Samstag, 6. Mai 2017

Risotto mit schwarzem Spargel


Da ist er wieder. Mein Hummer, mit dem ich meine Küchen-Experimente ankündige. Wenn der Frühling nicht ins Land kommt, muss er zumindest auf den Tisch. Heute und Montag geht es um den Rausch, den mir alle frischen Gemüse am Markttag bereiten.

Wir Deutschen sind ja speziell mit unserem ultimativen Geschmack, was Spargel angeht: Die Lager zerfallen in Vorlieben für Schwetzingen, Abensberg und natürlich Schrobenhausen (da kommt mittlerweile auch ein "Lilaner" her). Das zeigt schon ein wenig, wie unterschiedlich die Sorten auch schmecken können, wenn ganz Europa einbezogen wird. Da gibt es Bayonne und vor allem die mit dem lilafarbenen Kopf aus Spanien. Seit die Gourmet-Küche voranschreitet, sind auch andere Farben außer dem oft eher langweilig schmeckenden Grünen zu finden (hängt ja ohnehin von der Sonnenbestrahlung ab). Ob es die Sorte, die ich verarbeitet habe, zu unseren Märkten schafft, hängt eher von der Landsmannschaft des Gemüsehändlers ab.
Leider bin ich kein Food-Fotograf. Und für's Anrichten
muss ich auch mehr Ruhe und weniger Hunger haben.
Aber so könnte es in etwa aussehen...
Im flachen Umland von Albenga unweit von hier wird eine Sorte gezogen, die es aus der Region vermutlich nicht heraus schafft, weil die Menge nicht lohnt. Also hier probieren, wer mal nach Ligurien kommt:

Il Nero D'Albenga

Als ich gestern zum Schälen auf der Piazza saß, kommt prompt die Bürgermeister-Witwe vorbei und fragt, was ich denn zum Cena koche. Als ich antworte, ich mache ein Risotto aus dem Schwarzen, sagt sie nur:"Peccato!" (Sünde)
Für die Einheimischen ist Il Nero eine derartige Kostbarkeit, dass sie ihn nur klassisch zubereiten. Vielleicht wäre die Verachtung etwas geringer, wenn sie wüssten, was Spargel bei uns kostet.
Für rund sechs Euro habe ich fast ein Kilo bekommen, und der Geschmack meiner Zubereitungs-Art rechtfertigt das allemal. Der Risotto ist ein klassischer Primo. Deshalb reicht die Menge hier für vier Personen:

Zubereitung

Ein Bund Spargel, eine Teetasse voll Risotto-Reis, ein halbes Glas Weißwein, drei Zehen vom grünen Knoblauch, eine halbe Salat-Zwiebel, ein Süßwein-Glas Extra Vergine sowie ein Esslöffel voll Butter. Reichlich Pfeffer und Meersalz.  Frische Kräuter nach Gusto aber nicht zu reichlich: Liebstöckel und Petersilie sind geeignet - auch grüner Madagaskar-Pfeffer aus der Lake.

Spargel unten vom Holz befreien und bis zum oberen Drittel schälen. Das obere Drittel abschneiden und im feuchten Tuch frisch halten. die unteren Teile in feine Scheiben schneiden und mit der Zwiebel und dem Knoblauch zunächst in der Butter anrösten, den Reis hinzugeben und nach ein paar Minuten bei herunter gestellter Hitze das Öl hinzugeben und mit dem Weißwein ablöschen. Dann jedesmal vor dem Ansetzen eine Teetasse Wasser zugießen. So lange köcheln lassen, bis das Volumen erreicht ist. Dann einen halben Becher Sahne unterrühren.
Nach der Hälfte der Garzeit in einer Pfanne mit brauner Butter die Spargel-Köpfe anrösten (ca. 10 Minuten). Besser beides auf Biss prüfen). Fertig!

Beim Anrichten sollten Risotto und Spargel-Köpfe getrennt bleiben. Die braune Butter über den Reis gießen, und dann abwechselnd eine Gabel Risotto und - aus den Fingern - den pechrabenschwarzen Spargel knabbern. So hat der Genießer beides: den geschmeidigen Spargel-Geschmack und das nussig Röstaromatische.

Buon appetito!

