Freitag, 8. August 2025

Zeitkapsel Kleiderschrank

Kurz bevor wir München verlassen haben, kam ich auf die Idee, meinen viel  zu dicht behängten Kleiderschrank von all den verbliebenen Übergrößen aus meiner Obelix-Zeit zu befreien. Ich schaffte zwei große Säcke zum Container. Darunter viel Neuwertiges bei dem ich zweimal hin und her überlegte, bevor ich mir sicher war, nie wieder die Kontrolle über mein Gewicht zu verlieren. Das habe ich nun 36 Monate gehalten.

Als wir dann in Richtung Italien unterwegs waren, fiel mir wieder ein, dass ich Dasselbe ja vor meinem Unfall in Italien vorgehabt hatte. - Nur in umgekehrter Dimension. Ich hatte alles, in das ich wohl nie wieder hinein schrumpfen würde, dort ebenfalls in zwei Müllsäcke verstaut, aber dann wegen meines Sturzes versäumt, es in die Altkleider-Sammlung zu bringen.
Sie stünden also fest verschlossen seit 24 Monaten in der Cantina. Mal sehen, in was ich da nun wieder hineinpassen würde...

Quelle: vectesy
Der Kleiderschrank als Zeit-Maschine geht leider nur retro

Da meine Frau und ich unsere Reisetaschen immer erst später ausladen, weil ja die Erstversorgung zunächst hinauf geschleppt werden muss. nahm ich bei erster Gelegenheit die beiden Säcke mit hoch. Nun lebe ich  seit fast zwei Wochen aus meiner eigenen Altkleider-Sammlung, und es ist noch kein Ende abzusehen.

Ich bin ja kein Saulus, der zum Paulus wird, deshalb erinnerte ich mich sofort an all die Posts, die ich hier schon zum Mode- und Kleidersammel-Wahn verfasst habe. Was hat mich nur geritten, eine derartige Menge von Polo- und T-Shirts anzuhäufen und wieso mussten es derart viele Sommer-Jeans und Hemden sein?

Gleich auf diese Frage folgte die eher Praxis orientierte Erörterung, weshalb wir Männer diesen Wahn überhaupt mitmachen, obwohl sich ja an unseren Freizeit-Outfits eigentlich nichts wesentlich ändert. Da ich nie Polohemden mit auffälligen Logos oder gar "Sinnsprüchen" getragen habe, sind diese teilweise fabrikneuen, zeitneutralen Hemden aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts quasi aktuell. Als ich umgezogen in einem gelben Polo-Hemd und gelben Shorts auf die Piazza trat, sagten die Nachbarn unisono: "Bravo Claus! Sempre in alta moda!"

Mit 30 Kilo weniger zwar
nicht wie neu geboren,
aber immerhin nicht
im Schlotter-Look
Natürlich sind die Nachbarn alle schon so alt, dass sie sich nicht mehr daran erinnern können, dass ich vor zwanzig Jahren schon einmal mit diesen Klamotten aufgelaufen bin.
Da ich nie und in keinster Weise mit Shorts hinunter ins Tal ginge, freue ich mich aktuell über Jeans, die den Vergleich zu aktuellen Schnitten auch nicht zu scheuen brauchen. Und sollten wir tatsächlich noch einmal schick zum Cena eingeladen werden, habe ich aus meiner eleganten Zeit einen klassischen blauen Blazer mit Goldknöpfen und passender, gelber Gabardine-Hose. Die waren damals sogar noch Maß-Konfektion!

Was braucht ein alter Mann noch an Mode, wenn er im Sommer nur Jeans und T-Shirts trägt? Hier oben läuft sowieso jeder herum, als käme er gerade aus den Oliven...

Mittwoch, 6. August 2025

La vita semplice

Wer sich augenblicklich von immer mehr Dingen verabschieden muss, die er sein Leben lang als unverzichtbar für sein "Benessere" gehalten hat, kann nur dann seelisch genesen, wenn er aus dem Verzicht eine Philosophie macht. Diesem Punkt nähere ich mich gerade in zögerlichen Schritten.

