Sonntag, 28. September 2025

Burg-Therapie gegen Trump-Terror

Regelmäßige Besucherinnen und Besucher meiner Blogs, konnten ja meine bösen Ahnungen schon zu Beginn dieses Jahres verfolgen. Es schmerzt mich, dass so viele von der Wirklichkeit übertroffen wurden. Nicht nur dass meteorologische Klima verschlechtert sich von Jahr zu Jahr rund um unseren Planeten, sondern vor allem das politische und dadurch auch das zwischenmenschliche .Dazu all die Katastrophen. Schon jetzt - nachdem erst dreiviertel von ihm rum ist - erlaube ich mir 2025 als das bislang schlimmste dieses Jahrtausends zu bezeichnen. Für mich war es mit der zusätzlichen Bedrohung durch eine zu spät erkannte, ernste Erkrankung das bislang schrecklichste Jahr meines Lebens. Bisweilen war ich versucht, es wegen allem für ein ideales Abschiedsjahr zu halten...

Und dann war da plötzlich das enorme Interesse einer wachsenden Leserschaft weltweit, die meinen Blogs schon nach dem ersten Halbjahr eine neue Rekordzahl bei den Zugriffen bescherte. Dass in der Statistik auf einmal so viele VPN-Verbindungen sind macht mich allerdings stutzig, und auch KI könnte ja Kontext von den Blogs absaugen. Drauf gepfiffen! Hauptsache  ist doch, dass die Gedanken eines alten Mannes unter die Leute kommen - und vielleicht auch zum Nachdenken veranlassen. Aber dass gerade so viele Aufrufe bei Posts erfolgen, die nur Gedanken zum Leben beschreiben, macht mich doch mutig, zu glauben, dass im WWW viele Gleichgesinnte surfen, um ein wenig Erbauung zu finden.

Dafür - liebe Leute - bin ich euch unendlich dankbar. Das Schreiben von Burgbriefen über Menschliches allzu Menschliches war nämlich  die Therapie, die mir mehr über meine Wut auf den täglichen Trump-Terror geholfen hat. als irgendeine Reha.

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn die Sonne kaum noch direkt den Burghof erreicht,
fällt der Abschied auch nicht so schwer

Heute melde ich mich für dieses Jahr von der Burg ab. Noch eine letzte Pizza am Meer, dann machen die "Fürsorglichste" und ich "Casanna" winterfest und hoffen natürlich, dass wir einmal mehr ein kommendes Frühjahr auf diesem Zauberberg erleben dürfen.

Wie immer melde ich mich nach einer Woche Pause aus dem Glashaus wieder. Wir hoffen, dass wir bei all den nicht geworfenen Steinen, die Tür überhaupt noch aufkriegen.

So die Vorsehung uns allen gewogen ist, werfe ich meinen ersten Stein am 6. Oktober.

Freitag, 26. September 2025

Alter Schützt den Mafioso nicht

 Da kann Jonas Jonasson noch so köstlich in seinen Romanen um den "Hundertjährigen" Stories erfinden. Die italienische Wirklichkeit überholt ihn in einer Posse, über die ich gerne schmunzeln möchte, wenn ich mich nicht schon so lange mit dem weltweiten und mörderischen Netzwerk der kalabrischen 'Ndrangheta beschäftigt hätte.

Quelle: La Stampa
Vergangene Woche wurde Pino Piromallo erneut bei einer großangelegten Razzia gegen die Mafia festgesetzt. Piomallo gilt als einer der einflussreichsten Capo dei Capi an der Stiefelspitze. An seinem Lebenslauf lässt sich gut die Aussichtslosigkeit der Arbeit der italienischen Strafverfolgung und des immer noch korrupten Strafvollzugs festmachen;

Quelle: google
Namensvetter
Giuseppe ( Peppino)
1921 - 2005
Nachdem er Jahrzehnte lang aus dem Untergrund die Fäden gezogen hatte, wurde er zur Jahrtausend-Wende geschnappt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Vor kurzem kam  er nach 22 Jahren wegen seines Alters - offenbar ohne Auflagen - aus dem Gefängnis frei. Dieser Piromallo ist Jahrgang 1945 - also nicht der 1921 geborene, und auch nicht etwa wieder auferstandene, noch berüchtigtere und bereits 2005 verstorbene Mafioso gleichen Namens. Schon allein die Namensgleichheit und die selbe Wirkungsstätte, nämlich die Hafenstadt Gioia Tauro, hat immer schon bei den Fahndern für Verlegenheit gesorgt.

Der noch lebende Piromallo hat also offenbar nach seiner Entlassung gleich die Zügel seines Clans, die er offenbar auch aus dem Gefängnis nicht locker gelassen hat, wieder direkt angezogen. Denn er wurde - wen wunderts - bei der Razzia im Kreise seiner hochrangigen Capi festgesetzt.

Man könnte schwadronieren: "Alter schützt vor Mafia nicht!". Aber das wäre eine Verharmlosung der tatsächlichen, althergebrachten Macht-Strukturen, in denen "die Ältesten" immer noch die Geschäfte eines über Milliarden schweren Schatten-Imperiums totalitär als Gebieter über Leben und Tod lenken.

Das Netzwerk der 'Ndrangheta, das auch in Deutschland durch Schutz suchende "Rückzügler" (Recidivi) tief verankert ist, handelt weltweit mit Drogen, Waffen und Prostitution, aber macht sich zudem durch Korruption und Geldwäsche nahezu unangreifbar. Wer gerade erlebt, wie der US-Präsident samt einer erkauften Gefolgschaft mit Justiz und Verfassung in aller Öffentlichkeit umspringt, kann nur das Grauen vor dem bekommen, was die Kalabrier de facto in den sogenannten Schwellen-Ländern mit ihrem Geld anrichten.

Quelle: Tagesschau
 An dieser Schatten-Macht wird sich auch die faschistisch angehauchte Giorgia Meloni - ähnlich wie ihr Vorbild Benito Mussolini - ihre scharfen braunen Zähnchen ausbeißen...

Dienstag, 23. September 2025

Flut der Fress-Fotos

 Von jeher gehörte das Stillleben zur hohen Kunst der Malerei. Da auch in jenen Zeiten mitunter die allgemeine Versorgung schlecht war, könnte man glauben, die Alten Meister hätten ihrer Kundschaft vor allem solche von Obst, Fleisch und üppigen Tafeln für deren Wände erschaffen, damit jene in der Not wenigstens optische Wegzehr hätten. Oder war es die Eitelkeit, herzuzeigen, was man sich an Gaumen-Genüssen so alles geleistet hat?

Claus Deutelmoser Öl auf Leinwand, Planegg 1983
Wenigstens habe ich mir in der "analogen Zeit" noch die Mühe
gemacht, solche Stillleben selbst zu schaffen

Aber was hat es zu bedeuten, wenn ich heute in Restaurants Leute dabei beobachte, wie sie Teller um Teller mit ihren Smartphones ablichten? Auch meine Familie ist von dieser Pandemie erfasst worden. Es vergeht kaum ein Tag an dem im Family-Chat nicht "lecker Essen" gepostet wird. Meist auch ohne Kommentar. Ganz im Stile von Stillleben eben, werden da auch ganze Gelage abgebildet.

