Mittwoch, 31. Juli 2013

Wind-Kreuze

Bislang brauchten wir der Verwandtschaft in Deutschland nichts vorzustöhnen. Was die Hitze anging, waren die uns heuer immer ein paar Grade voraus. Wenn wir im Fernsehen die Bilder von einem der heißesten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland sahen, kam da immer irgendwie Urlaubsstimmung und Ferien-Aktivismus rüber. War das bei uns früher auch so?

Jetzt jedenfalls verfallen wir in einen Zustand, den Zoologen vermutlich als das genaue Gegenteil von Winterschlaf bei einer Spezies beschreiben, die später mal homo gerontos heißen könnte. Während sich die Feriengäste tagtäglich zum Strand hinunter begeben, führen wir ein regelrechtes Schatten-Dasein. Da sind wir auch froh, dass wir außer der Terrasse noch die Piazza vor der Haustür haben. Nur zum Gießen nach Sonnenuntergang und zum Sterne-Gucken (jetzt ist ja die Zeit der Plejaden mit jeder Menge Sternschnuppen, bei denen man sich etwas wünschen kann) ist es da in diesen Tagen auszuhalten. Noch nach Mitternacht fühlen sich ihre Fliesen an, als habe jemand eine Fußbodenheizung auf volle Pulle gestellt, und durch die vielen Pflanzen-Töpfe wabern dort auch noch Wolken blutdurstiger Mini-Bestien durch die Dunkelheit...

Die Piazza also! Haben die Burg-Baumeister von einst das in weiser Voraussicht so vorgehabt, oder ist die nach Westen offene Lage auf dem erhöhten Podest des Felsgrates einfach nur eine Anpassung an die Gegebenheiten gewesen? Jedenfalls gibt es mit dem Wandern der Sonne immer wieder ein Schattenplätzchen auf der Piazza, an dem man es eine Zeit lang selbst bei größter Hitze gut aushalten kann.

Der Burg-Baumeister aus Deutschland, der sich vor mehr als drei Jahrzehnten des zentralen Gemäuers angenommen hatte, brachte uns gegenüber eine genau ausgerichtete Sonnenuhr an, die sogar die Sommerzeit anzeigt. Allerdings ist beim derzeitigen Zenit dieser inzwischen als Blödsinn enttarnten Zeitumstellung der Schlagschatten des Burg-Daches so stark, dass die Uhr für Stunden außer Funktion ist (siehe Foto rechts oben).
Aber wir haben - da unsere Armbanduhren an Burg-Tagen ausrangiert sind - ja auch noch die Glocken von Santo Stefano. 
Wenn es um diese Tageszeit dann selbst im Schatten nicht mehr aus zu halten wäre, gibt es eine weitere Option: die Wind-Kreuze...

Unsere drei Hauptgassen führen nahezu parallel von Süden nach Norden den Berg hoch. So gibt es - egal ob überhaupt ein Wind geht - allein durch die steigende Thermik einen steten Hauch. Da die Piazza drei überschattete Ausgänge hat und nach Westen offen ist, entstehen zusätzliche Strömungen, die sich an bestimmten Stellen kreuzen. Dorthin stelle ich dann meinen Stuhl und genieße quasi eine natürliche Klima-Anlage, damit mein von der Hitze zermatschtes Hirn sich solche langweiligen Hundstage-Posts ausdenken kann wie diesen hier...

Samstag, 27. Juli 2013

Der Tigermücken-Club

Seit mein Computer wieder mehr schlecht als recht funktioniert, erreichen mich auch wieder direkte Mails von den paar verbliebenen Burgbriefe-Lesern:
"He Obelix, was schreibst du immer von deinem Menschen-Zoo? Wo doch deine anderen zoologischen Geschichten viel spannender sind. Zum Beispiel die über die Hühner - vor allem mit dem Hinweis auf deine tolle Suppe..."

Also gut, schließlich ist das Ego eines Bloggers schon auch irgendwie von Zugriffszahlen abhängig. Hier also die neuste tierische Geschichte aus unserem alten Gemäuer:

Die Verbreitung von Angst  erzeugenden Geschichten greift gerne unter den Burg-Frauen und -Fräulein um sich. Und zwar mindesten so rasant, wie die sich angeblich epidemisch in Italien (und nur in Italien?) ausbreitende Tigermücke.

