Wir sind heil angekommen. Das zählt! Früher - seit wir nicht mehr an einem Stück durchbrausen - haben wir die erste Etappe länger gewählt, damit wir nach der zweiten schon am Meer zu Mittag essen konnten.
Auf unserer Route über den Bernardino ist die Schweiz leider immer das teure Muss. Umso mehr hat es uns immer überrascht, wie unterschiedlich die Schweizer Gastfreundschaft ausfällt. Ausgerechnet in Luxus-Hotels wurden wir wegen des Buchungsservice, den wir benutzen, oft als Gäste zweiter Klasse behandelt und auch gern ums Frühstück betrogen. In Appartements sparte man auch am persönlichen Service durch das komplizierte Schlüsselbox-System.
Für diese Anreise suchte ich wegen des späten Termins zunächst wie immer zwischen Bellinzona und Chiasso, sah aber bei Altbewährtem - wohl wegen des Ferienbeginns - Preise, die ich mir bei bereits gemachten Erfahrungen einfach nicht mehr leisten wollte. Außerdem - wegen unserer Auto-Situation wollte ich meiner Frau keine allzu lange Fahrt zumuten. Was gibt's denn genau auf der Hälfte der Distanz zwischen München und Ligurien?
Da traute ich meinen Augen nicht: Im italienischen Winkel von Graubünden, am Ufer des Ticino stieß ich im Netz auf ein Hotel unter Indischem Management, zu dem ein Indisches Restaurant namens Jaipur gehört.
Mir schoss sofort das kürzlich abschlägig beschiedene Referendum um die Deckelung der helvetischen Einwohnerzahl durch den Kopf. Die ultrarechten Eidgenossen wollten ja derart gegen die ihrer Meinung nach zu hohe Migration vorgehen. Ist es in so einem angeheizten Klima sinnvoll, Indien in der Schweiz aufzusuchen?
Aber es gab ja in meiner Erinnerung andererseits noch die Reise mit Heinrich Harrer nach Ladakh, auf der ich den damals zweithöchsten Rinpoche nach dem Dalai Lama bei seiner Erhöhung fotografieren durfte. Der hatte uns bei einer Audienz erzählt, wie fabelhaft die Schweiz 1961 den Vertriebenen des Chinesischen Überfalls auf Tibet geholfen hatte. Und noch heute birgt sie weltweit eine der größten tibetischen Exilgemeinden und mit Sicherheit deren größte Diaspora in Europa. Noch immer leben bis zu 8000 Tibeter in der Schweiz, die im Laufe der Zeit nicht dem Dalai Lama ins Exil nach Dharamsala in Nordindien gefolgt sind. Wenn sich ein Inder in dem kleinen, mittelalterlichen Dorf Grono so wohlfühlt, dass er dort ein Hotel betreibt, muss dieses schon etwas besonderes sein.
Wohl einige dutzend Male sind wir schon auf der anderen Seite an Grono vorbei gerast, ohne überhaupt von seiner Existenz zu wissen. Weil die Fürsorglichste aller meiner Ehefrauen mit ihrem neuen, noch nicht so vertrauten, fahrbaren Untersatz viel schneller unterwegs war, als erwartet, standen wir am frühen Nachmittag vor verschlossenen Türen. Unter dem indischen Zierrat an der Hausfront fand sich keine Klingel. Unser Klopfen bei Gluthitze hallte in Totenstille wider. Wir wussten ja noch nicht - wie Stammgäste - dass die dreistündige Mittagspause für Wirt und Personal eine Art heiliges Ritual ist.
Dass unser ungeduldiges Klopfen auf geheimen Wegen an das ruhend Ohr des Wirts gelangt ist, tat dessen Freundlichkeit aber keinen Abbruch. Er schleppte unser Übernachtungs-Gepäck in den ersten Stock, zeigte uns alles und führte uns dann in den Privatgarten, wo er uns an einem Tisch im Schatten einen eiskalten Weißwein und Grano Padano hinstellte, um auf dem Absatz kehrt in die Pause zu machen.
Vom mitteilsamen indischen Koch, der mit seiner traditionell anmutenden Frau in einem anderen Winkel des Gartens Siesta und Video-Chats in Urdu mit der Heimat machen wollte, erfuhren wir alles, was es zu unserer Bleibe zu wissen gab in fließendem Deutsch. Er hatte zuvor 16 Jahre in Berlin gekocht. Und weil wir ja in seinem Garten tranken, schaute auch der Eigentümer von Haus und Grund in Badekleidung mal bei dem komischen deutschen Paar vorbei. Der korpulent gemütliche Graubündener in unserem Alter begann gleich damit Sprachliches und Historisches zu ergänzen. Demzufolge verdankte das Hotel seinen unindischen, ladinischen Namen dem Fall des Baches Calanca in den Berg-Schrofen hoch über uns: "Calancasca" eben.
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| Khanna@albergocalancasca.ch |
Die totale Ruhe von Grono ließ uns den frühzeitigen Weingenuss entspannt wegschlafen. Gerade noch rechtzeitig mit großem Hunger erlebten wir dann in den Abendstunden, wie das Dorf sich in eine lebhafte Nachbarschaft verwandelte, in der anscheinend jeder jeden kennt, grüßt und auch gleich auch ein paar Worte wechselt. Auch mit den deutlich als solchen zu erkennenden deutschen Touristen. Grüezi, Ciao, Buona Sera!
Das viergängige indische Menü mit dem Hauptgang Chicken Tandoori war absolut authentisch und schmeckte auch meiner Frau, die vorher ehr skeptisch war, überragend.
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| Alle Fotos: Claus Deutelmoser Amuse Gueuile |
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| Baked Onions |
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| Chicken Tandoori |
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| Naan mit Knoblauch und Koriander |
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| Und zum Nachtisch ein kurzer Verdauungsspaziergang durchs malerische Grono |






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