Mittwoch, 29. Juni 2022

Abgezogen und in Richtung Krieg abgebogen

Bleibt der Bundeswehr
 nur noch ein
"spärliches" Lächeln?
Quelle: bundeswehr.de
Heute vor einem Jahr zog sich die Bundeswehr geradezu panikartig nach beinahe 20 Jahren aus Afghanistan zurück. Die Bedrohung unserer Freiheit - das wissen wir jetzt - wurde am Hindukusch nicht geschmälert. Sie wurde um im Militärjargon zu bleiben camoufliert. Während der Taliban im zähen Kampf mit primitiver Ausrüstung die hochtechnisierten Schutztruppen der engagierten Westmächte letztendlich besiegte, wurde die Bundeswehr quasi zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft. Uns Luxus-Pazifisten, gepampert durch sieben Jahrzehnte Frieden auf Deutschem Boden, hat das sehr gefallen.

Vier Monate Krieg in der Ukraine haben nun auch die Grünen eines Besseren belehrt. Die Ampel hat nach der "Zeitenwende" mit fast allen Stimmen des Bundetages den 100 Milliarden-Sonderetat zum wieder Aufpäppeln unserer Verteidigungskräfte gebilligt. Schlaumeier könnten nun vorrechnen, dass die 17,3  bis 43 Milliarden, die der Afghanistan-Einsatz gekostet hat, sofort im eigenen Land eingesetzt, einen solchen Klimmzug nicht erforderlich gemacht hätten. Doch das ist eine Milchmädchen-Rechnung, weil die Welt - zwar vorher unvorstellbar - im ersten Halbjahr 2022 eine vollkommen andere geworden ist. - Und vielleicht für lange Zeit in diesem erzwungenen Balanceakt ums Gleichgewicht kämpfen muss. Deshalb sind Schuldzuweisungen aus keiner Ecke angebracht!

Mörderische Karikaturen ihrer selbst. Heute kaum noch
zu glauben, dass diese Pickelhauben einen
Weltenbrand entfachten. Leider nicht zum Totlachen

Quelle: history,com


Wer ein Netflix-Abo hat, kann sich seit ein paar Tagen die Dokumentation "Der lange Weg zum Ersten Weltkrieg" anschauen. Darin sind neuere historische Aspekte auch aus osteuropäischen Quellen gebündelt, die zeigen, dass lange taktisch kalkulierter und provozierter Blutdurst zum Ausbruch führte und nicht etwa politische Unvereinbarkeiten.

Das tödliche Duell
der Schnauzbart-Egomanen
Auf Lager bei amazon
Dass das russische Riesenreich zweimal - zunächst unter dem Zaren im Ersten  und dann im Zweiten unter Stalin - zum Dödel gemacht wurde, nimmt Putin jetzt zum Anlass selbst "präventiv" zu werden. Er will dabei nicht wahrhaben, dass die Welt auch seit den Jahren des Eisernen Vorhangs und dem Fall der Mauer erneut eine andere geworden war. Vor allem seit der Turbo-Kapitalismus in seinem Land drohte. die "Glorreiche SU" in Vergessenheit geraten zu lassen.

Ähnlich wie dies auch die einstige "VR China" im Vergessen von Mao gerade durchlebt. Wenn schon die schalen Ideale des gescheiterten Kommunismus verblassen, wollen sich die beiden Supermächte nicht damit zufrieden geben, zu den Big Playern im globalen Verbund zu gehören. Sie wollen an dem Tisch sitzen, an dem über die Zukunft der Welt bestimmt wird. Dass sie sich das jetzt auf eine möglicher Weise lange Zeit verbaut haben, beschwört die eigentliche Gefahr eines dritten Weltkrieges herauf: Dann einer aus Eitelkeit.