Quelle: Kopp Verlag
Quelle: Library of America
Henry David Thoreau
1817 - 1862
Ich gestehe, vor langer, langer Zeit war ich schon einmal so weit. Mein Leben als Teen wollte einfach nicht vorwärts gehen.  Da bekam ich als Pflichtlektüre für Buchhändler-Lehrlinge die Fibel für einfaches Leben, "Walden" von Henry David Thoma Thoreau, zur Besprechung auf. Ich beschrieb sie verzückt, denn ich konnte viel  Nachahmenswertes beim Lesen entdecken. Tatsächlich wurde dieses 1854 veröffentlichte Tagebuch als Anleitung für ein möglichst einfaches Leben ein paar Jahre nach meiner Besprechung zur Fibel für die Aussteiger der 1970er, Leider hat mich "Das Leben in den Wäldern" (so der Untertitel) im Vergleich zum beginnenden Waldsterben der Gegenwart nicht derart beeindruckt, dass mein Karriere-Durst als Schreiberling nachhaltig gestillt worden wäre.
Sicher wäre mir manche Abzweigung bei einfacherer Lebensführung erspart geblieben, aber ich hätte auch eine Vielzahl einmaliger Erlebnisse verpasst, von denen andere nur träumen. Und in meiner heutigen Work-Life-Balance fällt doppelt in die Waagschale, dass ich ein Berufsleben hatte, in dem ich mein Geld mit Sachen verdienen konnte, die andere nur in ihrer Freizeit machen.

Ich schicke das meinem heutigen Post vorweg, damit ihr nicht glaubt, ich sei ein vom Übermaß bekehrter, reuiger Sünder geworden, der Verzicht predigt.
Ganz im Gegenteil: Haut raus, was nur geht, so lange es noch geht! Denn wer weiß, was aus dieser Welt in ihrer augenblicklichen Situation noch wird. Aber seid dessen eingedenk, dass sich auch ein vielleicht erzwungener Maßen reduzierendes Leben noch lohnt, wenn man nur lernt, das Verbliebene entsprechend höher zu bewerten.

Ein Dialog dieser Tage mit meiner Frau war typisch:
"Wollten wir nicht Mittwoch mal wieder am Meer zum Essen gehen?"
"Ach nö! Im August ist es doch unten viel zu voll. Diese Parkplatz-Suche! Und so gut wie die, kochen wir doch schon längst!"
"Ja, aber! Es muss keiner in der Küche stehen, kochen oder abwaschen..."
"Ist doch nur'n Klacks! Rechne mal nach, wieviel wir von den guten Sachen für nur eine Restaurant-Rechnung  einkaufen könnten."

So haben wir früher nie gedacht. Wir haben ein unkontrolliertes Vermögen für Hotels und Restaurants verprasst. Und wir hatten Spaß daran. Aber jetzt haben wir eigentlich mehr Spaß am selber Kochen. Vor allem seit wir einen Schwiegersohn haben, der Chef in einem Geourmet-Restaurant ist, wissen wir auch von der anderen Seite her, dass die Preise, die wir uns in München nicht mehr leisten können, wohl gerechtfertigt sind, aber eben in keinem Verhältnis zum Waren-Einkauf stehen.

Also ich habe mal nachgedacht und nachgerechnet:

Am vergangenen Freitag hat die "Fürsorglichste" einen Polpo e Patate alla Ligure hin gezaubert, wie wir ihn besser von keinem der uns hier bekannten Restaurants für unter 16 Euro pro Nase vorgesetzt bekommen.
Am Sonntag habe ich Peperoni gefüllt mit Salciccia auf Knoblauch-Basmati-Reis gebrutzelt.
Gut, alle Gemüse-Sorten bekommen wir zu Erzeugerpreisen bei unserer Schweizer Nachbarin
Am Montag haben wir uns die Arbeit geteilt. Ich war mit dem Braten von Capocollo (Schweine-Nacken) auf Knoblauch, Peperoncino und Rosmarin betraut, wozu meine Frau einen lauwarmen Kartoffelsalat mir Radicchio, Zwiebel und Bohnen - geschmeidig gemacht durch kalt gepresstes Extra Vergine - komponierte.

