Donnerstag, 28. Juli 2022

Den Geheimdiensten droht die fehlende Existenzgrundlage

 Wegen Schwierigkeiten mit meinem Computer dieser Post vorab:


Wer braucht eigentlich noch die Dunkelmänner, die in Spielfilmen mit hochgeklappten Mantelkragen durch das Zwielicht staatlicher Aktionen schleichen?
Keine Kriese hat bislang mehr verdeutlicht, wie sehr die Dienste heutzutage im Dunklen tappen, als der Krieg in der Ukraine. Der Grund: In den Demokratien haben sogenannte investigative Netzwerke die Oberhand. sie wissen oft mehr als die "Verschleierer" und gehen damit unmittelbar an die Öffentlichkeit.

Quelle: DER SPIEGEL

Derart wird die Politik mit durchgesteckten Geheiminformationen bombardiert, dass ihr eigentlich keine Zeit bleibt, sensible Daten zu schützen. Bestes Beispiel ist die Lieferung schwerer Waffen, die en Detail  aufgedröselt wird, dass der Feind praktisch nur noch Zeitung zu lesen braucht.

Gehört es tatsächlich zur Informationspolitik in einer Demokratie, dass der Bürger erfährt, dass der avisierte Ringtausch Alt gegen Neu wegen tatsächlich Uralt gegen erheblich Gebraucht bei der Unterstützung der Ukraine nicht funktionieren will. Und wieso der Kanzler schmallippig vorgeführt wird, weil er darüber nicht reden will, wieso absolut megaschwere und potenziell kriegsentscheidende Waffen nun doch auf direktem Weg von Deutschland in die Ukraine gelangten.

Am besten, ihr nehmt den FSB gleich auch zum gegenseitigen Austausch in den geheimen und verschlüsselten Mail-Verteiler mit allen anderen Diensten. Auf diese Wege könnten die enormen und meist nicht zu überprüfenden Ausgaben zum Deckeln der kriegsbedingt gestiegenen Energiekosten verwendet werden. Wie sich herausstellt, wird der Energie-Sektor der EU von Bataillonen russischer Hacker so transparent gemacht, dass unsere Regierungen bei deren Ergebnissen spicken könnten, um keine vagen Aussagen über unseren Status im Kommenden Winter mehr machen zu müssen.

Quelle: dreamstime.com

Wir indirekten "Kriegsopfer" haben ja sowieso nicht die Möglichkeiten, uns in der ausgebrochenen Propaganda-Schlacht noch ein halbwegs verlässliches Bild der Lage zu machen. Die Maskirovka, die einst kunstvoll erdachte Irreführung der Feinde Russlands ist ja nur noch ein plumpes Lügengebäuden, das schon durch direkte Übertragungen von privaten Handys ins Netz zum Einsturz gebracht wird.

Stattdessen feiert auch das Narrativ unmittelbar entlarvend  eine ungebremste Wiederauferstehung. Vor ein paar Jahren habe ich den Russischen Außenminister Lawrow noch für eine intellektuelle Notbremse von Putin gehalten. Aber der permanente direkte Umgang der beiden hat ihn als kolossalen Deppen enttarnt - auch ohne Infos aus dem Spionage-Untergrund:

Denn wer bekräftigt, er wolle einen Systemwechsel der Ukraine erzwingen, hat in einem Anfall von Größenwahn die Zeichen der Zeit nicht richtig gedeutet. Der Zug ist längst abgefahren Towarisch, denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, wie ein einst weiserer russischer Staatsmann gerne zitiert wurde. Aus der Endstation "Atomkrieg" gibt es keinen Ausstieg.

Muss man jeden Unsinn nur noch so oft es geht wiederholen damit ein Narrativ aus ihn wird?
Quelle: Humanistischer Pressedienst hpd



Mittwoch, 27. Juli 2022

Warten auf Regen, ohne sich zu regen

Das ist paradox. Die Wetterdienste werden in unserer Region eins ums andere Mal absurd vorgeführt. Seit letzten Sonntag sollte es bedeckt und regnerisch sein. Tatsächlich fielen da um 7Uhr30 etwa fünf zählbare Tropfen. Dann löste eine Höhenwind vom Meer die Wolkenmassen wieder auf, während wir hier auf dem Burgberg nahezu Windstille hatten. So geht es seither jeglichem Tag: Der lokale Wetterbericht verschiebt die Vorhersage der heiß erwarteten Regenwoche immer wieder um 24 Stunden. Von dem Gewitter, das ab Mitternacht quasi mit Blitzen aus einem Stroboskop tobte, bekamen wir heute Morgen gegen drei Uhr nur ein paar Windstöße und einen halbstündigen Schauer. Das war eher wie ein Aufguss in der Sauna...