Es begab sich, dass die Zweitbeste eines späten Morgens mit zur Sonne gewandtem Rücken erwachte und aussah wie eine Krater-Landschaft beziehungsweise eine Götterspeise mit Vanille-Sauce. Sie hat wegen ihres reichlich vorhandenen süßen Blutes schon manchen Spott ihres diabetischen Mannes ertragen müssen, der deswegen erstaunlich oft - neben ihr liegend - verschont wurde. Wir hatten ja leider kein Internet, um die sich ausbreitendes Furcht noch zu beschleunigen. Aber zum Glück gibt es ja Telefon: Die berühmte, dauernd betroffene Tante B. aber auch die schönste aller meiner Töchter sind hervorragende Rezipienten für Geschichten des täglichen Ungemachs. Vor allem Töchterchen heizte die Angst vor dem drohenden Dengue-Fieber auf der Burg noch an - wo wir doch direkt neben dem Brunnen hausen und die Zweitbeste ja auch täglich für gute Brutplätze durch ihr exzessives Gießen der Piazza-Blumen sorgt.

Vorgestern also unsere reunione mensile di vicini - das Abendessen mit der Nachbarschaft auf der piazza castello: Diesmal waren es mehr als 40 Teilnehmer; darunter ein deutliches Übergewicht an Burgfrauen und -Fräulein, die das Tigermücken-Thema derart emphatisch aufnahmen, dass ich dem des Deutschen mächtigen Teil die sofortige Gründung eines Tigermücken-Clubs empfahl.

- Analog zum bereits bestanden habende Tigerenten-Club: Verständnisloses Anstarren, und wieder einmal kam ich mir vor wie der Entenhausener Universal-Wissenschaftler Daniel Düsentrieb, der in den Mickymaus-Heften ja immer wieder seinen Nerd-Humor unter Beweis zu stellen hatte; beispielsweise die Erfindung von Schwarzlicht, dass er erfand, um helle Räume dunkler zu machen.

Damit ich also nicht ganz dumm da stand - als alter Sack aus längst verflossenen Comic-Tagen, gab ich die Kurz-Version von der hölzernen Tigerente, die der geniale Maler, Zeichner und Schriftsteller Janos einst in den 1970ern und 1980ern auf eine Reise ins schöne Panama schicken wollte und die später für Kinder auch fernsehtauglich weiter entwickelt wurde... Das kam nicht gut an. Wieder einmal stand der Obelix als völlig unempfindlich für wahrhaft begründete weibliche Ur-Ängste da.

Vielleicht wäre das der Zeitpunkt gewesen, im Kerzenlicht in gebotener Dramatik mein Hemd vom Körper zu reißen, um meinen breiten Rücken zu präsentieren: Der war längst so erblüht, dass er die berühmte Chaine of Craters Road auf Hawaii in den Schatten gestellt hätte. Mauna Kea und Mauna Loa  oder sollte ich besser sagen Vesuvio, Etna und Stromboli standen da schon kurz vor dem Ausbruch...

Aber was verstehen denn Männer schon?

Donnerstag, 25. Juli 2013

Die Versuchung bedingt die Vertreibung

Das mit Adam und Eva aus der Bibel ist im Prinzip eine Parabel darüber, dass der Mensch immer  wieder Schwierigkeiten haben wird, mit dem zufrieden zu sein, was er hat.
Auf der anderen Seite – also jenseits des Gartens Eden – gibt es aber auch ohne die einschlägigen Eigenschaften vom Baum der Erkenntnis Entwicklungen, die jene nicht verpassen sollten, die fest daran glauben, dass Veränderungen auch etwas bewirken könnten...

Am vergangenen Sonntag, waren wir mit Paula und Paul in der Nähe vom Nava-Pass in dem Örtchen Cosio D’Aroscia. Dort findet jeweils am dritten Wochenende im Juli die Fiera delle Erbe statt, aber das wussten wir eigentlich nicht. Wir hatten den Tipp bekommen, mal bei Da Maria so einem ligurischen Dauer-Gelage beizuwohnen: Gefühlte 20 Gänge (irgendwann zählt man einfach nicht mehr mit), ordentliche Hausweine in Rot und Weiß, Mineral- oder Brunnenwasser, Kaffee, Grappa und Limoncello – tutto compreso für 25 Euro pro Nase. Da kann  über ein, zwei Speisen, die dem teutonischen Gaumen nicht so mundeten, absolut hinweg gesehen werden. Die Fahrt hätte sich also in jedem Fall gelohnt.

