Mittwoch, 18. September 2024

In Memoriam Obelix


Zweimal Wildschwein, einmal mit
Hinkelstein, einmal mit Idefix,
und in München noch ein
Metallguss eines Frischlings
fast lebensgroß
Hätte ich je gedacht, dass meine Schreibtischlampe hier auf der Burg noch einmal zum Altar für Memorabilien meines früheren Alter Egos Obelix werden sollte. 

Es ist mehr als ein halbes Jahrhundert her, dass ich kurz nach Weihnachten zur ersten Saison der Retorten-Skistation Flaine in Hochsavoyen  eingeladen worden war. Frankreichs Star-Architekt Marcel Breuer hatte diese erste von später in den Hochalpen vielfach folgenden Betonburgen ja eigentlich in schneesichere Höhe gepflanzt. Dennoch liefen demonstrativ abends bei Flutlicht die ersten fest installierten Schneekanonen. Damals war künstlich erzeugter Schnee noch ein Mysterium. Wenn ein Pistenpflegefahrzeug da drüber geraspelt war, fuhr es sich wie auf Kugellagern. War die künstliche Pisten-Oberfläche nicht präpariert, kam es einem vor wie blankes Gletscher-Eis.
Da kam mir mein damaliges Kampfgewicht gerade recht. Ich fräste wie ein Eisbrecher mit Vollgas die steilsten Passagen hinunter. An einem Tag fuhr der  fünfmalige Skiweltmeister und spätere Skikonstrukteur Émile Allais mit unserer Journalisten-Gruppe und legte mit seinen 60 Jahren ein ordentliches Tempo vor.
Als ich immer kurz hinter ihm abgeschwungen hatte, bemerkte er schließlich trocken:

Quelle: Le Figaro
Émile Allais, Jahrgang 1912
starb hundertjährig in seiner Heimat
"Ich wusste ja gar nicht, dass Obelix Skifahren kann."

 Das hörten natürlich die Kollegen, und so hatte ich für Jahrzehnte meinen Spitznamen weg. - Auch weil ich den Spaß mitmachte und in den folgenden Tagen auf Französisch mit typischen Obelix-Sprüchen Punkte sammelte:

Wer ist hier dick? Ich bin nicht dick, ich bin stark! Ich fühle mich ein wenig schwach, ich brauche ein Schlückchen Zaubertrank und so weiter.
Tatsächlich gab es dann beim Abschiedsessen auch noch extra Wildschein für mich.

Quelle: purepeuple
Allais, der Allzeit-
Modell-Athlet

Damals brachte ich so um die 110 Kilo auf die Waagen, die ich zwischenzeitlich mit etwas über 140 nicht selten zum Seufzen brachte...

Den heutigen Blog nehme ich also zum Anlass, mich von allen Obelix-Devotionalien und meinem "Netz-Nom de Plume, O.belix, zu verabschieden. Nach all meinen Operationen und der Reha im vergangen Jahr halte ich seit drei Monaten mein Gewicht unter 100 Kilo und bin im Moment so "leicht", wie bei meinem Eintritt in den Leistungssport vor 60 Jahren: 97,6 Kilo!

36,4 in 12 Monaten abgenommene Kilo, machen mich zwar leichter aber auch schwächer. Obelix hätte gesagt:
"Je me sens un peu faible."

Aber das sind eben unsterbliche, sich nie figürlich verändernde Comic-Helden.