Montag, 27. Juni 2022

Gartenzwerg-Mentalität

Quelle: amazon
Der Professor von den Zinnen, unser Gegenüber und ich hätten es leichter miteinander, wäre mein Italienisch einfach besser. Politisch sind wir annähernd kongruent. Man könnte uns - da gleich alt - als zahme 68er bezeichnen. Vom Russlands Krieg über den bevorstehenden G7-Gipfel und die Lieferung schwerer Waffen landen wir aber in diesen Tagen schnell bei dem Nachbarschaftsstreit mit der älteren Dame, die sich drei Kammern in der Basis der Burg gekauft hat. Nun glaubt sie, sie könne uns, was die Pflanzen auf der Piazza angeht,  ihren Willen mit Unterstützung des Bürgermeisters aufzwingen. Der hat sich sogar wieder einmal hier hoch bemüht, weil die Signora einer großen Sippe angehört, aus der der Sindaco bei Wahlen reichlich Stimmen generiert. Er ist ja mit Unterbrechungen daher schon einige Male wieder gewählt worden...

Der Musik-Professor hat ihm daraufhin in einem offenen Brief ordentlich die Meinung gegeigt, Fast könnte man sagen, den Marsch geblasen. Aber als ehemaliger vom Staat Bezahlter hat er natürlich auch in der textlichen Klaviatur die richtigen Töne und Tempi zwischen allegro und adagio moderat. 
Ich weiß das, weil er mir eine tadellose Übersetzung in Deutsch vorgelegt hat, die meine Frau und ich nur unterschreiben konnten. Aber wird das viel nutzen? Rund um die untere Piazza wohnen in allen drei Gassen beinahe ausschließlich Zugereiste oder Ausländer ohne offizielle Residenz, die sie zu lokalen Abstimmungen berechtigte.

Aber ich komme jetzt endlich zum Thema. Ich wollte dem Schlauen Mann eine deutsche Begrifflichkeit erläutern, die wir  ja für so ein Verhalten gelegentlich benutzen: die Gartenzwerg-Mentalität. Bei der Umschreibung für Gartenzwerg hakte es, weil ich nicht extra das Handy bemühen wollte. Begriffe wie kleiner Mensch der mit roter Zipfelmütze in Gärten so tut, als arbeitete er.. Da dämmerte es ihm langsam.

Aber wir kamen eben auf keinen gemeinsamen Nenner, weil unser Begriff für Gartenzwerg vom falschen Maß ausgeht. Ein Zwerg definiert zwar einen kleinen Menschen, die Typen aus Terrakotta sind aber viel zu klein, um als Zwerge durchzugehen. Deshalb heißt er im Italienischen auch Gnomo da Giardino, die Franzosen nennen ihn Nain de Jardin und selbst die Englischsprachigen wissen es besser als wir, wenn sie ihn als Garden Gnome längenmäßig richtig einordnen. Im Italienischen ist der Zwerg eben Nano (nicht zu verwechseln mit Nonno, dem Großvater).

Quelle: ZDF Spielfilm
Und wie die anderen doch alle recht haben! Ich habe sowohl neue als auch alte Darstellungen von Schneewittchen angeschaut. Die sieben Zwerge reichen ihr immerhin bis zur Hüfte. Gartenzwerge gehen einem aber meist nur bis zum Knie, Also wie wäre es mit einer Begriffsänderung? Gartengnom klingt durch die Alliteration ja auch nicht schlecht.

Ein reisender Garten-Gnom im Dienste
der Wissenschaft, Er hieß Kern
und wies nach, dass die
Schwerkraft nicht an allen
Orten auf dem Globus gleich ist
Quelle: 20minch

Der Professor - als wir endlich wussten, worüber wir reden - erinnerte mich dann als alter Revoluzzer auch noch an eine Sache, die ich schon längst vergessen hatte: Die legendäre, aber letztlich gescheiterte Aktion, die Garten-Gnome mit der "Front zur Befreiung der Gartenzwerge" aus ihrer Fron zu holen. Sie ging bezeichnender Weise 1996 von Frankreich aus und verbreitete sich zunächst wie ein Lauffeuer auch in den Nachbarländern. Gartenzwerge wurden aus ihrem Habitat befreit und im Wald ausgesetzt, oder auf Reisen geschickt, um aus allen Teilen der Welt Bilder von sich zu schicken. War witzig aber leider zu kurzlebig gedacht, weil doch ein Eigentums-Delikt..