Sonne fressen Regen auf
Quelle:dreamstime.com

Langsam habe ich das Gefühl, die "Wetterfrösche" machen das, damit wir die Hoffnung nicht verlieren und in dem depressiv feuchtem Luftdruck auch nicht verzweifeln. Es ist aber zum verzweifeln. wenn die Tag-Nacht-Temperatur fast gleich bleibt und die Luftfeuchtigkeit trotz der anhaltenden Trockenheit am Boden so verhältnismäßig hoch bleibt. Während ich hier um 9 Uhr früh tippe, zeigt mir der GPS-gestützte Computer bereits wieder 25 Grad an. Es wird also wieder ein Tag, an dem das Thermometer über 30 Grad klettert.

Während ich schreibe, höre ich online meinen Heimatsender und bin neidisch, dass in München nach Gewittern die Temperatur auf unter 20 Grad gesunken ist. Da würden wir Alten hier vermutlich schon die Strickjacke anziehen müssen.

Quelle: catprint.de
Ich kann ja nicht den ganzen Tag nackt herumlaufen, aber jedes auch noch so leichte Kleidungsstück ist nach ein paar Minuten klatschnass. Nachts muss ich dreimal das T-Shirt wechseln. Was machen wir nur, wenn wir die Waschmaschine wegen Wassermangels nicht mehr bedienen dürfen?

Wenn der Wasserspiegel in der Zisterne des Versorgers weiter sinkt, können wir es wegen der nicht mehr ausreichenden Qualität auch nicht mehr trinken. Das heißt, wir müssen Mineralwasser in Sechserpacks zu je 16 Kilo hier hoch schleppen.

So lange wir noch Wasser haben, teilen wir es mit den Pflanzen auf der Terrasse und rund um die Piazza, aber wir werden bereits von den Alteingesessenen deswegen angefeindet. 

In den Nachrichten lesen wir von tausenden von Hitze-Toten in Europa meist Menschen in unserem Alter. Aber wir haben es ja noch gut, weil wir uns zur Not nicht regen müssen und quasi regungslos wie Sukkulenten noch ohne Stress auf die nächsten Tropfen warten können. Dieses Privileg haben die vielen Betagten Nachbarn nicht, die von ihren Gemüse-Gärten und Oliven-Hainen leben müssen. Wohl denen, die auf ihrem Grund eine Quelle haben, die einen kalten, für Ligurien typischen Laghetto speist  wie unsere Schweizer Freundin ihn genießt. Da ist unsere Versorgung partiell zumindest gesichert - selbst wenn ihre auch unter der Hitze leidenden Hühner immer kleinere Eier legen...

Wie lange noch sprudeln die Tiefenquellen
im ligurischen Bergland noch? Jetzt 
rächt es sich, dass viele Brunnen zugemauert wurden.

Quelle: relaisdelmare-it


Montag, 25. Juli 2022

Das Draghi-Drama

Angetreten, um den schiefen Schulden-Turm Italiens etwas
gerade zu rücken - und gescheitert.
Wieder einmal rächt sich, dass "il populo"
 Italiens Politikern oft scheißegal ist,
wenn es ums eigene Mandat geht
Quelle: handelsblatt,com


Als Deutscher steht mir eine Ansicht zur Politik Italiens eigentlich nicht zu - wohl aber als überzeugter Europäer:
Der Sturz des Italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi ist eine Katastrophe für Europa, denn der eloquente Gentleman und hochgradige Finanzexperte hat in seiner knappen Amtszeit mehr Baustellen beseitigt als die letzten seiner Vorgänger. Aber er hat sein Ziel der nationalen Einheit nicht erreichen können, weil die vielen Parteien im Parlament und Senat - so klein sie auch sind - ihr eigenes nahrhaftes Süppchen kochen wollen. Das heißt: Möglichst mein Mandat nicht verlieren!

