Mittwoch, 19. August 2020

Das Milliarden-Dilemma

Nein, nein! Keine Bange! Es geht diesmal ausnahmsweise nicht um Corona, und wie viele Milliarden benötigt werden, um die Krise zu bewältigen...Heute geht's um etwas ganz Persönliches: 

Nämlich meine kleinen, grauen Zellen, die an heißen Tagen zunehmend verrückt spielen, wenn sie denn überhaupt noch ausreichend vorhanden wären. Gerade habe ich nämlich gelesen - und das muss ich unbedingt in Ziffern nieder schreiben - dass täglich in unseren Körpern zwischen 50 000 000 000 und 70 000 000 000 Zellen absterben. Aber die gut Nachricht: Sie werden automatisch durch neue Zellen ersetzt. Zumindest so lange wir jung und knusprig sind und nicht zuviel rauchen, keine Drogen konsumieren und wenig Alkohol trinken...

Ich habe täglich größere Zweifel, dass der Zell-Austausch speziell in meinem Gehirn überhaupt noch klappt. Ein Signal wir dann vermutlich sein, dass ich meine eigenen Posts nicht mehr kapiere. Beim Schreiben schon wird mir bewusst, dass meine linke Gehirn-Hälfte bereits von der rechten, die ja angeblich für meine linke Hand zuständig ist, vom Tempo her dominiert wird. Denn ich werde der Buchstaben-Verdreher beim Korrektur lesen kaum noch Herr.

Aber noch peinlicher sind die Wort-Verwechsler beim Sprechen, wenn die Temperaturen die 30-Grad-Marke überschreiten. Bei der Hitze flüchte ich mich im kühlen Haus gerne in fällige Arbeiten gegen das Verschlampen. Allerdings habe ich es nicht so mit Haushaltsgeräten, und unsere Elena, die gelegentlich zum Putzen kommt, zerlegt den Staubsauger zum Reinigen jedesmal derart gründlich, dass ich mich ohne weibliche Hilfe nicht traue, ihn selbst zusammen zu setzen...

Also sprach ich vor eine paar Tagen zur "Fürsorglichsten aller Ehefrauen":
"Spatz! Wenn Du mir den Hubschrauber zusammen setzt, sauge ich den ganzen ersten Stock!"
Sie daraufhin:
"Nee lass mal - du Überflieger! Du wirbelst mir immer zuviel Staub auf!"

Der zerlegte Staubsauger seht immer noch unangetastet an der Treppe zum zweiten Stock...

Himmlisches Staubsaugen:
Der Hubischrapp, da bist du platt, saugt alles ab,
was keinen Halt mehr hat
CD-Gimp-Collage

Montag, 17. August 2020

Krieg und Kampf im Corona-Krampf

Lieber würde ich ja über die Idylle hier schreiben und die Heiterkeit schildern, die unser Dorf am vergangenen Ferragosto-Wochenende mit all seinen Gästen durchflutet hat. Aber die Gegenwart in der Außenwelt, für die ja Fernsehen und Internet auch in den mittelalterlichen Gemäuern sorgen, verdeutlicht, dass Castello eben nicht mit "La Montagna Magica" zu vergleichen ist. So lautet der Titel von Thomas Manns Roman "Zauberberg" in seiner italienischen Übersetzung. Ich wünschte, ich könnte das Buch noch einmal in der Sprache meines Gastlandes lesen. Die Erinnerung an die Original-Fassung löst eher beklemmende Vergleiche in mir aus: Ist das, was wir Privilegierten hier oben genießen dürfen eine Parallele zu dem 1924 erschienenen Menetekel vom Ausbruch des Weltenbrandes?

Für meine Blog-Chronik sind die Schlagzeilen der vergangenen Woche jedoch essentiell:

Die WHO meldet so viele Corona-Neuinfektionen wie noch nie seit dem Ausbruch der Pandemie.
Die Ferien-Saison 2020 ist noch nicht vorüber, da befinden sich bereits viele Länder einschließlich Deutschland mitten in der zweiten Infektions-Welle. Reisewarnung werden angedroht oder bereits ausgesprochen.