Donnerstag, 4. Mai 2017

Das stille Dorf

Ist es Lärmempfindlichen tatsächlich gelungen der Campana unserer Hauptkirche einen Dämpfer zu verpassen? Von 12 Uhr bis sechs in der Früh ist das ansonsten mächtige Geläut, das einem im Unterbewusstsein so schön die Stunde schlägt, kaum noch zu hören. Das hat auch nichts mit Alters-Schwerhörigkeit zu tun, denn den stets liebeskranken Esel unseres Holzhändlers hören wir vom Tal herauf Iiiaaaen.

Nach der Oster-Hype und Temperaturen, die vor allem Nachts gar nicht zum Frühling passen, herrscht gespenstische Ruhe hier oben in Castello. Laut den abgereisten Nachbarn haben unsere Mauersegler nach kurzer Rast erstmal Afrika-Tickets gelöst, und außer einer neuen, noch nicht bestimmten Art von Kleinst-Piepmätzen deutet nichts auf Vogel-Hochzeiten hin.

Bei der Bürgermeisters-Witwe unterm Gassen-Übergang, den wir Seufzer-Brücke nennen, nistet eine einsame Schwalbe. Sie setzt uns davon in Kenntnis, dass das Sprichwort, eine Schwalbe mache noch keinen Sommer, auch abgewandelt auf den Frühling in Italien üblich ist:

Una Rondine  non fa primavera!

Dass die Alten (zu denen wir ja auch gehören ) bei Regen und Scirocco nicht gerne aus dem Haus gehen, ist klar. Der Glutwind aus der Sahara braust über das immer noch kalte Meer heran und treibt die Feuchtigkeit in die Täler Hoch. Ein Phänomen der letzen Jahre, in denen der März hier wärmer war als Mai und Juni-Anfang.

Trotz des rauen Wetters sind bisher keine Todesfälle zu beklagen. Selbst der 93jährige Don Marino, der bei unserer Abreise vergangen Herbst nur noch Haut und Knochen war, marschiert mit deutlich mehr Gewicht und Lebenskraft wieder an der Seite des Pfleger-Neffen zwischen seinen Häusern hin und her.

Der einzige, der dem Sensenmann wirklich gerade noch von der Schippe gehüpft ist, war unser Nachbar Vittorio. Nach jahrelangem Rumtuckern mit der Ape, war er Handgas und Lenker leid und hat sich ein funkelnagelneues Auto angeschafft. Beim Herunterfahren auf der tückischen Konsortiums-Straße verwechselt er kurz vor der Haarnadel-Kurve  Gas mit Bremse und kracht den Steilhang herunter, der Wagen Total-Schrott. Als Nachbarn ihn unverletzt aus dem Wrack ziehen, war er schon wieder ganz der Alte. Er brauche jetzt  erstmal eine Zigarette meinte der Bruchpilot lapidar. Aber irgendeinen Einfluss hat das Ereignis doch auf ihn gehabt. Seine weiße, nun immer gepflegte Mähne trägt er jetzt schulterlang. Das gibt ihm etwas Künstlerisches, Existenzialistisches...

Die anscheinend alterslose Seelen-Sammlerin wird übrigens demnächst 80. Da sie so gut wie drei Generationen streng durch die Sonntagsschule gebracht hat, wird hoffentlich ein großes Fass aufgemacht, damit wieder Leben ins Dorf kommt.

Montag, 1. Mai 2017

Lohn der Arbeit

Fragt sich, wie lange wir den Mai noch als Wonne-Monat betrachten können. Im letzten Jahr reisten wir erst Mitte Mai an und heizten bis in den Juni hinein. Heuer scheint es zunächst nicht besser zu sein. Die Katalanen aus der Partner-Gemeinde sind zum turnusmäßigen Gegenbesuch da. In weiser Voraussicht wird in erster Linie im großen Stil getafelt und mit dem Bus zu diversen Museen gefahren. Hoffentlich haben die Gäste Winter-Klamotten an. 10 Grad beim Aufstehen - da klingt primavera in seiner Übersetzung wie Hohn.

Also die emotionalen Zugbrücken hoch, und über den 1.Mai nachgedacht:
Als Kind aus einer Familie, die über Generationen hinweg nie mit Händen und Körperkraft schuften musste, hatte ich erst spät Zugang zur sogenannten Arbeiter-Klasse. Noch heute bin ich dem zivilen Ersatzdienst und meiner Lehre als Buchhändler dankbar.