Freitag, 24. Juni 2022

Schönes Schattendasein

 Das Wörterbuch erläutert Schattendasein als Zustand von geringer Bedeutung oder weitgehender Vergessenheit. Ein Schattendasein zu fristen, sei gleichzusetzen mit kümmerlicher Existenz und verpasster Weiterentwicklung. Ja geht's noch?

Entweder werden solche Begrifflichkeiten im kühlen Keller oder in klimatisierten Räumen zugeordnet. Jedenfalls nicht in den vergangenen zehn Tagen, während eine viel zu frühe Hitzewelle über ganz Europa hereinbrach. Sogar das sonst so sachliche ARD-Wetterforum haute nur ein kurzes Urteil über die heurige Klimalage raus: Zu früh, zu heiß und zu trocken! Wer da nicht auf Verkümmern umschaltet, riskiert bei den gleichzeitig extrem hohen UV-Werten seine Gesundheit. Da ziehe ich doch lieber weiter einen Zustand von geringer Bedeutung vor, und gegen die weitgehende Vergessenheit schreibe ich heute einmal einen Post, wie einer sich das Schattendasein schön machen kann, ohne in der Schattenwelt zu landen. Über den eigenen Schatten kann man im Schattendasein mangels Licht sowieso nicht springen.

Im Negev habe ich einmal beim Sonnenaufgang den gefühlt längsten Schatten meines Lebens geworfen. Er reichte bestimme einige hundert Meter weit, aber richtig witzig wurde er durch Tanzbewegungen der langen Beinschatten, auf denen ein kleiner Kopf wackelte.
Die Schatten der Vulkane auf den Inseln Teneriffa und Grand Komore reichen in der Morgensonne angeblich über die Kimmung hinaus, Wie die je 30 Kilometer Schattenlänge allerdings gemessen worden sind, wurde nicht erläutert.

Meine Leserinnen und Leser denken vermutlich jetzt schon, dass ich durch die Hitze  einen ziemlichen Schatten habe. Aber den längsten Schatten in unserem Wahrnehmungsbereich muss ich doch noch schnell erwähnen. Den wirft unsere Erde.  Der Erdschatten variiert sogar. Weniger beeinflusst durch den Abstand zum Mond, sondern vor allem durch die Entfernung der Sonne zu unserem Planeten...Ja, was das Wörterbuch mit seinen negativen Aspekten nicht berücksichtigt, ist, wie herrlich man schlaff vor sich hin denkend im Schlagschatten dösen kann, selbst wenn nur ein laues Lüftchen weht. Da reicht mir dann schon der kleine Kosmos unserer Piazza:

Bei Hitze mein wanderndes Schattenreich, gewissermaßen
 mein "Mare Tranquillitatis" um im Bild oben zu bleiben

Fotos: Claus Deutelmoser

Mittwoch, 22. Juni 2022

Frau Mückes letzte Sekunden

Frau Mücke in einer Karikatur von de,freepik,de
Wir Menschen neigen ja aus Selbstüberschätzung oder Überheblichkeit dazu, alles  Leben aus unserer Perspektive zu betrachten. Wir sind nicht bereit, uns einmal in die Wahrnehmung anderer Wesen hinein zu versetzten. Was auch schwierig ist, weil unsere Sinne derart verkümmert sind, dass wir überfordert werden.

