Freitag, 15. Juli 2022

Rund um die Burg: Eine ganz andere Öl-Krise

 

Foto: Claus Deutelmoser
Mir Läuft schon beim Tippen der Schweiß in Strömen über die Brille und in die Augen. Ich bitte daher um Verständnis, wenn meine Posts fehlerbehafteter als sonst sind. Ich gebe mir große Mühe, aber selbst beim Korrekturlesen sehe ich manches nicht. Dem ohnehin schon viel geschundenen Remarque habe ich im letzten Text so doch tatsächlich ein Negativ-Alter verpasst. Wurde aber Stunden später richtig gestellt.

Lange habe ich heute damit gerungen, ob ich die Klagen der Öl-Bauern hier in den Valle Dell'Olio als zweite Öl-Krise bezeichnen dürfte. Das wäre zynisch gewesen, weil die andere ja kriegsbedingt ist.

Bei allen Nachbarn werden die Gesichter immer länger, denn es droht jetzt nicht nur ein Wasser-Shutdown, sondern auch der Verlust ihrer Lebensgrundlage. In fast allen Oliven-Hainen sind die jungen Früchte seit vier Wochen wegen der anhaltenden Trockenheit und der Tag und Nacht vorherrschenden Hitze nicht weiter gewachsen. Jetzt fallen sie vielfach bereits verschrumpelt und vertrocknet von den Bäumen. Es droht für den Herbst ein nahezu totaler Ausfall der Ernte. Da auch die im vergangenen Jahr nicht gerade üppig war, geht es vor allen den kleineren, überwiegend für den Eigenbedarf  Produzierenden an die Substanz. Fast alle haben ja schon einen anderen Hauptberuf, weil sie von den Oliven alleine nicht mehr leben können. Dennoch sind sie auf den Ertrag angewiesen, um die Latifundien auch zu erhalten (Ausbessern der Trockenmauern und Terrassen, Beschnitt und die mühsame Ernte per Hand). Ein unverschnittenes Olivenöl wird wohl demnächst zum absoluten Luxus-Lebensmittel.

 Heuer bekamen wir unser Öl noch gewissermaßen zu einem leicht erhöhten Selbstkosten-Preis. Wir wären aber durchaus bereit, auch mehr für das Extra Vergine in Spitzen-Qualität zu bezahlen. Aber um uns und unseren Mini-Konsum geht es zu allerletzt. Wir sind ja im Winter im Butter-Land und können dort auf andere Feinschmecker-Fette zurückgreifen. Aber da es um andere Olivenöl-Länder nicht besser steht, wird der Preis sich vermutlich wegen der Knappheit verdoppeln...

Ich höre jetzt auf zu tippen und drücke lieber meinen Freunden und Nachbarn beide Daumen, dass ihre Resternte das Schlimmste verhindern möge.

Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit,
ob sich das Auslegen der Netze für die Ernte noch lohnen wird
Quelle: svassai.com


Mittwoch, 13. Juli 2022

Im Osten nichts Neues

 

Wieder einmal nehme ich für meine Überschrift Anleihe bei einem unserer größten Schriftsteller: Erich Maria Remarque (1888 bis 1970). Der Titel seines Antikriegs-Buches "Im Westen nichts Neues" wird ja heute noch gerne zitiert, ohne dass die meisten sein Buch überhaupt gelesen hätten, Ich bezeichne ihn heute als den Anti-Hemingway. Obwohl er viel länger im Krieg und an der Front war als der Amerikaner, hat Remarque das von der Obrigkeit befohlene Morden und Abschlachten sehr deutlich als Verbrechen an der menschlichen Seele beschrieben. Seine von eigenen Erlebnissen beeinflussten Schilderungen, kommen nicht ein einziges Mal in die Nähe des unterschwelligen Macho-Gehabes Hemingways, der im übrigen in seiner Vita zwar dabei war aber nicht mittendrin.