Bei Edgar Wallace konnte die Ambulanz der "Fellowship of the Frog" auch nicht mehr helfen
Quellen: dieharke.de und amazon

Zwischen Boris Johnson, dessen Missmanagement  die Insel mitten im Brexit sorglos dem folgenschwersten Corona-Dilemma ausgesetzt hat und Emanuel Macrons ebenfalls schwer getroffener "Grande Nation" ist ein Tourismus-Krieg mit egoistische Quarantäne-Taktik ausgebrochen.
In Belarus wurde gewählt, aber das Volk glaubt nicht an den Wahlsieg des Autokraten Lukaschenko. Zu viele Ungereimtheiten treiben die Massen seit Tagen derart lautstark auf die Straßen. Es gibt Tote und Massenverhaftungen. Die Bitte an Putin, zu helfen, erinnert an die Situation in der Ukraine.
Der Präsident der auch wirtschaftlich am stärksten von Corona betroffenen Supermacht USA jedoch betreibt jetzt schon Wahlmanipulation, indem er die Briefwahl verteufelt und behindert, sie aber selbst schon in Florida beantragt hat.
Das weltweite Getümmel nützt der türkische Diktator Erdogan, um seine Großmacht-Phantasien auszuleben. Er mischt sich im Libyen-Konflikt mit Waffenlieferungen ein, und lässt provokativ von Kriegsschiffen begleitet vor der Küste von EU-Ländern nach Gas-Vorkommen forschen. Woraufhin Macron zur Unterstützung der Griechischen Flotte, einen Marine-Verband in die kritische Region entsendet.
Die NATO ist einmal mehr auf dem Prüfstand.
Im ohnehin schon schwer erschütterten Libanon kommt es (wohl aus Fahrlässigkeit) zu einer gewaltigen Explosion von Chemikalien. Donald Trump bezeichnet sie schon Augenblicke später als terroristischen Anschlag, weil ihm das angeblich "seine Generäle" so angedeutet hätten.

Damit man sie auch ohne Maske erkennen kann:
Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml mit mahnendem Fingerzeig in der Defensive .
siehe auch "Steine aus dem Glashaus" vom 22. 9.2018
Quelle: Staatskanzlei

Der vollmundige Corona-Krisen-Alleswisser Marcus Söder scheitert kläglich trotz seiner weißblauen Rauten-Maske. Mit seinem vorgepreschten Massentest an Bayerns Grenzen  kann seine völlig versagende Gesundheits-Bürokratie nicht mithalten.
Auch in Rest-Deutschland stieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen fast eine Woche lang auf über 1000.

P.S.
Leider werden heute kaum noch wortgewaltige Prophezeiungen  geschrieben oder gar gedruckt. Ich verspreche aber, dass - ich anders als der seherische Mijnheer van Peeperkorn vom Zauberberg - meine Sätze noch so lange zu Ende bringe, wie ich das halbwegs kann oder man mich lässt.


Freitag, 14. August 2020

Philosophie und Pandemie

Bevor wir vor lauter Angst vor der Pandemie aufs Leben vergessen, sollten wir Philosophie im reinsten Sinne ihrer Bedeutung betreiben: Jeder von uns kann über den Sinn seines Lebens und seine Stellung als Individuum in dieser Welt nachdenken und zu persönlichen Ergebnissen kommen. Dazu bedarf es weder überragender Intelligenz noch geschwollener, kaum zu verstehender Redewendungen. Wieso also suchen wir so gierig nach Rat, bei Leuten, die uns das Leben neu erklären sollen. 

Die neuen Philosophen, denen wir nachhecheln, entsprechen nicht mehr dem Bild der antiken Denker, von denen wir Grundsätzliches in der Schule hätten lernen können. Die neuen Philosophen sind aalglatte Marketing-Strategen, die von ihren Agenten zu permanenten Auftritten in den Medien vermittelt werden, wo sie dann auf diversen Kanälen immer wieder ihre Mantra runterbeten, damit sich ihre Bücher besser verkaufen. Aber gewähren sie uns tatsächlich Lebenshilfe oder formulieren sie den hilflosen Umgang mit Konflikten und alltäglichen Herausforderungen nur geschmeidiger?