Claus Deutelmoser. Oil on Canvas: Positano 1984
Siehe auch die Bildergeschichten 
auf meinem Blog "Der Burgschreiber"



Eine Zeit lang konnte ich mich darauf hinaus reden, meine Speisen allein  deshalb abzulichten, weil ich in meinen Blogs auch persönliche Rezepte poste. Aber mittlerweile ist Fress-Fotos zu schießen, auch bei mir zur Manie geworden. Hochgerechnet auf  die vielen dekorierten Teller in meiner Cloud müssten die Menschen weltweit dermaßen Darstellungen ihres "täglich Brot" schlucken, dass in der Nachwelt der Eindruck entstehen könnte, die Welt sei endlich ein Schlaraffenland geworden.

Aber das ist eben nicht der Fall. Leute, die ihr Essen im Restaurant oder daheim aufnehmen, haben eben ein Handy. Wer gar ein Smartphone besitzt, kann sich meist auch leisten, Essen zu gehen. Aber was ist mit dem Großteil der Weltbevölkerung, der weder das eine noch das andere hat? Wäre ich in diesen egomanischen Zeiten noch Idealist, schlüge ich vor, dass jeder oder jede für jedes Posting einer Mahlzeit automatisch auch einen Euro an die Welthungerhilfe spendete...
Teufel eins! Da reichte ja meine Rente gar nicht...

Foto: Claus Deutelmoser
Wenn ein Wirt aber Obst mit soviel Mühe beschert,
ist es schon ein Fress-Foto wert...

Also mache ich es wir alle anderen. Ich rufe die Fress-Fotos irgendwann in dankbarer Erinnerung für ein Leben auf, das ich privilegierter als viele andere leben durfte.
Hier zum Nachschmecken und -Sehen ein typisch ligurisches Highlight:

Maria mal ohne Knoblauch: Im Sommer 2020


Montag, 22. September 2025

La Regina Communale

Wann immer ein Mann ironisch über eine weibliche Führungskraft äußert, macht er sich sofort als Macho verdächtig. Ich hoffe, es sind noch einige meiner Mitarbeiterinnen am Leben, die bezeugen könnten, dass ich ich in meinem Büro schon vor vielen Jahrzehnten stets für ein Gleichgewicht der Geschlechter und  der Verantwortung bei der Aufgabenverteilung gesorgt habe.

Ich weiß nicht, ob sie es verdient hat, dass ich ihr hier für einen gewissen Zeitraum ein Denkmal setze, aber ich muss einfach über unsere, mittlerweile ein Vierteljahrhundert andauernde Beziehung resümieren. Tatsächlich hat mich niemals zuvor eine Frau derart aufgeregt, wie die Frau, die ich "La Regina Communale" - also die "Königin der Gemeinde" nenne. Da sie ein paarmal und jetzt wieder den selben Bürgermeister aber dazwischen auch diverse Bürgermeister*innen überdauert hat, hätte sie auch Anspruch auf den Titel "la Syndaca secreta", was ins Deutsche übersetzt heimliche Bürgermeisterin oder gar geheimes Syndikat heißen könnte. Wobei letzteres wohl am ehesten auf ihr Wirken - vor allen gegenüber uns Ausländern zuträfe...

Paint-Skizze CD
Wie und mit welcher Unterwürfigkeit
man der "Regina Communale" begegnen sollte,
hat mir Nachbar Daniello vorgemacht.
der von ihr selten besser behandelt wird als ich
Unsere erste Begegnung war dem damals noch neuen, italienischen Abfallgesetz geschuldet, das vor allem der wilden Ablagerung von Sperrmüll den Kampf ansagte. Das fand ich vorbildlich, und wurde auf der Gemeinde vorstellig, um die Altlasten der Vorbesitzer unseres gerade erworbenen Hauses zu entsorgen.

Wie gesagt, das ist mehr als zwei Jahrzehnte her, und wir beide waren noch voll in Saft und Kraft. Deshalb gestehe ich, dass ich ihre Worte nicht nur wegen meines mangelhaften Italienisch nicht verstand, sondern weil sie mit einem derart tiefen Dekolletee vor mir saß, dass ich Angst hatte, ihre Brüste würden gleich links und rechtes die Aktenstapel von ihrem Schreibtisch schwappen. Die Ernüchterung kam, als sie mir Formulare für dreifache Ausführung reichte, in die ich jeden einzelnen zu entsorgenden Gegenstand mit Fabrikations-Nummer und Herkunft eintragen sollte. Als ich ihr versuchte zu erklären, dass das alles Überbleibsel und Altlasten waren, die aus meinem Haus raus mussten, wurde sie zornig, und ließ den Spruch ab, den meine Frau und ich in der Folge immer wieder zu hören bekamen:
"Was? Ihr kauft  euch ein Haus in Italien, und ihr könnt kein Italienisch?"

Inzwischen würde ich ihr - sprachlich leicht verbessert - entgegnen, dass die Wirte von unseren, Jahrzehnte lang frequentierten Lieblings-Italienern in München auch nie richtig Deutsche gelernt hätten, wir das aber voller Dankbarkeit charmant fänden, da sie uns in der Diaspora immer wieder so schöne "Italienische Momente" bescherten.

In unserem Gastgeber-Land sind ja Witze über die Deutsche Bürokratie sogar in den Sprachgebrauch eingegangen. 25 Jahre Erfahrung haben mir klar gemacht, dass das nur Sarkasmus ist, weil die nölige Behörden-Willkür Italiens zum Teil derart drastisch ist, dass Verzweiflung an ihr wohl zur Abschreckung der Bittsteller dienen soll.

Aber immerhin ist dann Vieles auch "learning by doing":

Ein für allemal, weiß ich, wie Sperrmüll auf Italienisch heißt! Nämlich:

Rifiuti ingrombranti!


Freitag, 19. September 2025

Öl-Krise Update

 Die nachbarschaftliche Gerüchte-Küche ist durch die Aussicht auf eine der schlechtesten Oliven-Ernten der letzten Jahre in diesem Herbst derart unter Dampf, dass  man als Outsider gerne glauben möchte, dass manche der Geschichten allein als Argument für die absurde Preissteigerung herhalten müssen.

Quelle: depositphotos
Reichen den Fratoioini bald wieder
die alten mechanischen Mühlen?
So wird kolportiert, dass einer der Ölmüller (Frantoioini) aus unserem Tal anlässlich der letztjährigen Rekord-Ernte enorme Schulden gemacht hat, um jede Menge  aufzukaufen. Er wird heuer - so wird vermutet - alles mit Zins und Zinseszins nicht nur zurück zahlen können, sondern auch einen beachtlichen Spekulations-Gewinn bei bis 30 Prozent höheren Liter-Preisen einfahren. Denn aus unserer Region wird es im kommenden Jahr wohl wirklich nicht viel Öl geben.