Als die überwiegend friedliche Nachwelt noch ohne Killer-Games und zeitnahe Schalten ins Kriegsgebiet einen Eindruck davon bekam, was im Krieg tatsächlich mit Menschen geschieht, gingen die Schilderungen Remarques unter die Haut. Als Gymnasiast konnte ich "Im Westen nichts Neues" und "Arc de Triomphe" vor lauter Heulen kaum lesen. Als Buchhändler ging ich etwas reservierter mit Remarques Stil um, der direkt auf das Mitgefühl des Lesers zielte. Aber es war so natürlich klar, dass die Nazis ihn verboten. Als 1933 seine Bücher verbrannt wurden, war er schon in die Schweiz emigriert. Und als die vom Krieg umbrandet wurde, ging er - wie Thomas Mann nach ihm - in die USA, wo er wegen der Aberkennung der Deutschen dort die Staatsbürgerschaft und den Respekt als Schriftsteller bekam, den er sich später auch weltweit verdient hat.

Quelle: Bundesarchiv

Mich treibt derzeit die Frage um, ob es in der Gegenwart überhaupt noch möglich sein könnte, dass jemand derart intensiv über die Unverständlichkeit des Krieges schreiben könnte. Wenn wir doch täglich quasi live über ihn "informiert" und mit immer gleichen Beileidsbekundungen die Machtlosigkeit unserer Politiker hinnehmen müssen,

"Im Westen nichts Neues", war damals die Phrase des Oberkommando West (OKW), wenn sich im Grabenkrieg nichts wirklich veränderte.  Bei unsinnigen Ausfall-Angriffen durch den Stacheldraht-Verhau - gelegentlich mit Gasmaske gegen das damals noch nicht geächtete Giftgas -  starben aber währenddessen weiter unzählige Soldaten auf beiden Seiten der Front. 

Der Angriff Russlands auf die souveräne Ukraine, der im Mutterland bei Strafe nicht Krieg heißen darf. ist bald fünf Monate alt. Doch langsam kann man in der Berichterstattung über nicht nachweisebare Erfolge und Misserfolge sowie bestätigte und unbestätigte Todesopfer eine gewisse Kriegsmüdigkeit erahnen, Zu Beginn des Krieges gab es noch täglich jede Menge  "Brennpunkt"-Sendungen, jetzt überlagern unsere eigenen Befürchtungen zu Corona, Gas- und Öl-Mangel, tödlicher Sommerhitze, Wassermangel und Rezession die Nachrichten.
Mariupol wie es vor kurzem noch tagesschau,de zeigte

Wann wird es zum ersten Mal heißen "im Osten nichts Neues", obwohl das Sterben, Bombardieren und Töten in der Ost- und Süd-Ukraine unvermindert weiter geht...

Remarque hat man zur Unzeit seinen unverhohlenen Pazifismus vorgeworfen. Wir Pazifisten der Jetztzeit haben hingegen unser friedfertiges Denken einstweilen in den Hippocampus verschieben müssen.

Dürfen wir je wieder pazifistisch denken?
Und gibt der Hippocampus dann überhaupt
noch unsere Erinnerungen an die
einstigen Beweggründe frei?


Montag, 11. Juli 2022

Der Erdbeben-Bagger

Vor zwei der nur schwer erträglichen Tropen-Nächten mit etwa 24 Grad hatte die Fürsorglichste aller Ehefrauen das Gefühl, als hätte das Haus ein wenig gebebt. Meine Witze, dass sich ihr schwergewichtiger Ehemann zu heftig im Bett gewälzt hätte, ließ sie genauso wenig gelten, wie mein Vermutung, sie habe sich ihre Gutenacht-Grappa vielleicht doch ein wenig zu großzügig eingeschenkt.

Aber ich habe ja ein untrügliches Gerät zum Nachweisen von Erdstößen: Meinen Erdbeben-Bagger. Weiß der Himmel, auf welchen nicht mehr zu rekonstruierenden Wegen dieses Überbleibsel von der Brio-Eisenbahn meiner Kinder seinen Weg auf die Burg nach Ligurien gefunden hat.

Jedenfalls versieht er seinen Dienst seit mehr als zwanzig Jahren ziemlich unmittelbar. Nur in jener Nacht war ich nicht bereit, eigens aufzustehen, um nachzusehen. Am nächsten Morgen jedoch lag sein Hebearm platt am Boden neben dem Magneten, der sein Gleichgewicht herstellen soll (siehe Foto).