Wer ist wann ein Philosoph, wenn uns schon von Kindesbeinen geraten wird, besser zu schweigen, weil wir uns sonst blamieren? Si tacuisses philosphus mansissis! So wird gezielt die freie Entfaltung von eigenen Gedanken zu Gunsten philosophischer Hypes unterdrückt. Wer bestimmt denn überhaupt, wer Philosoph ist und wer einer werden könnte? Der akademische Grad in einem der weltweit schwammigsten Studienfächer?... Wie um meine Frage zu beantworten, war gestern zu lesen, dass der Plagiator, WireCard-Drahtzieher und frühere Verteidigungsminister Freiherr von und zu G. nun tatsächlich einen echten Doktor-Titel erworben hat: An einer britischen Universität und zwar in - Philosophie !?

Wo wären denn die großen Vordenker aktuell, um uns die größte Angst vor der Gegenwart zu nehmen, der diese Generationen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ausgesetzt ist? Es ist ja nicht nur die Pandemie, die gerade auf die zweite vermutlich viel wuchtigere Welle im kommenden Herbst und Winter zu rollt.

Claus Deutelmoser: "Tröstender Tod"
Kreide und Gouache auf Mal-Karton.
Da glaubte ich noch, dass der Tod
auch etwas Tröstliches hätte haben können

Ich bin ganz bewusst häufig ein Ich-Schreiber. Nicht, weil ich meine Meinung für unfehlbar hielte, sondern um meinen Leserinnen und Lesern auch zu signalisieren, was mich persönlich umtreibt. - Selbst wenn ich mich damit womöglich auch der Lächerlichkeit preisgebe. Diese Blogs und Posts dienen ja vorrangig mir als eine Art Tagebuch, damit ich einst nachforschen kann, wie sich meine Sichtweisen auf Dinge und Geschehen verändern. Denn das sollte oder müsste die Philosophie auch tun, wenn sie denn greifbar und nicht wohlfeil abstrakt wäre. Philosophie muss nämlich immerfort auf den Prüfstand!

Diese Woche war für mich unerträglich. Weil mir endlich machtlos klar geworden ist, dass die gut ein Dutzend Staats-Terroristen, die aktuell wichtige Länder mit ihrer Politik kontrollieren, ungeniert eigene Philosophien nicht nur entwickeln, sondern sie auch vor den Augen der restlichen Welt unangetastet durchziehen können. Hilflos, weil dem Rest der Welt gegen diese Perfidien offenbar keine Maßnahmen mehr einfallen.

Die Frage, die wir Nachkriegs-Kinder noch gewagt hatten, unseren Eltern zu stellen, wird durch die Ohnmacht der Nachfolge-Generationen Weltweit offenbar: Wieso habt ihr das nicht verhindern können? Wieso wart ihr trotz der Medienvielfalt und massenhaft zugänglicher Information derart hilflos?

Philosophen, die nun erhöhte Opferbereitschaft fordern, stehen im Verdacht falsche Propheten zu sein. Denn die Jetztzeit offenbart, dass in Strömen vergossenes Blut den Drang der Geschichte, sich zu wiederholen, noch nie aufgehalten hat. Wir haben eben nur ein Leben. Die Angst es zu verlieren aber, nutzen die Potentaten aus.

Dass Thomas Jeffersons Spruch immer noch so gerne zitiert wird, ist nicht allein Metapher, sondern in meinen Augen Beleg für einen fest verankerten, stetig wachsenden Anti-Humanismus.

"Von Zeit zu Zeit muss der Baum der Freiheit mit dem Blut der Patrioten und der Tyrannen begossen werden. Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger."

Der Gründervater und einstige Präsident vom "Land Of The Free" erlebte nicht, wie dramatisch der "Civil War"vier Jahrzehnte nach seinem Tod, seine "philosophische" Ansicht konterkarierte...


Selbst freiwillige Blutopfer
dienen nicht der Freiheit, sondern im Laufe
der Zeit allenfalls der Macht der Anderen
Claus Deutelmoser: "Blutopfer"
Kreide und Gouache auf Mal-Karton





Mittwoch, 12. August 2020

Wieder mal das Wasser


Woran erkennen wir Burg-Geister auch ohne Kalender, dass wir in der Hitze zwischen San Lorenzo und Ferragosto fest stecken? Dem Borgo wird komplett das Wasser abgedreht. Das passiert in den letzten Jahren so pünktlich, dass man leicht an eine Wasser-Verschwörung gegen die benötigten aber dennoch ungeliebten Ferien-Residenten  denken könnte. 