In der Großküche des Rotkreuz-Krankenhauses fand ich schnell heraus, dass der leicht debile Gleichaltrige, der mehr als zehn Stunden täglich Schwerstarbeit mit Kartoffelkörbe Schleppen und Kohle-Keller Ausfegen verrichtete, weniger Geld bekam als ich an Sold.

Mein Antritt als Lehrling erfolgte im Bücher-Lager. Ich kam am ersten Tag im Anzug und hatte damit bei denen in den grauen Kitteln schon fast verschissen. Aber ich machte an Boden gut, weil ich mich in der Kantine zu denen setzte, mit denen ich stapelte und deren Lebensläufe ich nach und nach verinnerlichte. Als die drei Monate im Bücher-Lager vorbei waren, gehörte ich zu den Weißkitteln im Vordergebäude. Und die Graukittel meinten, dass ich nun wohl bei den anderen sitzen wolle. Das tat ich nicht, womit ich bei den Weißkitteln aneckte.

Das war übrigens mein einziger Protest. Politisch scheiterte ich bei den rigiden Schwestern mit einem Streik, bei dem ich alleine blieb, weil die anderen Ersatzdienst-Leistenden erworbene Privilegien nicht verlieren wollten.

Beim Versuch im Verlag einen gesetzlich vorgeschriebenen Betriebsrat zu etablieren schafften es meine mitstreitenden Lehrlinge und ich zumindest in den SPIEGEL und in die SZ. Als ich die Lehre abgeschlossen hatte, war ich zwar Gewerkschafts-Mitglied, aber der Verlag hatte immer noch keine Vertretung der Arbeitnehmer.

In der Gewerkschaft erkannte ich ziemlich bald, dass sich die Genossen so verschraubt und ihren Worten so selbstverliebt lauschend  ausdrückten, dass die Basis sie nie und nimmer würde verstehen können. "Handel, Banken und Versicherungen" (HBV) schon der Name der Gewerkschaft kommt mir heute wie Hohn vor. Immerhin erstritt ich in meiner Gruppe eine deutliche Anhebung der Ausbildungs-Beihilfe. Ausgebildet wurde jedoch nur wenig, dafür billige Arbeitskraft um so mehr ausgebeutet.

Da ich weder ein Bakunin noch ein Lenin war - wie sollte ich auch bei einem Juristen als Vater - wählte ich den Weg des leicht verdienten Geldes als Worte-Jongleur. In der totalen Verkenntnis von Tatsachen tröstete ich mich mit den Worten des Österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky: "Es ist das Schicksal eines jeden Revolutsionärs im Alter mit Kragen und Krawatte herum zu laufen."



All das Blutvergießen samt Demagogie hat die Situation der Arbeiter-Klasse nicht wesentlich verändert: Mindestlohn, Mini-Jobs etc. sorgen immer noch dafür, dass die dermaßen "Abgehängten" schnell wieder Opfer von drastischen Parolen sowie Versprechungen werden und Demokratien in Gefahr bringen. Wählt eure eigenen Henker!

Eine Mai-Andacht zum Ersten sollte das in aller Demut bewusst machen. Vor allem in einer Zeit, in der Roboter auf dem Vormarsch sind. Robot heißt übrigens auf Russisch arbeite!


Samstag, 29. April 2017

Ein bisschen Frieden

Gestern - als ich mit dem Morgen-Kaffee auf der Piazza ein paar der Sonnenstrahlen einzufangen hoffte - kam die Seelen-Sammlerin die Stufen von der Gasse hoch. Sie ist ja immer auf dem Pfad sanfter Bekehrungen.

Im laufe der Jahre sind ihre Augen leider immer schlechter geworden. Und so deutete sie das zusammen gesunkene auf den Boden Starren wohl als Traurigkeit. Das Smartphone zwischen meinen Knien übersah sie dabei. Ich war eifrig am Telegram-Chatten mit meinem arbeitsamen Sohn.

"Was suchst du?" fragt sie.
Sollte ich ihr den kompliziert zu übersetzenden Vorgang meiner Daten gestützten Unterhaltung erklären?
"Ich suche ein bisschen Frieden."
"Den findest du nicht hier unten. Da musst du dich an Il Signore wenden."
Wenn sie den Namen des Herrn ausspricht, hat sie dabei immer eine so herrlich zum Himmel deutende Geste.
Unwillkürlich schaute ich auch hinauf, aber konnte nichts als wieder heranziehende, graue Wolken erkennen.