Betroffene Nachbarn berichten, dass die uralten Bäume, deren Äste sich im vergangenen Herbst noch unter der Oliven-Last gebogen haben, nun kaum Früchte tragen. Und wenn ein paar klitzekleine doch noch dran sind, dann fällt die Olivenfliege über sie her, die ja auch nicht genügend von ihnen zur Ei-Ablage für ihren Nachwuchs findet. 


Quelle: Olivoil Times
Ist die Vendemmis schlecht,
gibt ihr die Olivenfliege den Rest
Wir haben ja hier immer von den nachbarschaftlichen Erzeugerpreisen profitiert, aber wir mussten jetzt schon ganz schön zusätzlich löhnen. Nach fast sechs Jahren zu stabilen Preisen zahlen wir für den Fünfliter-Kanister, der ja auch vom säurebeständigen Material her immer teurer geworden ist, nun zwar immer noch konkurrenzlose 70 Euro. Für ein Glas eingelegte Oliven zur Happy Hour berappen wir nun fünf statt zuvor drei Euro.

Normalerweise begänne jetzt das Auslegen der Netze unter den zur Ernte bereiten Bäumen. Zunächst die Grünen, dann, die sich schon bräunlich färben und letztlich die, die am Ende der Vendemmia schwarz sind. Aber als wir gestern talwärts fuhren, waren immer noch keine ausgebreitet

Quelle: depositphotos

Tatsächlich habe ich erstmals hier zusätzlich Sonnenblumen-ÖL eingekauft und "veredle" Oliven-Öl - um zu Sparen - fürs Braten von edlem Fisch oder Fleischgerichten mit einem Esslöffel Butter, die europaweit tatsächlich gerade günstiger zu haben ist...

Mittwoch, 17. September 2025

Als Individuum zurück in den Existenzialismus!

 Wenn seine Nationalismus predigenden Bootlegger so weiter machen, wie in den ersten 150 Tagen von Donald Trumps zweiter Amtszeit, dann hat die Welt kaum noch eine Chance vom "Evil" zu genesen.

Es gibt ja viele Wissenschaftler, vor allem Psychologen, die uns Ratschläge geben, wie wir - das Fußvolk - mit den täglich auf uns hereinprasselnden Hagel-Gewittern schlechter oder gar bösartiger Nachrichten umgehen könnten, um Schaden von unseren Gemütern abzuwenden. Aber wieviel kann der interessierte  Durchschnittsmensch in diesen Tagen überhaupt noch an "Bad-" oder "Fake-News" verkraften, wenn omnipräsente Menschen von Rang und Namen sie verbreiten? Wenn beispielsweise ein Deutschland-Kenner wie Ex-US-Botschafter Richard Grell dazu aufruft, einem unserer feinsten und mutigsten Korrespondenten, nämlich Elmar Theveßen, das Journalisten-Visum zu entziehen. Wer soll uns denn dann noch über den zunehmenden Faschismus in den immer autoritärer regierten USA aufklären? Oder gar auf die permanente, geistige Infiltration Europas von Leuten wie Elon Musk hinweisen?

Quelle: FOCUS.de
Existenzialismus nach Sartre - einfach erklärt

Die Menschheit ist weltweit unaufhaltsam auf dem Weg in eine Meinungs-Versklavung, aus der es doch nur scheinbar ein Entrinnen gibt. Wir Alten können uns zwar hinter dem Fakt verstecken, dass wir sowieso nichts mehr ändern können, aber wir sollten zumindest unsere gesammelte Erfahrung mit einer Art Ethik-Kompass für eine fiktive "Zeit danach" ausrichten. Das schließt natürlich nicht aus, dass andere, die das auch tun, nicht auch Nazi-Denken - wie gerade jetzt - an die digital hörige Jugend weitergegeben...

Der thematische Anlass für diesen Post ist auch meine dringend erforderliche, persönliche Standort-Bestimmung. Was kann ich außer meinem Geschreibsel hier noch für einen Beitrag leisten? Leider steht mir ja nichts anderes zur Verfügung, als aus meiner langen Erinnerung, Hinweise zu geben. Was haben Philosophen in schweren Zeiten gedacht, um nicht nur intellektuell über die Runden zu kommen?

Aus Lager bei Amazin

Quelle: ArtPhotoLimited
Aus Prinzip nicht verheiratet, nicht immer 
einer Meinung, aber kaum getrennt
von Tisch und Bett
Da fielen mir spontan Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre ein. Das Paar, das zeitlebens zusammen war, ohne zu heiraten und auf Konventionen pfiff, sind immer noch die Vordenker des Existenzialismus, zu dem vorrangig die wertfreie Ausrichtung des Menschen als Individuum gehört.

Es lohnt sich, in diesem Zusammenhang mal zu lesen, was die beiden nach dem Zweiten Weltkrieg auch als  Literaten an Erinnerungen hinterlassen haben, um sich ihrem nicht wirklich leicht verdaulichen philosophischem Werk zu nähern,

auf Lager bei amazon




Sartres Kernsatz zum Existenzialismus lautet:
"Die Existenz geht der Essenz voraus."

Hier ein erläuterndes Zitat aus Wikipedia:

Hieraus erklärt sich auch die Fokussierung des Existentialismus auf die Themen Angst, Tod, Freiheit, Verantwortung und Handeln als elementar menschliche Erfahrungen. Der Mensch versteht sich selbst nur im Erleben seiner selbst. Demnach bezieht sich der Existentialismus nicht mehr auf eine göttliche oder kosmologische Ordnung, sondern entwickelt seine Theorie vom Einzelnen aus. Dadurch wird eine religiöse Grundhaltung nicht abgelehnt (auch wenn dies häufig durch die Schriften Sartres intendiert wird), sondern der Glaube wird vielmehr selbst zum existentiellen Erleben.

Ich als Agnostiker interpretiere das für mich so. Ob das allerdings zum Nach-Denken taugt, kann ich nur hoffen:

Das Individuum kann  sich vor den äußeren Einflüssen vom Anbeginn nur dadurch schützen, dass es sich - zu aller erst seiner eigenen Existenz zunehmend bewusst - von seinem eigentlichen Wesen nur so weit entfernt, dass es am Leben bleibt, ohne anderen nach dem ihrigen zu trachten.

Hilft das aber, den Trumpismus oder Putinismus schadlos zu überstehen? Das sei dahin gestellt, aber. immerhin wäre man durch innere Einkehr ganz bei sich, ohne sich und seine Ideale aufgeben zu müssen.

Sonntag, 14. September 2025

Seelen-Serpentinen im Silberwald

Ausnahmsweise wieder Sonntag, weil's morgen bis Mittag kein Strom im Borgo gibt.