Zum Thema Gewicht nur noch das: Mein "Lieblings-Lehrling" - Frau Dr. (magna cum laude) Peggy Nill - die noch unter 30 den plötzlichen Kindstod starb (Sudden Infant Death diagnostizierte der Pathologe wohl) hinterließ an der Tür zu meinem Büro all die Jahre offenbar seherisch begabt, einen gerahmten Cartoon, in dem "Hägar der Schreckliche" mit "Sven Glückspilz" über das Dicksein schwadronierte:

"Sag mal, Sven! Wie ist das eigentlich dünn zu sein?" Darauf antwortete der immer auf jede Gemeinheit seines Wikinger-Häuptlings Vorbereitete: " Ich nehme an, so wie dick, nur dünner."
Habe das Original leider im Netz nicht mehr gefunden, aber dieser geht in die selbe Richtung:

Quelle: medien-umbreit-katalog.de

 

Quelle:PodcastScience.Sm


Sonntag, 15. September 2024

Cesares dreijährige Tochter

 Im Italienischen steht la figlia gleichermaßen für Tochter und Mädchen. Das kann zu Missverständnissen führen, wie neulich, als Cesare in der Nähe seiner Arbeitsstelle beim Metzger zwei Porchetta-Panini bestellte. Er fügte zögerlich "uno per mia figlia" hinzu.

Quelle: quedat.cat


"Quanti anni hai tua figlia? fragte der Metzger, dem es neu war, dass sein Stammgast überhaupt Vater geworden sei.
"Tre anni", antwortete Cesare wahrheitsgemäß.
"Du kannst doch deiner dreijährigen Tochter nicht so ein riesiges Porchetta-Brot zu Essen geben!. meinte der Metzger besorgt.
 "Vieni e vedi", entgegnete Cesare milde lächelnd.

Beide waren kaum in der Nähe von Cesares Auto, da reckte sich lüstern schnüffelnd ein riesiger Hunde-Schädel aus dem Seitenfenster. Die Überraschung gelang noch besser, als das Brötchen mit zwei Happs verschnabuliert war.

Cesare spricht von meiner Beauceron-Freundin Mia gerne als "mia figlia", wo das doch für seine  Freundin, die Mia in punkto Länge lägst eingeholt hat, eigentlich eher passend wäre...

Foto Claus Deutelmoser: Gleichlang, gleich lieb

Freitag, 13. September 2024

Ein Mafia-Märchen

Es war einmal in einem Land, das von einem blonden, bösen Engelchen mit braunen Flügeln regiert wird: Das Engelchen hatte zuvor mit Kreide und Grappa gegurgelt, damit alle Welt ihr glauben möge, in ihrem Land gäbe es bald durch faschistische Reinkultur weder politische Verfolgung noch Korruption.

Allenthalben kam die Botschaft an, nicht aber in einer verschwägerten, verschwisterten und gerne hinterrücks agierenden Gemeinde in der abgeschiedenen Talschaft eines Hinterlandes. Ein fleißiger junger Mann vom Absatz des Italienischen Stiefels, der sein Glück vor Jahrzehnten beim Bau der Autobahn gemacht hatte und es in der Folge zu einem gut beschäftigten Bauunternehmen gebracht hatte, ging eine Liaison mit der Dorfschönheit eine alteingesessenen Familie ein. Der Wohlstand wuchs durch seinen Fleiß und den Erwerb von Latifundien, aber die Liebe schwand. Wie das so oft ist im Leben und in Blut-und-Boden-Geschichten: Zurück blieb nur Böses, das mutwillig zur Rache immer wieder zum Überkochen gebracht wurde. 

Quelle: tinapics
Dörfer im Dunst der Zwietracht unter der Macht der Sindaci

Die Verwandtschaft der einen Dorfschaft schwappte böse Gerüchte wie ein schleichendes Gift hinüber zum anderen Gemeinwesen und führte so zwar zu keinen Gewalt-Delikten aber immerhin zu einer Vendetta aus Rufmord und Geschäftsschädigung. All das steckte unser Held weg, und dann macht der Verfolgte auch noch mit seiner neuen Partnerin im paradiesischen Talboden eine Azienda Agricola auf. Mal verschwand  von dort eine Baumaschine, mal wurde der natürliche Teich leergefischt oder ein Beet mit Setzlingen zertrampelt. Heuer verschwanden gleich über Nacht die gesamten zur Ernte gereiften Auberginen, und es gab Löcher im Zaun des Hühnerhofes.