Aber durch die Fiera war der malerische Ort nicht nur herausgeputzt und in Festtagslaune, sondern bot auch ein reichhaltiges Programm. Da hat es natürlich nicht geschadet, dass das schmucke Stadtbild wie eine kostbare Brosche - bedingt durch das regenreiche Frühjahr – im geradezu explodierenden Grün der steilen Bergflanken prangte.

Die Besucher wurden mit angebrachten Pfeilen durch den Ort gelenkt, der in der Zeit der Ottonen im frühen Mittelalter bereits erstmals erwähnt wurde. Es spielte sogar ein Wander-Trio Musik aus jener Zeit, während Kids auf einer anderen Piazza live Gruppen-Disco-Dance übten. Dazwischen gab es Stände zum Verkosten oder liebevoll gestaltete Stationen aus der alten Handwerkszeit.

Paul, der selber einmal einen Handwerksbetrieb gehabt hat, schwärmte aber vor allem von der handwerklichen Liebe zum Detail bei der Ausgestaltung des Ortes: Die Bepflasterung zwischen den historischen Gemäuern war ohne Makel. Brunnen waren nicht einfach aufgeschraubte Wasserhähne, sondern  mit alten Armaturen verschönert worden. Und wenn es zwischen den liebevoll restaurierten Gebäuden doch mal einen Leerstand gab, fiel er nicht sonderlich auf, weil eben keine Bretter-Verschalungen oder Plastik-Folien die Atmosphäre verschandelten. Kaum zu glauben, dass dieser Ort zweimal komplett zerstört und auch schon mal in der Gegenwart quasi aufgegeben war...

Uns wurde versichert, Cosio D’Aroscia atme nicht nur an Festtagen volles Leben, weil die Einheimischen aber auch die überwiegend aus Italien Zugezogenen sich engagiert um den Ort kümmerten.

Als wir heim in unseren Borgo kamen, fielen uns als erstes die verrottete Böden unserer Gassen auf. Auch wir haben schön restaurierte Häuser, aber dazwischen eben ruinenhafte Leerstände mit zugenagelten Fensterhöhlen, an die wir uns (leider) gewöhnt haben. In Zeiten der Krise gibt es wenig Hoffnung, dass sich daran so bald etwas ändern wird, weil die Struktur in unserem Borgo eben eine andere ist. Wir sind zwar nahe am Meer, aber bieten keine wirkliche Alternative zum Strandleben, während auf Höhe des Nava-Passes tatsächlich so eine Art gebirgige Sommer-Frische stattfindet.

Paul und Paula sind - wie die meisten anderen ausländischen Hausbesitzer höchstens zweieinhalb Monate hier, auch die Zweitbeste und ich bringen es ja selten auf mehr als  sieben Monate. Die Einheimischen  aber auch die neuen Burg-Geister sind alle bereits im fortgeschrittenen Alter. Kinder und Jugendliche gibt es - selbst im Capo Luogo kaum. Dennoch hat die Gemeinde – wohl für eine andere Zukunft – dort zwei große Sportplätze anlegen lassen, auf  denen niemand spielt und die sich die Natur beginnt, mit Kohorten massivem Unkrautes zurück zu erobern...

In Zukunft wird der Linienbus nach einem Fahrplan verkehren, der die 12 Kilometer in die Stadt hinunter zu einer Halbtages-Reise macht. Von den ehrgeizigen Kultur-Plänen unserer schönen Bürgermeisterin ist jetzt – in Zeiten des  elektronischen Umbruchs am Buchmarkt  - die Idee geblieben, im ehemaligen Kinder-Asyl eine Bibliothek zu eröffnen; für wen, und durch wen geführt?

Seht Ihr! So schnell gerät einer in Versuchung, sich über ein einzigartiges Paradies Gedanken zu machen, die einen leicht über Vertreibung nachdenken ließen. Sind wir doch zufrieden, dass wir noch die Möglichkeit haben, etwas zu ändern...



Dornjasminchen

Es war einmal ein Mann, den selbst Wohlwollende nicht als Märchenprinzen bezeichnen wollten, aber er lebte auf einer Burg und ward dort einigermaßen wohl gelitten. Kein Typ zum Pferdestehlen, aber zum exzessiven Wildschwein-Fressen hätte er getaugt, wenn seine jagenden Nachbarn ihm denn von denen mal eines abgegeben hätten...