Die Seelen-Serpentinen
Ölkreide 2025

Jeden Herbst spüre ich es kommen. Dennoch bin ich seit Kindertagen immer wieder überrascht, mit welcher Gewalt mich dieser Zustand meiner Seele durchrüttelt:

Wenn die tiefstehende Sonne die Blätter des Olivenmeers bei der Fahrt über unsere kurvenreiche Straße in silberne Wogen verwandelt und sie jeden einzelnen Quader der Trockenmauern heraus meißelt, machen auch meine Gefühle in schneller Abfolge eine Berg- und Talfahrt. Innerhalb von Minuten ist meine Brust erfüllt von Glücksgefühlen, die durch all die optischen Farbreize ausgelöst werden. Ich könnte fliegen, so frei fühle ich mich, um dann doch von der Erkenntnis zu Boden gedrückt zu werden, dass das Jahr nicht nur bald zu ende geht, sondern auch schon die dunkle Zeit ihre schwarzen Schatten wirft.

Quelle; MDR
Mein Lebtag hatte ich angst,
zu spät zu kommen. Hat mich
deshalb das Leben nicht bestraft?
Viele haben schon versucht, das zu analysieren, und ich weiß, dass es anderen im März Geborenen ähnlich ergeht. In Mihail Gorbatschow, dem Wegbereiter der Deutschen Einheit durch Glasnost und Perestroika, der wie ich am. 2.März geboren wurde,  habe ich einiges von mir wieder erkannt. Man sagt uns Kreativität und Menschlichkeit nach, die nicht selten in Überempfindlichkeit ausartet. Aber wir überleben!
Zwei ältere Schwestern = drei Mütter


Da ich auf Sternzeichen nichts gebe, krame ich in frühesten Wahrnehmungen herum. Die waren Glück in warmen Sonnenlicht auf Blumenwiesen umgeben von lachenden Mädchen. Das Schwarze wurde durch mein erstes Silvester-Feuerwerk ausgelöst, weil meine Mutter mich, das Baby, nicht allein in der Wohnung zurück lassen wollte, als sie mit meinen beiden Schwestern und meinem Vater zum Prosit vor die Haustür ging.

Bis ich in die Schule kam, brauchte ich zum Schlafen immer einen Spalt breit Licht von der Kinderzimmer-Tür.. Komisch, dass der Winter später dann als Erwachsener zu meiner bestimmenden Jahreszeit wurde.

Morgen beginnt in Ligurien die Schule wieder und die Strände werden leerer. Noch sind wir fast einen Monat auf der Burg. Turnusmäßig fangen wir jetzt,  wo das Dorf fast ausgestorben ist, erst richtig an, ligurisch an zu Leben. Das bedeutet "marimonti" also auch mehr Meer. Vielleicht gerate ich in ihm ja nach zwanzig Jahren auch mal "wieder ins Schwimmen".

Ich werde Euch davon schreiben!


Freitag, 12. September 2025

Aus die Maus - und ein schlechtes Gefühl

 Dann haben wir sie doch noch bekommen. Gerade als die Kerlchen bereits anfingen, ungeniert um unsere Füße herum zu wuseln, kam unsere Schweizer Freundin mit zwei Mausefallen daher. Eine für kleine, die aussieht wie ein "Hightec"-Gerät und die andere für Nager bis zur Ratten-Größe in alter Schlagbügel-Technik.

"Hightec" von Amazon

Die kleine hat mittlerweile viermal erfolgreich zugeschlagen, die große wartet - trotz leckerer Speckstückchen immer noch auf den ersten Zuschlag. Was mich zu dem Verdacht veranlasst, dass die größeren Mäuse, von denen ich ja eine sogar im ersten Stock gesehen hatte, den Typus schon von meiner Tochter kannten, die bereits an Pfingsten Fallen aufstellen musste.

Die Funktions-Beschreibungen diverser Fabrikate sind ja schön und gut, aber sie bereiten einen zwielichtig sentimentalen Menschen wie mich nicht auf Gewissensbiss vor. Die Viecher sind ja auch tot noch so niedlich, dass man leicht vergisst, wieviel Angenagtes wir gleich nach unserer Ankunft entsorgen mussten. Tatsächlich war da die fürsorglichste aller meiner Ehefrauen rabiater: Ab damit! Von der Falle direkt in die Mülltonne. 

Allerdings musste ich das Highend-Gerät, das bei einem sich heftig wehrenden Mäuschen komplett auseinander fiel, dann erstmal wieder zusammen setzten, spannen und mit lecker Gorgonzola bestücken. Schonende Tötung geht anders!

Komisch, was dabei in einem alten Hirn an Erinnerungen aufblitzt. Zum Einen fiel mir der gute, alte Homer Simpson ein, wie er unter Tränen einen Hummer verspeist, den er in lebenden Zustand gemästet und lieb gewonnen hatte. Und zum Anderen der Erfinder, der im Patentamt seine Idee einer Mausefalle schützen lassen wollte; Ein dreieckiges Stück Holz mit einer versenkten Rasierklinge

"Wie soll denn die Funktionieren?", fragte der Sachbearbeiter.

"Ganz einfach! Man stellt das Teil in eine Ecke und legt ein Stück Käse auf die Spitze hinter der Klinge. Dann kommt die Maus und wiegt freudig ihr Köpfchen: Ei was ist das denn für ein leckeres Stück Käse? Schon ist ihr Hals durch!"

Hier das Beste von Homer und Zwicky, dem Hummer:

Quelle: YouTube
https://www.youtube.com/watch?v=fQVAyJFQiyM

Dienstag, 9. September 2025

Rechtsruck der Reichen

Wohin wir schauen auf unserem immer enger werdenden Globus: Die Reichen werden nicht nur immer reicher, sie denken auch immer weiter nach rechts. Offenbar fließen deren Gelder durch unsichtbare Kanäle den Rechtspopulisten weltweit zu. Anders ist es langsam nicht mehr zu erklären, weshalb beinahe alle Parteien, die die jeweiligen Verfassungen ihrer Länder vor allem in Europa infrage stellen, eine derart schnell wachsende Zustimmung finden.

Quelle: The Economist
Was, wenn Nigel Farage GB's
next Primeminister würde

Längst sind es nicht mehr allein Deutschland und Frankreich - von Italien und den Niederlanden ganz zu schweigen - sondern auch Großbritannien und einige der stets liberal ausgerichteten skandinavischen Länder. Gerade, so scheint es, sind die Norweger noch einmal vor einem Rechtsruck davon gekommen. Aber ob das hoch verschuldete Frankreich nach dem Scheitern seines Ministerpräsidenten das Rassemblement National noch aufhalten kann, scheint fraglicher denn je.

Quelle: WABE
Rupert Murdoch 94:
Noch nie waren die
 "bösen alten Männer"
so böse wie heute


Ich bin ja kein Verschwörungs-Theoretiker, aber an Zufälle glaube ich auch nicht. Nach der "Internationale der Kommunisten" soll nun wohl die "Internationale der Kapitalisten" unserer angeschlagenen Welt die erhofften Segnungen bringen? Wie soll das gehen - Kapitalertrag und Klimakrise?