Italien hat erneut den Status einer "Weimarer Republik" erreicht, in der der Neo-Faschismus eine Auferstehung des Schreckes feiert und der Name Benito Mussolinis immer häufiger in den Nachrichten auftaucht. Es ist hier längst kein Tabu mehr, seiner Diktatur Bedeutung beizumessen. Nachkommen von ihm werden mit Bedacht parlamentarisch in Stellung gebracht.. Am 27, Mai wagte ich in diesem Blog eine Analyse, die sich nun quasi als Realität bestätigt. Die zuvor in den Umfragen im freien Fall befindlichen Cinque Stelle und Lega haben den "Staatsstreich" gewissermaßen als Fallschirm angezettelt, weil sie bei regulären Wahlen im Februar 2023 vermutlich als Koalitionspartner anderer Mehrheiten nicht mehr relevant gewesen wären. Aber die Prognosen für Neuwahlen in drei Monaten sind nun auch so, dass beide zum Regieren nicht unbedingt mehr gebraucht werden. Dieser Schuss in den Ofen macht den Weg frei für eine gänzlich neue aber geschichtlich gar nicht überraschende Situation: Die eher ungebildete und meist betagte Landbevölkerung Italiens ist schon immer populistischen Parolen auf den Leim gegangen. Berlusconi hat sie dauerhaft derart ebenso mit dem Schlaghammer bedient wie Trump seine "silent majority". An allem ist der Euro schuld! Europa saugt Italien aus! Dass es genau umgekehrt ist, kommt bei dieser Wählerschicht ebenso wenig an wie die vielen Milliarden die die Europäische Gemeinschaft in den Süden des Stiefels pumpt. Gelder die  durch Korruption und maffiöses Regieren in dunklen Kanälen verrinnt. Damit wollte Draghi vor allem Schluss machen.

Aber auch immer mehr Bürger aus den Städten glauben den zum Teil unhaltbaren Versprechungen, sonst hätte die Sterne-Partei nicht die desaströse Bürgermeisterin von Rom stellen können. Der Sozialdemokrat Roberto Gualtieri hat sein erstes Amtsjahr als Roms neuer Bürgermeister wie Draghi allein damit verbracht, hinter seiner inkompetenten Vorgängerin Virginia Raggi aufzuräumen. Jedoch vorangegangene Fehl-Politik wird in Italien schon immer vom Wahlvolk gleich wieder ausgeblendet - ähnlich wie in Deutschland.

Quelle: süddeutsche-zeitung.de

Und so stehen die Tore bei den Neuwahlen weit offen für eine Mitte-Rechts-Regierung. Denn die vermeintlich nächste Ministerpräsidentin Italiens, Giorgia Meloni ist so weit rechts von der Mitte positioniert, dass eine Rechts-Rechts-Ultrarechts-Regierung zu befürchten ist. Eine Koalition aus ihren "Fratelli d'Italia", der "Lega" und Berlusconis "Forza Italia" liegt in Umfragen schon jetzt bei zusammen 45 Prozent, und der Sommer bleibt zu heiß, um bei Wahlveranstaltungen einen Umschwung im Denken zu erzielen. Meloni hat ihr Wahlprogramm in wenigen Worten mehrheitsfähig manifestiert:

"Ja zur natürlichen Familie - nein zur LGBT-Lobby. Ja zur Kultur des Lebens, nein zu Abtreibungen. Ja zu christlichen Prinzipien, nein zu islamistischer Gewalt. Ja zu sicheren Grenzen, nein zu Masseneinwanderung. Ja zu unseren Mitbürgern, nein zur internationalen Finanzwelt. Ja zur Unabhängigkeit der Völker, nein zu den Bürokraten in Brüssel."

Das ist eine Kampf-Ansage an Europa, und schon gehen  die Zinsen für italienische Staatsanleihen hoch. Mal sehen, wie sich Italiens Wirtschaft ohne Draghis Finanz-Genie entwickeln wird. Aber vielleicht hilft dann ja "der große Bruder", der einst in Don-Camillo-Filmen so gefürchtet war. Führende Mitglieder der Lega und der Forza halten Putin für einen respektablen Mann.

Mein Professor von den Zinnen Gegenüber hält sein Heimatland demokratisch für "unreif". Schade, Italien könnte mal wieder für eine Periode unregierbar sein, weil Mitte-Links zu zerstückelt und eigensinnig formiert ist.