Aber grau ist alle Verschwörungstheorie; Natürlich setzt die annähernde Vollbesetzung unseres geliebten Dörfchens das immer nur notdürftig geflickte Netz an Abwasser-Rohren zusätzlich unter Druck. Wenn dann noch wie in der vergangenen Woche ein überdurchschnittlich heftiges Gewitter über uns herein bricht, zerlegt es das eine oder andere marode Rohr gern einmal. Die Gasse war ja dabei wieder einmal eine Wasser-Rutsche, auf der man auch Kajak hätte fahren können. 

Seit einer Woche nun wird an dem Fallrohr entlang der großen Treppe herum gebastelt. Vorgestern gar berichtete die "Fürsorgliche" von einer hier typischen Baustellen-Situation. Soll heißen, zwei schwitzen in der Aushebung und drum herum stehen ein Dutzend Residenten und geben gezielt Ratschläge. Hat offenbar nicht viel genutzt, denn bei Temperaturen um die 30 Grad fehlte den Spätaufstehern gestern  einmal mehr das Wasser. Ungeschoren sind die frühen Strandgänger davon gekommen, aber die Alten, zu denen leider auch wir gehören, mussten wohl zwei Stündlein schmachten, wenn sie nicht in Eimern und Kannen für Reservoir gesorgt hatten. Zwei Stunden ohne Wasser - wie unbehaglich!

Das sollte dennoch wieder einmal ein Anlass gewesen sein, eine wenig über den Wert des Wassers nachzudenken. In unserer westlichen Zivilisation ist die Versorgung und Entsorgung ja eine derartige Selbstverständlichkeit, dass die kleinste Störung schon zu Hysterie-Anfällen führt. Den "Weltwassertag" am 22 März haben wir gar nicht erst wahrgenommen, weil wir uns ja wegen der Pandemie in unseren hydrotechnisch wohl versorgten Wohnungen und Häusern in Quarantäne begeben hatten. 

Aber währenddessen hatten zusätzlich zur Angst vor Corona 2,1 Milliarden Menschen auf dieser Erde  keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Da wird dann schon der tägliche Tanklaster bejubelt - auch wenn für das kostbare Nass womöglich gelöhnt werden muss wie in manchen Regionen Afrikas. Klar, wir zahlen ja hier auch fürs Wasser. Aber während unsereiner das kostbare Trinkwasser auch gedankenlos im Klo herunter spült, haben 4,1 Milliarden noch nicht einmal Zugang zu sanitären Anlagen die diese Bezeichnung verdienten..


Während im Hinterland von Algarve - wie hier in Loulé - das Wasser oft knapp wird,
werden die zahlreichen Golfplätze von Quinta del Lago üppig bewässert.
Eine Situation, die auch die Bauern der Costa Smeralda auf Sardinien ärgert.
Foto: Claus Deutelmoser
 
Quellen: Quinta Golf (links) Pevero Golf-Resort




Montag, 10. August 2020

Ellenbogen-Check

Der Einsatz von Ellenbogen im Job oder auf dem Spielfeld war ja bislang nicht nur geächtet, sondern führt noch immer zu Strafminuten oder Feldverweisen. Wie konnte man auch ahnen, dass in Corona-Zeiten der Ellbogen-Check zu einer Art Kult-Begrüßung mutierte...


Quelle: freepiks.de


Unser Männerbund hier oben hat daraus ein extrem überzogenes Ritual gemacht: Marcello ist Mitte 50, Cesario Anfang 60 und ich schon in den 70ern. Aber wir sind bei der Begrüßung albern wie Fünftklässler: Schon im Abstand von fünf Metern nehmen wir Positionen ein, die an die Kampfstellung von Samurai erinnern. Dann stapfen wir los. Aber anstatt die Ellenbogen mit Karate-Wucht aufeinander krachen zu lassen, tupfen wir uns nur wie Primanerinnen. Dazu muss Mann aber wissen, dass wir uns vor Corona umarmt haben, dass die Brustkörbe krachten. Irgendwie muss ich bei unseren Zusammentreffeen immer an den Song von Adriano Celentano "Il ragazzo della via gluck" denken. Der ist von der Hintergründigkeit seines Textes weit mehr als ein simpler Gassenhauer: 

.https://www.youtube.com/watch?v=_sYDfESbJAY

Jeder von uns Dreien hat die Gentrifizierung seines Geburtsortes überstanden und hier oben seine Heimat (auf Zeit?) gefunden, in der er nicht hinein gehört und in der er auch nie akzeptiert werden wird. Das ist unter uns ein Dauerthema. 