Gerade hat der unendlich reiche Medien-Mogul Rupert Murdoch sein weltweit rechtspropagierendes Netzwerk gegen seine liberaler ausgerichteten Kinder abgesichert, und Elon Musk wurde vom Tesla-Vorstand ein weiterer Milliarden-Bonus für die Zukunft zugesichert,, da erreichen uns täglich neuere Schauergeschichten, wie Donald Trump die USA Schritt für Schritt in eine faschistische Oligarchie verwandelt.

Durch ihn wird, wer kein Geld hat, quasi rechtlos, während er seine Reichen Supporter gegen jede Klage mit schier unendlichen Gegenklagen langsam aber sicher die Reste des Rechtsstaates durch einen auf sie eingeschworenen Supreme Court letztinstanzlich in Agonie versetzen.

Die Geschichte jedoch lehrt uns, dass großes Kapital zwar für monumentale Memorabilien gut ist, aber zur Genesung der Menschheit außer durch gelegentliche Feigenblatt-Stiftungen selten Wesentliches beisteuert. Ich will ja kein Ketzer sein, wenn ich in diesem Zusammenhang auf Alfred Nobels Preise für Frieden und Wissenschaft verweise. Als ob all die Preisträger die Welt sie auf Dauer zu einem besseren Ort gemacht hätten!

Wann immer wir einfachen Menschen in liberalen Dimensionen gedacht haben, ist doch flugs einer daher gekommen, um unsere Hoffnungen wieder mit Brachialgewalt zu zerstören.

Quelle: NATO
Mindern "taktische Nuklear-Waffen"
tatsächlich die Gefahr eines sich
ausbreitenden Flächenbrandes

Welcher Aufruf, sich zu erheben, könnten denn heutzutage oder in Zukunft da noch von Dauer sein? Wo die Mächtigen der Welt doch alle einen Finger am Buzzer taktischer Nuklearwaffen haben.
Die reichsten Amis sind - vielleicht auch notgedrungen - allesamt Trump-Follower, die den POTUS täglich reicher machen, da allein seine Sprunghaftigkeit den Börsen längst den Takt vorgibt.

Und kann denn jemand, der aus reinem Eigennutz Netanjahu den Rücken stärkt und sich deshalb als Freund der Juden gibt, nicht doch auch ein Nazi sein?

Wer sind die zwanzig reichsten Menschen der Welt?

Eine rund um den Globus anerkannte Übersicht bietet hierzu jährlich das US-Wirtschaftsmagazin Forbes. Darauf soll auch hier zurückgegriffen werden. Es handelt sich dabei um den „Net Worth“ – das Reinvermögen einer Person. Damit ergibt sich folgende Top 20 der reichsten Menschen der Welt (Stand: 1. September 2025):

  1. Platz: Elon Musk (415,6 Milliarden US-Dollar)

  2. Platz: Larry Ellison (270,9 Milliarden US-Dollar)

  3. Platz: Mark Zuckerberg (253 Milliarden US-Dollar)

  4. Platz: Jeff Bezos (240,9 Milliarden US-Dollar)

  5. Platz: Larry Page (178,3 Milliarden US-Dollar)

  6. Platz: Sergey Brin (165,9 Milliarden US-Dollar)

  7. Platz: Bernard Arnault und seine Familie (154,1 Milliarden US-Dollar)

  8. Platz: Steve Ballmer (151,3 Milliarden US-Dollar)

  9. Platz: Jensen Huang (150,4 Milliarden US-Dollar)

  10. Platz: Warren Buffet (150,4 Milliarden US-Dollar)

  11. Platz: Michael Dell (124,8 Milliarden US-Dollar)

  12. Platz: Amancio Ortega (119,2 Milliarden US-Dollar)

  13. Platz: Bill Gates (117,4 Milliarden US-Dollar)

  14. Platz: Mukesh Ambani (117,1 Milliarden US-Dollar)

  15. Platz: Rob Walton und seine Familie (116,4 Milliarden US-Dollar)

  16. Platz: Jim Walton und seine Familie (115,1 Milliarden US-Dollar)

  17. Platz: Alice Walton (107,3 Milliarden US-Dollar)

  18. Platz: Michael Bloomberg (104,7 Milliarden US-Dollar)

  19. Platz: Carlos Slim Helu und seine Familie (96,9 Milliarden US-Dollar)

  20. Platz: Françoise Bettencourt-Meyers & ihre Familie (90,5 Milliarden US-Dollar)

Quelle: QUARKS

Sonntag, 7. September 2025

In Versuchung geführt

Der Fackelträger
Skizze CD

 Die Führer dieser Welt, die gerade versuchen, sie nach ihrem Gusto zu verändern und neu zu ordnen, geben ja vor, in ihren jeweiligen Religionen an einen Gott über sich zu glauben.

Nun ist aber das menschliche Gebot überall wohl das selbe: Du sollst nicht töten! Du sollst nicht lügen und falsch Zeugnis ablegen! Du sollst nicht Begehren des anderen Hab und Gut!

Das hat mich zu   folgenden Gedanken über das Führen und seine Führer veranlasst:


Völker, die sich Führer wählen, werden immer erst verführt, um dann alsbald vorgeführt zu werden.

Führungsschwache neigen zum Überkompensieren, um besonders stark zu erscheinen.

Führungsstärke wird oft bis zur Schmerzgrenze ausgereizt.

Ein Führer in unwegsamen Gelände kann hilfreich sein.

Unwägbarkeiten hingegen verlangen eher Eigeninitiative und Achtsamkeit.

Auch moderne Züge ohne Führerstand können entgleisen.

Führungszeugnisse sollten immer zwischen den Zeilen gelesen werden.

Die Führung abzugeben, ist noch keine Niederlage.

In Führung zu liegen, bedeutet gleichsam, dass immer noch jemand aufholen kann.

Wer Führung anbietet und übernimmt ist von da an allein verantwortlich 

Für die richtige Richtung sollte aber nie das Ego die Führung übernehmen...

Donnerstag, 4. September 2025

Aus die Maus?


 Seit unsere Kids an Pfingsten das Haus hier verlassen haben, wurde es von Untermietern der unangenehmen Art übernommen. Und obwohl meine immer auf absolute Hygiene bedachte Tochter alles was die zum Essen mögen, hermetisch in Gläsern und Blechbüchsen weggeschlossen hatte, haben die Mäuse noch genug gefunden, um es sich im gesamten Haus gemütlich zu machen. Schranktüren wurden angenagt, Verstecke aktiviert und überall müssen sie unter Beweis stellen, wie gut ihre Verdauung funktioniert...

Inzwischen sind sie so frech und selbstbewusst, dass sie nicht weiter nachtaktiv sind, sondern auch bei Tageslicht um uns herum wirbeln.

Wir waren schon mehrfach bei den einschlägigen Geschäften im Tal, um vergebens nach Mausefallen zu fragen. Gestern erzählte uns eine Verkäuferin, sie käme mit dem Bestellen gar nicht mehr nach. Jede Lieferung sei durch verzweifelte Vorbestellungen gleich wieder ausverkauft, denn es gäbe rund ums Tal so viele Mäuse wie lange nicht.

