Von jeher gehörte das Stillleben zur hohen Kunst der Malerei. Da auch in jenen Zeiten mitunter die allgemeine Versorgung schlecht war, könnte man glauben, die Alten Meister hätten ihrer Kundschaft vor allem solche von Obst, Fleisch und üppigen Tafeln für deren Wände erschaffen, damit jene in der Not wenigstens optische Wegzehr hätten. Oder war es die Eitelkeit, herzuzeigen, was man sich an Gaumen-Genüssen so alles geleistet hat?
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| Claus Deutelmoser Öl auf Leinwand, Planegg 1983 Wenigstens habe ich mir in der "analogen Zeit" noch die Mühe gemacht, solche Stillleben selbst zu schaffen |
Aber was hat es zu bedeuten, wenn ich heute in Restaurants Leute dabei beobachte, wie sie Teller um Teller mit ihren Smartphones ablichten? Auch meine Familie ist von dieser Pandemie erfasst worden. Es vergeht kaum ein Tag an dem im Family-Chat nicht "lecker Essen" gepostet wird. Meist auch ohne Kommentar. Ganz im Stile von Stillleben eben, werden da auch ganze Gelage abgebildet.
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| Claus Deutelmoser. Oil on Canvas: Positano 1984 Siehe auch die Bildergeschichten auf meinem Blog "Der Burgschreiber" |
Aber das ist eben nicht der Fall. Leute, die ihr Essen im Restaurant oder daheim aufnehmen, haben eben ein Handy. Wer gar ein Smartphone besitzt, kann sich meist auch leisten, Essen zu gehen. Aber was ist mit dem Großteil der Weltbevölkerung, der weder das eine noch das andere hat? Wäre ich in diesen egomanischen Zeiten noch Idealist, schlüge ich vor, dass jeder oder jede für jedes Posting einer Mahlzeit automatisch auch einen Euro an die Welthungerhilfe spendete...
Teufel eins! Da reichte ja meine Rente gar nicht...
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| Foto: Claus Deutelmoser Wenn ein Wirt aber Obst mit soviel Mühe beschert, ist es schon ein Fress-Foto wert... |
Also mache ich es wir alle anderen. Ich rufe die Fress-Fotos irgendwann in dankbarer Erinnerung für ein Leben auf, das ich privilegierter als viele andere leben durfte.
Hier zum Nachschmecken und -Sehen ein typisch ligurisches Highlight:
Maria mal ohne Knoblauch: Im Sommer 2020

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