Dienstag servierte ich Hühner-Keulen auf Tandoori-Art in Soja-Sauce geschmort auf einem gegrillten Auberginen-Bett.

Ja, heute ist Mittwoch, und wir gehen wieder nicht essen, weil sich meine Frau meine Spezial-Gnocchi auf kross in Butter gebratenen Salbei-Blättern und ebensolchen Knoblauch-Scheiben gewünscht hat.
Unterm Strich stehen bislang noch nicht einmal 70 Euro Waren-Einkauf  zu Buche - und wir hatten obendrein noch Spaß an der Freud!

Dazu haben wir unsere Piazza zum Abendessen meist allein oder genießen den prächtigen, ungestörten Rundumblick im Sonnenuntergang von unserer Terrasse aus,  - The Day Bleeds Into The Nightfall!
Die frischere Luft und die vom Arzt dringend verordnete Ruhe gibt es gratis dazu.
Übrigens, wir schreiben den 6. August, und wir schlafen wegen der kühleren Nächte hier oben noch immer kuschelig zugedeckt bis zu neun Stunden. Das ist eben auch:

La vita semplice!

Montag, 4. August 2025

Die Oma, die mit ihrer Ziege wohnte

paint-collage CD
Als vor mehr als vierzig Jahren die erste Welle der teutonischen Ruinen-Baumeister durch die engen Gassen dieses Borgos schwappte, war das ein großes Abenteuer. Jetzt hat von allen das Zeitliche seinen Tribut verlangt. Aber was sie zum Teil durchmachten und erlebten, ist hier bis heute immer noch Legende. Auch wenn die mit der Zeit durch kolportieren und dramatisches Hinzufügen vermutlich eher zum Narrativ geworden ist.
Die zweite Welle um die Jahrtausendwende schwemmte dann schon eher deutsche Spekulanten auf die Burg. Die nutzten die Hype und die Sehnsucht naiver Käufer nach den "Italienischen Momenten" aus. Wobei sie auch auf die lasche Kaufpreis-Verbriefung unter Umgehung von Wiederverkaufsfristen setzten. Schamlos, was da ab überhöhten Preisen über den Tisch ging, wenn der Notar nur für einen Augenblick das Büro verließ... 

Meine Frau und ich gehörten auch zu jenen, die schockverliebt nichts infrage stellten. Wie manche ebenfalls neue Nachbarn hatten wir nach nur oberflächlichen Umgestaltungen mit Anzeigen zu kämpfen, die ein ums andere Mal zu juristischen Auseinandersetzungen führten. Nicht selten durch die verbliebenen Einheimischen inszeniert, die sich zunehmend wohl ärgerten, dass der Ausverkauf Ihrer Heimat zu lächerlichen Lire-Summen an ihren Geldbeuteln vorbei gegangen war. Vieles geschah ja aus Zweifeln, was nur dem Denkmalschutz geschuldet war oder welche Veränderungen Nachbarn nicht stören könnten. Für vieles kam erschwerend hinzu, dass in der bitter ärmlichen Vergangenheit des Dorfes unzählige Umwidmungen von Räumlichkeiten im Kataster - leicht zu übersehen - registriert worden waren. Wer von den "Ureinwohnern" früher kein Geld aber Räumlichkeiten hatte oder wenn die Ernten mal keinen ausreichenden Ertrag erbrachten, wurde eben wie selbstverständlich mit Zimmern bezahlt, die jetzt aber zunächst unerkannt in einem "Konglomerat" veräußert wurden.

Fotos Claus Deutelmoser
Dass ein Bergfried nicht immer
zum Burgfrieden beitrug, zeigt schon
das Verließ unten
Bei einem Umtrunk auf der Piazza erzählte Paula, eine der letzten "Überlebenden" der ersten Welle, was ihr Schwager gar als Architekt erlebte: Er hatte sich gewissermaßen den "Bergfried" mit den darunter liegenden Räumlichkeiten vorgenommen. Als er bereits verbrieft loslegen wollte und das Haus betrat, hauste im Eingangszimmer eine alte Dame mit ihrer Ziege. Die pochte auf ihr  verbrieftes Eigentum, was sie dann auch belegen konnte. Also musste nachverhandelt werden.