Das einzige, was es zur Abwehr  noch gab, war Gift, aber das wiederum kommt für uns nicht infrage. Andererseits raten unsere einheimischen Nachbarn aber auch von gefühlsduseligen Lebendfallen ab, weil die ausgesetzten Tierchen sich ja wieder paaren und blitzschnell vermehren können...

Ausserdem verfügen sie generationsübergreifend auch noch über ein selektives Gedächtnis, was sie schnurstracks in Häuser zurück führt, in denen es ihnen gut gegangen ist.

Eine Mäusedame kann, da sie schon im ersten Jahr geschlechtsreif ist, alle sechs bis acht Wochen bis zu sechs Mäuschen auf einmal gebähren.

So sehr uns das schmerzt: Wir warten nun sehnsüchtig darauf, dass der Versender uns radikale, klassische Fallen schickt, die tödlich zuschnappen, denn wir wollen unser Haus wieder haben!



Mittwoch, 3. September 2025

Mein Migrations-Märchen

 

Quelle www.fr.de
In einem südamerikanischen Land mit schon immer instabilen politischen Verhältnissen, verliebte sich eine 24jährige in einen sieben Jahre  jüngeren Burschen. Armen Menschen bleibt ja  oft nur Sex, ohne verhüten zu können.  Sie wurde schwanger und gebar ein Mädchen. Normaler Weise verschwindet ein Macho-Latino da auf nimmer Wiedersehen. Nicht aber jener Jüngling, den ich Isidro nenne.
Quelle: eBay

Zu dem zur Mutter gewordenen Twen Camilla verbindet ihn nicht nur gleichermaßen die Liebe, sondern auch die Chancenlosigkeit in den immer wieder sich gewaltsam verändernden Verhältnissen. Wer dagegen aufsteht, wird unterdrückt. Mal von links mal von rechts, weil die Gewaltenteilung in einem Land, in dem sich die Gewalten gegenseitig an den Kragen gehen, einfach nicht funktionieren kann.

In dieser Aussichtslosigkeit beschließen die jugendlichen Eltern, ihre Heimat zu verlassen, Alle drei auf einmal? Das scheitert am Geld. Aber der junge Mann könnte ja auf einem Schiff anheuern, um irgendwo auf der Welt als Vorauskommando ein anderes Leben zu ermöglichen.

Es ist kein Zufall, dass er eines Tages an einem Gestade landet, wo schon viele seiner Nationalität Aufnahme gefunden haben. Er stellt Antrag auf politisches Asyl, das von einem dort bereits ansässigen, entfernteren Verwandten gestützt wird. Isidro hat doppeltes Glück, weil nicht nur Asyl gewährt wird, sondern weil er auch bei dem Arbeitgeber seines Verwandten eine Lehrstelle ergattert.

Noch immer könnte er seine so weit entfernte Familie leicht im Stich lassen, aber er holt zunächst Camilla nach. Als auch ihr Asyl gewährt wird und sie schnell Beschäftigung in der Pflege findet, ist es an der Zeit auch das Töchterchen Isabella nach zu holen.

Natürlich reicht das Geld trotz Arbeitserlaubnis immer noch nicht für eine eigene Wohnung. Aber die Übergangslösung mit Wohnen bei  den Landsleuten geht auch nicht mehr länger. Also muss noch ein Onkel von der südlichen Halbkugel her, damit das Geld für ein eigenes Dach überm Kopf endlich genug ist.

Inzwischen ist Isabella ein schlaues und bemerkenswert schönes Mädchen von sieben Jahren, das offenbar mit der Mehrfachbelastung ihrer Eltern durch all deren Jobs gut zurecht kommt. Und die nun 30jährige Camilla ist erneut Schwanger und mindert so die rückläufige Geburtenrate ihrer neuen Heimat

Quelle: fanpage
Und weil die Drei nicht gestorben sind, kann ich ja auch verraten, dass dieses erstaunliche Märchen wahrhaftig hier in Ligurien passiert ist, obwohl hier doch scheinbar mit einem Antimigrations-Kurs der Marke Meloni-Salvini regiert wird...

Montag, 1. September 2025

Die Rückkehr der unheimlichen Yucca

Am Ende war nur noch ein hässlicher Stumpf von ihr zu sehen, über den ein frisch gesprossenes, sich selbst gesetzt habendes Aprikosen-Bäumchen seine grünen Ärmchen breitete.

Aber war das wirklich das Ende der "Mutter aller Yuccas" hier auf der Piazza? Der staubtrockene Juni hat der Albicocca ihr stolz gen Himmel gerecktes Krönchen verdorren lasen, ehe auch nur eines ihrer Früchtchen hätte zu Dörrobst werden können. Jetzt erholt sich der Rest nur langsam und ist eher ein Aprikosen-Busch. Und denkt nur! In dessen schütter gewordenem Schatten reckt die Totgeglaubte zwei kräftige Triebe durch den vom bösen Nachbarn mit Zementwasser verdichteten Boden.

Stumpf ist Trumpf
Mit Bauschutt und Trümmern kannte sie sich schon immer aus, denn als ich - ihr Retter - sie übernahm, war sie durch fahrlässigen Transport in der Mitte ihres ersten Stammes abgebrochen. Das geköpfte Oberteil steckte ich in den einzigen großen Topf, der gerade verfügbar war. Und damit das in den Winterstürmen nicht einfach umkippte, beschwerte ich seine neue Heimat mit allem was an "Erschwernis" verfügbar war: Mauerbruchstücke, Bau-Sand  und Kies. Eine hauchdünne Schicht wahrhaftige Erde, sollte eigentlich nur optisch kaschieren...

Ihre Kinder, Enkel und Urenkel bevölkern
den Borgo bis hinunter zur
Burgmauer

Aber dann war Yuccas Dankbarkeit für ihre zweifache Errettung dermaßen groß, dass voller Genügsamkeit aus dem unteren Teil eine zweigeteilte Palme wurde. Das abgetrennte, obere Stück erhärtete hingegen durch noch prachtvolleren Wuchs erneut meinen Verdacht, die Yuccas strebten die Weltherrschaft an. Denn irgendwann nach dem aus "Eins-mach-Zwei" habe ich aufgehört, die Nachkommen der beiden Teilstücke hier im Borgo noch zu zählen (alles im Blogg nachzulesen).

Alle Fotos Claus Deutelmoser
Und wenn du glaubst, sie lebt nicht mehr,
kommt aus dem Nirgendwo ein Spross daher
Aber dass diese Urquelle aller Yuccas, die Nachbar Piero wegen zu überragendem Wuchs in endgültiger Radikalität knapp über dem Existenzminimum auf ein nicht mehr zu entfernendes Wurzelwerk zurück geschnitten hat, nun wieder ausschlägt, führt mich zu folgendem Schluss:

Die Putins und Trumps dieser Welt können sich bekriegen so lange sie wollen: Am Ende siegt doch die  heimlich auf ewig verwurzelte oder gar vernetzte (?) "Internationale der Yuccas".

