Mittwoch, 5. August 2026

Von der Fülle des Augenblicks

Für einen späteren Moment im Jahr - wenn ich mich mal wieder über unsere Bank aufrege, die Filiale um Filiale schließt, aber durch feindliche Übernahmen ein  renommiertes europäisches Geldinstitut nach dem anderen schlucken will - hat die fürsorglichste aller meiner Ehefrauen zum daran Erinnern heimlich dieses Foto gemacht.

Den Weg zu dieser Bank schaffe ich sogar barfuß, und der üppige Oleander, der so schön und auch so tödlich giftig sein kann, streut mir sogar noch Blüten, obwohl ich nichts weiter als Gedanken auf ihr Konto einbringe.

Denn darum geht es mir heute bei diesem Post. Keine Bange! Ich will nicht bei Horaz und seinem carpe diem nassauern, obwohl die Ur-Übersetzung mit "pflücke den Tag" gut zu unserer normaler Weise blühenden Piazza passte,  - würde sie nicht auch so unter Hitze und Trockenheit leiden.

Ein Vierteljahrhundert genieße ich nun diese Minuten bei meinem Morgen-Cappuccino. Nur scheinbar hat sich dabei nichts geändert. Aber der Anschein trügt, denn mit jedem Moment des veränderten Denkens wird in diesem Geviert eine andere Perspektive geöffnet.
Als ich noch mein Fischerboot hatte und auch so fit war, dass ich mit dem Rennrad  hier die Pässe rundum befuhr, konnte ich morgens gar nicht früh genug aufbrechen. Die Barca da Pesca  ist längst verkauft. Das Rennrad wartet immer noch darauf, dass  die Sportskanone, die mein Schwiegersohn ist, es aus der Cantina holt und dereinst den fabelhaften Radfernwanderweg an unserer Küste entlang düst. Den erlebte ich nur auf spektakulären Teilstücken, weil er damals noch nicht so durchgängig war wie heute. Vielleicht kommt dann auch mein bis dato noch eher unsportlicher Enkel auf den Geschmack.

Weil ich eben viele Dinge nicht mehr kann, die mich einst prägten, musste ich lernen, umzudenken. Und damit bin ich alter Schwafler endlich beim Thema:
Gleiche Kulisse, aber verändertes Denken füllt Augenblicke mit jeder Menge positiver Überraschungen. An diesem Morgen war es der Wettlauf zwischen der gleißend aufgehenden Sonne mit dem  verblassend untergehenden Mond, die auf ihrem Weg nach Westen gleichzeitig im Azur zu sehen waren.

Und was macht der Schweizer Käse, zu dem mein löchriges Hirn langsam wird? Es reflektiert dazu einen alten Schlager von Connie Froboess:

Quelle: Wikipedia
Lady Sunshine und Mister Moon

Können gar nichts dagegen tun
Dass sie am Himmel sich niemals trafen
Denn wenn er aufsteht, dann geht sie schlafen

Lady Sunshine und Mister Moon
Können gar nichts dagegen tun
Wenn sie auch träumen von einem Märchen
Ein Pärchen werden sie nie
Da sind wir beide besser dran

Montag, 3. August 2026

Warten auf ein Donnerwetter

Seit Wochen warnen die kleinen Dreiecke mit den Ausrufezeichen in den diversen Wetterprognosen davor, dass uns hier oben heftige Unwetter drohen könnten. Inzwischen sind nicht nur wir, sondern auch die einheimischen Burggeister von dem ewig "twentyfourseven" blauen Himmel und den hohen Temperaturen derart genervt, dass wir wohl unsere Gassen gerne mal wieder als Wildwasser-Kanäle erleben würden.

Quelle: pixels - alan cavalho
Es ist immer das gleiche Prozedere: In den frühen Nachmittagsstunden schauen wir von den Zinnen hinüber zu den Wolkenbergen hinter dem Apennin im Nordwesten. Und wenn die es bis an den Rand unseres Trichter-Tals schaffen, frohlocken wir schon. Diesmal klappt es endlich mit dem erlösenden Regen. Ein nur mäßig kühlender Tramontana drückt dann allenthalben mal ein Dutzend dicke Regentropfen aus der feuchten Luft. Das war es dann meist schon. Es grummelt rundum, doch es blitzt und donnert nicht.
Nur einmal - wirklich aus nahezu heiterem Himmel - schlug vergangene Woche ein Blitz wohl so nah ein, dass der Donner gleichzeitig kam; nur gefühlte hundert Meter östlich der Piazza: grell und mit explosivem, sich berstend anhörendem Knall!

Ach ja! Immer wenn mir zum Schreiben nichts einfällt, ist wohl das Burg-Wetter mein Thema?

Eigentlich wollte  ich nämlich das ausbleibende Donnerwetter mit der desaströsen Situation daheim verknüpfen:
Was hat der Merz doch im Plenum noch über die Unfähigkeit seines Vorgängers verbal vom "schlechtesten Kanzler aller Zeiten" gerüpelt! Und jetzt brauchte er die bei weitem politisch nicht größte Verfehlung seines Fraktions-Führers und dessen Rücktritt, um die längst fällige Umbildung seines Kabinetts zu vollziehen. Leider ging das ja wegen des Koalitionsfriedens nicht bei den "Sozen". So bleiben ihm auch noch diese Luschen unbeschadet und zwangsweise erhalten.

Quelle: wikipedia
Auch wenn ihr Privatleben
im krassen Gegensatz zur Zielsetzung
der Partei steht, wird ihr
niemand ihr außergewöhnliches, politisches
Talent absprechen:
AfD-Vorsitzende Alice Weidel
Bei dieser blamablen Performance vor der Sommerpause wurde jedoch eines immer klarer: Deutschland fehlt es derzeit mitte-rechts derart an prägenden, politischen Köpfen, dass der Blick auf die Zustimmungswerte der AfD immer ängstlicher wird.
Der eben nur verbale Machtmensch Merz wird seinen schlingernden Koalitions-Kutter kaum noch auf Kurs halten können. Es braucht an Deck einen, der ein Donnerwetter auf alle niederdreschen lässt, die Deutschland von innen und außen zum Wrack machen wollen: Ob das der POTUS mit seinen neofaschistischen Paladinen ist, die sich immer unverhohlener hier in die Wahlkämpfe einmischen oder ein Innenminister, der sich mit seinen permanenten Angriffen auf unsere Freiheit vermutlich nach dem Fall der Brandmauer lieber in einer Koalition mit der AfD sähe.

 Mann oder Frau: Wo versteckt sich die integre Kraft, die ohne Intrigen integrieren kann, aber auch die Folgen des Donnerwetters, das sie auslöst hat, dann auch noch sicher umschifft.

Quelle: pixbay

Freitag, 31. Juli 2026

Keinen Kredit mehr für die Menschheit!

Stellt Euch vor, Ihr geht auf die Bank, um einen Kredit zu beantragen. Da rechnet Euch der Bankberater vor, dass Ihr mit Ultimo Juli ja schon längst mehr ausgegeben habt, als Euch an Mitteln fürs ganze Jahr zur Verfügung steht! "Wie soll ich Ihnen denn da noch einen Kredit einräumen können? Das lassen unsere Vorschriften einfach nicht zu!"

Quelle: pixabay
Wie lange sie sich noch dreht,
hängt für die Erde nicht davon ab, wie sehr wir Menschen
sie auf Dauer noch ausbeuten können.
Denn sie kugelt immer noch durch den Weltraum,
wenn wir längst ausgestorben sind

Gestern war "Earth Overshoot Day" 2026. Dieser "Erdüberlastungstag", dessen Datum sich penetrant der Jahresmitte nähert, verrät, wann im Jahr die Menschheit mehr natürliche Ressourcen verbraucht hat, als unser Planet sie aktuell im Jahr bereitstellen kann. Nach den Maßstäben der Geldwirtschaft hätten wir also jegliche Kreditwürdigkeit verloren, weil wir nicht nur die letzten fünf Monate auf Pump leben, sondern auch keinerlei Anstalten machen,  jemals wieder aus dem Schlamassel  herauszukommen. 