Am größten ist die Diskrepanz zwischen Mensch und Mücke. Zum einen verständlich, weil sie in weiten Teilen der Welt todbringend sein kann (Malaria und Dengue-Fieber), zum anderen weil sie uns vor allem in unseren Breiten nächtens in den Wahnsinn treiben kann.
Ich schreibe wir, obwohl das für meine Frau und mich so nicht gilt. Wenn wir abends beim leichten Essen auf der Piazza sitzen, wird sie innerhalb von ein paar Sekunden trotz diverser Sprays von Angriffswellen der kaum sichtbaren Insekten umschwirrt und angegriffen. Dann geht sie los die verzweifelte Prügelei, und ich muss mir am nächsten Morgen im Bett die Geschichte zu jedem einzelnen Biss anhören, wenn Körperteile mal wieder aussehen, als hätte sie Masern
Bestimmt klingt diese Schilderung herzlos, aber ich würde freiwillig ein Dutzend Bisse in kauf nehmen, um ihr Klagen nicht mehr hören zu müssen. Aber an mich gehen die Blutsauger nicht, auch wenn ich direkt neben ihr sitze oder liege. 

Deshalb sei es mir gestattet, dass ich mich auch einmal in die Mücke hinein versetze. Nicht als Mensch, sondern aus Menschlichkeit. Natürlich gäbe es anhand des zoologischen Zyklus der Stechmücke (siehe Darstellung) dafür kaum Ansatzpunkte. Zweifellos sind Mücken überall auf der Welt eine Plage, aber auch sie müssen und wollen leben. Dazu gehört auch dass Mücken nicht stechen, sondern sich mit zwei blitzschnell in ihrem Rüssel wetzenden Kiefer-Blättern durch die Haut zum Blut ihres Opfers sägen - also beißen, um dann des leichteren Aussagens wegen Blutverdünner einspritzen. Und es sind eben nicht die Mücken insgesamt, die beißen, sondern allein die Weibchen, die das Blut als Nährstoff für ihre Eier benötigen.
Schulbuch raabe.de

Um das ganze zu vermenschlichen - hier ein Einblick in das Leben von Frau Mücke nach menschlichen Maßstäben. Von einem Männchen geschwängert, das sofort wieder abhaut, wird sie gleich in die Rolle der alleinstehenden Mutter gedrängt, die mit ihren einzigartigen Sinnen aus großer Entfernung das Blut riecht, dass sie für ihre Eier dringend benötigt. Mit dem Instinkt von Myriaden Geschlechtsgenossinnen vor ihr in den Genen, weiß sie dass sie auf einem Himmelfahrts-Kommando unterwegs ist. Sie ist eine schnelle Tänzerin, die in Bruchteilen einer Sekunde Anflug-Manöver durchführen kann. Aber dann hört sie auf einmal eine liebevolle Stimme, die sie aus dem Konzept bringt:
"Setz dich nur meine kleines Mücklein. Mach's dir gemütlich!"
'Na wenn das so ist, dann nehme ich die Einladung doch gerne an', sind die letzten Botschaften, die ihre Ganglien weiterleiten. Dann nur noch ein endliches Wusschhhhh.
"Erwischt", sagt meine Frau mit bösartig triumphierender Stimme und einem Blutfleck auf ihrem Unterarm...
Jede Menge schwere Waffen gegen Mücken
Amazon liefert ohne zu zögern


 

Montag, 20. Juni 2022

L'Indirizzo di Babbo Natale

 Unser letztes Einschreiben nach Deutschland hat kürzlich zwölf Tage gedauert. Manche Grußkarten sind gar nicht erst angekommen. Es wäre zu einfach das alles den Poste Italiane zuzuschreiben. Seit wichtige Briefe, die wir in München direkt vor unserer Haustür eingeworfen hatten, auf nimmer Wiedersehen verschwunden sind, halte ich mich mit Schuldzuweisungen zurück.  Es ist schon möglich, dass das Zeitalter des Internets und der Lieferdienste mit einfachen Briefen oder Postkarten nicht mehr recht etwas anfangen kann. Mein Bestelldienst liefert sowohl mit eigener Logistik als auch mit DHL. Lieferprognosen sind mit dessen eigener Logistik immer präziser und schneller. Wir benutzen die Schneckenpost nur noch selten. Deshalb kann es aber auch sein, dass wir wieder einmal eine der ständigen Tarif-Änderung verpasst und falsch Frankiert haben.