Albicocca gegen Yucca - das verspricht im kommenden Frühling ein spannender Kampf zu werden. Da mische ich mich aber bestimmt nicht wieder ein, und Sanktionen werde ich auch nicht verhängen...

Freitag, 29. August 2025

Kein Boom im Borgo

 Die Halbzeit-Bilanz für den Tourismus in Italien vermeldete im Juni bereits ein Rekord-Jahr. Die Gazetten jubelten das Zwischenergebnis sogar als neuen Boom hoch: Italien - so beliebt wie nie. Und wieder stellten Deutsche Reisende mit 59 Prozent Anteil an der Gesamt-Zahl der ausländischen Gäste das Hauptkontingent. Für Urlaub im eigenen Land haben sich mit über 30 Millionen soviel Italiener entschieden wie nie zuvor.

Komisch, nach Jahren komplett ausgebuchter Ferienwohnungen hier im Borgo, war die Hochsaison selbst zum Ferragosto eher ruhig. Dem Vernehmen nach hatte selbst das glamouröse Zelt-Dorf auf den Faschen östlich unserer Mauern auch nicht den enormen Zuspruch wie im Jahr seiner Eröffnung.

Ist Ligurien aus der Mode gekommen? Eher nicht. Die spezifischen Statistiken werden ja erst im Spätherbst erwartet, aber sie fallen vermutlich nicht so aus wie in den vergangenen Jahren.

Mag ja sein, dass im Lauf dieses bewegten Jahres die Geldbeutel lieber verschlossen blieben, aber Statistiken geben ja auch kein klares Bild von jeweiligen, besonderen regionalen Einflüssen. Da hat Rom, die ewige Stadt. heuer eben den Boom gleich mehrfach mit heiligem Geist beflügelt: Heiliges Jahr, Tod des einen, Wahl des anderen Papstes, und dazu noch das katholische Weltjugend-Treffen. - Vielleicht hat es dann für einen Strandurlaub einfach nicht mehr gereicht.

Quelle: katholisch.de
Rom war der Renner 2025
Leo XIV fuhr mit seinem Papa-Mobil
durch 120 000 begeisterte Jugendliche
Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nach meinen persönlichen "Tiefschlägen", die selbst noch durch Kontemplation zur Isolation wurden (im eigenen alten Gemäuer gesteigerte "Eremitage"), genossen wie nie.

Scoppa! Wem gilt der Angriff
auf den Burgfrieden?
Klar, die einheimische, über 300 Lebensjahre zählende Kartenrunde klopfte nach dem Pranzo auch heuer wieder bis zum Cena ihr Scoppa. Ansonsten störte kaum jemand den Burgfrieden. Lag es an der Hitze? Noch nie kreuzten so wenige Bergwanderer unsere Piazza auf dem Weg zum Pizzo.

Nur einmal - wir saßen bei unserer "Happy Hour" mit eiskalten Drinks im Schatten vor unserem Haus - kam eine Großfamilie auf Besichtigungstour und fragte, ob es denn bei uns etwas zu Essen und zu Trinken gäbe. Die haben "Casanna" tatsächlich für eine Trattoria gehalten. Als wir verneinten, rieten sie uns dann unbedingt, Bewirtung doch als Geschäfts-Idee zu verfolgen.

Wenn die wüssten, wie jeglicher Gastronomie hier im Winter die  Bergeinsamkeit den Garaus gemacht hat...

Und obendrein berichtete unsere treue Nachmarin "il Foletto buono" von ihrem ersten Rundgang nach ihrer Ankunft, sie habe noch nie zuvor so viele zum Verkauf stehende Häuser gesehen.
Ich will mal nicht unterstellen, das sei schon ein Erfolg des "agent provocateur", den der Syndaco hier hoch geschickt hat, um mit seinen wilden "Umbau-Arbeiten" die fremden Hausbesitzer zu terrorisieren. Die Anwälte sind schon eingeschaltet.

Fotos: Claus Deutelmoser
Aufgetischt wird auf unserer Piazza nur noch
bei dem mittlerweile legendären Nachbarschaftsessen
"Cena in Piazza"

Mittwoch, 27. August 2025

Das Putin-Trump-Parallelogramm

Wer Mut hat zum Vergleich, könnte auf die Idee kommen, dass sich Trump und Putin im Machtgebaren nicht nur ähneln, sondern auch die selben Ziele verfolgen: Nimm du dir deins, ich nehm' mir meins - und dann scheißen wir auf den Rest der Welt.

Und niemand steht auf, sie an ihrem Trapez-Akt ohne Fangnetz zu hindern!
Wo keine Demokratie mehr ist, hat ein Volk auch keine Macht! Schon gar nicht wenn nur Allmächtige die Waffen haben...

"You dear people don't have to vote anymore!"

Donald Trump ha es ja 2924 im Wahlkampf angekündigt, und es folgt nun "das Schweigen der Lämmer"



 

Montag, 25. August 2025

In die Ferne sehen

Quelle: Wikipedia
Gallileo Gallilei
1564 - 1641
Das Jahrtausend-Genie
in einem Porträt von
Domenico Tintoretto 
(etwa zu Beginn des
 17. Jahrhunderts vollendet)
Am 25. August 1609 stellte Galileo Galilei in Venedig seine Version eines Teleskops vor, dass nicht nur die Erfindung des Jan Lipperley aus den Niederlanden, sondern auch das von Johannes Kepler gefertigte Gerät übertraf. Lipperleys Fernrohr schaffte eine vierfache Vergrößerung, und bei Kepler stand das Gesehene noch auf dem Kopf.

Galileo erkannte schnell, dass er mit gekauften Linsen nicht weiter kommen würde und begann daher, eigene Linsen in unterschiedlicher Stärke selbst zu schleifen. Damit erreichte er im Laufe der Jahre eine bis zu 30fache Vergrößerung!

Quelle für beide Bilder: Museo Galileo


Original-Teleskop von Galileo, bestehend aus einem Hauptrohr mit separaten Gehäusen an beiden Enden für Objektiv und Okular. Das Rohr besteht aus zusammengefügten Holzleisten. Es ist mit rotem Leder (das im Laufe der Zeit braun geworden ist) und Goldprägung überzogen. Das plankonvexe Objektiv (mit der konvexen Seite nach außen) hat einen Durchmesser von 37 mm, eine Öffnung von 15 mm, eine Brennweite von 980 mm und eine Dicke in der Mitte von 2,0 mm. Zitat aus dem virtuellen Museumsführer.

Freitag, 22. August 2025

Die andere Öl-Krise

 Als wir vorgestern bei unserer Schweizer Freundin zum Abendessen eingeladen waren, gab es zum Wein vorab so pralle Oliven, wie wir sie in dieser Qualität schon einige Zeit von den Erzeugern hier oben nicht mehr kosten durften.

Im vergangenen Jahr hätten ihre Bäume so getragen wie nie zuvor, erzählte sie uns, aber für heuer sähe sie schwarz. Es seien so wenige Früchte zu sehen, als hätten sich die Bäume bei der letzten Ernte "verausgabt".