Aber ist es fair von wir oder der Menschheit zu schreiben, wenn nur 1,5 Prozent der Leute mehr als die Hälfte des Weltvermögens auf sich vereinen? Typen, wie die Fußball-Glatze Infantino oder der mit roséfarbener Dauer-Schmachttolle ausgestattete POTUS, die ihr Amt mit Dollar-Pupillen zur eigenen Bereicherung ausüben. Solche Führer machen ja lieber sich und die 1,5 Prozent, die etwas ändern könnten, noch reicher. Damit deren (Geld-)Macht nicht im Hier und Jetzt endet, muss rücksichtslos eben für die Descendenten soviel Kapital aus dem Overshoot generiert werden, wie es nur geht. Irgendwann in Äonen ist die Erde ja sowieso am Ende: Wieso dann nicht die Zeit nutzen?

Keiner Regierungsform - selbst der Demokratie nicht  - wird es daher je gelingen auf die Ressourcen-Bremse zu treten. Nur nicht dem Eigennutz verpflichtete Superreiche, wären heutzutage in der Lage, die permanente Beschleunigung des Ressourcen-Verbrauchs mit einem Umkehrschub zu neutralisieren, Damit ist aber gewiss nicht der Schub gemeint, den der Raketenbauer und reichster Mann der Welt - Elon Musk - mit seinen Zielen überspitzt. Er will in Wahrheit auf anderen Sternen gegebenen Falles die gleiche überproportionale Ausbeuterei betreiben, die ihn dann oder sein Nachkommen zu den vermeintlich Reichsten des Universums machen könnte.

Quelle: pixabay
Was wird die Menschheit auf anderen
Himmelskörpern erwarten?
Ein paar waghalsige Astronauten
sorgen dafür, dass sich
Investoren aus sicherer Distanz
einmal mehr mit der Ausbeutung
von Ressourcen die Taschen füllen

Dienstag, 28. Juli 2026

Vom Fortschritt überholt

2026 scheint das Jahr zu werden, in der uns vor allem technologische Veränderungen die Gewissheit vermitteln, wie sehr wir schom abgehängt sind.

Weil alles so tiptop funktioniert hat, haben wir uns keine Gedanken darüber gemacht, wie es uns überfordert, wenn Geräte ausfallen oder sich Abläufe im Alltag durch Digitalisierung derart drastisch verändern, dass wir nicht mehr mitkommen.

Durch die lange Lebensdauer bei schonender Behandlung waren die meisten technischen Begleiter in unseren beiden Haushalten fast ein Vierteljahrhundert alt, aber auch die jüngeren hatten mindestens ein Jahrzehnt lang funktioniert.

Meine Frau und ich
nutzen vermutlich nur
den Bruchteil aller
Funktionen. Der Rest
überfordert uns
wie galaktische Dimensionen

Die Digitalusierug (sprich Ausstattung mit Smartphones oder Laptops und Online Banking) erledigten meine Kinder. Mit dem Erfolg, dass mein Enkel damit souveräner umgeht als wir Alten.

Schon den Austausch des Autos schafften wir nur mit Hilfe des ADAC, und bei der Anmeldung der Versicherung bekam meine Frau dann auch noch die Senioren- Klatsche mit einem Aufschlag von beinahe 60 Prozent bei einem leistungsschwächeren Fahrzeug.

Sind wir tatsächlich durch Ignoranz blöder als andere im Senioren-Alter - oder geht es such vielen anderen ähnlich?

Gestern gab es mal wieder Geratsche mit dem kleinen Stimmwunder von den Zimnen und uns im Schatten der Piazza.  Marcella war beeindruckt, wie konzentriert sich die Fürsorglichste in all dem Trubel ihrer Lektüre hingab.

Als sie kurz im Haus verschwand, vertraute ich der Nachbarin an,  dass sie sich jetzt wieder den Hunderten ungelesener Bücher im Haus widmen könne, weil unser zwei Jahrzehnte alter Fernseher sich nicht mehr rührte.


Eine Stunde später stand Marcellas  80jähriger Mann Piero mit einem original verpackten 32 Zoll Smart-TV vor der Tür. Wieso er den parat hatte, muss ich erst noch heraus finden. Und dann muss ich ihm noch gestehen, dass ich wohl ohne seine Hilfe mit der Technologie bei all dem alten Kabel-Salat im Wohnzimmet  nicht zurecht kommen werde.

Das hat mir tatsächliche eine schlaflose Nacht beschert...

Montag, 27. Juli 2026

Lust und Last lahmender Lebensgeister

Die lange Dürre soll lieber Basketball spielen, als uns das Wasser abzugraben! Schreibe ich das gerade wirklich? Achtung, es geht noch flacher: Wenn im Po kein Wasser ist, bleiben wenigstens die Unterhosen trocken.

Quelle: STOL
Der Pegelstand meiner Gehirnflüssigkeit ist nach nun neun Wochen Hitze Tag und Nacht unter normal null gesunken. Da kennt die Witzigkeit des Galgenhumors - wie H.P. Kerkeling einst gesungen hat - weder Grenzen noch Pardon.
EuroMomo vermeldete aus ganz Europa über 10.000 Hitzetote binnen einer Juni-Woche. Pro einer Million Einwohner hat Italien heuer 295 Tote durch Hitze registriert. Vorgestern kam unser Nachbar, der Hotelier aus Rom, und klagte über die Unerträglichkeit des Seins in der "Ewigen Stadt". Es seien nicht nur die bis zu vierzig Grad tagsüber, sondern mehr noch die Luft - gesättigt von Abgasen und der Abluft der Klimaanlagen.
Quelle: Oberösterreichische Nachrichten

Da geht es uns ja noch vergleichsweise gut. Wir haben alle Fenster im Haus weit offen, um jeden kleinen Lufthauch in Durchzug zu verwandeln. Die dicken Mauern verschaffen schon längst keine Kühlung mehr. Immerhin schützen die Fürsorglichste die Zanzariere, die Fliegengitterund Duftkerzen davor, von den Mücken total vermacht zu werden. Allerdings fallen sie dann in Wolken über sie her, wenn sie schon dosiert, die Pflanzen auf der Piazza gießt. Ich selbst gehe nur noch für Augenblicke auf die Bank unter dem Oleander, wenn die Sonne nahezu hinter den Bergen untergegangen ist.

Quelle: RAINews
Tatsächlich haben wir den Widerstand aufgegeben. Wir verrichten den Wochen-Einkauf im klimatisierten Super-Supermarkt nach einem genauen Zeitplan, der uns das Hochschleppen durch die Gassen noch im Schatten einigermaßen erträglich macht. Dann ziehen wir im Geiste die Zugbrücken hoch und überlassen die lahmenden Lebensgeister der Lust des Dahinvegetierens und der Last des Alters.

Wetter.com meldet im 16-Tage-Trend keinen nennenswerten Rückgang der Temperaturen bis zur Ankunft der Rest-Familie im August. Aber dann könnten für ihre Ferien die Temperauren wenigstens unter 30 Grad bleiben. Ob es dann allerdings noch Sinn macht, zum Baden hinunter ans Meer zu fahren? - Die Wasser-Temperatur für das ligurische Meer liegt jetzt schon bei 27 Grad. An Ferragosto könnten es 30 sein...