Die nächste echte  Post in München (nicht die diversen Annahmestellen) ist 15 Autominuten entfernt. Hier müssen wir an drei Tagen pro Woche nur einige hundert Stufen in den Capo Luogo hinunter, um beispielsweise Zahlungen  per Postanweisung vorzunehmen.

Ich habe als Kind nicht zu denen gehört, die an Weihnachten Postkarten mit Wünschen an komische Orte wie das mecklenburgische Himmelpfort oder das Santa Claus Village in Finnisch Lappland geschrieben haben. Das ganze Weihnachtsmann-Getue ging an mir vorbei, bis ich auf einer Nikolaus-Party meiner Kinder selbst in diese rote Kapuzenkutte schlüpfte und ziemlich versagte.

Ausgerechnet hier in Ligurien holte mich schon vor Jahren der Weihnachtsmann wieder ein, weil ein Pizzabäcker und die Mädels vom Heizungsservice mir wegen meines Aussehens immer "ciao Babbo Natale" zuriefen. Mittlerweile bin ich sicher, dass sich der Spitzname ganz schön verbreitet hat. Denn auch die neue Postina steuerte vor ein paar Tagen in der Gluthitze des Mittags direkt unsere Tür an, um uns die Weihnachtsgrüße unserer Nachbarin, der Bürgermeisters-Witwe zu bringen.

Die Wege der Post sind unergründlich. Wir schreiben unserer uns mittlerweile ans Herz gewachsenen Nachbarin jedes Jahr aus München zu Weihnachten. Die rüstige 84jährige, die ihren Garten noch selbst bestellt und jede Last zu ihrem Haus nahe der Piazza hochschleppt, wollte sich nicht lumpen lassen und schrieb zurück- Aber irgendwie hat sie im Weihnachtstrubel mit ihrer Familie nur die halbe Adresse auf den Umschlag geschrieben.

Als Nachforschungen noch von Menschen und nicht von Klarlese-Automaten erledigt wurden, hätte die Karte eigentlich zeitig ankommen müssen. Denn die Postleitzahl war richtig, und unter der gäbe es auch nur eine Familie unseres Namens.

War das der Grund, weshalb die Postina den Brief nicht an die Absenderin auslieferte, sondern ihn uns geradezu konspirativ mit verschwörerisch leiser Stimme direkt aushändigte?

Sie erkannte natürlich l'Indirizzo di Babbo Natale... - und wir kühlten uns bei 30 Grad symbolisch an der verschneiten Winterlandschaft auf dem Weihnachtsgruß...

Freitag, 17. Juni 2022

Sechs Staatsmänner suchen ihre Rolle (in der Geschichte?)

Putin, Xi, Erdogan, Orban. Lukaschenko und Johnson.

Wer kennt schon heute noch den Sizilianer Luigi Pirandello? Selbst wenn der 1934 - auf  dem Höhepunkt des Faschismus den Literatur-Nobelpreis erhielt. Denn Tatsächlich konnte er seine erste Begeisterung für Mussolini und dessen Tun nicht mehr revidieren, weil er 1936 verstarb. Immerhin tat das sein Werk posthum für ihn.. Nicht zuletzt weil herausragende Theater-Leute den Mut zur Interpretation seiner dramaturgischen Ideen hatten.

Luigi Pirandello
1867 - 1936
Quelle: wikipedia

Das Theaterstück "Sechs Personen suchen ihren Autor" könnte als Parabel auf meine Überschrift angewandt werden. Denn es machten Weg frei für das absurde Theater. der Nachkriegsjahre,
Wenn das ganze Desaster des Jahres 2022 irgendwann einmal theatralisch aufgearbeitet werden kann, sollte deutlich werden, dass die oben aufgeführten Staatsmänner zwar ihre Rollen nach dem gleichen Script angelegt, aber ihre Darstellung wohl - sich selbst überschätzend - falsch interpretiert haben.