Als sie mit dem schweren Wasser-Eimer an ihrer Unterarm-Prothese hängend von der Fontana wieder hinunter gegangen war, hatte sie eine Lawine von Gedanken ausgelöst:
Wieso die Signora, die im frischen Frieden nach dem zweiten Weltkrieg beim Spielen mit einer Handgranate den rechten Arm bis zum Ellenbogen und einen Teil ihrer Sehkraft verlor, so fest an ihren Gott glaubt - zum Beispiel. Verdammt zu einem Leben als ewige Jungfrau? Aber ein Herz so groß wie der Petersdom. Ja, irgendwie ist das Beneidenswert.

Und in der Stimmung tat ich auch gleich Abbitte. Bei Nicole, die 1982 mit ihrem Song "Ein bisschen Frieden" den ESC gewann, und bei Komponist Ralph Siegel und Texter Dr. Bernd Meinunger. Die beiden Letzteren gehörten damals zu unserem Bekannten-Kreis, und bei einem privaten Abend-Essen glaubte der größte Fettnäpfchen-Treter aller Zeiten, er könne sich über den Text lustig machen.

Ein bisschen Frieden, sei so wie ein wenig schwanger, meinte ich. Heute weiß ich, der Text war der permanenten Bedrohung durch die Situation zwischen Ost und West geschuldet, und spiegelte die Sehnsucht vieler Menschen wider. Was letztlich den Erfolg ausmachte.

Vor der Jetzt-Welt, in der viele Kriege auf einmal stattfinden, bin ich ja quasi auch hierher "geflohen". Die Nachrichten-Lage des vergangenen, halben Jahres hat mich schier erdrückt in meiner Hilflosigkeit. Und nun sprach ich etwas aus, was ich einst selbst erheblich infrage stellte... Der totale Frieden scheint bis auf weiteres außer Reichweite. Also suchen wir:

Un 'po di pace!

Mittwoch, 26. April 2017

Was für ein schönes Foto

Ich erinnere mich gar nicht mehr gern an die Zeit, in der ich mit 15 Kilo Kameras um die Welt gehetzt bin. Hier auf der Burg verstaubt die letzte bereits digitale Ausrüstung samt einer halbwegs aktuellen Video-Handycam.

Ich habe kurz vor der Abreise ein neues Smartphone bekommen. Das kann bereits alles in einem. Und noch mehr. Eine Super Torch  erhellt die gesamte Piazza, so dass ich keinen Blitz brauche, und Videos keinen Bewegungsschleier mehr haben. Für den Hausgebrauch im Alter ist das mehr als ausreichend.

Natürlich setzten unsere Lieblings Nachbarn Paula unď Paul noch eins drauf. Sie haben für ihre viel schickeren Teile auch noch einen Europa weiten Universal WLAN, weil sie ja mehr - familiär bedingt  - in Europa herum reisen als wir. Vorbei sind also die Zeiten in denen Opa, Oma, Töchter, Schwiegersöhne und Enkel wie die Orgelpfeifen auf der gegenüber liegenden  Treppe aufgereiht  saßen, um Verbindung zu unserem Haus-WLAN zu erlangen.


Paul, auf die 80 zugehend,  hat durch die Einfachheit seinen Spaß am Fotografieren zurückgewonnen und macht Super-Fotos, die jeder ein paar Sekunden später auf seinem Smarty hat.

Da hatten die ersten Wiedersehens-Tage auf dem Piazza-Stern neben dem erhöhten Alkoholspiegel gleich noch einen weiteren Unterhaltungswert. Zumal gestern ja auch noch Nationalfeiertag war und einige italienischen Nachbarn den Kreis erweiterten.

Von wegen Tag der Befreiung von den Deutschen.
Übrigens,ein so schönes Foto von Paula und der fürsorglichsten aller meiner Ehefrauen hatte ich auch noch nie.

So, das war der erste Post vom Tablet. Eine schwere  Geburt bei meinen klobigen Fingern.

Inzwischen habe ich den Computer-Fehler selbst beseitigt und blicke wieder optimistisch auf die nächsten Briefe

Montag, 24. April 2017

Der Brotbeutel

Von allen Gleichnissen meiner Jugend ist mir kurioser Weise auch die Geschichte vom schlauen Träger einer Karawane in Erinnerung geblieben. Der griff sich stets den voluninösen Brotbeutel freiwillig, während die anderen Träger möglichst die leichtesten Lasten schultern wollten.