Es gingen die Jahre ins Land, und weil sich unser Held immer mehr in seine virtuelle zurück zog, gab er der realen Welt Gelegenheit zum Vormarsch. Das schuf diverse Feindbilder, von denen es jedoch keines schaffte, ihn derart herauszufordern wie die kletternde Variante des ansonsten so herrlich duftenden Jasmins. Beharrliche Burgbrief-Leser werden jetzt in verblasster Erinnerung aufstöhnen: „Nicht schon wieder das Klagen über grenzenloses Wachstum!“

Aber das muss doch mal geschrieben werden! In Zeiten der Krise, wo sich alles und alle zurücknehmen, glaubt ein in schrofigem Fels wurzelnder Jasmin, er könne sich alles herausnehmen – quasi ohne Rücksicht wuchern und wachsen. Was hat der Mann von der Burg nicht alles unternommen, um der Okkupation durch dieses doch eigentlich unterversorgte Gewächs Herr zu werden.

Nächtens rückte er ihm mit der deutschen Gardena-Gartenschere auf den rankenden immer blühenden Pelz. Aber was so ein italienischer Jasmin ist, ignoriert natürlich derart teutonisch eingrenzendes Unterfangen. Der Hydra gleich, produzierte er für jede abgeschnittene Ranke zwei neue. Und er wusste, wo er seinen Feind zu stellen hatte; in dessen Arbeitszimmer.

Vor Halbjahres-Frist noch brutal gekappt, war er im April schon wieder auf Augenhöhe mit seinem Widersacher. Der riss zwar noch brutal die Schlagläden aus der lähmenden Umklammerung, aber konnte dann doch nicht verhindern, dass Ende Mai die Fenster schon zugewuchert waren und die vielen herein drängenden Blüten nur  ein schwacher Ausgleich für das schwindende Tageslicht waren.

Dann passierte etwas, das den bereits aussichtslosen Kampf endgültig zu einer vernichtenden Niederlage  machte: Ein Crash des Burg-Computers schnitt unseren Mann komplett von der Welt da draußen ab. Die vorübergehende Aufgabe seines Arbeitszimmer nützten die Kohorten des Kletter-Jasmins gnadenlos aus. Weil die Hitze ein Schließen der Fenster nicht zuließ, rissen sie die Fliegengitter ein, wucherten über Drucker und Fax und erreichten vor kurzem den Schreibtisch, die Tastatur, sowie den Bildschirm. Ganz tief aus dem grünen Gerank flimmert nun nur noch das blaue Lichtlein eines in der Agonie speichernden Motherboards. Wird irgendjemand irgendwann diese letzte Nachricht lesen?


„Hallo? Ist da draußen irgendeine beherzte Prinzessin, die mich hier raushaut? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Euer Dornjasminchen – Mann, ist das heiß hier!“

Ein Weihnachtsmann im Juli

Die Älteren unter den Burgbriefe-Lesern werden sich vielleicht noch erinnern, dass wenn in den 1950ern ein Autofahrer den anderen mit „Sie Weihnachtsmann Sie!“ beschimpfte, es beinahe gekracht hätte. Derart von Kindheitserinnerungen getrübt, war mein Verhältnis zu dieser rotnasigen, weißrot gewandeten Kunstfigur stets eine ambivalentes. Eigentlich bis heute.

Daran hatte auch die von der Zweitbesten für mich ersonnene Rolle als Weihnachtsmann/Nikolaus nichts geändert.  Für unsere Kinder und die sie umgebende, gefühlte 50 Rangen umfassende Rasselbande, die sich einige Jahre am 6. Dezember bei uns einfand, musste ich ran.

An einmal erinnere ich mich besonders: Unser Garten war zum frühen Zeitpunkt tief verschneit, und damit es so aussah, als sei der Alte im Bademantel tatsächlich unversehens im unberührten Schnee gelandet und polternd an die Terrassen-Tür gestapft, war ich mit der Leiter über den Nachbarszaun gekommen. Leider waren mein Haupthaar und der Bart damals noch nicht weiß. Weshalb ich ein aus Glaswolle bestehendes Ungetüm und aus dem selben Material aufgeklebte Brauen im Gesicht trug. Der Schweiß lief in derartigen Strömen, dass die Glaswolle regelrecht den Bach runter ging, und mein vorlauter Sohn krähte: „Das ist ja der Pappi.“

Nur sein bester Freund wollte das nicht glauben, blieb weiter in Ehrfurcht erstarrt und  hörte sich beeindruckt an, was ich ihm aus dem Goldenen Buch vorlas. In zwei Monaten heiratet der mittlerweile über 1,90 große Lackel einen blonden Engel. So lange ist das her!

