Montag, 17. August 2026

Eine Gefahr, die nicht zu bannen ist

Quelle: Tagesschau

Wenn ich in diesen Tagen vom Ätna lese, werden meine unterschiedlichen Erlebnisse auf und um ihn wieder präsent. Das ereste war ein einzigartiger Ski-Tag zwischen teilweise dampfenden Lawazungen als der östliche Schlepplift noch stand, und der dazugehörige Rifugio einen romantischen Ausklang bescherte. Beim zweiten Besuch wollte ich meiner Frau beides zeigen, aber sowohl der Lift als auch die Skihütte waren unter der Lawa des jüngsten Ausbruchs verschwunden. Bei meiner Oster-Reportage über die Settimana Santa einige Jahre später, wies in den Prozessionen rund um den mit 3.324 Metern höchsten und aktivsten Vulkan Europas bei den religiösen Motiven der Fürbitte nichts auf diese permanente Bedrohung durch den Ätna hin. Dabei war an der Westflanke die Seilbahn vorsorglich außer Betrieb. Die Schneefelder des verwaisten Skibetriebs waren gelb vom Schwefel. Weiter unten sahen die Betongerippe der Häuser schon aus wie zerstört, aber die waren einfach nicht weiter gebaut worden. Da war der Optimismus wohl schon an seine Grenzen gestoßen.

Quelle: Mayon National Parc
Schön, aber so gefährlich
wie kaum ein anderer Vulkan weltweit
Weltweit war ich unter den Vulkanen stets erstaunt, wie sehr die dort lebenden Menschen derart beharrten, in unmittelbarer Nähe der tödlichen Bedrohung zu bleiben. Wie unerschütterlich sie an ihren bisweilen zerstörten Existenzen festhielten.
Im Süden der phlippinischen Hauptinsel Luzon beischtigte ich zu Füßen des Mayon die damals gerade vom Beben zerstörte Kur-Anlage durch die nun die heißen Quellen nutzlos versprudelten, während die Baueern auf den benachbarten Feldern - als sei nicht gewesen - die Ernte vorbereiteten. 

Hält ein  Vulkan still, bietet er eben Segnungen wie enorme Fruchtbarkeit und heilsame atmophärische Einflüsse. Alle Anwohner, die ich zu der steten Bedrohung fragte, sprachen auch von einer gewissen Mystik, die die Angst entspanne. Das ist wohl auch der Grund, wieso Einheimische, die evakuiert werden müssen, als erste Schaulustige so nahe an den Ausbruch heran wollen, wie es gerade die Leute aus Catania demonstrieren, die sich von den Carabineri nur mit Mühe zurückhalten lassen. Betroffene wollen später immer wieder dort siedeln, wo der Vulkan sie vertrieben und Hab und Gut zerstört hatte.  Da möchte man ja fast staunen über unerschütterliche Gläubigkeit oder an den Einfluss vom antiken Gott Vulkanus glauben. Auf der Insel La Réunion stand ich in den 1980er Jahren mitten in einem Lawafeld, das als einziges die Dorfkirche ohne sie zu beschädigen umflossen hatte. Unweit davon hat es die "Vierge au Paraplui", die als Schutzpatronin ausgemacht wurde,  als Mahnmal zu Weltruhm gebracht.

Quelle: Réunion Tourisme

Quelle: KI World of Gods
Aber Glauben heißt eben nicht Wissen! Weltweit werden plötzlich Vulkane fast gleichzeitig aktiv, und die Erde bebt auf beinahe allen Kontinenten synchron. Keiner hat eine Erklärung dafür, weil es zwar Vorwarn-Systeme gibt und permanente seismologische Überwachungen - speziell entlang der "Rings of Fire"! - Aber wo die auf der Magma schwimmenden Erdplatten eine Lücke für eine Erruption durch Verschiebungen schließen, ist eben nicht vorherzusagen.

Quelle: INGV
Wenn ein Seismologe die aktuellen Aktivitäten des Ätna der Stufe Rot zuordnet, und ein anderer von einem nicht "normalen Ausbruch", beunruhigt das zwar, aber es lässt einen auch das Maß an Ungewissheit erahnen. Allerdings, im Zusammenhang mit der kürzlichen Erschütterung der Phlegräischen Felder und dem nur neun Kilometer von Neapels Innenstadt entfernten Mar Solfatara wird man - garnicht beruhigend - daran erinnert, dass diese Caldera - und auch die vom Yellowstone - nur eine Dicke der Erdkruste von  fünf bis 80 Kilometern aufweist, während die Lithosphäre normalweise im Schnitt zwischen 100 und 200 Kilometer tief ist.

Quelle: Vulkane net
Pompei ist noch nicht völlig ausgegraben,
da könnte Neapel ein ähnliches Schicksal  erleiden.
Aber wenn die Solfatara in die Luft fliegt,
wäre ein großer Teil Europas

 - wenn nicht gar der Welt betroffen
Erruptierten und explodierten die Phlegäischen Felder (Lithospäre nur 3 bis 4 Kilometer) und die Yellowstone-Caldera in kurzen Abständen wären die Auswirkungen auf die Welt dramatischer als die Klimakatastrophe oder eine Auseinadrsetzung der Weltmächte mit Atomwaffen. Ein zeitnaher Ausbruch beider wäre das globale Aus für alle Lebewesen auf  Erden.
Dies Gefahr ist einfach nicht zu bannen.  
Dass keiner da etwas vorhersagen kann wann der Welt dies droht, hilft zumindest beim Verdrängen...

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