Als mein Enkel im vergangenen Herbst durchs Haus tobte, entdeckte er meinen Erdbeben-Bagger sofort und wollte ihn natürlich gleich zum Spielen haben.  Denn schließlich hatte er ja die gesamte Brio-Bahn bespielt von Onkel und Mutter ja schon geerbt. Aber wie Opas nun einmal sind, erfolgte eine lange und lehrreiche Erzählung, wieso das nicht ginge, und was Erdbeben sind, und wie Magnetismus den Hebearm nur um Millimeter in der Schwebe hält, dass Oma und Opa hier schon einmal zwei heftige Erdstöße erlebt hatten und so weiter, und so weiter. "Weißt du", sagte ich zum Schluss meiner Ausführungen "so können wir dann  immer sehen, dass es keine Erdstöße gegeben hat. Deshalb muss er da stehen bleiben."

Es war erfreulich, unmittelbar einen schlagfertigen Beweis zurück zu bekommen, dass mein Enkel nicht auf den Kopf gefallen ist, denn er antwortete: "Opa! Wenn das ein schweres Erdbeben war, hilft der ja hinterher gar nix!" Da hat er wohl den Nagel auf den Kopf getroffen, und deshalb durfte er ihn zum Spielen mitnehmen...

Immerhin von der Abreise vergangenen Herbst bis zu unserer Ankunft heuer, hat mein Erdbeben-Bagger immerhin sein instabiles Gleichgewicht gehalten. Wenn mein Enkel jetzt wieder kommt, wird er unmittelbar danach eingeschult. Dann ist natürlich mit den Kindergeschichten Schluss. Ich werde ihm dann die globalen Erdbeben-Monitore im Computer aufrufen, die in Echtzeit aktualisiert werden.. - Auch für die ferne Heimat seiner anderen Großeltern, Onkel und Tanten in Nepal. Vielleicht bringt er dann ja eines Tages seinen Neffen und Nichten die Brio-Bahn mit und erzählt denen von seinem spinnerten Großvater und dem Erdbeben-Bagger...

https://www.eskp.de/echtzeitdaten-aktuelle-erdbebeninformationen-935116/

https://livetracking.pro/erdbeben-livetracker/

Freitag, 8. Juli 2022

Dauer-Diktaturen "deklinieren" die Defizite der Demokratie

 Was haben sich meine mit Mundart heranwachsenden Mitschüler mit dem Deklinieren schwer getan. Gewissermaßen von Fall zu Fall mussten sie dann auf dem Gymnasium auch noch mit den vorgeschriebenen lateinischen Bezeichnungen Altgewohntes mühsam über Bord werfen. Da halfen auch die Witzsätze der Deutschlehrer nichts, die etwa so lauteten: Genitiv ins Wasser wenn es Dativ ist. Oder veräppelnd: Der Dativ ist dem Genitiv sein größter Feind.

In dem Maße, in dem heutzutage der korrekte Konjunktiv vernachlässigt wird, hat sich auch der Dativ des süddeutschen Sprachgebrauchs im Alltag eingeschlichen. Ein Beispiel: entlang dem Fluss. statt entlang der Flusses. Aber vor all der Grammatik haben die Deutschlehrer vergessen, uns zu vermitteln, was Deklination in ihrem Ursprung auch bedeuten konnte.

Quelle: gutenberg.com
Im Englisch-Unterricht haben wir dann kurz anhand des Titels "The History of the Decline and Fall of the Roman Empire" von Edward Gibbon einen Einblick in die vielfältige Bedeutung der Vokabel bekommen. Wir lernten in der Übersetzung des Titels "Verfall und Untergang des römischen Imperiums", was alles  ursprünglich hinter den Begriffen Deklination und deklinieren stecken kann. Abfall von einem vorgegebenen Dogma. Beugung, und das Latein-Wörterbuch fügte noch wörtlich neben dem Beugen auch ablenken und  abbiegen hinzu. Die Astrologie verwendet die Deklination zu unserer vollständigen Verwirrung auch noch zur Positionsangabe von Himmelskörpern auf der gedachten Himmelssphäre. Das nur zu Erläuterung meiner eigentümlichen Überschrift.

Mir ist in den vergangenen Tropen-Nächten bei der schwitzenden Schlaflosigkeit etwas durch den müden Kopf gegeistert, weshalb der politische Globus so ein desaströses Bild bietet. Das endete bei mir in dem Schluss, dass Demokratie im Ernst- oder Kriegsfall mit dem Agieren von Autokraten und Diktatoren nicht mithalten kann. Weil schnellen Reaktionen nämlich nicht nur aktuell stets verfassungsgemäße Abläufe entgegen stehen. Deshalb sind vor allem solche Demokratien in Gefahr, in der es absolute Mehrheiten gibt. Denn die sind am ehesten in eine Grenzwertigkeit zu einer Alleinherrschaft zu überführen: siehe Polen, Ungarn, Türkei, Brasilien, Südafrika und noch viele mehr. Je länger einer im Amt bleiben kann, desto mehr dekliniert (beugt von Fall zu Fall) der Autokrat die Defizite der Demokratie zu seinen Gunsten.