Schon seit wir nach der Pause erstmals wieder unsere Zickzack-Straße zu unserem Borgo hinauf gefahren waren, ist uns aufgefallen, dass das "Silber-Meer" durch Beschlag stark ausgedünnt worden ist. Jetzt in der Trockenperiode sind die Zwischenräume auf den Terrassen gefährlich ausgedörrt. Hat die Klima-Krise nun auch die Valle degli Olivi in Ligurien erreicht?

Quelle: pixabay
Die köstlichen Tröpfchen
so kostbar wie nie

Wir beziehen unser Öl privat von einem Nachbarn. Er hat sich bislang noch nicht über Ausfälle beklagt, trotzdem aber seinen Preis pro Liter um 20 Prozent anheben müssen. Das ist immer noch sehr viel günstiger und qualitätvoller als die verschnittenen "Öl-Cuvées" aus dem Supermarkt-Regal. Seit 2020 hingegen haben sich die Preise für Olivenöl in Deutschland fast verdoppelt!

Aber was Hitze und Trockenheit mit den Öl-Hainen in Spanien heuer bei den Superbränden gemacht hat, ist auch hierzulande zu erwarten. Bislang haben die Flieger, die beinahe täglich über dem Trichtertal kreisen noch keine expliziten Warnungen absetzen müssen. Die bange Frage ist, ob die paar Tropfen, die gestern tagsüber und  vorgestern Nacht endlich gefallen sind, eine Verbesserung der akuten Lage bringen.

Wer wirklich vom Öl leben muss, der sollte sich schnell etwas einfallen lassen. Ausgerechnet ein Deutscher aus dem so fernen Niedersachsen, bemüht sich seit einem Vierteljahrhundert darum für Italienische Klein-Erzeuger die Bodenbeschaffenheit in den Oliven-Hainen auf natürlichem Weg gegen die Klima-Herausforderung zu wappnen.

Quelle: 123RF
Nicht nur, dass der Olive
durch den Klimawandel der
Saft ausgeht, auch die
viele Handarbeit, die mit
ihrer Ernte verbunden ist,
wird ja auch nicht weniger
und billiger
Conrad Bölicke von der Genossenschaft "Artefakt" experimentiert bei bald ähnlichen Voraussetzungen daheim mit Pflanzen-Kohle, Regenwurm-Kompost und er veranlasste die Öl-Bauern zudem ihre Bäume mit Kaolin-Mehl zu bestäuben. Erstere binden die Feuchtigkeit länger im Boden, und das Kaolin schützt vor der UV-Strahlung.

In jedem Fall sind all diese Maßnahmen wohl in erster Linie ein Spiel gegen die Zeit, das auch das Ertragsplus  von 31 Prozent hier aus 2024 nicht leichter macht. Auf Dauer meint Bölicke müssten sich die Erzeuger generell darauf einstellen, dass sie aus 100 Kilo Oliven bald nur noch 9 Liter Öl gewinnen können, wo sie früher aus der selben Menge noch 13 oder 15 Liter gepresst haben.

Dienstag, 19. August 2025

Die Frage der Mitschuld

 Seit der Mensch denkt, beschäftigt er sich auch mit der Schuldfrage. Seit der alttestamentarischen Legende von Kain und Abel gewinnt sie auch noch ethisch und theoretisch an Gewicht. weil Schuld generell ein Instrument ist, auch jenen ein schlechtes Gewissen durch Mitschuld zu machen, die selbst nichts böses getan haben. Ein Grundprinzip aller Religionen.

Quelle: SMK Open
Kain und Abel
Gemälde von Frans Floris
1517 - 1570

Daneben beschäftigen sich aber auch Philosophen seit Jahrtausenden und bis heute weltweit mit der Mitschuld des Individuums an den jeweils herrschenden Verhältnissen. Ist es statthaft, die Frage an der Mitschuld auf einen kleinen Kreis der Mitmenschen - also Familie, Verwandtschaft und Freunde - zu begrenzen? Oder weitet sich. schuld zu sein, mit der Wahrnehmung des weiteren Umfeldes und anhand von gemachten Erfahrungen unbegrenzt aus?

Als Bundeskanzler Helmut Kohl im Zusammenhang mit den Nazi-Verbrechen für sich von der "Gnade der späten Geburt" sprach, erhob sich ein Shitstorm. Ein Politiker darf sich wohl nicht von der "Erbschuld" freisprechen, wie der Normalo das rein instinktiv  täte. Schließlich darf de jure der Nachwuchs der Mörder nicht mit bestraft werden, sofern er nicht beteiligt war.
Als hätten die nicht schon genug zu leiden gehabt. Solche Gedanken hat sich Joseph Göbbels vermutlich nicht gemacht, als er im Führerbunker seine unschuldigen Kinder gleich mit gekillt hat. Seiner eigenen Denke über Sippenhaft hätte es entsprochen, sie eben vor der Rache der Nachwelt zu bewahren?

Quelle: SPIEGEL
Mitschuld an der Schuld der Eltern?
Die fünf vergifteten Göbbels-Kinder

Wenn sich Schuld auch rein ethisch nicht zur Mitschuld ausweiten darf, ist es völlig in Ordnung das Israelische Volk nicht der Mitschuld an den Verbrechen Netanjahus zu bezichtigen. Zumal ja auch ein Großteil von ihnen den Mann gar nicht gewählt hat und täglich gegen ihn protestiert. Wenn aber die Verbrechen eines Juden - also vor allem von uns Deutschen - nicht wegen unserer "Erbschuld" als solche benannt werden dürfen, wäre uns dann wieder eine Mitschuld anzukreiden, weil wir beispielsweise die Zwangsbesiedelung des Westjordanlandes und die Umsiedlung von Palästinensern aus Gaza nicht energisch genug als völkerrechtwidrig angesprochen haben?

Quelle: wikipedia
F. M. Dostojewski
1821 - 1881
In diesem Sinne sollte man allen Denkenden, die sich über das Prinzip von "Schuld und Sühne" auslassen, den Vordenker Fjodor Michailowitsch Dostojewski empfehlen. Der hätte sich nämlich fast in seinem Fortsetzungs-Roman unter diesem nicht so ganz richtig ins Deutsche übersetzten Titel schon im Jahre 1865 thematisch die Zähen ausgebissen. Wenn Raskolnikows "Verbrechen und Strafe" - wie es in neueren Übersetzungen heißt - noch heute in einem eben völlig anderen moralischen Umfeld entsprechend erörtert werden kann, beantwortet das die Frage nach Schuld und Mitschuld so: Beide hingen allein von der parteiischen Perspektive der jeweils Herrschenden ab...
Dostojewskis Raskolnikow, der seine Pfandleiherin aus einer Warte der Überheblichkeit ermordet hatte, konnte sich nach acht Jahren im Straflager läutern und mit seiner Geliebten wieder ein normales Leben aufnehmen.