Wieso? Weil sie ihre Völker, ihr Publikum gewissermaßen, durch Propaganda für blöd verkaufen wollten. Wenn das Stück schlecht ist, kann der Applaus einfach nicht durch gewaltsame Unterdrückung und Staats-Terrorismus erzwungen werden. Dann entsteht - wie immer in der Geschichte  - ein Subscript, das mit stets wachsendem Erfolg aus dem Untergrund diversifiziertes Handeln verlangt.

Die verzwickte Botschaft Pirandellos möchte ich als nicht dramaturgisch Geschulter mal so auf den Punkt bringen: Jeder, der eine Bühne betritt, wird zum Theater.
Wie ist das dann mit Politikern, die die Weltbühne betreten?

Hier einmal eine nicht mehr mögliche "pirandellische" Rollen-Interpretation:

Die Putin-Matruschka

Putin:

Ein kleinwüchsiger Großtuer mit pompösen Auftritt, der sich durch Schläue zum Tyrannen laviert hat. Je mehr Macht er bekommt, desto rücksichtsloser setzt er sie ein. Eine Nachwelt interessiert ihn nicht. Er bezeichnet andere gern als Nazis, ist aber selbst auf dem besten Weg ein historischer Kriegsverbrecher wie Napoleon oder Hitler zu werden.

Winke-Katze mit
Eisbär-Mimik
CD-paint-collage

Xi Jing Ping:

Er gibt die immer lächelnde, chinesische Version der asiatischen Winke-Katze Maneki-Neko. Den verschiedenen Legenden nach soll sie Glück und Wohlstand bringen aber auch Hoffnung. Xi erfüllt solche Wünsche mit seiner Version des "Staatsmonopolistischen Kapitalismus" für alle, die nach seiner Pfeife tanzen. Doch während er vorne so freundlich wie bei den Olympischen Winterspielen die Welt grüßt, treibt er perfide im Chinesischen Meer hinterrücks Insel für Insel einsackend die von ihm historisch begründete Eroberung Taiwans voran. Uiguren und altgediente Hongkonger lässt er entgegen jeglicher vertraglicher Zusagen über die Klinge springen.

Quelle: web.de

Erdogan:

Er wäre so gerne ein Ata Türk geworden, aber ihm fehlt es einfach an staatsmännischer Fortune. Bei jedem Versagen sind andere schuld. Ob Gülen, Kurden oder Oppositionelle - ein korruptes Rechtssystem mit absurden Schauprozessen hält ihm bislang noch den Rücken frei. Sollte das nicht mehr gelingen, könnte ihm das Antichambrieren mit Putin die Macht erhalten. So sehen wir auf der Bühne ulkige Vorgänge,  die einander derart  ähneln, dass sie einer identischen Regie-Anweisung entsprungen sein könnten. Geografische Gegebenheiten werden auf einmal historisch angezweifelt, um absurde Ansprüche geltend zu machen. Was Putin Krim und Ostukraine sind, könnten nach Erdogan bald Rhodos, Kreta und der Dodekanes sein. Dass Griechenland wir die Türkei NATO-Mitglied ist, schert doch den GRÖTAZ* nicht.

Eher Spaltpilz als Joker
Quelle: redbubble.com

Orban:

Es wäre nicht nur politisch inkorrekt den Ungarn in der Rolle des Zigeunerbarons zu sehen. Auch wenn sein agieren schon sehr an das klischeehafte Verhalten der Magyaren erinnert: Gib man dir - so nimm! Nimmt man dir - so schrei! Immer wieder verhindert Ungarn, dass die EU in Geschlossenheit agieren kann. Dass ganze hat System. Könnte ja sein, dass sich Europa wegen des Krieges in der Ukraine bald in Schall und Rauch auflöst. Dann passte es, dass man  - wie schon einmal 1956 - "gut Freund" mit den Russen ist.


