen des Ferienbeginns - Preise, die ich mir bei bereits gemachten Erfahrungen einfach nicht mehr leisten wollte. Außerdem - wegen unserer Auto-Situation wollte ich meiner Frau keine allzu lange Fahrt zumuten. Was gibt's denn genau auf der Hälfte der Distanz zwischen München und Ligurien?

Da traute ich meinen Augen nicht: Im italienischen Winkel von Graubünden, am Ufer des Ticino stieß ich im Netz auf ein Hotel unter Indischem Management, zu dem ein Indisches Restaurant namens Jaipur gehört.

Mir schoss sofort das kürzlich abschlägig beschiedene Referendum um die Deckelung der helvetischen Einwohnerzahl durch den Kopf. Die ultrarechten Eidgenossen wollten ja derart gegen die ihrer Meinung nach zu hohe Migration vorgehen. Ist es in so einem angeheizten Klima sinnvoll,  Indien in der Schweiz aufzusuchen?

Aber es gab ja in meiner Erinnerung andererseits noch die Reise mit Heinrich Harrer nach Ladakh, auf der ich den damals zweithöchsten Rinpoche nach dem Dalai Lama bei seiner Erhöhung fotografieren durfte. Der hatte uns bei einer Audienz erzählt, wie fabelhaft die Schweiz 1961 den Vertriebenen des Chinesischen Überfalls auf Tibet geholfen hatte. Und noch heute birgt sie weltweit eine der größten tibetischen Exilgemeinden und mit Sicherheit deren größte Diaspora in Europa. Noch immer leben bis zu 8000 Tibeter in der Schweiz, die im Laufe der Zeit nicht dem Dalai Lama ins Exil nach Dharamsala in Nordindien gefolgt sind. Wenn sich ein Inder in dem kleinen, mittelalterlichen Dorf Grono so wohlfühlt, dass er dort ein Hotel betreibt, muss dieses schon etwas besonderes sein.

Wohl einige dutzend Male sind wir schon auf der anderen Seite an Grono vorbei gerast, ohne überhaupt von seiner Existenz zu wissen. Weil die Fürsorglichste aller meiner Ehefrauen mit ihrem neuen, noch nicht so vertrauten, fahrbaren Untersatz viel schneller unterwegs war, als erwartet, standen wir am frühen Nachmittag vor verschlossenen Türen. Unter dem indischen Zierrat an der Hausfront fand sich keine Klingel. Unser Klopfen bei Gluthitze hallte in Totenstille wider. Wir wussten ja noch nicht - wie Stammgäste - dass die dreistündige Mittagspause für Wirt und Personal eine Art heiliges Ritual ist.

Dass unser ungeduldiges Klopfen auf geheimen Wegen an das ruhend Ohr des Wirts gelangt ist, tat dessen Freundlichkeit aber keinen Abbruch. Er schleppte unser Übernachtungs-Gepäck in den ersten Stock, zeigte uns alles und führte uns dann in den Privatgarten, wo er uns an einem Tisch im Schatten einen eiskalten Weißwein und Grano Padano hinstellte, um auf dem Absatz kehrt in die Pause zu machen.

Vom mitteilsamen indischen Koch, der mit seiner traditionell anmutenden Frau in einem anderen Winkel des Gartens Siesta und Video-Chats in Urdu mit der Heimat machen wollte, erfuhren wir alles, was es zu unserer Bleibe zu wissen gab in fließendem Deutsch. Er hatte zuvor 16 Jahre in Berlin gekocht. Und weil wir ja in seinem Garten tranken, schaute auch der Eigentümer von Haus und Grund in Badekleidung mal bei dem komischen deutschen Paar vorbei. Der korpulent gemütliche Graubündener in unserem Alter begann gleich damit Sprachliches und Historisches zu ergänzen. Demzufolge verdankte das Hotel seinen unindischen, ladinischen Namen dem Fall des Baches Calanca in den Berg-Schrofen hoch über uns: "Calancasca" eben.

Khanna@albergocalancasca.ch

Die totale Ruhe von Grono ließ uns den frühzeitigen Weingenuss entspannt wegschlafen. Gerade noch rechtzeitig mit großem Hunger erlebten wir dann in den Abendstunden, wie das Dorf sich in eine lebhafte Nachbarschaft verwandelte, in der anscheinend jeder jeden kennt, grüßt und auch gleich auch ein paar Worte wechselt. Auch mit den deutlich als solchen zu erkennenden deutschen Touristen. Grüezi, Ciao, Buona Sera!