Cesario der Kalabrese, der als Einmann-Bau-Unternehmen mit zusammen gestellten Mannschaften an der "Autostrada dei Fiori" gebaut hat und handwerklich quasi alles kann. Marcello, der Mann meiner besten Freundin, der Steuerberater aus gutem Hause toskanischen Ursprungs. Er hat das fabelhafte Dach-Appartement mit Rundum-Blick auf dem Stammsitz der Grafen Gandolfi erworben aber will es so bald sich der Markt erholt, wegen der Nachbarschaft wieder loswerden . Das jedenfalls würde mich Methusalem sehr, sehr traurig machen. Siehe Text des Liedes:

https://www.google.com/search?sxsrf=ALeKk00QLabSVFS3g9g39ch62R0s1gAjQw:1596965044970&q=il+ragazzo+della+via+gluck+testo&sa=X&ved=2ahUKEwjMgOWx5o3rAhVEKewKHfERCCMQ1QIoAHoECBcQAQ&biw=1600&bih=1057

Wenn wir drei mit unseren Frauen zusammen kulinarische Abende verbringen, dann geht jedenfalls die Post ab. Auch die "Mädels" haben sich unser Ellenbogen-Ritual quasi als Stimmungs-Starter  abgeschaut.

Wenn wir Deutsch reden, steht es vier zu zwei, weil Marcllos Frau - wie berichtet - in Deutschland aufgewachsen ist, und die holde Schweizerin ja wegen ihrer italienischen Wurzeln auch mühelos zwischen den Sprachen hin und her switchen kann. Das beschämt meine Frau und mich, weil wir nur wenig von dem, was wir sagen oder erzählen wollen, ohne nachträgliche Übersetzungshilfe richtig rüber bringen können. Immerhin ist somit immer für Heiterkeit gesorgt, selbst beim ernsten Diskutieren über die Pandemie und ihre möglichen weiteren Folgen...

Aber zurück zum Ellenbogen-Check: Wieso müssen wir Europäer uns so dämlich bei der Begrüßung anstellen, wenn uns viele asiatischen Länder doch so elegant vormachen, wie man sich auch ohne Körper-Kontakt ehrerbietig begrüßen kann. Es muss ja nicht gleich das heiligmäßige Namaste sein. Hände an die Hosen- oder Rock-Naht und eine leichte Verbeugung wie in Korea und Japan tun es da doch auch...

 Willem-Alexander,  König der Niederlande, kürzlich bei seiner Asien-Reise
Quelle: t.online.de

Freitag, 7. August 2020

Verkehrte Welt

Milena, die kleine Burgfrau mit der mächtigen Stimme und ich haben uns eine Art der Konversation angeeignet, die im ganzen Borgo zu hören ist. Sie von oben herab - aber nie herablassend - ich unten auf der Bank, die ihr Mann der Piazza gespendet hat, auch nicht unterwürfig. Wann immer ich um zehn Uhr mit meinem Frühstücks-Kaffee dort sitze, öffnet sich unter den Zinnen eines der hohen Fenster. Dann beginnt ein Dialog über Philosophisches, bei dem sie mich wegen meiner schlechten Italienisch-Kenntnisse sacht - als brächte sie mir das Schwimmen bei - in immer tiefgründigere Themen zieht. Soviel ich weiß, übersetzt sie sich meine Posts am Computer. Sie praktiziert Zen mit Klangschalen und so, weiß aber auch, dass ich Agnostiker bin. Wenn ich mit dem Kaffee fertig bin und aufstehe, faltet sie gerne ihre Hände zum Namaste, was unsere Unterhaltungen ein wenig segnet.