Quelle: WELT

Freitag, 24. Juli 2026

Glocken-Glück

Was die repetierende bretonische "Pendule" in unserem Münchner Wohnzimmer, ist hier die Kirchturm-Uhr vom Capo Luogo. Die repetiert auch, macht aber zudem die Repetition zur halben Stunde durch ein helleres Ping deutlich. Beide helfen mir des nachts durch meine mitunter wilden Träume. Wenn ich aus dem Tiefschlaf an die Oberfläche des Bewusstseins schrecke, beruhigt mich der Glockenschlag allemal, weil ich dann weiß, wieviel Zeit mir noch bis zum Aufstehen bleibt. Als spielte das in einem Rentner-Alltag noch eine Rolle.

Mein Leben lang nimmt mich, den Agnostiker, der Glockenklang der Gläubigkeit weltweit mit, und es hat mich immer schon gestört, dass der Islam diese tönende Botschaft ablehnt und stattdessen die Muezzins schon mit eindringlichen Apellen noch in der Nacht zum Morgen-Gebet aufrufen. Am schlimmsten, wenn es eine abgenutzte Ton-Konserve ist, die einem da ins Ohr dröhnt.

Der Klang der Glocken meldet eben nicht nur die Zeit, sondern ruft ja auch oft zum Gebet, aber er verursacht zunächst einmal eine positive, ja mitunter feierliche Stimmung. Es sei denn, es gibt zur Warnung ein heftiges Glocken-Gewitter. Die Lehre zur Sprache des Geläuts heißt übrigens Campanologie. Vor allem im angelsächsischen Sprachraum kann sie zu einer gewissen, überzogenen Besessenheit und auch sportlichen Bimmel-Wettbewerben führen.

Hier im Trichtertal mit drei denkmalgeschützten Groß-Kirchen, vermitteln die Glocken natürlich Botschaften, die über den Ruf allein zum Gottesdienst hinausgehen. Gedenk-Gottesdienste, Requiems für vor einiger Zeit Verstorbene sind sehr beliebt und werden durch einen typischen Schlag mit Gegenschlag angekündigt, damit sie sich vom einem Totengeläut und die Erinnerung an die tägliche Andacht unterscheiden. Die erfolgt jeden Morgen an- und abschwellend um 7:30 Uhr und ist natürlich automatisch gesteuert.

Foto: Claus Deutelmoser
Bei Westwind habe ich oft das Gefühl,
als hingen die Glocken 
direkt vor meinem Schlafzimmer-Fenster
Wenn der Glockenschlag meist nachmittags gar nicht enden will, ist das nich der Fall: Im dramatischen Takt schlägt die dunkle Glocke in der Anzahl der Lebensjahre. Was hier sehr lange dauern kann, weil vor allem die zur Lebzeit voller Inbrunst Gläubigen in der Gnade ihres "Signore" eben besonders alt werden. Vorgestern habe ich mal wieder mitgezählt. Erst bei 86 setzte das Gewirbel der helleren, kleineren Glöckchen laut ein, ehe es immer leiser wird. Das soll wohl die Himmelfahrt  der Verstorbenen symbolisieren .

Irgendwie macht mich das ganztägige Geläut  glücklich. Ich bekomme es ja auch in unterschiedlicher Lautstärke mit allen Repetitionen dreifach ans Ohr, weil es bewusst oder unbewusst seit einem Vierteljahrhundert nicht gelungen ist, die Glocken von Chiusavecchia im Tal und von Torria gegenüber synchron mit unserer erklingen zu lassen. Das hat nichts mit der Schall-Geschwindigkeit zu tun. Derart versetzt ist das zehnminütiges Glocken-Glück für alle, denen die Stunde eben noch nicht geschlagen hat.

Foto: Andi Heintze
All die traumhaft gelegenen Kirchen Liguriens
müssen auch damit klar kommen, dass immer weniger Gläubige
dem Ruf ihrer Glocken folgen

Mittwoch, 22. Juli 2026

Piazza mit neuer Perspektive

 Bei dieser Bruthitze ist die Piazza tagsüber natürlich wie ausgestorben. Aber so bald die Schatten länger werden, lebt sie wieder auf, nachdem sie alters- und krankheitsbedingt in den ersten Tagen ein wenig gespenstisch wirkte. Die kartenklopfende Scoppa-Runde leidet darunter, dass die Gymnasial-Lehrerin und ihr jüngerer Ehemann in Imperia bleiben müssen, Die an Parkinson erkrankte ist im Frühjahr schwer gestürzt, und ist - was man hört - in ihren bis dahin doch gut gemeisterten 80ern wohl zum Pflegefall geworden.

Von den übrigen Zockern wären noch genügend für neue Runden rund um den Platz vorhanden. Vielleicht formieren sie sich ja aus Pietät vorerst nicht neu.

Der Sohn von "Ugo dem Bewahrer" hat das ihm von der Gemeinde gewährte Wohnrecht für das Jahrzehnte leerstehende "Glockenhaus" nach anfängliche Dissonanzen zu einer gelungenen Renovierung genutzt, so dass sich dieser Winkel der Piazza wieder sehen lassen kann. Offenbar hat er sich zwischenzeitlich gut eingebracht, weil jetzt alle mit ihm kommunizieren. Wir alten Ehepaare sind jetzt zumindest nicht mehr allein, weil die Tochter unseres verstorbenen Gegenübers aus Braunschweig und ihr Mann nicht nur viel Liebe in die Komplettrenovierung des jahrelang verwaisten Appartements gesteckt haben, sondern durch Zukauf der darunter liegenden Remissa und Erwerb eines Gartens unterstrichen haben, dass sie gewissermaßen auf Bleiben eingestellt sind. Ist das schön, nicht immer auf  geschlossene Fensterläden schauen zu müssen! Die jüngere Generation zieht natürlich auch jüngere Gäste an. So verwandelt sich die Piazza bei untergehender Sonne bis in die Nacht hinein mit lebhaft plaudernden Grüppchen zu echten "italienischen Momenten".

Wenn es meine Deszendenten dann auch öfter schaffen, hier Zeit zu verbringen und mein Enkel seine Freunde in den großen Ferien mitbringt, könnte die Piazza endgültig aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt werden. Vielleicht findet sich mit dieser Perspektive ja auch wieder jemand, der Energie genug hat, das "Cena in Piazza" mit allen Burggeistern wiederzubeleben...


Montag, 20. Juli 2026

Von Leihmüttern und Übervätern

 Leserinnen und Leser, die meinen Bloggs dankenswerter Weise schon länger folgen, wissen um meine besondere Vorliebe für die beiden christlich "demokratischen", beziehungsweise christlich "sozialen" Profilneurotiker Jens Spahn und Alexander Dobrindt. Beide haben sich ja in der Vergangenheit auf anderen Posten schon derart blamiert, dass man sich wundert, wieso der große Friedrich sie nicht schon längst abschütteln konnte. Dass beide die schwarz-rote Koalition lieber scheitern sehen wollen, als sie tatkräftig zu unterstützen, ist ja durch belegbare Handlungen bereits offenkundig geworden.

Als hätten sie sich am vergangenen Wochenende abgesprochen, brachten sie sich gerade noch rechtzeitig vor der Sommerpause mit Themen ein, die das Volk für den heißen Herbst mit diversen Schicksalswahlen noch stärker zur AfD hin getrieben hätte.