Wenn sich Ausländer schon kaum auf Rechtshändel in diesem Land einlassen sollten, weil die Anwälte hier schneller im Zahllungen Eintreiben als im Verfahren Beschleunigen sind. Wie ergeht es dann einem aus dem Süden Zugewanderter im Freundschafts- und Gefälligkeits-Dschungel solcher Talschaften? Da hört er schon mal, wenn er Anzeige verfolgen und juristischen Beistand will: "Gegen den kann ich Dich nicht vertreten, das ist ein alter Studienkollege und ein Vetter des Sindaco, des Bürgermeisters."

Ja, und wenn einer schon ein Vetter des Sindaco ist, dann hat man es in so kleinen Gemeinden auch schon gleich mit seiner ganzen Sippschaft zu tun. Zu der zufällig auch die Angestellten der Gemeinde gehören oder ihr in Nibelungentreue verbunden sind. Da warten Angehörige  anderer "Kostgänger" schon mal eine Stunde auf ein simples Dokument, oder es werden Rechnungen per Einschreiben verschickt, wenn die Verwaltung sich sicher sein kann, dass die Empfänger nicht vor Ort sind.

Quelle: Katholisch.de
Ein Mensch betrachtete einst näher
die Fabel von dem Pharisäer,
der Gott gedankt voll Heuchelei
dafür, dass er kein Zöllner sei.
Gottlob! rief er in eitlem Sinn,
dass ich kein Pharisäer bin!

Ein schlauer Sindaco verteilt seine Gunst derart präzise und gewissenhaft, bis er mit Fug und Recht sagen darf: "Il Comuno sono io!"  Manche sind derart geschickt, dass sie es schaffen trotz der vielen politischen Händel in diesem Wunderland - selbst nachdem sie schon mal abgewählt wurden - immer wieder auf dem Stuhle des Bürgermeisters zu landen. Dann sind sie quasi Diktatoren, für die es keine oder kaum noch Gegenkandidaten gibt. Das kann zu großkotzigem von Carabinieri unterstützten Machtmissbrauch wie bei einem Mafia-Padrino führen.
Nachdem die Gemeindestraße nach mehr als einem Jahrzehnt endlich erneuert worden war, sei sie plötzlich für schwere Betonmischer nicht mehr befahrbar, aber für den Sperrmüll-Transporter und Feuerwehr-Tankwagen  schon noch? Und das gerade, als der Geschundene aus unserem Märchen, den Beton für den Terrassen-Neubau seiner Freundin braucht?
Während ein zu geheirateter Bauherr einer einflussreichen Sippe im Panorama des Ortes seinen Bau-Kran schon zwei Jahren vor den Dach-Terrassen seiner  ausländischen Nachbarschaft stehen lassen darf? Keiner mahnt den ab, wenn er regelmäßig dann in aller Frühe mit seinem Baulärm terrorisiert, wenn Gäste sich hier im Urlaub entspannen wollen! Währenddessen muss der in Ungnade Geratene für die Lieferung seines Betons vom Sindaco eine geradezu mafiöse Bedrohung bis hin zur persönlichen Einschüchterung seiner Lieferanten hinnehmen.

Wie das böse Mafia-Märchen wohl enden wird? Bin ich Agnostiker jetzt auch ein Pharisäer, weil ich dankbar bin, dass ich nicht in so einem Dorf lebe wie jenem dort.(Lukas 8,11)?. Oder vielleicht doch?
Was weiß denn schon ein Geschichten-Erzähler von der wahren Wirklichkeit?

Vielleicht soviel aus der Gerüchte-Küche: Während unsere Märchen-Gestalt die Terrasse unter dem Sindaco-Terror stabilisierte und befestigte, rutschte in unmittelbarer Nachbarschaft am vergangenen Starkregen-Wochenende eine Mauer samt Teilen des wunderschönen Gartens die steile Böschung bis fast zur Staatsstraße hinunter. Ein Schaden, der kaum zu beziffern ist und weiteren Hanghäusern daneben beim nächsten Gewitter ebenfalls droht. Trockenmauern halten eben nicht für die Ewigkeit.
Bis heute ward der Sindaco dort in der Gefahrenzone nicht gesehen.