Quelle: infosperber.ch

Das fängt mit scheinbarer Sturheit an - wie bei Boris Johnson, Recep Tanyyip Erdogan, Jair Bolsonaro. Victor Orban und Alexander Lukaschenko. Sie alle stehen mehr oder weniger Staaten mit einst gewählten demokratischen Instrumenten vor. Und sie sind zum Teil noch irgendwie Bündnis-Partner, die sich aber bereits autokratisch von den Grundsätzen, die sie anders deklinieren verabschiedet haben.

Daraus ergibt sich die Frage, wie lange solche Bündnisse belastbar oder zu erhalten sind.

Vor der Fahne verbeugen aber in
Wirklichkeit die Demokratie beugen wollen
Quelle: soester-anzeiger.de
Einmal angenommen: Hätte Donald Trump mit seinem Sturm aufs Capitol Erfolg gehabt und eine Trump-Autokratie erzwungen, wäre da Putin weiter in die Ukraine eingedrungen. Beim Einverleiben der Krim war Obama Präsident, während Trump mit  Unterstützung des russischen Präsidenten Vorbereitungen traf, den Wahlkampf von Hillary Clinton zu unterminieren. Im Wahlkampf gegen Biden stellte er dessen Sohn als Mauschler mit der Ukrainischen Oligarchie an den Pranger. Trump hätte vermutlich Putins Narrativ von den jüdischen Nazis genauso weiter gesponnen wie das von der Wahl, die ihm angeblich gestohlen wurde Putins Handlungen hätte er gut geheißen. Trump hätte die Nato in seiner lebenslanger Amtszeit irgendwann sowieso "als Bedrohung" für seinen Frieden  verlassen. Es hätte also unter diesen Vorzeichen keinen Anlass gegeben, sich wegen der Bedrängnis der Demokratie im größten Land von Europa einen Atomkrieg einzuhandeln?

Bei Hitze nicht weiter denken zu wollen, nur weil die Gedanken vielleicht etwas krumm geraten. kann der geistigen Gesundheit schaden...


Mittwoch, 6. Juli 2022

Wer könnte uns denn jetzt noch das Wasser reichen?

Die schönste Solar-Dusche "Italiana"
nützt nichts, wenn das Wasser
abgestellt werden muss.
Quelle:  Vetrina dell'artigiano
Jedes Jahr früher wird Wasser in ganz Europa zur Existenzfrage. Wir lesen hier von den Sorgen der Bauern im Norden, während an den ligurischen Stränden die Süßwasser-Duschen bereits abgestellt werden. Am Fuße des Borgo hat der Bürgermeister wieder den üblichen Zettel aufgehängt, kein Wasser mehr zu vergeuden. Unser sonst so tadelloses Wasser riecht, weil die Zisterne mit Wasser aus dem Norden offenbar  nicht mehr ganz aufgefüllt wird.

Eine kleine Sintflut in der vergangen Woche, die aus allen Fallrohren sprudelte, hat zumindest den Olivenhainen und Gemüsegärten etwas geholfen. Jeden Morgen bietet sich in der Dämmerung das gleiche Bild: Über dem Tal liegt eine dichte Wolkenschicht, die Hoffnung auf Regen weckt. Aber kaum ist die Sonne über die Bergspitzen gestiegen, ist der Himmel so klar geleckt, dass das ewige Azur zu nerven beginnt.

Der allwissende Nachbar Giovanni erzählt, dass südlich vom Alpenhauptkamm einfach zu wenig Schnee gefallen sei, und die warmen Winde die Bäche und Flüsse zusätzlich austrockneten. Dazu passt der tragische Gletscherbruch an der Marmolada in den Dolomiten. Es lag heuer einfach nie genügend Schnee auf dem Eis.