Irgendwie sind wir vor ein paar Tagen auf Sprichwörter gekommen, die es sowohl im  Deutschen als auch im Italienischen gibt.
LA GOCCIA SCAVA LA PIETRA - Steter Tropfen höhlt den Stein
AMOR VECCHIO FA NON RUGGINE - Alte Liebe rostet nicht
Und so weiter! Ich habe erst später nachgeguckt, dass es über hundert entsprechende Redensarten gibt, die zudem meist schon einen lateinischen Ursprung haben.

Dann war ich mal wieder bei  meinen rudimentären Bibel-Kenntnissen, um anzuführen, dass ich die meisten Sprüche für verkehrt - spagliato - halte, und ich sie deshalb gerne sinnverkehrt verdrehe.

Mein Acryl-Gemälde "Immer saubere Hände" 
entstand unter dem Eindruck,
dass die Kírchen bei der Aufarbeitung
der weltweiten Missbrauchs-Fälle
gar nicht demütig zur Aufklärung beitragen


Lukas 23:24 führte ich an, weil ich den einmal für unsere "Seelensammlerin" auswendige gelernt hatte. Trotz ihres untadeligen und frommen Lebens schmachtet sie nun quasi als "Zwangs-Eingewiesene" in einem schrecklichen Altersheim mitten in der Stadt, obwohl sie sehr wohl Geld für eine vermutlich günstigere Pflege in ihrem Haus hier oben hätte. Zu ihrer geliebten Santa Anna Kirche, zu der sie die Schlüssel hätte, wären es nur 100 Meter leicht bergauf... Aber:

Padre pardonna loro perché non sanno cosa stanno facendo.

Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Jesu angeblicher Freispruch für den Christenmenschen ist eher Fakenews - von irdischen Kolporteuren übermittelt. Denn natürlich war die allwissende Dreifaltigkeit da schon gewahr, dass der Mensch bei vollstem Bewusstsein erbärmlich böse Dinge tut, die im alten Testament  wenigstens noch unmittelbar göttlich bestraft wurden. 
 Aber weiter mit dem Schlaumeiern: Nicht einzelne Tropfen höhlen den Stein, sondern der Wasserfluss, der auch sprengt, wenn er gefriert. Wenn Tropfen stetig tropfen, entstehen oben Stalaktiten und unten Stalagmiten - also im Prinzip ergeben einzelne Tropfen  mehr Stein. Gut zu sehen in der Nachbar-Provinz Savona am Beispiel der Grotte di Toirano.
Quelle: toiranogrotto.it

Und Alte Liebe rostet eben nur deshalb oft nicht, weil Greisinnen und Greise einfach zu schwach sind, sich noch arg zu verändern. Sind sie es aber nicht - siehe Ecclestone und Trump. Dann weil diese Alt-Machos so oft geheiratet haben, bis die erste Frau letztlich vergessen war... Und versucht doch mal - trotz Viagra - jenseits der 70 die "Chinesische Schlittenfahrt" oder die altgriechische "Schubkarre". Da merkt ihr dann schon, was Rost ist!

Aber Spaß beiseite. Ich liebe es einfach, Sprichwörter verkehrt zu zitieren, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Tatsächlich müsste es bei Lukas 23:24 nämlich heißen: Vater vergib denen bloß nicht, weil sie genau gewusst haben , was sie taten. 99 Prozent aller Krüge zerbrechen auch erst voll gefüllt auf dem Weg vom Brunnen zurück, weil sie irgendwo einen Haarriss haben oder den Trägern zu schwer sind.. Und tatsächlich wollen die meisten, die am Essen mäkeln, stets, das Essen heißer essen, als es gekocht wurde.

Wie leben in einer verkehrten Welt, in der bald nicht mehr viel verkehrt gemacht werden darf.

Dieses Gemälde von mir (Öl auf Leinwand) passt gut zur verkehrten Welt.
Es heißt: "The Golden Snail-Gang Rides Again"
Inspiriert durch einen meiner Lieblings-Witze. Und der geht so:
Ein Igel ruft im New Yorker Central-Park mitten in der
Nacht die Polizei, weil er von Schnecken ausgeraubt worden sei.
Als der Cop ihn dann fragt, ob er nähere Angaben zu den Tätern machen könne,
antwortet er traurig: Sorry Sir! It happened all so damn fast!"

Dennoch beherrschen uns Führer, die nach dem besten aller Sprichwörter durch Zusatzartikel in der jeweiligen Verfassung sofort entmachtet werden müssten.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht!
Cheunte mente una volta non è creduto anche se dice la verità!