Ich hoffe, mir fällt für das Märchen aus gegebenem Anlass noch ein glückliches Ende ein. Wenn sie nicht alle gestorben sind...

Mittwoch, 11. September 2024

Schlimmä geht immä!

 Zugegeben, der Spruch stammt von meiner pfälzisch-hessisch intonierten Nachbarin Folletto Buono. Vorgestern saßen wir zu einem Abschieds-Schluck  vor unserem Haus im Schatten der Piazza und resonnierten über unsere vergleichbar lange Vergangenheit hier auf der Burg. Ihre bessren Hälfte ging es ausgerechnet in den kostbarsten Tagen des Jahres nicht so gut. Corona war es nicht, aber es könnte der Sahara-Staub gewesen sein, der auch meinem Enkel die Atemwege verengte. Jedenfalls blieben wir wie nie zuvor bei dem hängen, was wir hier lieben und früher alles noch konnten.  - Und auf was wir nun zunehmend verzichten müssen.

Die Wolken-Anne auf unserer Terrasse könnte ein Symbol sein:
Sie hat im Sandstrahl-Gebläse des Saharastaubs nahezu
ihr Gesicht verloren und hält dennoch Stand seit einem Vierteljahrhundert


Angefangen bei all den Restaurants, die uns die ligurische Küche so schmackhaft nahe gebracht haben und längst nicht mehr existieren und Nachbarn, die leider auch nicht mehr sind.

Folletto, die heiße Motorrad-Braut von einst reitet die PS-Protze  zum Beispiel  nicht mehr, seit ein Unfall sie für vier Tage ins Koma schickte. Dafür ist sie zur Pferdenärrin und Reiterin mit eigener Isländer-Stute mutiert, was ihre Aufenthalte in ihrem niedlichen Häuschen beschränkt, mit dem wir uns Mauern teilen. Ihr Mann schraubt, nachdem er jahrelang mit den schweren Maschinen zu tun hatte, nun lieber teure Rennräder und E-Bikes zusammen. 

Wir - mehr als ein Jahrzehnt älter - können nur noch neidisch sein, was die beiden dennoch alles an Aktivitäten in ihre wenigen ligurischen Wochen packen. Das heißt, meine Frau eigentlich nicht, die ist dem Lesen, den Kreuzworträtseln, den Sudokus und stetig dem "dolce far niente" unverrückbar treu geblieben...

Im Vergangenen Jahr - kurz vor meinem Treppensturz, der fast alles zunichte gemacht hätte - räumte Nachbar und Trödel-Spezialist Fiorenzo die Überbleibsel meiner Aktivitäten aus unserer Cantina:

- Ein paar Renn-Ski, die ich noch in Isola 2000 und Prato Nevoso fahren wollte.

- Zwei komplette Golf-Sets, weil ich nicht mehr daran glaubte, noch einmal die vier herrlichen Resorts in der Nachbarschaft spielen zu können.

- Meine Expeditions-Ausrüstung, mit der ich im Himalaya und in der Krater-Region von La Rèunion unterwegs war.


- Das Ur-Mountainbike aller späteren Bikes, aber nicht mein 3.000 Euro teures Trek von dem ich sehr hoffe, dass, mein multisportiver Schwiegersohn es einst hier auf dem grandiosen Rad-Wanderweg an der Küste reaktivieren kann. Schau ich auf die Bergstraßen rundherum, kann ich kaum glauben, dass ich die meisten von ihnen noch mit dem Renner gemeistert habe.

Am meisten fehlt mir aber mein kleiner Fischkutter, mit dem ich jetzt wieder gut allein hinausfahren könnte, nachdem ich keine diabetischen Anfälle mehr fürchten muss.