Dass gleichgeschlechtliche Ehen vom Kinderwunsch übermannt beziehungsweise überfraut werden, ist vollkommen ok. Dafür gibt es in weiser Voraussicht in unserer Gesetzgebung Regeln, die das auf Dauer eben nicht ungewöhnlich erscheinen lassen sollen. Aber wenn ein Fraktionsführer glaubt, er könne das umgehen, indem er sich eine amerikanische Leihmutter wählt, damit seine großartigen Gene für die Zukunft bewahrt werden, hat das mehr als ein Geschmäckle. Zumal er einst im Amt des Gesundheitsministers eindeutig Stellung gegen die Leihmutterschaft bezogen hatte. Nicht, dass er seine Meinung nicht ändern dürfte, damit er und sein Partner Eltern werden können! Der Haken ist der, dass er - weil er sich es leisten kann - The American Way "für eine Hand voll Dollar mehr" gewählt hat. Schon im Maskenwahn ist alles an seinem Teflon-Gebaren scheinbar spurlos abgeglitten. Deshalb hat er wohl gedacht, alle sind so gerührt von seinem "ich bin Papa geworden", dass die Perfidie die hinter diesem Denken steckte, dabei übersehen wird: Ich kann das, weil ich nämlich der Spahn bin und über allem stehe .

Quelle: bild.de
Die Familie geht vor!
Jens Spahn mit Ehemann
Daniel Funke  samt Nachwuchs

Zunächst hat er wohl nicht nur das Volksempfinden und das seiner ethisch noch intakten, politischen Kollegen aller Fraktionen unterschätzt. Aber so ein Handeln als Spitzenpolitiker mit einigem Einfluss muss Konsequenzen nach sich ziehen. Immerhin hat er durch seinen Rücktritt nicht nur Schaden von der Koalition abgewendet, sondern vor allem noch stärkeren Gegenwind vor diesen für das Kurshalten in unserem Land wichtigen Wahlen vermieden.

Spielt das nun dem Joker aus Bayern, dem Söder Marcus, in die Karten? Der hat ja seinen "Rechtsaußen in Sachen innere Sicherheit" dem Kanzler wohl nicht ohne Hintergedanken an die "Wad'ln" bugsiert. Dobrindt will nämlich mit neuerlichem Eifer bei all dem, was er noch so angekündigt und bislang nicht umgesetzt hat, nun den Diensten die Macht zurück geben. Die ist nach den verlorenen Kriegen endlich demokratisch zu Recht durch die Verfassung eingeschränkt. Dobrindt, das wissen wir seit seinem glorreichen und kostspieligen Scheitern bei der Einführung einer Maut in Deutschland - ist ein Dampfplauderer, der fast Täglich seinen Kopf für neue Ankündigungen in die Kameras reckt, nur damit man ihn wahrnimmt.  Alles, was er seit seiner Amtsübernahme als "Minister des Inneren" großspurig angekündigt hat, ist bei neutraler Überprüfung eher schmalspurig in Fahrt gekommen. Was aber zumindest bis jetzt keinen Schaden angerichtet hat. Selbst die vom Ergebnis her eher unnützen Grenzkontrollen im Schengen-raum.
Dobrindt ist ja zu jung und in Bayern zur Schule gegangen. Da hat man es bis heute schwer mit der Aufarbeitung dessen, was die Ordnungskräfte in der braunen Zeit nur auf Verdacht hin mit Bürgern angestellt haben.

Aber wenn er jetzt tatsächlich als Nachfolger von Spahn für den Fraktionsvorsitz im Gespräch ist, wäre das ein Signal fatal, für den kürzlich doch zunehmend liberaleren Umgang innerhalb der Koalitionäre.

Quelle: Instagram
Wenn Dobrindt manchmal so verzerrt rüberkommt,
dann liegt das daran, dass jemand vergeblich versucht,
ihn aus dem Bereich einer Kameras zu ziehen


Sein noch geplantes Umkrempeln der Nachrichtendienste bei Erweiterung ihrer Befugnisse bis hin zur Hausdurchsuchung, bevor die Polizei kommt, erinnert an STASI oder GESTAPO. Mal sehen, was die  Opposition oder  die Verfassungsrichter im Vorfeld  seiner  möglichen Ernennung zum Fraktionsführer zu solchen Plänen sagen. Da wäre Dobrindt - so auf Parlamentsarbeit umgepolt - vielleicht sogar ein kleineres Übel. Oder wird da im Stil von Trumps ICE hinter den Koalitions-Kulissen doch schon eine Brücke zu einer Allianz mit der AfD geschlagen? Dobrindt wäre ja nicht der erste "Übervater für innere Sicherheit", der durch permanent wiederholte Narrative und Überdramatisierung der Sicherheitslage gezielt für die allgemeine Verunsicherung einem Regime-Wechsel Vorschub leisten könnte...
Quelle: bild.de
Huch! Das ist ja noch gar nicht die neue GSTAPO,
das ist ja nur Ex-ICE-Menschenjäger  Bovino.
Wie sich die Bilder nur gleichen

Freitag, 17. Juli 2026

Zwiespältige Zeit

 

Ausschnitt aus Salvador Dalis
La Persistenza della Memoria
Niemand klärt den älteren Menschen darüber auf, dass sich die Zeit gegen Ende des siebten Lebensjahrzehnts,  in zwei Zonen der Wahrnehmung spaltet. Und deren Grenze  verschiebt sich dann auch noch tückisch je nach Tagesform!

Ich hatte als mit Abstand jüngstes Kind meiner Eltern eigentlich genügend Zeit, mit ihnen über diese Phase zu reden. Mein Vater war zehn Jahre älter als meine Mutter, die ihn dann auch noch 16 Jahre überlebte. Beide, bei vollem, oft messerscharfen Verstand starben den gnädigen Sekunden-Tod.
Sie lebten in ihren gemeinsamen Erinnerungen an abenteuerliche Reisen, und wenn sie sich einmal über Datum und Jahr uneins waren, dann ging meine Mutter an ihren Schrank und holte einen Jahreskalender in Notizbuch-Format hervor, denn sie schrieb über jeden ihrer Tage das Wesentliche in Stichpunkten auf.

Nur so kann es gehen, dachte ich fälschlicher Weise. 

Seit acht Wochen, mit über 30 Grad tagsüber und nie unter 20 während der Nacht, zwingen mich diese lähmenden Zustände zum Nachdenken, ob mein Dasein noch irgend einen Sinn macht. Sind diese Tage etwa verlorene Zeit? Gibt es die im Alter überhaupt noch - Tage, die Sinn machen?
Nächte und Tagesabläufe schleichen sich dahin, und dann schaut man auf den Kalender und merkt, dass ein halbes Jahr schon wieder rum ist. Als sei Neujahr erst gestern gewesen...
Kommt eine kühlere Phase deshalb schneller? Die 16-Tage-Prognose für das Wetter über der Burg verspricht eher noch höhere Temperaturen.. Und dass auch kein Regen fällt, erhöht die Gefahr, dass uns hier oben wie vor ein paar Jahren das Wasser ausgeht.

Quelle: Geheimnisakademie
Die Griechen und Römer haben sich es
leicht gemacht, Sie schoben die
Verantwortung für Gedanken 
über Zukunft und Vergangenheit
der Gottheit mit den zwei Gesichtern zu:
Janus

Wann war das noch? Wohl in einer Zeit, als die Zisterne noch gefüllte werden musste und ehe wir Wasser aus dem Tal von Pieve die Teco hoch gepumpt bekamen.
Aber vor zwei oder waren es gar vier Jahren erlebten wir auch, dass dort das zauberhafte Flüsschen Arroscia nahezu gänzlich ausgetrocknet war, um im darauf folgenden Frühling so anzuschwellen, dass es die historische Brücke von Vessalico fort riss.

Halb voll oder halb leer:
Im Blick auf den
Ozean der Erinnerungen
spielt das gar keine Rolle mehr
Komisch, dass im Ozean der Erinnerungen die guten Erlebnisse dann doch eher oben schwimmen und die schlechten oft mit der vermeintlich  "Wunden heilenden" Zeit versinken.