Die aktuellen Schweißströme, die heute vom lichter werdenden Haar in das Weiß meines Bartes rinnen, gemahnen mich ans Hier und Jetzt und daran, dass mich der Weihnachtsmann in meiner Wahlheimat wieder eingeholt hat.

Ich mache mich durch das Leben auf der Burg ja wirklich rar. Aber zweimal pro Woche steige ich doch herab, um turnusmäßig Dinge zu erledigen. Dazu gehört, dass ich Entkalker für die Heizung kaufen und einen Inspektionstermin bei der sie betreuenden Firma vereinbaren muss. Ich brauche dazu weder eine Vertragsnummer noch nenne ich meinen Namen. Denn kaum trete ich meist sommers durch die Bürotür, kreischen die drei Grazien, die den Laden schmeißen: „Babbo Natale! Babbo Natale!“ Und dann muss ich erst mal lange von dem Land im hohen Norden erzählen, während sie auswendig meine Daten im Computer aufrufen...

Geht die Zweitbeste mal alleine über den Markt, wird sie mittlerweile mehr als einmal gefragt, wo denn ihr Babbo Natale stecke.

Mich trifft angesichts dieses einprägsamen Signalements (Obelix bin ich ja auch nicht los geworden) die schreckliche Erkenntnis, dass ich die uns drohende Altersarmut so weder als Spion noch als Bankräuber mildern könnte. Stellt Euch nur mal vor, ich raube – was  mir gut zu Gesicht stünde - die Banca Ambrosiana aus...

Die Carabinieri bräuchten ja nur das Personal zu befragen:

„Das war der Babbo Natale, der wohnt hoch in den Bergen an einer Piazza, über der noch im Juli der Weihnachtsstern hängt!“

Die Hühner sind los!

Wenn alle hier eine Ortsveränderung vornehmen, weil sie Ferien haben, weshalb sollten wir dann noch  zu Hause bleiben? So dachten sich das wohl drei der schönsten Hühner des Borgos und machten sich in der Dämmerung auf den Weg...

Ihre Herrin Gutemiene weilt ausgerechnet bei den Römern, während Majestix in Imperia die Panini verdienen muss. Wer immer die Prachtweibchen füttern sollte, hatte die Käfigtüre offen gelassen. Also wanderten die drei gefiederten Grazien den Weg von der Piazza Santa Anna hinunter zum Castello – wohl ahnend, dass die immer sorgfältig gießende Zweitbeste in den mittlerweile mannigfaltigen Blumentöpfen allerhand leckeres Getier als Speiseplan-Ergänzung zur eintönigen Körner-Diät heranzüchtet.

Und was das für ein Gegacker und Getratsche bei jeder Begutachtung einer Leckerei war! Da wurden die weiß gefiedert ondulierten Köpfchen ruckartig zusammen gesteckt und jeweils Meinungen eingeholt. Ja Köpfe zusammenstecken, das können die Hühner! Und als seien sie sich der eigenen Wirkung bewusst, setzten sie sich eitel knusperbraun in leuchtend rote Geranien-Töpfe und sahen aus wie verwegene Hut-Kreationen.

Um ehrlich zu sein, das sah tatsächlich aus, als gehörte es so. Aber es kann das schönste Huhn ja nicht in Frieden leben, wenn es den besorgten Nachbarn nicht gefällt. Und so nahm die Ketten-Reaktion ihren Anfang: Die Zweitbeste rief nach der Seelenfängerin (als sei die auch für geflügelte anime zuständig):“Polli, polli in piazza!“

Die Seelenfängerin rief Vittorio, der ja bekanntlich einen ganzen Stall voller Hähne und Hühner hatte, als es ihm noch besser ging. Doch Vittorio weilte zum Morgen-Kaffee unten bei der Girasole. Also musste Signora Eddas Nepote von der Baustelle der Santa Anna her, und im nu waren vier, fünf Leutchen hinter den drei als fleißig bekannten Legehennen her.