Tempi passati! Jeder Lebensabschnitt hat seinen eigenen Rhythmus, und selbst Verluste und das Verzichten auf Vieles erinnert einen nicht nur an all das Schöne, sondern auch, dass man noch am Leben ist. Es gibt zweifelsfrei ein Leben vor dem Tod, und da ist jeder neue der erste Tag vom Rest des Lebens. Auweia! Da ist er wieder der Herbst-Blues!

Der Engländer sagt: There's no need to cry over spilt milk..."

Folletto Buono in ihrem herrlichen Idiom meint lapidar: "Schlimmä geht immä!"

Als hätte mein alter Freund, der nun emeritierte Chirurgie-Professor mit sezierender Vorahnung eine Vision gehabt, hinterließ er mir vor einigen Jahren schon dieses Gemälde für unser Gästezimmer:
Was wenn der Fisch den Fischer fängt?


Gouache von Prof. Dr. Rainer Grantzow, Castello 2010

Montag, 9. September 2024

Gründerzeiten

Da sitze ich hier mit meinem  Hintern tatsächlich auf einem Sessel aus der sogenannten Gründerzeit am Laptop und schreibe meinen Montags-Post. Diesen Opa-Lehnstuhl schaffte ich mir als erstes Möbel für meine erste Wohnung an, das gleichzeitig das Kernstück für alle meine späteren Büros war. Das unverwüstliche Teil - eigentlich präziser - aus der Epoche des Historismus stammend hat also mehr als 150 Jahre auf seinen Tatzen überstanden und war seit 1971 mein Kreativ-Zentrum, bis mir die Verleger ein Chef-Zimmer nach ihren Vorstellungen aufzwangen.
Aber das ist ja heute gar nicht  mein Thema, sondern die Begriffsverwirrungen, die seither leichtsinnig mit dieser Bezeichnung "Gründerzeit" einhergehen, Wie widersprüchlich, leichtsinnig und fehlinterpretiert sie in den Mund genommen wird, würde den Rahmen dieses Posts sprengen. Deshalb hier nur ein Link zu einem sehr kompetenten Überblick , an dessen Inhalt es aus meiner Sicht nichts auszusetzen gibt:
 https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnderzeit.
Denn ich will auf eigentlich auf etwas anderes hinaus.

Quelle: wikipedia
Wieso wird nur diese deutsche Epoche, die wahlweise von der Revolution 1848 bis zum Börsenkrach 1873  und auch mal wesentlich kürzer bemessen wird, trotz ihrer zerstörerischer Jahre so überhöht als Gründerzeit angesehen? Etwa, weil 1871 Otto von Bismarcks 19 jährige Regentschaft als Reichskanzler eines später geeinten Kaiserreichs begann? Die danach eine "Belle Époque" vorgaukelte, die nur für das gehobene Bürgertum belle war? Wurde in den Jahrhunderten zuvor nicht auch emsig gegründet und gleich wieder zerstört ? Und was war mit all den Gründungen aus deutschkolonialem Größenwahn, die in auf Umwegen zu den Kriege des 20. Jahrhunderts führten?

Quelle: wikipedia
Friedrich Ebert
Reichskanzler
1919 - 1925
Hätte nicht die erste echte Deutsche Demokratie - ausgerufen auf den Trümmern und Leichenbergen des Ersten Weltkriegs - auch als epochale Gründerjahre einen Erinnerungs-Stempel verdient. Selbst wenn sie im Weimarer Tohuwabohu endete?

Quelle: Studyflix
Der vermeintlich Demütige
übernimmt die Macht 1933.
Die Mordbuben stehen
da schon direkt hinter ihm.
Der 
vermutlich bereits
demente Kaiser-Krieger
Hindenburg, ebnet fast
wehrlose den Weg zu
den in "Mein Kampf"
angekündigten 
Verbrechen
Am vergangenen Samstag wurden wieder Gründungen gefeiert. In Berlin der Bundestag und in Bonn der Bundesrat. Beide ein halbes Jahr jünger als ich aber auch nicht wesentlich fitter. 90 Jahre nach der Machtübernahme drängen Nazis wieder massiv in die Länderparlamente und scheren sich offenbar einen Dreck darum, wie sei verfassungsrechtlich eingestuft werden. Etwa weil sie sich gar nicht mehr klammheimlich wachsender Rückendeckung aus allen Bereichen der Gesellschaft sicher sind?