Das viergängige indische Menü mit dem Hauptgang Chicken Tandoori war absolut authentisch und schmeckte auch meiner Frau, die vorher ehr skeptisch war, überragend.

Alle Fotos: Claus Deutelmoser
Amuse Gueuile

Baked Onions
Diese Kombination aus Familiärem mit dem Kulinarischem tröstet insgesamt darüber hinweg, dass die preiswerten, sauberen, geräumigen Zimmer (mit Dusche aber ohne Toilette) nicht high end Luxus sind. Für uns war die Übernachtung in Grono jedenfalls ein Halt, der noch lange nachhallt. 
Chicken Tandoori

Naan mit Knoblauch und Koriander



Und zum Nachtisch ein kurzer
Verdauungsspaziergang durchs
malerische Grono






Sonntag, 28. September 2025

Burg-Therapie gegen Trump-Terror

Regelmäßige Besucherinnen und Besucher meiner Blogs, konnten ja meine bösen Ahnungen schon zu Beginn dieses Jahres verfolgen. Es schmerzt mich, dass so viele von der Wirklichkeit übertroffen wurden. Nicht nur dass meteorologische Klima verschlechtert sich von Jahr zu Jahr rund um unseren Planeten, sondern vor allem das politische und dadurch auch das zwischenmenschliche .Dazu all die Katastrophen. Schon jetzt - nachdem erst dreiviertel von ihm rum ist - erlaube ich mir 2025 als das bislang schlimmste dieses Jahrtausends zu bezeichnen. Für mich war es mit der zusätzlichen Bedrohung durch eine zu spät erkannte, ernste Erkrankung das bislang schrecklichste Jahr meines Lebens. Bisweilen war ich versucht, es wegen allem für ein ideales Abschiedsjahr zu halten...

Und dann war da plötzlich das enorme Interesse einer wachsenden Leserschaft weltweit, die meinen Blogs schon nach dem ersten Halbjahr eine neue Rekordzahl bei den Zugriffen bescherte. Dass in der Statistik auf einmal so viele VPN-Verbindungen sind macht mich allerdings stutzig, und auch KI könnte ja Kontext von den Blogs absaugen. Drauf gepfiffen! Hauptsache  ist doch, dass die Gedanken eines alten Mannes unter die Leute kommen - und vielleicht auch zum Nachdenken veranlassen. Aber dass gerade so viele Aufrufe bei Posts erfolgen, die nur Gedanken zum Leben beschreiben, macht mich doch mutig, zu glauben, dass im WWW viele Gleichgesinnte surfen, um ein wenig Erbauung zu finden.

Dafür - liebe Leute - bin ich euch unendlich dankbar. Das Schreiben von Burgbriefen über Menschliches allzu Menschliches war nämlich  die Therapie, die mir mehr über meine Wut auf den täglichen Trump-Terror geholfen hat. als irgendeine Reha.

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn die Sonne kaum noch direkt den Burghof erreicht,
fällt der Abschied auch nicht so schwer

Heute melde ich mich für dieses Jahr von der Burg ab. Noch eine letzte Pizza am Meer, dann machen die "Fürsorglichste" und ich "Casanna" winterfest und hoffen natürlich, dass wir einmal mehr ein kommendes Frühjahr auf diesem Zauberberg erleben dürfen.

Wie immer melde ich mich nach einer Woche Pause aus dem Glashaus wieder. Wir hoffen, dass wir bei all den nicht geworfenen Steinen, die Tür überhaupt noch aufkriegen.

So die Vorsehung uns allen gewogen ist, werfe ich meinen ersten Stein am 6. Oktober.

Freitag, 26. September 2025

Alter Schützt den Mafioso nicht

 Da kann Jonas Jonasson noch so köstlich in seinen Romanen um den "Hundertjährigen" Stories erfinden. Die italienische Wirklichkeit überholt ihn in einer Posse, über die ich gerne schmunzeln möchte, wenn ich mich nicht schon so lange mit dem weltweiten und mörderischen Netzwerk der kalabrischen 'Ndrangheta beschäftigt hätte.