Doch bitte! Das mit den dummen Hühnern ist ein Vorurteil von Stadtmenschen. Die drei Burg-Brüterinnen jedenfalls ruckten kurz mit ihren Köpfen und legten ihren Galopp-Gang ein, um unter dem Torbogen von einem der drei Piazza-Ausgänge zu verschwinden.

Zickezacke Hühnerkacke waren sie in einem vorher ausgekundschafteten Stall verschwunden und blieben dortselbst – unerreichbar für Besen und längste Arme...

Seither sind einige Tage vergangen. Anstatt sich mit Bongiorno zu begrüßen, stellen sich die Burg-Geister nun die Frage, ob man etwas von den Hühnern gehört oder gesehen habe.
„Ja, sie waren vorhin gemütlich in der Via Colombo unterwegs, aber als sie mich sahen, waren sie sofort verschwunden.“

Man macht sich Sorgen wegen möglichen Begegnungen der unangenehmen Art. Was wenn Lazaro und Ginger, die samtpfotigen Jäger,  über die Hühner herfallen? Auch aus der Luft drohen ja Angriffe des Rauhfuß-Bussards, des Poiana Calzata.

Komisch, dass da keiner den zynischsten Räuber von allen im Kalkül hat: den ansonsten auf Wildschweine spezialisierten Obelix. Dem kam doch tatsächlich beim Anblick dieses herrlichen Federviehs seine legendäre Hühnersuppe La Belle Poule in den Sinn. Eine einzigartige Essenz aus möglichst fettem Hühnerfleisch, Hummerscheren und Sommertrüffeln – abgeschmeckt mit Estragon, Zitronengras und geriebenem, frischem Ingwer...

Aber dafür ist es ja viel zu heiß!

Dienstag, 16. Juli 2013

An Tagen wie diesen...

Herrlich! Mein Computer ist kaputt. Deshalb kann ich auch Bayern3 via Webradio beim Schreiben nicht mehr hören. Der Sender spielte bis zum Crash seit einem Jahr gefühlte hundert Mal pro Tag diesen Song von den „Toten Hosen“. Campino, den ich ansonsten sehr schätze, wird mir nicht böse sein, wenn ich seinen allein auf  kommerziellen Erfolg ausgerichteten Song als für  tote Hosen nicht adäquat bezeichne. - Selbst wenn normaler Weise nächtens auf den sommerlichen Rhein-Terrassen zumindest wollene Hosen getragen werden sollten...

Da merkt ein betagter Edelpunker wie ich eben auch, dass die ehemalige Punk-Band noch so gar nicht „tote Hose“ ist. Die Jungs – selbst schon über fünfzig - sind wohl noch voller Saft und Kraft. Wer würde sich sonst songtextlich noch zu einem derartigen Massenauflauf mit lauter Musik verabreden.

Allein schon die Vorstellung, ich müsste die figürlich etwas ausgeuferte Zweitbeste bei der aktuellen Hitze nur mal quer über die Piazza zur Musik des Professoren-Paares tragen, verursachte ja schon einen virtuellen Herzinfarkt.

Ich bin nämlich wirklich eine wahrhaft tote Hose, und an Tagen wir diesen mit 35 Grad im Schatten noch nicht einmal erinnerungsmäßig zu irgendwelchen Minnediensten fähig. Ich will eingedenk des Frühjahrs hier aber  gar nicht meckern.

Es ist herrlich! Aber Tage wie diese muss ich schon sehr dosiert angehen: Nach der morgendlichen Dusche setzte ich mich kurz ins kühle Treppenhaus, damit ich nicht gleich wieder klatschnass bin. Den Morgen-Cappuccino nehme ich auf der Schwelle des noch im Schatten liegenden Nachbarhauses. Dieser Platz ist eigentlich für den Nachbarn Vittorio reserviert, den man aber an Tagen wie diesen überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekommt. Gefrühstückt wird drinnen im kühlen Esszimmer, und dann geht jeder seiner (Schleich)Wege.


Nur wegen der Temperaturen habe ich nach über einem Jahr Pause wieder mit dem Malen angefangen, denn tatsächlich ist mein Cantina-Studio der Kältepol unseres kleinen Burg-Universums. Daran, dass mehr Farbe an meinen Händen klebt, als gestaltet auf die Leinwand gehört, erfahre ich, dass es noch ein weiter Weg sein wird, bis der Wiederanfang tatsächlich einer sein wird. Aber wir haben ja gerade erst Mitte Juli. Da warten noch viele Cantina-Tage auf mich.