War das Risiko für die Gletscher-Führe
an der Marmolada bei den
vorherrschenden Temperaturen zu kalkulieren?
Reinhold Messner meint nein.
Quelle: bergfuehrerdolomitern.it
Am vergangenen Wochenende haben Verona und Pisa mit der Wasser-Rationierung begonnen. Nun gilt für ganz Norditalien die erste Wasser-Notstandsstufe. 
Zwischen dem Mangel an Gas und dem an Wasser scheint ein Wettlauf des Lebens begonnen zu haben. Am Wassermangel zumindest hat Putin keine Schuld. Wohl aber, dass er durch seinen Krieg quasi weltweit die Bemühungen um ein Stopp des Klimawandels empfindlich verzögert.

Es ist klar, dass Italien in Punkto Wasser einen höheren Pro-Kopf-Verbrauch hat. Durchschnittlich liegt der bei 215 Litern. während das übrige Europa ein Mittel von 125 Litern verzeichnet.

Eine neue Herausforderung neben der Beschaffung von Gas wird für Mario Draghi aber auch die baldige Sanierung von unzähligen  maroden Wasserleitungen on ganz Italien sein. Hydrologen haben festgestellt, dass manche Zuleitungen auf dem Weg zum Verbraucher bis zu 70 Prozent ungenutzt versickern lassen...

Wenn die Zuflüsse austrocknen, sinkt sogar der Pegel
der oberitalienischen Seen drastisch.
Hier ein aktuelles Bild von focus.online. Das wäre
der Sangone,, einem Zufluss vom Po bei Turin.


Und dann das auf der anderen Seite der Welt: Die Nobel-Vororte einer meiner Lieblingsstädte, nämlich Sidney, stehen nach für den australischen Winter ungewöhnlich heftigen Regenfällen bis zu anderthalb Meter unter Wasser. Die Bewohner müssen evakuiert werden...

Wer immer noch glaubt, all das zusammen sei nicht der Beginn einer von der Menschheit verursachten globalen Apokalypse, sollte schleunigst "untertauchen".

Montag, 4. Juli 2022

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Rondine
Quelle: niedersachsen.nabu.de

 Das äquivalente Sprichwort heißt im Italienischen:
Una rondine non fa primavera!

Selbst wenn wir hier den Südländer-Wetterbonus einräumen - die Schwalben waren auch im Frühjahr nicht hier. Dafür aber war der Himmel über der Burg so voll von Rondone wie selten. Die Mauersegler haben bis zum heutigen Tag die Lufthoheit. Während deren Nachwuchs - nun flügge . das enge Geviert der Piazza noch für Trainingsflüge nützt, herrscht unter unserer "Seufzerbrücke", der benachbarten Überbauung der Gasse, geradezu Grabesstille. Im vergangenen Juni klebte da noch eine Reihenhaussiedlung an Schwalbennestern drunter. Vereinzelt haben die Pärchen  sogar noch zweimal gebrütet, während meine Frau und ich versucht haben, die schwarzen Insekten-Jäger in den Abendstunden auseinander zu halten. Schwalben fliegen zappeliger und haben den langen, gespaltenen Schwanz, währenddessen die Mauersegler nur mit kurzem Flügelschlag Schwung für ihr rasantes Segeln aufnehmen müssen.

Rondone

Wir wissen von der Vogelwarte Konstanz, dass die zügigen Mauersegler wegen der wärmeren Winter zunehmend zu Standvögeln werden. Das könnte erklären, wieso sie heuer nach dem strengeren Winter nördlich der Alpen wieder zahlreicher den Borgo als ihre Brutstation hier auf gesucht haben, um mit ihrem Nachwuchs dann eventuell doch wieder die Reise nach Süden anzutreten.

Wie man der Karte von Madiba.de gut entnehmen kann, nähmen
die Mauersegler quasi eine Direttissima, weil
sie während des Fluges schlafen können. Kann es sein,
dass die Schwalben heuer teilweise durch den Krieg
von ihrer Krim-Route abgehalten werden?










































Was ist mit den "Italienischen Schwalben"? Haben die wegen der früh einsetzenden Hitze und der Trockenheit etwa noch früher gebrütet?

