Montag, 22. September 2025

La Regina Communale

Wann immer ein Mann ironisch über eine weibliche Führungskraft äußert, macht er sich sofort als Macho verdächtig. Ich hoffe, es sind noch einige meiner Mitarbeiterinnen am Leben, die bezeugen könnten, dass ich ich in meinem Büro schon vor vielen Jahrzehnten stets für ein Gleichgewicht der Geschlechter und  der Verantwortung bei der Aufgabenverteilung gesorgt habe.

Ich weiß nicht, ob sie es verdient hat, dass ich ihr hier für einen gewissen Zeitraum ein Denkmal setze, aber ich muss einfach über unsere, mittlerweile ein Vierteljahrhundert andauernde Beziehung resümieren. Tatsächlich hat mich niemals zuvor eine Frau derart aufgeregt, wie die Frau, die ich "La Regina Communale" - also die "Königin der Gemeinde" nenne. Da sie ein paarmal und jetzt wieder den selben Bürgermeister aber dazwischen auch diverse Bürgermeister*innen überdauert hat, hätte sie auch Anspruch auf den Titel "la Syndaca secreta", was ins Deutsche übersetzt heimliche Bürgermeisterin oder gar geheimes Syndikat heißen könnte. Wobei letzteres wohl am ehesten auf ihr Wirken - vor allen gegenüber uns Ausländern zuträfe...

Paint-Skizze CD
Wie und mit welcher Unterwürfigkeit
man der "Regina Communale" begegnen sollte,
hat mir Nachbar Daniello vorgemacht.
der von ihr selten besser behandelt wird als ich
Unsere erste Begegnung war dem damals noch neuen, italienischen Abfallgesetz geschuldet, das vor allem der wilden Ablagerung von Sperrmüll den Kampf ansagte. Das fand ich vorbildlich, und wurde auf der Gemeinde vorstellig, um die Altlasten der Vorbesitzer unseres gerade erworbenen Hauses zu entsorgen.

Wie gesagt, das ist mehr als zwei Jahrzehnte her, und wir beide waren noch voll in Saft und Kraft. Deshalb gestehe ich, dass ich ihre Worte nicht nur wegen meines mangelhaften Italienisch nicht verstand, sondern weil sie mit einem derart tiefen Dekolletee vor mir saß, dass ich Angst hatte, ihre Brüste würden gleich links und rechtes die Aktenstapel von ihrem Schreibtisch schwappen. Die Ernüchterung kam, als sie mir Formulare für dreifache Ausführung reichte, in die ich jeden einzelnen zu entsorgenden Gegenstand mit Fabrikations-Nummer und Herkunft eintragen sollte. Als ich ihr versuchte zu erklären, dass das alles Überbleibsel und Altlasten waren, die aus meinem Haus raus mussten, wurde sie zornig, und ließ den Spruch ab, den meine Frau und ich in der Folge immer wieder zu hören bekamen:
"Was? Ihr kauft  euch ein Haus in Italien, und ihr könnt kein Italienisch?"

Inzwischen würde ich ihr - sprachlich leicht verbessert - entgegnen, dass die Wirte von unseren, Jahrzehnte lang frequentierten Lieblings-Italienern in München auch nie richtig Deutsche gelernt hätten, wir das aber voller Dankbarkeit charmant fänden, da sie uns in der Diaspora immer wieder so schöne "Italienische Momente" bescherten.

In unserem Gastgeber-Land sind ja Witze über die Deutsche Bürokratie sogar in den Sprachgebrauch eingegangen. 25 Jahre Erfahrung haben mir klar gemacht, dass das nur Sarkasmus ist, weil die nölige Behörden-Willkür Italiens zum Teil derart drastisch ist, dass Verzweiflung an ihr wohl zur Abschreckung der Bittsteller dienen soll.

Aber immerhin ist dann Vieles auch "learning by doing":

Ein für allemal, weiß ich, wie Sperrmüll auf Italienisch heißt! Nämlich:

Rifiuti ingrombranti!


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