Am Ende der Reise hatte er daher die leichteste Last, weil ja täglich ein Teil des Brotes verzehrt wurde...

Leider muss ich gestehen, dass ich dem Lasten Tragen bis heute nicht richtig beikomme. Gestern haben wir wieder Zeug auf die Burg geschleppt. Und das war bei  weitem noch nicht alles gewesen. Seit wir die Wohnorte zweimal pro Jahr wechseln, verfolgen wir den Traum von einst - nämlich nur mit einem Täschchen hin und her zu reisen, weil ja jeweils vor Ort alles vorhanden ist.

Aber auch hier erwischt uns der Klimawandel. Denn der Mai ist nicht mehr wie einst. Ligurien empfing uns mit bedecktem Himmel und eisiger Kälte. Wir mussten sofort die Heizung anwerfen, um uns willkommen zu fühlen. Auf der Piazza vorm Haus war es zunächst tatsächlich wärmer, und wir hörten mit klapperndem Gebiss zu, wie unsere Nachbarn von der alljährlichen Oster-Party der Burg-Geister im Horto San Lorenzo schwärmten - bei Sommer-Temperaturen unter azurblauem Himmel...

Also machen wir nun die Burg mit dicken Wintersachen wieder bewohnbar und geraten wenigstens dabei ins Schwitzen.

Mein Bild: Das Ende einer Karawane (Oil on Canvas)
enthält eine traurige Botschaft. Die Höcker der Kamele sind flach
 und sie tragen keine Lasten mehr Der Karawanen-Führer
 hängt sich an den Schwanz des letzten Kamels
 und lässt sich in der Hoffnung ziehen, dass seine Tiere die Orientierung wieder erlangen...
Aber was beschwere ich mich?!  Das frostkalte Schlafzimmer ist gut für die Zweisamkeit unter der Bett-Decke. Lange nicht mehr so gut und mollig geschlafen.

Mittwoch, 24. August 2016

Badegäste

Der kleine Punkt in der Schale ist ein Bergfink.
Näher heran kommt die
"Bademeisterin" nicht
Erdbeben in Perugia, Bomben in Thailand, Quasi-Hinrichtungen auf den Philippinen - die Welt scheint immer unsicherer zu werden. Von all dem bekommen wir hier auf der Burg nur via Internet und TV etwas mit.
Die Burggeister plagen weit geringere Probleme, aber wir  vom Komfort verwöhnten Europäer gewichten das nicht. Seit Wochen hat es nur ein zwei Mal kurz geregnet, und wie immer hängt die Gemeinde Zettel aus, dass das Wasser knapp wird und nicht verschwendet werden darf. Die Hausbesitzer, die von der Vermietung an Touristen leben, finden das gar nicht komisch. Vor zwei Jahren hatten sie bei der Wasser-Sperre durch abreisende Mieter ordentliche Verluste. Aber jetzt reagieren sie auf jeden Abfall des Wasserdrucks mit Panik, und sparen sollen natürlich immer die anderen.
Wenn meine Frau die Gemeinde-Pflanzen auf der Piazza gießt, wird das während der anderen Jahreszeiten sehr begrüßt, jetzt aber sieht die Nachbarschaft das Gießen schon mit Argwohn. Dabei ist die Piazza mittlerweile ein pittoreskes Aushängeschild der Gemeinde.

Wenn die wüssten, was sie auf unserer Terrasse für ein "Gewerbe" betreibt, würde sie zur Strafe mit dem Schlauch abgespritzt:

Den Einheimischen, die sie ja Jahrzehnte lieber verspeist haben, fällt gar nicht auf, dass kaum noch Vögel im Borgo singen. Wie sollten die auch - mit trockener Kehle? Die meisten gefiederten Freunde sind unten am Fluss oder belagern die Laghetti, wo aber Ringelnattern ihr Leben nicht vereinfachen.

Nur die winzigen Bergfinken harren hier aus. Sie sind zwar kaum größer als Zaunkönige, haben aber auch Durst und Bedarf an Körper-Pflege. Einmal hat meine Frau aus Versehen einen voll gelaufenen Topf-Untersetzer stehen lassen. und schon war dieser als Badeanstalt beschlagnahmt worden.

Seither wird das Bad pünktlich um fünf Uhr eröffnet, und die kleinen Aspiranten warten schon auf der Antenne, bis sie an der Reihe sind...

Was für ein Planschen und genussvolles Schnattern in trockenen Zeiten