Um auf die zwei Zeitzonen des Alterns zurück zu kommen: Die zurück liegende schiebt sich wie im Zeitraffer zusammen. Bilder, ja ganze Filme von Ereignissen, laufen vor dem inneren Auge ab, als seien sie gestern gewesen, aber dann hakt das Zeitmanagement des Gehirn-Archivs. Wann war das noch gewesen?
Meine Frau hat es da besser. Schon in unseren ersten gemeinsamen Jahren, war ihre Vergesslichkeit ein Streitpunkt. Heute weigert sie sich, die einfachsten Dinge abzuspeichern. Sie schreibt sich lieber Zettelchen (die sie gerne liegen lässt) und verlässt sich wie all die Jahre zuvor auf mich als ihr Datenspeicher. Belastendes wird augenblicklich verdrängt, womit sie mir die Bürde des Erinnerns in doppelter Hinsicht auflädt. Ihr käme das durch die diffusen Tage ausgelöste Nachdenken über die Zwiespältiges der Zeit beim Altern gar nicht erst in den Sinn. Sie lebt - wie die meisten Frauen um mich herum - vorrangig im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit ist für sie in erster Linie ein "weißt du noch, wie wir damals in - wie hieß das noch? - Auf dieser Landzunge in diesen einmaligen Sonnenuntergang gefahren sind?" - Ich könnt gemein sein, und ihr nicht sagen, dass das unsere vierte Hochzeitsreise und der Weg zur Bodensee-Insel Reichenau gewesen war, aber so bin ich eben. Ich muss die Erlebnisse zu- und einordnen können.

Wenn Altern nichts für Feiglinge ist,
sind die Mädels irgendwie besser dran:
Schwestern im Vergessen vereint
Ich mache mir auch noch ständig Sorgen über unser Lebensende hinaus. Male mir die unmittelbare Zukubft mit überhand nehmender KI aus. Rätsele, wie mein Enkel, der ab September aufs Gymnasium geht, mit der Welt klar kommt, deren schon aktueller immer dramatischer werdende Klimawandel ignoriert oder verleugnet wird. Da wünsche ich mir dann, ich hätte die Zauberformel meiner Frau zum Thema Zukunft auch verinnerlicht: 
Wir können sie doch sowieso nicht mehr ändern!"

Mittwoch, 15. Juli 2026

Reingefallen!

 Ärger, Wut, Scham! Anderthalb Wochen hat es gedauert, bis wir es verdaut haben, auf den Lieblingstrick der Autostrada-Wegelagerer herein gefallen zu sein. Scham vor allem deshalb, weil die Masche so bekannt ist, dass sogar die KI uns hätte helfen können, wären wir auf die Dreistigkeit gefasst gewesen.

Quelle. Wohnmobilland Schweiz
Mittags, Gluthitze, Baustelle auf der Tangentiale nach Alexandria. Ende einer Fahrbahnverengung und Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Meine Frau gibt Gas, um einen zuckelnden italienischen Kleinwagen zu überholen, als unser Auto ein dumpfer Schlag trifft: zu wenig hart für einen Stein, nicht weich genug für einen Vogel. Das überholte Fahrzeug betätigt wie wild die Lichthupe, fährt an uns vorbei und bedeutet uns, auf den Seitenstreifen zu fahren. Der Fahrer des Fahrzeuges springt genauso heraus wie ich. Wir treffen uns in der Mitte.

Was denn los sei, frage ich ihn. Er nimmt mich mit zu seinem Auto und zeigt mir einen beschädigten Rückspiegel auf der Fahrerseite. Das sei ein Schaden von 500 Euro, beginnt er sofort zu lamentieren. Die Zweifel, die mich befallen, veranlasst die Beifahrerin auch aus dem Auto zu steigen. Ich will die Polizei verständigen. Da verweist sie auf die Kinder im Wagen und jammert, bei der Hitze können die nicht so lange im Wagen bleiben. Dann verlange ich den Austausch von Versicherungsnummern. Ach, das sei doch in Italien so kompliziert. Was ich denn zahlen könne. Höchstens 100 Euro, mehr habe ich nicht an Bargeld dabei. Bei mir schrillen längst alle Alarm-Glocken. Da zeigt er mir an unserem Auto als vermeintlichen Beweis für den "Fahrfehler" meiner Frau eine Farb-Spur am Heck. Dass sie grün ist und nicht schwarz wie der Spiegel seines Autos, schießt mir sofort durch den Kopf. Obendrein ist sie viel zu hoch für eine Schleifspur durch einen Rückspiegel. Aber da hat meine Frau, die weiter will, und die unangenehme Situation schnell beenden möchte, nach meinem noch einen weiteren Hunderter gezückt.

Dass wir Opfer eines Betrugs geworden sind, wissen wir sofort, nachdem wir freie Fahrt haben und im klimatisierten Auto wieder zur Ruhe gekommen sind.

Hinterher ist man immer schlauer: Wir hätten das Paar samt Auto und Nummernschild sofort mit den Handys fotografieren und die Bilder über den Notruf verschicken sollen. Aber wir kannten diese Masche eben nicht, obwohl doch schon seit einiger Zeit vor ihr international gewarnt wird.

Damit andere, denen so etwas auch aus Unwissenheit widerfährt, gewarnt sind, habe ich Ärger und Scham überwunden und hier das gecursort, was die KI mir gestern zum Sachverhalt offenbart hat:

https://www.youtube.com/watch?v=-urvb8_zHH4

So funktioniert die Masche

  1. Der Knall: Während Sie ein anderes Auto überholen, werfen die Betrüger meist einen Stein oder einen harten Gegenstand gegen Ihr Fahrzeug. Das erzeugt einen lauten Knall, der wie ein Steinschlag klingt.[1, 2]
  2. Das Stopp-Signal: Der andere Fahrer folgt Ihnen, gibt Lichthupe und gestikuliert wild, um Sie zum Anhalten auf dem Seitenstreifen zu zwingen.[1, 2]
  3. Die Forderung: Der Betrüger behauptet, Sie hätten mit Ihrem Fahrzeug seinen Außenspiegel abgerissen. Als „Beweis“ zeigt er auf seinen eigenen (bereits kaputten) Spiegel oder einen schnell gemalten, oberflächlichen Kratzer (oft mit wasserlöslicher Kreide) an Ihrem Auto.[1, 2]
  4. Die Erpressung: Der Täter setzt Sie stark unter Druck, den angeblichen Schaden sofort bar zu begleichen (oft mehrere Hundert Euro), um Polizei und Versicherung zu umgehen.[1, 2]

So verhalten Sie sich richtig

  • Nicht anhalten: Fahren Sie auf keinen Fall sofort auf den Seitenstreifen, um anzuhalten. Das kann gefährlich sein und Sie unter Umständen in Bedrängnis bringen.[1, 2]
  • Polizei rufen: Fahren Sie weiter bis zur nächsten Raststätte, Tankstelle oder direkt zu einer Polizeistation (Polizia Stradale oder Carabinieri) und wählen Sie den internationalen Notruf unter der 112.[1, 2]
  • Kein Bargeld: Zahlen Sie niemals Geld vor Ort, ganz gleich, wie aggressiv oder einschüchternd die Täter auftreten. Echte Unfallschäden werden in Italien immer über die Polizei und Versicherung geregelt.[1]
  • Beweise sichern: Wenn möglich, notieren Sie sich das Kennzeichen, die Automarke und die Farbe des gegnerischen Fahrzeugs. Machen Sie Fotos und nutzen Sie, falls vorhanden, Ihre Dashcam

 

Montag, 13. Juli 2026

Buon Prezzo

Irgendwie haben die Mafia-Legenden bei uns Deutschen unterschwellig zu der Ansicht geführt, dass die Italiener sich auch untereinander abzocken. Wie in den beiden vergangenen Jahren mache ich gleich zu Beginn des Briefeschreibens immer in Stichproben so eine Art  Regal-Check mit unserem persönlichen Warenkorb - sowohl im Supermarkt als auch bei unsrem Lieblings-Bäcker. Um es vorweg zu sagen: Im Gegensatz zu den Lebensmittel-Filialisten in Deutschland, die aus jeder Verknüpfung mit dem Zustand der Welt gleich ihre Preise steigen lassen, um sie dann nicht zurück zu nehmen, scheinen die Lieferketten in Italien und die Weltlage keinen besonderen Einfluss auf die Preisgestaltung zu haben. So betrug die Inflationsrate hier im Juni leicht rückläufig 3,0 Prozent. Beim Bedarf fürs Leben spüren wir hingegen seit zwei Jahren mehr oder weniger Gleichstand. Das heißt, aktuell leben wir hier gerade günstiger als daheim.