Freitag, 22. Juli 2022

Meine Freundin Mia, die leider nicht die Meine ist

 Kann man sich in meinem Alter noch einmal schockverlieben? Ist gerade passiert. Und wie so oft im Leben geht es über ein paar zärtliche Berührungen nicht hinaus. Dabei kommt sie mich täglich besuchen, macht sich ungeniert in der Küche breit. Sie ist in den Monaten, seit ich sie kenne, ein ganz schönes Maschinchen geworden. Aber das tut der Liebe zu ihr keinen Abbruch, So eine wie sie hätte ich mir gewünscht, als ich noch jünger war, um ihrem Temperament grenzenlos folgen zu können.
Die Fürsorglichste aller meiner Ehefrauen ist kein bisschen eifersüchtig, denn Mia - so heißt meine neue Freundin - verteilt ihre Gunst an alle, die sie genauso schön finden wie ich, mit gleichmütiger Gleichmut.

Aber sie hat eine feste Beziehung zu meiner Schweizer Freundin, die ich eben auch sehr gern habe. Deshalb bleibt mein Sehnen ohne Hoffen - auch weil ich nicht der einzige Mann in Mias Leben bin.

Mia hat rabenschwarzes Haar und trägt rotbraune Strümpfe. Und ihre Augen spiegeln eine unschuldige Treue wieder, wie sie im besten Fall selten bei weiblichen Wesen anzutreffen ist. Mit dem Urinstinkt einer Hüterin hält sie ihre Angelegenheiten zusammen.

Ach Mia-Mäuschen! Gut, dass du "nur" eine Hundedame bist, sonst hättest du mir vielleicht das Herz gebrochen. So begnüge ich mich mit deinem Abschlabbern und dem dankbaren Knabbern an meinen Fingern, wenn du vorsichtig ein Stück Brot von mir nimmst...

Innerhalb von eine paar Monaten quasi erwachsen. Im Bild rechts war sie etwa ein halbes Jahr alt.
       Wie sich so eine Riesin nur bei dieser Hitze in der trockenen Dusche wie ein Baby räkeln mag!
Beauceron-Damen gelten als verlässlichste Hüterinnen von jeglicher Art von Herden.
Jetzt ist sie noch nicht einmal ein Jahr alt und überragt - wenn sie sich aufrichtet -
schon ihr gar nicht schmächtiges Herrchen, Ihr langes Frauchen wird sie auch bald eingeholt haben...
Fotos: Susanna Ludescher


Mittwoch, 20. Juli 2022

Il gran Caldo

Quelle: ilmamilio.it

Am Wochenende waren wir  wieder einmal bei Da Maria in Vessalico. Wie hatten einen luftigen Tisch am schattigen Rand des Gartens, und es wehte ein lauschiger Wind. Es kam eine herausragende Vorspeise nach der anderen, Wir waren in Hochstimmung, aber bei den Fleisch- und Fischgängen schlug die um. Am Essen lag es nicht . Der Wind war auf einmal weg, und uns trafen die für das Arroscia-Tal angekündigten 35 Grad mit einer Heftigkeit, die uns beinahe den Atem raubte. Später allerdings auch bei der Rechnung die Tatsache, dass die Teuerung wohl an dem beliebten Restaurant nicht vorbei gegangen ist. Statt 35 Euro pro Kopf im vergangen Jahr nun 45...

Da begann er also auch bei uns auf der Burg "Il gran caldo". Am Montag kletterte die Temperatur von 24 am frühen Morgen über Tag auf 35 Grad. Das wäre ja in den dicken Mauern unseres Hauses noch erträglich gewesen, aber in der Nacht "kühlten" sie dann nur noch auf 29 Grad herunter. So soll es mindestens die ganze Woche mit minimalen Abweichungen nach unten andauern.
Fluch der Vernetzung, mein Computer zeigt mir die Temperatur hier für den Borgo stündlich  an, wenn ich es denn überhaupt aushielte, vorm Bildschirm sitzen zu bleiben. Einigermaßen kühl ist es im Moment nur in der Küche im Parterre bei offener Tür und beschatteten, offenen Fenstern. Dann entsteht zumindest ein Hauch von Windkreuz, der draußen in den Gassen leider fehlt.