Na dann N a m a s t e liebe Leserinnen und Leser!







Mittwoch, 5. August 2020

Wenn Glück einem auf den Keks geht

Am kommenden Freitag sind bei der Europa weiten Lotterie Eurojackpot 75 Millionen in der obersten Gewinnklasse einzuheimsen - wenn man Glück hat? Ich spiele auch. Mit einem Dauerschein. So um die 14 Euro pro Monat ist mir das stete Überlegen wert, was ich in meinem fortgeschrittenen  Alter mit all dem Mammon täte. Letzten Freitag habe ich 16 Euro gewonnen, was meine Aussichten Multimillionär zu werden noch weiter schmälert. Wer gewinnt schon zweimal hintereinander?

Erschwerend hinzu kommt, dass ich kein Glück im Spiel habe - noch nie hatte. Aber ich bin auch ohne dieses spezielle Glück vom Schicksal so gut bedient worden, dass ich mich oft selbst schimpfe, es nie wirklich verdient zu haben. Wenn mir solche Momente widerfuhren, genieße ich sie natürlich wie alle Menschen hoffentlich auch. Inzwischen ist mir klar, dass das Gefühl glücklich zu sein, stets tatsächlich nur eine Momentaufnahme im Hirn ist. Ein, zwei Tage später sind neue und andere Situationen zu meistern, in denen beim Versagen dann wieder die eigene Glücklosigkeit bejammert wird.

Im China-Restaurant werden zur Rechnung gerne Glücks-Kekse gereicht. Saublöder können die darin enthaltenen Zettelchen mit Sprüchen oft nicht formuliert sein, weil der Gebäck-Beipackzettel ja von den industriellen Herstellern irgendwo aus Asien in viele Sprachen der Welt übersetzt werden muss. Denn überall wird gerne chinesisch gegessen. 
Am besten hat mir der Keks in einem Restaurant in Helsinki gefallen, weil mein Finnisch durch absolutes nicht Vorhandensein glänzt. Aber aufgehoben habe ich den dann doch jahrelang in meinem Geldbeutel!, Bis es den Google-Übersetzer gab: Sinun ei tarvitse pitää kiinnionnelli suudesta, se löytää sinut aina Könnt ja mal selbst nachgoogeln, was das heißt...

Meine Patentante "dat Jerda" wie man auf Kölsch sagt, war nicht nur eine exzessive, sondern auch eine leidenschaftliche Raucherin. Für sie bedeutete es das größte Glück weiter zu rauchen, als sie mit achtzig, die letzte Operation mit nur noch Bruchteilen eines Lugenflügels überstanden hatte. Sie überlebte ihre Tochter Domenica, die nicht das "Glück" hatte, ihren Raucherkrebs mit Mitte fünfzig zu besiegen...

Natürlich denke ich auch oft nicht besonders nach, wenn ich "Glückwunsch-Karten" schreibe. Zwar wünsche ich meistens vor allem Gesundheit, aber dann rutscht mir das Wort Glück doch immer wieder raus. Was blöd ist, weil die meisten meiner überlebt habenden Bekannten und Freunde - wie ich - von der Vorsehung überreichlich bedacht worden sind.

Ich habe auch für diesen Post das Internet bemüht. Unter anderem die Seite aphorismen.de zum Thema Glück aufgerufen. Die geht einem dann aber ganz schön auf den Keks, weil sich ja so viele berufen fühlen, über das Glück zu schwadronieren. Dort empfahl man mir aber nach dem dritten Zitaaat qua Werbe-Banner einen Büstenhalter, der sich anfühlen soll, als trüge man keinen. Ja wozu brauche ich den dann? Ich wollte aber nicht darüber nachdenken müssen, ob ich Glück hatte, keine Frau zu sein.

Was braucht einer Aphorismen, wenn es Disney-Cartoons gibt?
Der geschneckelte Glückspilz Gustav Gans bemüht sich sein
gesamtes Comic-Leben schon vergebens dem Dödel Donald
die schöne Enten-Dame Daisy auszuspannen.
Das größte Glück bedeutet nämlich gar nichts, wenn man in der Liebe versagt:
Entdeckt bei Pinterest