Rustiche
Der Bäcker-Vergleich hinkt dabei ein wenig durch die hiesige Deckelung und der Abrechnung nach Gewicht. Dennoch ist unter dem Strich fürs gleiche Geld ein deutlicher Mehrwert zu verzeichnen. Wir hatten gleich in den ersten Tagen Gäste. Daher war der Bedarf höher: Ich kaufte 16 Rustiche, die von der Größe etwa zwei deutschen Semmeln entsprechen.
Focaccia

Dazu sechs Focaccie unterschiedlich mit Schinken, Zwiebeln oder Tomaten samt Oliven belegt. Und für den Nachtisch-Espresso nahm ich ein Pfund sortierte vom Meister selbst kreierte und variierende Keks-Spezialitäten mit. Das alles für 23 Euro.
Leider kenne ich eben nur Münchner Preise: Eine Bäckersemmel von Qualität ist in unserem Viertel selten unter einem Euro zu bekommen, In der Größe vergleichsbare Pizzastücke vom Blech kosten durchschnittlich je nach Belag drei Euro, und wenn von Meisterhand gebackene Kekse im Spiel sind, wird für sie ein Stückpreis bezahlt.
Biscotti aus unserm
Tal-Ort Pontedassio

Eins zu Null für Italien.

Die Supermarkt-Bilanz fällt hingegen gemischt aus: Seit zwei Jahren unverändert der Preis für unsere Lieblings-Marken bei Whisky, Gin, Wodka und Tequila. Sie liegen im Schnitt aber um zwei bis drei Euro unter unseren Supermärkten in Deutschland. Es sei denn, die machen immer wieder mal Lockvogel-Angebote. Solche gibt es für harte Sachen in Italien selten. Umso mehr für italienische Weine. Da lohnen sich "Offerte", denn generell haben die Weine wie auch in Deutschland unabhängig von ihrer Qualität empfindlich angezogen.

Bei den heimatlichen Erzeugern von Agrar-Produkten scheint es jedoch keine Lieferketten-Einflüsse zu geben. Milch und Eier, sowie die heimischen Käse-Sorten sind genauso günstiger wie die Schinken und Salami, die hier erzeugt werden. Allerdings müssen wir für die Butter nach Deutschem Gusto beinahe doppelt soviel bezahlen wie in der Heimat der Butterberge. Überhaupt scheinen mir marktabhängig Preise sowohl nach oben als auch nach unten schneller an die Verbraucher weiter gegeben zu werden als bei den Deutschen Supermärkten. Bei Parma- oder San Daniele-Schinken bringt so eine Marktbeobachtung gerne mal bis zu minus zehn Prozent.

Wie kaufen hier Fleisch, das wir immer weniger konsumieren, ausschließlich bei einem namhaften Spezialisten, der seine Qualität natürlich teuer zu Markte trägt. Der liegt mit dem Metzger daheim, schräg gegenüber vom Glashaus, in etwa gleich auf. Dennoch sind seine Spezialitäten oft günstiger, in jedem Fall aber besser als die verschweißten Teile bei dem in Sichtweite liegenden Super-Super-Mercado.

Quelle: Imperia
Der Glaube, Obst und Gemüse seien auf dem um diese Jahreszeit immer touristischer werdenden Markt günstiger, ist so trügerisch wie in München der Gang auf den Viktualienmarkt. Wir wechseln hier gerne zu einem Supermarkt in der Stadt, der nach unseren Erfahrungen immer das beste und frischeste Angebot hat.
Quelle: riviera time
Die Umstrukturierung hat so gut wie nichts
 zu seiner Übersichtlichkeit beigetragen.
Bei den aktuellen Temperaturen ein achter Saunagang

Mehr als in Deutschland bei heimischen Produkten kommt es im Bereich der rein italienischen Lebensmittel zu unerklärlichen Schwankungen. Das könnte Wetter oder Nachfrage bedingt sein. Letztere wird aber weniger durch Produkte weltweit bedient. Noch immer kurios: Es gibt so gut wie keine Spezialitäten aus dem nahe gelegenen Frankreich...

Unterm Strich ist das für mich ein Unentschieden.

Also Null zu Null!


Freitag, 10. Juli 2026

Trepp auf, trepp ab

 Wer einen Indikator dafür braucht, wie gnadenlos das Alter im Gleichklang  mit dem Abbau der Kräfte  fortschreitet, braucht nur bei annähernd 40 Grad das Gepäck oder die Wochen-Einkäufe über die 43 Stufen und zwei steile Wegstrecken zur Pizza hoch zu schleppen. Da ist man dann alle Jahre wieder ein Quäntchen mehr geplättet.

Wer den Borgo liebt, muss Treppen mögen. Aber er muss auch mit jedem Jahr mehr Vorsicht walten lassen. Für Treppen in mittelalterlichen Gemäuern gilt unbedingt die alte Seemannsregel: Eine Hand für den Mann oder die Frau, die andere fürs Schiff beziehungsweise das Treppengeländer. Was haben wir Jüngeren vor ein paar Jahren geschmunzelt, als Ugo der Bewahrer vom Parkplatz her alle Mauern am Aufstieg auf seine Kosten  mit schmiedeeisernen Geländern bestücken ließ. Da kam - wie ich vor drei Jahren schmerzhaft erfahren musste - Hochmut vor dem Fall. Auch mein langjähriger Golfpartner hat im Frühjahr - gerade verwitwet - drei Tage nach einem Treppensturz allein auf sich gestellt, bewegungsunfähig und dehydriert mit Ach und Krach nur überlebt, weil die Putzfrau ihn noch rechtzeitig gefunden hat.

Es ist nun mal so der Lauf des Lebens, dass Jahr für Jahr mehr Burggeister allein zurückbleiben. Um so mehr kommt es auf die Achtsamkeit der Nachbarn an. Dabei fällt mir auf, dass die alleinstehenden Einheimischen wohl durch den längeren Umgang mit dem Treppauf und Treppab sich möglicherweise eine Art Turbolader antrainiert haben. Beispielsweise die von mir gerne als Bürgermeister-Witwe apostrophierte Ada, die trotz ihrer Immobilien im Tal, heute weit in den Achtzigern mit zwei künstlichen Hüftgelenken immer noch auf den Treppen rund um die Piazza unterwegs ist, als stamme sie von den einst hier beheimateten Gazellen ab.

Gestern schwer mit Einkäufen versorgt, fiel uns der Weg zum Ca'sanna hinauf aber wieder einmal erstaunlich leicht, obwohl die gnadenlose Hitze um keinen Grad nachgelassen hatte. Im Nu war nämlich das alte neue Auto meiner Frau von Burggeistern im Gesamtwert von über 200 Lebensjahren umringt. Jeder von ihnen schnappte sich ein Stück, so dass für mich nur die als Rucksack tragbare Kühltasche übrig blieb. Trotzdem waren sie nach der ersten Steilrampe schon aus meinem Blickfeld verschwunden.