Als wir unser Haus erwarben, wurde vertraglich ein Zimmer hinzu gefügt, von dem wir bis heute nicht wissen, wie man das hätte im Nachbarhaus erreichen können. Es ist heute die "Kemenate", und hätten wir es nicht bekommen, gäbe es unsere vergrößerte Terrasse nicht. 
Was aber auch auch nicht automatisch bedeutete, dass wir die bedrohliche Trockenmauer die über das Nachbarhaus hinweg unseres mit dem übernächsten Haus verband, abreißen und durch einen sichereren, betonierten
Sicherlich nicht "die sieben Säulen der Weisheit",
aber immerhin mehr Durchblick
nach beiden Seiten

Portiko ersetzen durften. Zack, hatten wir die erste Anzeige von einer einheimischen Nachbarin, die wir aber - trotz teurer, nachgereichter und begutachteter Baupläne samt zusätzlicher Strafzahlung - inzwischen sehr zu schätzen gelernt haben...

Freitag, 1. August 2025

La Bellezza e il Benessere

Ziemlich bald nach meinen ersten - bis heute vergeblichen -Versuchen, diese schön Sprache zu erlernen, war mir aber klar, dass es im Italienischen Worte gibt, für die die einfache Übersetzung absolut nicht reicht. Der spätere Mann meiner besten Freundin hatte mir einen Bärendienst erwiesen, als er mir den Tipp gab, mich sprachlich an der Wochenend-Ausgabe von LA REPUBLICA zu orientieren. Heute weiß ich gewiss, dass sie zu jener Zeit noch anspruchsvoller war als das SZ-Magazin. Es war völlig aussichtslos, dass ich jemals nur einen Hauch von dem verstünde, was meine Kollegen da an Wortbildern und Geistesblitzen zu Druck gebracht hatten. Zudem war mir nicht geläufig, wie viele Redewendungen im jeweiligen Kontext die Bedeutung wandeln konnten. Selbst mit dem besten Lexikon oder einem Doodle-Programm blieb das meiste auf der Strecke. Da bewies sich nachhaltig meine Charakterschwäche: Für das, was mir nicht zufliegt, bin ich einfach zu faul, um es zu erlernen.

Quelle: Tour Letterario Ibeo
Italo Clavino 1923 - 1985
So war ein Interview mit dem Sänger Eros Ramazotti, das letzte, was ich von LA REPUBLICA in meine rudimentären Kenntnisse übernahm. Er sagte: Sono sempre remasto con mei piedi sulla terra. Ich bin immer mit meinen Füßen auf dem Boden geblieben. Das hätte zu meinen Bemühungen passen müssen, Stattdessen orientierte ich mich mit dem Wissen, dass das literarische Italienisch wohl zu den schönsten Sprachen gehört, die man hören kann, leider nur an den fabelhaften Übersetzungen meiner zeitgenössischen, italienischen lieblings-Schriftsteller*innen.
Von denen könnte ich jetzt aus dem Stand mindestens zwei Dutzend aufzählen. Aber wer sich traut, in Original-Texten zu lesen, dem lege ich das eingängige Italienisch im umfangreichen Werk von Italo Calvino ans Herz; vor allem seine Märchen.
Bei amazon auf Lager

Womit ich alter Schwafler endlich bei der Überschrift angelangt wäre:

So wie la Bellezza nicht einfach die Schönheit ist, kann il Benessere nicht allein mit Wohlbefinden übersetzt werden. Wer für die vielzitierten "Italienischen Momente" empfänglich ist, findet das schnell heraus. Bellezza kann man zwar sehen, aber sie ist viel wirkungsvoller als Vollwert-Gefühl, das einen anspringt und das Herz im "Sinnlichen" zum Platzen bringt. Benessere kann sich nach einem Teller perfekter Pasta einstellen oder in der wahren Liebe schon nach dem ersten Kuss.

Meine Italienischen Freunde, die meinen Lebenslauf kennen, fragen mich immer wieder nach solchen Erlebnissen. Und dann schmeichle ich ihnen mit Momenten, die ich hier in ihrem Land erleben durfte.