Quelle: weather.com


Als wir für die Familie Ligurien erstmals im Bergdorf Belissimi  entdeckten, stand das öffentliche Thermometer an der Kreuzung vor Porto Maurizio  nach einem Abendessen in Prino um Mitternacht bei 41 Grad. Aber das war nicht der Urlaubsrekord. Den erlebten wir in Portugal an der Algarve-Küste. Da fiel die Temperatur-Anzeige 14 Tage lang  nicht unter 40 Grad.  Nachts deckten wir uns mit klatschnassen Handtüchern zu, die kaum Linderung verschafften.

In meiner Zeit als Reise-Reporter musste ich mit extremen Temperatur-Unterschieden bei der Arbeit zurecht kommen. Aber so eine Differenz innerhalb von 36 Stunden musste ich zum Glück nur einmal überstehen: Minus 27 Grad trockene Kälte nahe dem Polarkreis in Finnisch Lappland und dann 35 Grad bei maximaler Luftfeuchtigkeit auf der Karibik-Insel Guadeloupe.

Leider haben mich die Ruhestandsjahre zu einem lauen Typen werden lassen. Für mich zählen der Frühling und der Herbst heute zu den bevorzugten Jahreszeiten. Wenn sie denn so blieben wie einst... Der "Wettergott" Petteri Taalas von der Weltwetterorganisation (WWO) hat gestern prophezeit, bis 2060 würden diese derzeitigen Bedingungen wohl Standard werden. 

Schon jetzt sind die Meere wärmer, als
es ihrer Fauna und Flora gut tut.
Populationen von Quallen und Algen
explodieren quasi
Quelle: wetter.online


Montag, 18. Juli 2022

Wider die Zeit

Fragen der Zeit, denen sich die Entscheider angeblich aus Zeitmangel nicht stellen, werden mit der Zeit zu etner Zeitfrage- Da kann man Einstein noch so sehr beipflichten, dass Zeit relativ und einen Erfindung des Menschen sei. Wir sind - egal in welcher Bemessung - dem Ablauf ausgeliefert. Ob uns die Stunde schlägt, oder ein Jahr vergeht.

Vielleicht ist es gesünder mit  dem Surrealisten
Salvador Dali auf die verrinnende Zeit zu schauen.
als über Einsteins Abstraktionen tiefer nachzudenken...

Quelle: MOMA


Die Erde umkreist die Sonne, unseren mystischen Energie- und Lebensspender von gewaltiger Dimension.
Sie ist gewissermaßen Freund und Feind zugleich, was wir mit einem Sonnenbrand büßen, wenn wir uns ihr zu lange aussetzen oder unsere Ernten gefährden, weil wir das von ihr bestimmte Klima mit unseren Errungenschaften so verändert haben.

Vergangene Woche lieferte das James Webb-Teleskop der NASA erste Bilder aus den Kindetagen des Universums. Geschossen mit Infrarot, was Dinge sichtbar macht, die eine normale Optik nicht liefert.
Wunderschön bizarre Formationen, die auch Wasser nachweisen - unser Lebens-Elixier, an dem es gerade in ganz Europa mangelt. Gemessen an anderen Galaxien ist unser Sonnen-System eher ein Auslaufmodell, und unser Planet, dessen Endlichkeit wir gerade verkürzen, noch nicht einmal eine Nadelspitze.

Sind wir mit diesem Milliarden tiefen Blick in die Nähe des Urknalls
schlauer im Wissen , wie das Universum entstand? Was war denn da vorher?

Foto: NASA


Fassten wird die Zeit nicht in Maßeinheiten, wären wir wie die Tiere wohl noch in der Lage unser Leben von einer "inneren Uhr" bestimmen zu lassen. Die meisten Mauersegler sind vom Himmel über der Burg verschwunden. Auf ein individuelles Signal ihre Reise antretend - im Wissen, dass sie im nächsten Frühling wieder ihre Mauerspalten aufsuchen, um für Nachwuchs zu sorgen. Man könnte meinen, sie seien rastlos, aber sie sind doch in der Lage mit dem Schwarm ziehenden im Flug zu schlafen.

Je älter ich werde, desto mehr leide ich darunter, dass die alljährliche Zeit-Verschiebung und die Medikamente sich gegen meinen eigentlichen Rhythmus stellen. Jeden Tag verkürzt sich wieder das Licht und verlängern sich die Schatten. Von den Hitzegraden müsste es eigentlich bald Ferragosto sein, aber es ist zu befürchten, dass dieser Sommer schon einer der längeren unserer Klima-Geschichte sein könnte.