Quelle: La Stampa
Vergangene Woche wurde Pino Piromallo erneut bei einer großangelegten Razzia gegen die Mafia festgesetzt. Piomallo gilt als einer der einflussreichsten Capo dei Capi an der Stiefelspitze. An seinem Lebenslauf lässt sich gut die Aussichtslosigkeit der Arbeit der italienischen Strafverfolgung und des immer noch korrupten Strafvollzugs festmachen;

Quelle: google
Namensvetter
Giuseppe ( Peppino)
1921 - 2005
Nachdem er Jahrzehnte lang aus dem Untergrund die Fäden gezogen hatte, wurde er zur Jahrtausend-Wende geschnappt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor kurzem kam  er nach 22 Jahren wegen seines Alters - offenbar ohne Auflagen - aus dem Gefängnis frei. Dieser Piromallo ist Jahrgang 1945 - also nicht der 1921 geborene, und auch nicht etwa wieder auferstandene, noch berüchtigtere und bereits 2005 verstorbene Mafioso gleichen Namens. Schon allein die Namensgleichheit und die selbe Wirkungsstätte, nämlich die Hafenstadt Gioia Tauro, hat immer schon bei den Fahndern für Verlegenheit gesorgt.

Der noch lebende Piromallo hat also offenbar nach seiner Entlassung gleich die Zügel seines Clans, die er offenbar auch aus dem Gefängnis nicht locker gelassen hat, wieder direkt angezogen. Denn er wurde - wen wunderts - bei der Razzia im Kreise seiner hochrangigen Capi festgesetzt.

Man könnte schwadronieren: "Alter schützt vor Mafia nicht!". Aber das wäre eine Verharmlosung der tatsächlichen, althergebrachten Macht-Strukturen, in denen "die Ältesten" immer noch die Geschäfte eines über Milliarden schweren Schatten-Imperiums totalitär als Gebieter über Leben und Tod lenken.

Das Netzwerk der 'Ndrangheta, das auch in Deutschland durch Schutz suchende "Rückzügler" (Recidivi) tief verankert ist, handelt weltweit mit Drogen, Waffen und Prostitution, aber macht sich zudem durch Korruption und Geldwäsche nahezu unangreifbar. Wer gerade erlebt, wie der US-Präsident samt einer erkauften Gefolgschaft mit Justiz und Verfassung in aller Öffentlichkeit umspringt, kann nur das Grauen vor dem bekommen, was die Kalabrier de facto in den sogenannten Schwellen-Ländern mit ihrem Geld anrichten.

Quelle: Tagesschau
 An dieser Schatten-Macht wird sich auch die faschistisch angehauchte Giorgia Meloni - ähnlich wie ihr Vorbild Benito Mussolini - ihre scharfen braunen Zähnchen ausbeißen...

Dienstag, 23. September 2025

Flut der Fress-Fotos

 Von jeher gehörte das Stillleben zur hohen Kunst der Malerei. Da auch in jenen Zeiten mitunter die allgemeine Versorgung schlecht war, könnte man glauben, die Alten Meister hätten ihrer Kundschaft vor allem solche von Obst, Fleisch und üppigen Tafeln für deren Wände erschaffen, damit jene in der Not wenigstens optische Wegzehr hätten. Oder war es die Eitelkeit, herzuzeigen, was man sich an Gaumen-Genüssen so alles geleistet hat?

Claus Deutelmoser Öl auf Leinwand, Planegg 1983
Wenigstens habe ich mir in der "analogen Zeit" noch die Mühe
gemacht, solche Stillleben selbst zu schaffen

Aber was hat es zu bedeuten, wenn ich heute in Restaurants Leute dabei beobachte, wie sie Teller um Teller mit ihren Smartphones ablichten? Auch meine Familie ist von dieser Pandemie erfasst worden. Es vergeht kaum ein Tag an dem im Family-Chat nicht "lecker Essen" gepostet wird. Meist auch ohne Kommentar. Ganz im Stile von Stillleben eben, werden da auch ganze Gelage abgebildet.