Mir war das heiligmäßige Herumsalbadern der Festredner vom 7. September 2024 ein Graus. Vor allem Angesichts der Tatsache, dass keineswegs von den demokratischen Kräften vereint gegen die Braunen vorgegangen wird, obwohl ja einmal wieder Alarmstufe Rot herrscht. Stattdessen werden durch alle Parteien hindurch inhaltliche Anleihen bei den populistisch verteufelnden Gegnern unserer Demokratie genommen. Wobei die Gefahr für unser Land anhand meist ungeklärter Verbrechen und deren Auslöser  auf meist überwiegend ungefährliche Minderheiten verlagert wird. Denn der Großteil der Migranten will doch offenbar zu uns, weil sie die Sicherheit und das wirtschaftliche Wohlergehen in unserem Land suchen. Was hätten die dann von solchen Anschlägen? Das erinnert an die verfolgten Juden, die im Ersten Weltkrieg für ihr Heimatland den Kopf hinhielten und danach die Reparation mit stemmten, um dann während des Zweiten Weltkriegs im KZ zu sterben...

Populistisch dummdreister geht es nicht - am drohenden Ende der dritten (oder aus Nazi-Blickwinkel vielleicht sogar schon vierten??? ) Gründerzeit!

Donnerstag, 5. September 2024

Von Schatten, die Väter werfen

Als es um meine Berufswahl ging, hatten meine Eltern noch ein gewichtiges Wort mitzureden. So geschah es, dass sie zweimal meinen Wunschweg durchkreuzten, bevor ich die damalige Volljährigkeit mit 21 überhaupt erreicht hatte.
Beim ersten Mal war ich live dabei, als ein italienischer Regisseur, der mich auf einer Probebühne für einen Kinofilm gecastet hatte, samt meinem Schauspiel-Lehrer meinen Vater anrief, um mir die Rolle anzubieten. Nicht nur, dass er meine Leidenschaft - nachdem ich gerade das Gymnasium geschmissen hatte - für "brotlose Kunst" hielt. Als er die Rollenbeschreibung hörte, schrie er entrüstet in den Hörer: "Mein Sohn spielt keinen Nazi!" und knallte ihn auf die Gabel.

Vom zweiten erfolglosen Versuch, etwas anderes zu werden als Verlagsbuchhändler, erfuhr ich erst, als ich mit 30 tatsächlich Chefredakteur von gleich zwei Zeitschriften geworden war. Sie hatten zehn Jahre zuvor meinen Versuch, von der Pieke auf mit Volontariat Zeitungsredakteur zu werden, durch einen Besuch beim Verleger abschlägig beschieden. Er hatte sie pflichtgemäß vom beabsichtigten Lehrstellten-Wechsel ihres noch minderjährigen Sohnes informieren wollen, weil ich seine erste Wahl war. - Meinen Eltern hatte die politische Ausrichtung des Provinz-Blattes nicht gefallen...

Mit 30 wurde ich aber auch zum ersten Mal Vater. Und deshalb schwor ich mir, meine Kinder freigeistig zu erziehen und jedes ihrer Talente mit allen Mitteln zu fördern. Vor allem aber wollte ich mich auch aus ihren beruflichen Wünschen herauszuhalten, wenn es soweit sein sollte.
Meine Tochter und mein Sohn verfügten über hervorragende Singstimmen, deshalb nahmen sie das Angebot eine Gesangslehrerin aufzusuchen auch gerne an. Hinzu kam, dass sich mein Sohn autodidaktisch Musik-Instrumente beibrachte und für sich und "For the Boys in the Band" einen Raum zum Proben brauchte. Also räumte ich meine Werkstatt im Keller und ließ sie ein schalldichtes "Mini-Studio" daraus machen. Meine  Tochter absolvierte aussichtsreich einen Vorbereitungskurs für die Akademie, entschied sich dann aber für die legendäre Designer-Schule "U5".