Foto: Claus Deutelmoser
Die letzten Stufen zur Piazza sind sowohl vertikal als auch
horizontal extrem hängend. Besonders wenn man denkt,
es sei geschafft, sind sie bei dem hier seltenem Regen
oder gar bei gelegentlichem Schnee besonders tückisch

Beneidenswert!

Mittwoch, 8. Juli 2026

Ein Halt der nachhallt

 Wir sind heil angekommen. Das zählt! Früher - seit wir nicht mehr an einem Stück durchbrausen - haben wir die erste Etappe länger gewählt, damit wir nach der zweiten schon am Meer zu Mittag essen konnten.

Auf unserer Route über den Bernardino ist die Schweiz leider immer das teure Muss. Umso mehr hat es uns immer überrascht, wie unterschiedlich die Schweizer Gastfreundschaft ausfällt. Ausgerechnet in Luxus-Hotels wurden wir wegen des Buchungsservice, den wir benutzen, oft als Gäste zweiter Klasse behandelt und auch gern ums Frühstück betrogen. In Appartements sparte man auch am persönlichen Service durch das komplizierte Schlüsselbox-System.

Für diese Anreise suchte ich wegen des späten Termins zunächst wie immer zwischen Bellinzona und Chiasso, sah aber bei Altbewährtem - wohl wegen des Ferienbeginns - Preise, die ich mir bei bereits gemachten Erfahrungen einfach nicht mehr leisten wollte. Außerdem - wegen unserer Auto-Situation wollte ich meiner Frau keine allzu lange Fahrt zumuten. Was gibt's denn genau auf der Hälfte der Distanz zwischen München und Ligurien?

Da traute ich meinen Augen nicht: Im italienischen Winkel von Graubünden, am Ufer des Ticino stieß ich im Netz auf ein Hotel unter Indischem Management, zu dem ein Indisches Restaurant namens Jaipur gehört.

Mir schoss sofort das kürzlich abschlägig beschiedene Referendum um die Deckelung der helvetischen Einwohnerzahl durch den Kopf. Die ultrarechten Eidgenossen wollten ja derart gegen die ihrer Meinung nach zu hohe Migration vorgehen. Ist es in so einem angeheizten Klima sinnvoll,  Indien in der Schweiz aufzusuchen?

Aber es gab ja in meiner Erinnerung andererseits noch die Reise mit Heinrich Harrer nach Ladakh, auf der ich den damals zweithöchsten Rinpoche nach dem Dalai Lama bei seiner Erhöhung fotografieren durfte. Der hatte uns bei einer Audienz erzählt, wie fabelhaft die Schweiz 1961 den Vertriebenen des Chinesischen Überfalls auf Tibet geholfen hatte. Und noch heute birgt sie weltweit eine der größten tibetischen Exilgemeinden und mit Sicherheit deren größte Diaspora in Europa. Noch immer leben bis zu 8000 Tibeter in der Schweiz, die im Laufe der Zeit nicht dem Dalai Lama ins Exil nach Dharamsala in Nordindien gefolgt sind. Wenn sich ein Inder in dem kleinen, mittelalterlichen Dorf Grono so wohlfühlt, dass er dort ein Hotel betreibt, muss dieses schon etwas besonderes sein.

Wohl einige dutzend Male sind wir schon auf der anderen Seite an Grono vorbei gerast, ohne überhaupt von seiner Existenz zu wissen. Weil die Fürsorglichste aller meiner Ehefrauen mit ihrem neuen, noch nicht so vertrauten, fahrbaren Untersatz viel schneller unterwegs war, als erwartet, standen wir am frühen Nachmittag vor verschlossenen Türen. Unter dem indischen Zierrat an der Hausfront fand sich keine Klingel. Unser Klopfen bei Gluthitze hallte in Totenstille wider. Wir wussten ja noch nicht - wie Stammgäste - dass die dreistündige Mittagspause für Wirt und Personal eine Art heiliges Ritual ist.

Dass unser ungeduldiges Klopfen auf geheimen Wegen an das ruhend Ohr des Wirts gelangt ist, tat dessen Freundlichkeit aber keinen Abbruch. Er schleppte unser Übernachtungs-Gepäck in den ersten Stock, zeigte uns alles und führte uns dann in den Privatgarten, wo er uns an einem Tisch im Schatten einen eiskalten Weißwein und Grano Padano hinstellte, um auf dem Absatz kehrt in die Pause zu machen.

Vom mitteilsamen indischen Koch, der mit seiner traditionell anmutenden Frau in einem anderen Winkel des Gartens Siesta und Video-Chats in Urdu mit der Heimat machen wollte, erfuhren wir alles, was es zu unserer Bleibe zu wissen gab in fließendem Deutsch. Er hatte zuvor 16 Jahre in Berlin gekocht. Und weil wir ja in seinem Garten tranken, schaute auch der Eigentümer von Haus und Grund in Badekleidung mal bei dem komischen deutschen Paar vorbei. Der korpulent gemütliche Graubündener in unserem Alter begann gleich damit Sprachliches und Historisches zu ergänzen. Demzufolge verdankte das Hotel seinen unindischen, ladinischen Namen dem Fall des Baches Calanca in den Berg-Schrofen hoch über uns: "Calancasca" eben.

Khanna@albergocalancasca.ch

Die totale Ruhe von Grono ließ uns den frühzeitigen Weingenuss entspannt wegschlafen. Gerade noch rechtzeitig mit großem Hunger erlebten wir dann in den Abendstunden, wie das Dorf sich in eine lebhafte Nachbarschaft verwandelte, in der anscheinend jeder jeden kennt, grüßt und auch gleich auch ein paar Worte wechselt. Auch mit den deutlich als solchen zu erkennenden deutschen Touristen. Grüezi, Ciao, Buona Sera!

Das viergängige indische Menü mit dem Hauptgang Chicken Tandoori war absolut authentisch und schmeckte auch meiner Frau, die vorher ehr skeptisch war, überragend.

Alle Fotos: Claus Deutelmoser
Amuse Gueuile

Baked Onions
Diese Kombination aus Familiärem mit dem Kulinarischem tröstet insgesamt darüber hinweg, dass die preiswerten, sauberen, geräumigen Zimmer (mit Dusche aber ohne Toilette) nicht high end Luxus sind. Für uns war die Übernachtung in Grono jedenfalls ein Halt, der noch lange nachhallt. 
Chicken Tandoori

Naan mit Knoblauch und Koriander



Und zum Nachtisch ein kurzer
Verdauungsspaziergang durchs
malerische Grono






Sonntag, 28. September 2025

Burg-Therapie gegen Trump-Terror

Regelmäßige Besucherinnen und Besucher meiner Blogs, konnten ja meine bösen Ahnungen schon zu Beginn dieses Jahres verfolgen. Es schmerzt mich, dass so viele von der Wirklichkeit übertroffen wurden. Nicht nur dass meteorologische Klima verschlechtert sich von Jahr zu Jahr rund um unseren Planeten, sondern vor allem das politische und dadurch auch das zwischenmenschliche .Dazu all die Katastrophen. Schon jetzt - nachdem erst dreiviertel von ihm rum ist - erlaube ich mir 2025 als das bislang schlimmste dieses Jahrtausends zu bezeichnen. Für mich war es mit der zusätzlichen Bedrohung durch eine zu spät erkannte, ernste Erkrankung das bislang schrecklichste Jahr meines Lebens. Bisweilen war ich versucht, es wegen allem für ein ideales Abschiedsjahr zu halten...