Die Karikatur seiner selbst
Quelle: badische-zeitung-de

Lukaschenko:

Eigentlich hat Weißrusslands Lukaschenko in dieser elitären Besetzung nichts zu suchen. Aber wir brauchen auf der Bühne ja noch den feigen Schwächling, der nur schurkisch sein kann, weil der große Bruder ihm den Rücken freihält. Aber immer mehr ähneln seine großmannnssüchtigen Auftritte den politischen Karikaturen, die sie im Untergrund seines unterdrückten Volkes anfertigen


Johnson:

Das Staatsensemble ist ja ohne Hofnarren nicht komplett. Wir müssen bei der Zersetzung von Demokratien ja nicht nur gen Osten blicken. Wo sich doch in unserem Rücken auch was tut. Wie konnte sich das grandiose Vereinigte Königreich nur so einen Jester als Premier wählen? Wie konnte sich eine einst historisch verpflichtete Parlamentarische Monarchie  auf einen derartigen Spaltpilz einlassen. Die "Große Urkunde der Freiheit", die Magna Carta von Heinrich I. 1100 vorformuliert und 1215 von König Johann Ohneland wörtlich übernommen, verbriefte schon grundsätzliche politische Freiheiten, wie wir sie in den westlichen Demokratien auch heute noch gerne in Anspruch nehmen. Schon beim mit Macht-Allüren in endlosen Verhandlungen rücksichtslos durchgepeitschten Brexit verprellte Johnson die Hälfte seiner Bürger. Dem folgte das Totalversagen während der Pandemie, in der er mit dem Party-Gate und dem Belügen des Parlamentes mitunter wie ein Pausen-Clown auftrat. Das Vertrauens-Votum in der eigenen Partei konnte er nur deshalb erzielen, weil die Tories-Getreuen genau wussten, dass ihre Partei mit einem Schatten-Nachfolger bei den nächsten Wahlen untergehen. So angeschlagen Bolt-Boris ist - das hat er von Trump gelernt - hindert es ihn nicht daran, der EU mit der Missachtung der Nordirland-Vereinbarungen einmal mehr eins vor den Latz zu ballern. Wohl wissend, dass die verantwortungsvollen Staatsmänner derzeit alles tun. um die Ukraine-Krise zu meistern...

Big- and Little Brother
Quelle: Beide Karikaturen toonpool.com


*GRÖTAZ - Größter Türke aller Zeiten

Mittwoch, 15. Juni 2022

Kriegsgewinn(l)er

Was gut gemeint war, kam nicht beim Verbraucher an


Auf das kleine l kommt es hier besonders an

Ist einer Sieger oder gar doch ein Schuft?

Hat einer im Blute selber kämpfen müssen

Oder Geld gemacht mit hochgelegten Füßen


Zivilisten, die um Existenz und Leben bangen,

Während andere nur in ein Portfolio langen

Kriegsgewinnler sind  stets Kriegsgewinner

So war das leider seit Genrationen schon immer


Machtlose können da schon gar nichts machen,

Während die Zündler sich ins Fäustchen lachen

Im globalen Spiel mit Mangel gegen Überfluss

Fällt bei den Spekulanten sicher gar kein Schuss


Das Schieben und Verteuern ist ein Computerspiel

 Und führt nur die reichen Gamer an ihr perfides Ziel

Ja wenn der Staat nur darauf einen Zugriff hätte...

So heißts  bedauernd und lapidar: hätte, hätte Lieferkette


Übergewinn versteuern, fordert man voreilig und schnell

Aber wir sind doch nicht schuld, klagt da das Kartell

Was können wir schon für den bösen, bösen Krieg?

Die Reichen da am reicher Werden zu hindern? Ein Pyrrhus-Sieg