Von klein auf waren sie ja auch dabei gewesen, wenn ich Familien-Urlaub mit meinen Reportage-Zielen kombinierte. 
Als sie mit dem, was sie bis dahin an Erfahrungen und Ausbildung erfahren hatten, immer noch auf keinen bestimmten Beruf zu schlingerten, war ich in der glücklichen Lage, ihnen zusätzlich  Ausbildung und Arbeit in meinem Büro anbieten zu können...

Heute sind beide in den Vierzigern und sozusagen nach schließlich eigener Berufswahl gesettelt. Die Musik und der Gesang in ihren jeweiligen Bands sind nur noch ein Hobby, das ihnen bei Auftritten immer noch Spaß macht, aber zum Lebensunterhalt nie Gereicht hätte
.Den Schatten ihres Vaters - wenn er denn jemals auf ihnen lag - haben sie autonom und souverän abgestreift.



Hin und wieder blitzt bei meiner Tochter auf, was sie an Kreativität auch als Künstlerin entfaltet hätte. Wie gestern Nacht während sie bei einem Vater-Tochter-Gespräch dieses Foto unten schoss und im Family-Chat postete.
Das werde ich mir jetzt immer ansehen und mir dabei den Song meines Sohnes anhören: "Timt Well Spent" - die Zeit wohl genutzt - von "House Of Leaves".
Mehr braucht es nicht, um stolz auf seinen "Nachwuchs" zu sein: https://soundcloud.com/wearehouseofleaves/time-well-spent

Foto: Magdalena Panta
Der Schatten meines Vaters
oder "No Foto, Sir!"

Dienstag, 3. September 2024

Oskars Rache

 








Niemand hat auf "Schweinchen Schlau" gehört:
"Die Wiedervereinigung geht doch viel zu schnell!"
Jetzt ist unsre Republik so wie noch nie gestört.
War's allein der Höcke? - Der doppelzüngige Gesell?

Quelle: makellosmag











Nein, das Böse kommt wie Schneewittchens Stiefmutter daher.
Sie sanktioniert sogar noch Putins kriegerische Verbrechen.
Ich versteh' längst "dieses, unser Land" nicht mehr.
Was bleibt, ist da nur noch das "kollektive Erbrechen".

Von Null auf über Zehn durch kommunistischen Personen-Kult?
Wie konntet ihr 40 Jahre "Sozialmuss" denn nur so schnell vergessen?
Daran ist doch nie und nimmer allein diese gestörte "Ampel" schuld!
Sogar das "Merkel muss weg" war ja schon frech und sehr vermessen.

Quelle: open mining












Wie blühend sollten denn eure verkommenen Landschaften werden?
Wo eure Städte nun so prachtvoll saniert sind, wie im Westen nicht.
Eine Wiedervereinigung - gestemmt wie kein andres Land auf Erden!
Verliert ihr Ossis schon wieder die Demokratie aus eurer Sicht?

Zählt meine Meinung nicht - als Mensch so alt wie diese Republik?
Für mich habt ihr absolut verdient, was ihr euch grad gewählt habt.
Immun und stur, ja renitent gegen jegliche, historisch begründete Kritik.
Erstickt doch am Fascho-Kommu -Mächtemix, an dem ihr euch gerade labt!

Quelle: Fernsehserien









Kommt nur nicht jammernd nochmal so verzweifelt daher.
Wenn sie euch erneut durch Mauern und Todesstreifen isolieren.
Ich bereue
 den viel zu viel bezahlten "Soli" nun um so mehr,
Je länger wir Wessis hilflos auf die Gewählten von euch Ossis stieren.

Quelle: Tagesspiegel
Ist Schneewittchens böse Stiefmutter seine
Sprechpuppe oder Oskars Langstrecken-Vergeltungswaffe,
weil niemand ihn als Kanzler wollte?