Und dann war da plötzlich das enorme Interesse einer wachsenden Leserschaft weltweit, die meinen Blogs schon nach dem ersten Halbjahr eine neue Rekordzahl bei den Zugriffen bescherte. Dass in der Statistik auf einmal so viele VPN-Verbindungen sind macht mich allerdings stutzig, und auch KI könnte ja Kontext von den Blogs absaugen. Drauf gepfiffen! Hauptsache  ist doch, dass die Gedanken eines alten Mannes unter die Leute kommen - und vielleicht auch zum Nachdenken veranlassen. Aber dass gerade so viele Aufrufe bei Posts erfolgen, die nur Gedanken zum Leben beschreiben, macht mich doch mutig, zu glauben, dass im WWW viele Gleichgesinnte surfen, um ein wenig Erbauung zu finden.

Dafür - liebe Leute - bin ich euch unendlich dankbar. Das Schreiben von Burgbriefen über Menschliches allzu Menschliches war nämlich  die Therapie, die mir mehr über meine Wut auf den täglichen Trump-Terror geholfen hat. als irgendeine Reha.

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn die Sonne kaum noch direkt den Burghof erreicht,
fällt der Abschied auch nicht so schwer

Heute melde ich mich für dieses Jahr von der Burg ab. Noch eine letzte Pizza am Meer, dann machen die "Fürsorglichste" und ich "Casanna" winterfest und hoffen natürlich, dass wir einmal mehr ein kommendes Frühjahr auf diesem Zauberberg erleben dürfen.

Wie immer melde ich mich nach einer Woche Pause aus dem Glashaus wieder. Wir hoffen, dass wir bei all den nicht geworfenen Steinen, die Tür überhaupt noch aufkriegen.

So die Vorsehung uns allen gewogen ist, werfe ich meinen ersten Stein am 6. Oktober.

Freitag, 26. September 2025

Alter Schützt den Mafioso nicht

 Da kann Jonas Jonasson noch so köstlich in seinen Romanen um den "Hundertjährigen" Stories erfinden. Die italienische Wirklichkeit überholt ihn in einer Posse, über die ich gerne schmunzeln möchte, wenn ich mich nicht schon so lange mit dem weltweiten und mörderischen Netzwerk der kalabrischen 'Ndrangheta beschäftigt hätte.

Quelle: La Stampa
Vergangene Woche wurde Pino Piromallo erneut bei einer großangelegten Razzia gegen die Mafia festgesetzt. Piomallo gilt als einer der einflussreichsten Capo dei Capi an der Stiefelspitze. An seinem Lebenslauf lässt sich gut die Aussichtslosigkeit der Arbeit der italienischen Strafverfolgung und des immer noch korrupten Strafvollzugs festmachen;

Quelle: google
Namensvetter
Giuseppe ( Peppino)
1921 - 2005
Nachdem er Jahrzehnte lang aus dem Untergrund die Fäden gezogen hatte, wurde er zur Jahrtausend-Wende geschnappt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor kurzem kam  er nach 22 Jahren wegen seines Alters - offenbar ohne Auflagen - aus dem Gefängnis frei. Dieser Piromallo ist Jahrgang 1945 - also nicht der 1921 geborene, und auch nicht etwa wieder auferstandene, noch berüchtigtere und bereits 2005 verstorbene Mafioso gleichen Namens. Schon allein die Namensgleichheit und die selbe Wirkungsstätte, nämlich die Hafenstadt Gioia Tauro, hat immer schon bei den Fahndern für Verlegenheit gesorgt.

Der noch lebende Piromallo hat also offenbar nach seiner Entlassung gleich die Zügel seines Clans, die er offenbar auch aus dem Gefängnis nicht locker gelassen hat, wieder direkt angezogen. Denn er wurde - wen wunderts - bei der Razzia im Kreise seiner hochrangigen Capi festgesetzt.

Man könnte schwadronieren: "Alter schützt vor Mafia nicht!". Aber das wäre eine Verharmlosung der tatsächlichen, althergebrachten Macht-Strukturen, in denen "die Ältesten" immer noch die Geschäfte eines über Milliarden schweren Schatten-Imperiums totalitär als Gebieter über Leben und Tod lenken.

Das Netzwerk der 'Ndrangheta, das auch in Deutschland durch Schutz suchende "Rückzügler" (Recidivi) tief verankert ist, handelt weltweit mit Drogen, Waffen und Prostitution, aber macht sich zudem durch Korruption und Geldwäsche nahezu unangreifbar. Wer gerade erlebt, wie der US-Präsident samt einer erkauften Gefolgschaft mit Justiz und Verfassung in aller Öffentlichkeit umspringt, kann nur das Grauen vor dem bekommen, was die Kalabrier de facto in den sogenannten Schwellen-Ländern mit ihrem Geld anrichten.

Quelle: Tagesschau
 An dieser Schatten-Macht wird sich auch die faschistisch angehauchte Giorgia Meloni - ähnlich wie ihr Vorbild Benito Mussolini - ihre scharfen braunen Zähnchen ausbeißen...

Dienstag, 23. September 2025

Flut der Fress-Fotos

 Von jeher gehörte das Stillleben zur hohen Kunst der Malerei. Da auch in jenen Zeiten mitunter die allgemeine Versorgung schlecht war, könnte man glauben, die Alten Meister hätten ihrer Kundschaft vor allem solche von Obst, Fleisch und üppigen Tafeln für deren Wände erschaffen, damit jene in der Not wenigstens optische Wegzehr hätten. Oder war es die Eitelkeit, herzuzeigen, was man sich an Gaumen-Genüssen so alles geleistet hat?

Claus Deutelmoser Öl auf Leinwand, Planegg 1983
Wenigstens habe ich mir in der "analogen Zeit" noch die Mühe
gemacht, solche Stillleben selbst zu schaffen

Aber was hat es zu bedeuten, wenn ich heute in Restaurants Leute dabei beobachte, wie sie Teller um Teller mit ihren Smartphones ablichten? Auch meine Familie ist von dieser Pandemie erfasst worden. Es vergeht kaum ein Tag an dem im Family-Chat nicht "lecker Essen" gepostet wird. Meist auch ohne Kommentar. Ganz im Stile von Stillleben eben, werden da auch ganze Gelage abgebildet.

Claus Deutelmoser. Oil on Canvas: Positano 1984
Siehe auch die Bildergeschichten 
auf meinem Blog "Der Burgschreiber"



Eine Zeit lang konnte ich mich darauf hinaus reden, meine Speisen allein  deshalb abzulichten, weil ich in meinen Blogs auch persönliche Rezepte poste. Aber mittlerweile ist Fress-Fotos zu schießen, auch bei mir zur Manie geworden. Hochgerechnet auf  die vielen dekorierten Teller in meiner Cloud müssten die Menschen weltweit dermaßen Darstellungen ihres "täglich Brot" schlucken, dass in der Nachwelt der Eindruck entstehen könnte, die Welt sei endlich ein Schlaraffenland geworden.

Aber das ist eben nicht der Fall. Leute, die ihr Essen im Restaurant oder daheim aufnehmen, haben eben ein Handy. Wer gar ein Smartphone besitzt, kann sich meist auch leisten, Essen zu gehen. Aber was ist mit dem Großteil der Weltbevölkerung, der weder das eine noch das andere hat? Wäre ich in diesen egomanischen Zeiten noch Idealist, schlüge ich vor, dass jeder oder jede für jedes Posting einer Mahlzeit automatisch auch einen Euro an die Welthungerhilfe spendete...
Teufel eins! Da reichte ja meine Rente gar nicht...

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn ein Wirt aber Obst mit soviel Mühe beschert,
ist es schon ein Fress-Foto wert...

Also mache ich es wir alle anderen. Ich rufe die Fress-Fotos irgendwann in dankbarer Erinnerung für ein Leben auf, das ich privilegierter als viele andere leben durfte.
Hier zum Nachschmecken und -Sehen ein typisch ligurisches Highlight:

Maria mal ohne Knoblauch: Im Sommer 2020