Die Italienische Senatorin Julia Unterberger beklagte schon am "Tag der Umwelt" vor drei Jahren, den Mangel an Bereitschaft den Auswirkungen des Klimawandels durch Maßnahmen entgegen zu treten. Die Südtiroler TAGESZEITUNG online zitierte sie unter der Überschrift "Wo sind die Schwalben?":
 „Die Fortpflanzung von Uhu und Eule erfolgt mittlerweile viel zu früh. Und auch die Schwalben erreichen Länder wie Italien und Spanien nicht mehr zu den gewohnten Zeiten.“ 

Das Wochenblatt bemerkt im gleichen Jahr für Nordrhein-Westphalen zur radikalen Abnahm von Rauch- und Mehlschwalbe:

Die Gründe liegen zum einen im Verlust oder der Entwertung kleinräumig strukturierter Kulturlandschaften, etwa durch die Aufgabe traditioneller Viehhaltung oder eine intensivere Nutzung von Grünlandflächen; das führt zu einem Verlust an Insekten und Spinnen als Nahrungsgrundlage für die Schwalben. Dazu kommt der Verlust geeigneter Brutplätze in Ställen, Scheunen und anderen Hofgebäuden und der Verlust von Pfützen, an denen die Schwalben lehmiges Nistmaterial sammeln.

Quelle: DAS WOCHENBLATT NRW

Ist das Ausbleiben unserer Schwalben hier schon eine Auswirkung, oder kommen sie doch noch? Jedenfalls haben Frühjahr und Sommer längst schon ohne sie begonnen. Wir geben die Hoffnung noch nicht auf!

Die "Seufzerbrücke" ohne Tschilpen.
 Ponte del Sospiri  - wir seufzen, weil uns wieder etwas Typisches fehlt-

Foto: Claus Deutelmoser


Freitag, 1. Juli 2022

Dal Giardino delle Erbe

Pasta geht immer! Egal in welcher Dicke, Länge oder anderen Formen. Ein Grund, weshalb meine neapolitanische beste Freundin  schon längst nicht mehr daran zweifelt, dass ich tausend verschiedene Rezepte komponieren könnte.

Nicht aus religiösen Gründen, sondern des ausgeglichenen Speiseplans wegen, essen wir am Freitag gerne vegetarisch aber nicht vegan. Wegen einer "Versorgungs-Notlage" aber nicht aufgrund fehlender Lieferketten habe ich mir dieses Pasta-Rezept ausgedacht, weil es hier auf der Burg mit "Bordmitteln" immer zubereitet werden kann. Ich habe Linguine genommen, aber auch Tagliatelle sind gut. Hauptsache die Pasta kann breitflächig meine Essenz aufnehmen. Wohl dem, der Kräuter vor der Haustür oder auf dem Balkon hat.

Deshalb nenne ich die Variante auch:

"Dal Giardino delle Erbe"
aus dem Kräutergarten

Zutaten als Secundo für vier Personen:

320 Gramm Linguine
4 Esslöffel Olio extra vergine
4 Esslöffel Butter
1 mittelgroße Schote Peperoncino
1 Schopf Basilikum  (Schopf = von oben abgeschnitten ein Strauß von gut 10 Blättern)
1 Schopf Salbei
3 Zweiglein Thymian
3 Zweiglein Oregano (kann auch schon blühen)
2 Esslöffel frische Petersilie
1 gestrichener Esslöffel Salz
1 gestrichener Esslöffel brauner Zucker
2 kleine Zehen frischer Knoblauch
1 Esslöffel Tomatenmark
pro Portion 3 Rispentomaten halbiert
Hummer-Gemälde und Foto: Claus Deutelmoser



Zubereitung:

Ein tauglicher Mörser sollte in keiner Küche fehlen (aus der Moulinette weiß ich nicht, ob es passt)

Kräuter, Peperoncino, Zucker, Salz und Knoblauch mit dem Stößel sorgfältig verreiben und fein mit dem Öl vermengen. Dann abgedeckt stehen lassen bis die Pasta gar ist. Pasta abgießen und im gleichen Topf (spart einmal Abwasch) die Essenz bei nicht so hoher Temperatur mit den halbierten Tomaten zum Karamellisieren auf der Schnittseite anschmoren, Dann die Butter sacht hinzu geben und das Mark zum langsamen Verschmelzen auf ihr platzieren. Nur sanft umrühren und nicht zu lange erhitzen. Die Kräuter sollten noch grün bleiben. Geschulte Nasen riechen den richtigen Zeitpunkt.
Nun die Pasta hinzu geben und mit einem Kochlöffel noch auf der Flamme sorgfältig umrühren. Flamme aus. Ein. zwei Minuten Deckel drauf, dann sofort servieren und ordentlich Käse drüber reiben...

Buon Appetito!