Altersgenossen teilen mit mir die Erkenntnis, dass selbst wenn man sich der absoluten Muße hingibt, die Zeit einem im doppelten Sinne davon rast. Schaue ich aber auf unseren erst zur Hälfte abgelaufenen Aufenthalt hier zurück, dann kommen mir die dreieinhalb Monate schon vor wie ein halbes Jahr.

Mich macht die verschobene Zeitachse zwar mitunter angst und erinnert mich zusehends an aller "memento mori". Endlich aber kann ich halbwegs befreit den Augenblick leben und mir an den kühleren Abenden das Gratis-Spektakel unserer Sonnenuntergänge hier geben.

In einem der sich meist durch endlose Wiederholungen auszeichnenden Song-Texte der aktuellen  Hitlisten, fiel mir diese wunderbare Zeile als Ausnahme auf:
Now the day bleeds into the  nightfall. (Lewis Capaldi : Someone You Loved) Wenn der Tag also in der beginnenden Nacht verblutet. sollte uns das nicht traurig machen, sondern die Hoffnung auf einen neuen Tag entfachen. Dem dann ersten Tag vom Rest unseres Lebens.

Foto: Claus Deutelmoser


Freitag, 15. Juli 2022

Rund um die Burg: Eine ganz andere Öl-Krise

 

Foto: Claus Deutelmoser
Mir Läuft schon beim Tippen der Schweiß in Strömen über die Brille und in die Augen. Ich bitte daher um Verständnis, wenn meine Posts fehlerbehafteter als sonst sind. Ich gebe mir große Mühe, aber selbst beim Korrekturlesen sehe ich manches nicht. Dem ohnehin schon viel geschundenen Remarque habe ich im letzten Text so doch tatsächlich ein Negativ-Alter verpasst. Wurde aber Stunden später richtig gestellt.

Lange habe ich heute damit gerungen, ob ich die Klagen der Öl-Bauern hier in den Valle Dell'Olio als zweite Öl-Krise bezeichnen dürfte. Das wäre zynisch gewesen, weil die andere ja kriegsbedingt ist.

Bei allen Nachbarn werden die Gesichter immer länger, denn es droht jetzt nicht nur ein Wasser-Shutdown, sondern auch der Verlust ihrer Lebensgrundlage. In fast allen Oliven-Hainen sind die jungen Früchte seit vier Wochen wegen der anhaltenden Trockenheit und der Tag und Nacht vorherrschenden Hitze nicht weiter gewachsen. Jetzt fallen sie vielfach bereits verschrumpelt und vertrocknet von den Bäumen. Es droht für den Herbst ein nahezu totaler Ausfall der Ernte. Da auch die im vergangenen Jahr nicht gerade üppig war, geht es vor allen den kleineren, überwiegend für den Eigenbedarf  Produzierenden an die Substanz. Fast alle haben ja schon einen anderen Hauptberuf, weil sie von den Oliven alleine nicht mehr leben können. Dennoch sind sie auf den Ertrag angewiesen, um die Latifundien auch zu erhalten (Ausbessern der Trockenmauern und Terrassen, Beschnitt und die mühsame Ernte per Hand). Ein unverschnittenes Olivenöl wird wohl demnächst zum absoluten Luxus-Lebensmittel.

 Heuer bekamen wir unser Öl noch gewissermaßen zu einem leicht erhöhten Selbstkosten-Preis. Wir wären aber durchaus bereit, auch mehr für das Extra Vergine in Spitzen-Qualität zu bezahlen. Aber um uns und unseren Mini-Konsum geht es zu allerletzt. Wir sind ja im Winter im Butter-Land und können dort auf andere Feinschmecker-Fette zurückgreifen. Aber da es um andere Olivenöl-Länder nicht besser steht, wird der Preis sich vermutlich wegen der Knappheit verdoppeln...

Ich höre jetzt auf zu tippen und drücke lieber meinen Freunden und Nachbarn beide Daumen, dass ihre Resternte das Schlimmste verhindern möge.

Es herrscht eine gewisse Ratlosigkeit,
ob sich das Auslegen der Netze für die Ernte noch lohnen wird
Quelle: svassai.com