Claus Deutelmoser. Oil on Canvas: Positano 1984
Siehe auch die Bildergeschichten 
auf meinem Blog "Der Burgschreiber"



Eine Zeit lang konnte ich mich darauf hinaus reden, meine Speisen allein  deshalb abzulichten, weil ich in meinen Blogs auch persönliche Rezepte poste. Aber mittlerweile ist Fress-Fotos zu schießen, auch bei mir zur Manie geworden. Hochgerechnet auf  die vielen dekorierten Teller in meiner Cloud müssten die Menschen weltweit dermaßen Darstellungen ihres "täglich Brot" schlucken, dass in der Nachwelt der Eindruck entstehen könnte, die Welt sei endlich ein Schlaraffenland geworden.

Aber das ist eben nicht der Fall. Leute, die ihr Essen im Restaurant oder daheim aufnehmen, haben eben ein Handy. Wer gar ein Smartphone besitzt, kann sich meist auch leisten, Essen zu gehen. Aber was ist mit dem Großteil der Weltbevölkerung, der weder das eine noch das andere hat? Wäre ich in diesen egomanischen Zeiten noch Idealist, schlüge ich vor, dass jeder oder jede für jedes Posting einer Mahlzeit automatisch auch einen Euro an die Welthungerhilfe spendete...
Teufel eins! Da reichte ja meine Rente gar nicht...

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn ein Wirt aber Obst mit soviel Mühe beschert,
ist es schon ein Fress-Foto wert...

Also mache ich es wir alle anderen. Ich rufe die Fress-Fotos irgendwann in dankbarer Erinnerung für ein Leben auf, das ich privilegierter als viele andere leben durfte.
Hier zum Nachschmecken und -Sehen ein typisch ligurisches Highlight:

Maria mal ohne Knoblauch: Im Sommer 2020


Montag, 22. September 2025

La Regina Communale

Wann immer ein Mann ironisch über eine weibliche Führungskraft äußert, macht er sich sofort als Macho verdächtig. Ich hoffe, es sind noch einige meiner Mitarbeiterinnen am Leben, die bezeugen könnten, dass ich ich in meinem Büro schon vor vielen Jahrzehnten stets für ein Gleichgewicht der Geschlechter und  der Verantwortung bei der Aufgabenverteilung gesorgt habe.

Ich weiß nicht, ob sie es verdient hat, dass ich ihr hier für einen gewissen Zeitraum ein Denkmal setze, aber ich muss einfach über unsere, mittlerweile ein Vierteljahrhundert andauernde Beziehung resümieren. Tatsächlich hat mich niemals zuvor eine Frau derart aufgeregt, wie die Frau, die ich "La Regina Communale" - also die "Königin der Gemeinde" nenne. Da sie ein paarmal und jetzt wieder den selben Bürgermeister aber dazwischen auch diverse Bürgermeister*innen überdauert hat, hätte sie auch Anspruch auf den Titel "la Syndaca secreta", was ins Deutsche übersetzt heimliche Bürgermeisterin oder gar geheimes Syndikat heißen könnte. Wobei letzteres wohl am ehesten auf ihr Wirken - vor allen gegenüber uns Ausländern zuträfe...

Paint-Skizze CD
Wie und mit welcher Unterwürfigkeit
man der "Regina Communale" begegnen sollte,
hat mir Nachbar Daniello vorgemacht.
der von ihr selten besser behandelt wird als ich
Unsere erste Begegnung war dem damals noch neuen, italienischen Abfallgesetz geschuldet, das vor allem der wilden Ablagerung von Sperrmüll den Kampf ansagte. Das fand ich vorbildlich, und wurde auf der Gemeinde vorstellig, um die Altlasten der Vorbesitzer unseres gerade erworbenen Hauses zu entsorgen.

Wie gesagt, das ist mehr als zwei Jahrzehnte her, und wir beide waren noch voll in Saft und Kraft. Deshalb gestehe ich, dass ich ihre Worte nicht nur wegen meines mangelhaften Italienisch nicht verstand, sondern weil sie mit einem derart tiefen Dekolletee vor mir saß, dass ich Angst hatte, ihre Brüste würden gleich links und rechtes die Aktenstapel von ihrem Schreibtisch schwappen. Die Ernüchterung kam, als sie mir Formulare für dreifache Ausführung reichte, in die ich jeden einzelnen zu entsorgenden Gegenstand mit Fabrikations-Nummer und Herkunft eintragen sollte. Als ich ihr versuchte zu erklären, dass das alles Überbleibsel und Altlasten waren, die aus meinem Haus raus mussten, wurde sie zornig, und ließ den Spruch ab, den meine Frau und ich in der Folge immer wieder zu hören bekamen:
"Was? Ihr kauft  euch ein Haus in Italien, und ihr könnt kein Italienisch?"

