Donnerstag, 6. August 2026

Heer der Fliegen 2

Wenn ich schon seinen deutschen Buchtitel zum zweiten Mal entlehne, muss ich ntürlich auch einen Querverweis auf seinen 1954 erschienen Eskapisten-Klassiker machen: William Goldings "Herr der Fliegen" (im Original "Lord of the Flies").
Quelle: Wikipedia
William Golding
1911 -1993
Bei mir geht es natülich wieder um die Insekten-(P)Lage rund um unsere Piazza.
Gerade wenn es so trocken ist, versammeln sich die rastlos schwirrenden Plagegeister bei der Fontana und um die Blumen-Kübel. Meine Frau, die sich täglich zigmal beißen lässt - wohl um von mir abzulenken - hat den gesamten Rüstungsetat für dieses Jahr schon ausgereizt: Im Schlafzimmer steckt einFlüssigkeitsverdunster am Strom, unterm Esstisch und dem Ziertisch draußen wabern grüne Spiralen vor sich hin, und wenn wir abends aus reiner Faulheit in der Küche essen, brennen zusätzliche Zitrus-Teelichter  zur Abwehr in den Kandelabern. Wieso sie dennoch täglich mehrmals aufjammert, bleibt ein Rätsel. Sie meint es ja nur gut mit dem Gießen der Pflanzen.

Übrigens habe ich bislang nur einen einzigen Biss abbekommen. Ob es geschmeckt hat oder mein Blut der Brut der Mücken-Weibchen bei all meinen Medikamenten wirklich hilft, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Quelle: Springer Nature
Der Stechrüssel (Proboscis) einer weiblichen Stechmücken ist keine einfache Nadel, sondern ein hochpräzises Bündel aus sechs feinen, einzeln beweglichen Mundwerkzeugen (Stiletten), das von einer schützenden Unterlippe umgeben. Deshalb
müsste es korrkter Weise Mücken-Biss heißen


Mich plagen zum Ausgleich die Fliegen, die auf mir starten und landen als sei ich ein Fliegzeugträger. Da ich bei der Hitze mitunter mehrmals dusche, kann es an meinem Geruch kaum liegen. Ich glaube, sie mögen meine Ruhe nicht, Sie wecken mich krabbelnd im Morgengrauen. Wenn ich schreibe, sitzen sie entweder auf dem Bildschrim, in der schwarzen Tastatur oder zwischen den tippenden Fingern, als wollte sie, dass ich ihr rastloses Verhalten studiere.
Wenn ich mit der Fliegen-Klatsche in der Hand als "Lord of the Flies" ihre Todeurteile vollstrecken will, verblüffen sie mich einen um den anderen Fehlschlag damit, dass sie wie pogrammiert an Stellen sitzen, an die ich nicht herankomme oder nicht herankommen will. 

Ich habe im Netz keinen Hinweis darauf gefunden, wieso sie sich bei dieser Bedrohungslage vorrangig auf weißes Porzellan, fragile Gläser oder  so auf mühselig verfasste Textzeilen setzen, dass ich bei gewaltsamer Gegenwehr ganze Absätze - wie gerade eben - lösche. Das Verhalten der Fliegen beim Überleben muss trotz ihrer kurzen Lenbensdauer samt ihren Reflexen zum Davonfliegen irgendwie genetisch manifestiert sein. Trotz meiner nachlassenden Geschwindigkeit beim Abklatschen bringe ich täglich doch gut zwei Dutzend dieser Quälgeister zur Strecke, Aber was wird sein, wenn sie es schaffen, dazu noch eine gewisse Schwarm-Intelligenz zu entwickeln? 

Quelle: Instagram
1921 - 2006
Stanislaw Lem, der polnische Science-Fiction-Prophet, erfand schon in den 1980ern in einer Erzählung kleine Fliegen-Computer, die in großen Schwärmen, mit KI menschliche Raumstationen zum Erliegen brachten.

Und da erzählt mir meine Frau beim Frühstück, sie hätte ohne zuzuschlagen einen Fliegen-Dreier auf dem Küchentisch beobachtet, bei dem sich die vermeintlichen Männchen so verhalten haben, wie es eben "männerüblich" sei...

Quelle: Spektrum der Wissenschaften

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