Inzwischen würde ich ihr - sprachlich leicht verbessert - entgegnen, dass die Wirte von unseren, Jahrzehnte lang frequentierten Lieblings-Italienern in München auch nie richtig Deutsche gelernt hätten, wir das aber voller Dankbarkeit charmant fänden, da sie uns in der Diaspora immer wieder so schöne "Italienische Momente" bescherten.

In unserem Gastgeber-Land sind ja Witze über die Deutsche Bürokratie sogar in den Sprachgebrauch eingegangen. 25 Jahre Erfahrung haben mir klar gemacht, dass das nur Sarkasmus ist, weil die nölige Behörden-Willkür Italiens zum Teil derart drastisch ist, dass Verzweiflung an ihr wohl zur Abschreckung der Bittsteller dienen soll.

Aber immerhin ist dann Vieles auch "learning by doing":

Ein für allemal, weiß ich, wie Sperrmüll auf Italienisch heißt! Nämlich:

Rifiuti ingrombranti!


Freitag, 19. September 2025

Öl-Krise Update

 Die nachbarschaftliche Gerüchte-Küche ist durch die Aussicht auf eine der schlechtesten Oliven-Ernten der letzten Jahre in diesem Herbst derart unter Dampf, dass  man als Outsider gerne glauben möchte, dass manche der Geschichten allein als Argument für die absurde Preissteigerung herhalten müssen.

Quelle: depositphotos
Reichen den Fratoioini bald wieder
die alten mechanischen Mühlen?
So wird kolportiert, dass einer der Ölmüller (Frantoioini) aus unserem Tal anlässlich der letztjährigen Rekord-Ernte enorme Schulden gemacht hat, um jede Menge  aufzukaufen. Er wird heuer - so wird vermutet - alles mit Zins und Zinseszins nicht nur zurück zahlen können, sondern auch einen beachtlichen Spekulations-Gewinn bei bis 30 Prozent höheren Liter-Preisen einfahren. Denn aus unserer Region wird es im kommenden Jahr wohl wirklich nicht viel Öl geben.

Betroffene Nachbarn berichten, dass die uralten Bäume, deren Äste sich im vergangenen Herbst noch unter der Oliven-Last gebogen haben, nun kaum Früchte tragen. Und wenn ein paar klitzekleine doch noch dran sind, dann fällt die Olivenfliege über sie her, die ja auch nicht genügend von ihnen zur Ei-Ablage für ihren Nachwuchs findet. 


Quelle: Olivoil Times
Ist die Vendemmis schlecht,
gibt ihr die Olivenfliege den Rest
Wir haben ja hier immer von den nachbarschaftlichen Erzeugerpreisen profitiert, aber wir mussten jetzt schon ganz schön zusätzlich löhnen. Nach fast sechs Jahren zu stabilen Preisen zahlen wir für den Fünfliter-Kanister, der ja auch vom säurebeständigen Material her immer teurer geworden ist, nun zwar immer noch konkurrenzlose 70 Euro. Für ein Glas eingelegte Oliven zur Happy Hour berappen wir nun fünf statt zuvor drei Euro.

Normalerweise begänne jetzt das Auslegen der Netze unter den zur Ernte bereiten Bäumen. Zunächst die Grünen, dann, die sich schon bräunlich färben und letztlich die, die am Ende der Vendemmia schwarz sind. Aber als wir gestern talwärts fuhren, waren immer noch keine ausgebreitet

Quelle: depositphotos

Tatsächlich habe ich erstmals hier zusätzlich Sonnenblumen-ÖL eingekauft und "veredle" Oliven-Öl - um zu Sparen - fürs Braten von edlem Fisch oder Fleischgerichten mit einem Esslöffel Butter, die europaweit tatsächlich gerade günstiger zu haben ist...

Mittwoch, 17. September 2025

Als Individuum zurück in den Existenzialismus!

 Wenn seine Nationalismus predigenden Bootlegger so weiter machen, wie in den ersten 150 Tagen von Donald Trumps zweiter Amtszeit, dann hat die Welt kaum noch eine Chance vom "Evil" zu genesen.

Es gibt ja viele Wissenschaftler, vor allem Psychologen, die uns Ratschläge geben, wie wir - das Fußvolk - mit den täglich auf uns hereinprasselnden Hagel-Gewittern schlechter oder gar bösartiger Nachrichten umgehen könnten, um Schaden von unseren Gemütern abzuwenden. Aber wieviel kann der interessierte  Durchschnittsmensch in diesen Tagen überhaupt noch an "Bad-" oder "Fake-News" verkraften, wenn omnipräsente Menschen von Rang und Namen sie verbreiten? Wenn beispielsweise ein Deutschland-Kenner wie Ex-US-Botschafter Richard Grell dazu aufruft, einem unserer feinsten und mutigsten Korrespondenten, nämlich Elmar Theveßen, das Journalisten-Visum zu entziehen. Wer soll uns denn dann noch über den zunehmenden Faschismus in den immer autoritärer regierten USA aufklären? Oder gar auf die permanente, geistige Infiltration Europas von Leuten wie Elon Musk hinweisen?

Quelle: FOCUS.de
Existenzialismus nach Sartre - einfach erklärt

Die Menschheit ist weltweit unaufhaltsam auf dem Weg in eine Meinungs-Versklavung, aus der es doch nur scheinbar ein Entrinnen gibt. Wir Alten können uns zwar hinter dem Fakt verstecken, dass wir sowieso nichts mehr ändern können, aber wir sollten zumindest unsere gesammelte Erfahrung mit einer Art Ethik-Kompass für eine fiktive "Zeit danach" ausrichten. Das schließt natürlich nicht aus, dass andere, die das auch tun, nicht auch Nazi-Denken - wie gerade jetzt - an die digital hörige Jugend weitergegeben...

Der thematische Anlass für diesen Post ist auch meine dringend erforderliche, persönliche Standort-Bestimmung. Was kann ich außer meinem Geschreibsel hier noch für einen Beitrag leisten? Leider steht mir ja nichts anderes zur Verfügung, als aus meiner langen Erinnerung, Hinweise zu geben. Was haben Philosophen in schweren Zeiten gedacht, um nicht nur intellektuell über die Runden zu kommen?

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Quelle: ArtPhotoLimited
Aus Prinzip nicht verheiratet, nicht immer 
einer Meinung, aber kaum getrennt
von Tisch und Bett
Da fielen mir spontan Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre ein. Das Paar, das zeitlebens zusammen war, ohne zu heiraten und auf Konventionen pfiff, sind immer noch die Vordenker des Existenzialismus, zu dem vorrangig die wertfreie Ausrichtung des Menschen als Individuum gehört.

Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang mal zu lesen, was die beiden nach dem Zweiten Weltkrieg auch als  Literaten an Erinnerungen hinterlassen haben, um sich ihrem nicht wirklich leicht verdaulichen philosophischem Werk zu nähern,

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Sartres Kernsatz zum Existenzialismus lautet:
"Die Existenz geht der Essenz voraus."

Hier ein erläuterndes Zitat aus Wikipedia:

Hieraus erklärt sich auch die Fokussierung des Existentialismus auf die Themen Angst, Tod, Freiheit, Verantwortung und Handeln als elementar menschliche Erfahrungen. Der Mensch versteht sich selbst nur im Erleben seiner selbst. Demnach bezieht sich der Existentialismus nicht mehr auf eine göttliche oder kosmologische Ordnung, sondern entwickelt seine Theorie vom Einzelnen aus. Dadurch wird eine religiöse Grundhaltung nicht abgelehnt (auch wenn dies häufig durch die Schriften Sartres intendiert wird), sondern der Glaube wird vielmehr selbst zum existentiellen Erleben.

Ich als Agnostiker interpretiere das für mich so. Ob das allerdings zum Nach-Denken taugt, kann ich nur hoffen:

Das Individuum kann  sich vor den äußeren Einflüssen vom Anbeginn nur dadurch schützen, dass es sich - zu aller erst seiner eigenen Existenz zunehmend bewusst - von seinem eigentlichen Wesen nur so weit entfernt, dass es am Leben bleibt, ohne anderen nach dem ihrigen zu trachten.

Hilft das aber, den Trumpismus oder Putinismus schadlos zu überstehen? Das sei dahin gestellt, aber. immerhin wäre man durch innere Einkehr ganz bei sich, ohne sich und seine Ideale aufgeben zu müssen.