Ich erzähle ihnen dann gerne von einem einsam vor einem sizilianischen Häuschen stehenden Sonnenschirm samt Plastikstühlen. Im Mittagslicht flirrenden Dunstkreis des Ätna, dem meine Frau und ich auf der letzten Allein-Reise ohne Kinder entfliehen wollten, hielten wir das Ensemble fälschlich für eine Trattoria. 

Quelle: Impatto Italia
La dissacatione della bellezza
Die Entweihung der Schönheit
Auf die Frage, ob wir denn etwas zu essen bekämen, fragte der junge Mann mit unverkennbarem Mafia-Amerikanisch: Was denn? Und weil ich meiner Frau von den Salsiccie vorgeschwärmt hatte, die ich oben am Vulkan im mittlerweile von einer Lavazunge verschütteten Rifugio nach dem Skifahren gegessen hatte, bestellte ich die. Und dazu den schweren lokalen Roten. Darauf trabte die Nonna los und besorgte alles im nahe gelegenen Ort, während ihr Enkel mit mir Erinnerungen an New York austauschte.
Die Salsiccie waren frisch vom Metzger: kross, lecker und kamen mit hausgemachtem Brot zu einer pikanten Peperoncino-Sauce einher. Der Vulkan-Wein schlug wie ein rechter Haken von Rocky Balboa in die Birne, so dass wir erst einmal - länger als gewollt - in der "neutralen Ecke" sitzen bleiben mussten.

Quelle. Ricette siciliane
Salsiccie in rotem Sugo nach sizilianischer Art

Als ich dann zahlen wollte, waren Oma und Enkel regelrecht empört. Sie seien ja schließlich kein Restaurant, sondern äußerst entzückt (really delighted), dass sie endlich mal jemanden bewirten konnten, der Casareccia  zu schätzen wisse...

So etwas - liebe einheimische Nachbarn hier in Ligurien - nenne ich la Bellezza und il Benessere in einmaligem Einklang!

Dienstag, 29. Juli 2025

Vorfreude im Wandel

Auch die Sehnsucht nach unseren
Lieblingsstränden war ja
deren permanentem Wandel  unterworfen

Kinder, wie die Zeit vergeht! Da reisen wir nun seit einem Vierteljahrhundert auf die Burg und merken gar nicht, wie sehr sich unsere Vorfreude in all den Jahren verändert hat.

In den ersten Jahren ist jeder aus der Familie, der nur ein paar Tage frei hatte, sofort für die wenigen "Italienischen Momente" per Flieger losgedüst oder hat sich halsbrecherisch mit dem Auto auf die 800 Kilometer Anreise gemacht.

Heute strengt uns schon die Halbetappe an, wenn wir wie vergangenen Samstag allein vier Stunden über den San Bernadino brauchen. Gestern morgen beim Frühstück mussten wir schon die Erinnerungen an den so eignisreichen Aufenthalt 2024 zusammen werfen, um eine Abfolge zustande zu bringen...

Sobald wir jedoch den
ersten Blick von unserer
Terrasse werfen, kehrt die
Ruhe ein, die heute für
uns an erster Stelle steht 

Die Zeit rennt derart erbarmungslos dahin, dass wir auch nicht wirklich bemerkt haben, wie sich Ängste in die Erwartungen mischen. Denn die letzte Renovierung an unserem vielleicht 400 Jahre alten Haus liegt ja auch schon wieder ein Jahrzehnt zurück.

Was funktioniert diesmal nicht? Wie fordern uns  die ersten Handgriffe nach der längeren Pause?

Um es kurz zu machen: Wir haben fast einen Nervenzusammbruch erlitten. Das Wasser ging nicht. Die Heizung für Warmwasser auch nicht. Es dauerte eine Nacht zum Drüberschlafen, bis wir auf die Idee kamen, dass meine auch sehr "fürsorgliche" Tochter, die mit Familie an Pfingsten hier war, wie es sich beim Verlassen eines sporadisch bewohnten Hauses gehört, alles abgedreht hatte...

Mittwoch, 30. April 2025

Experten oder Parteisoldaten

 Mit seiner Minister*innen-Riege hat Künftig-Kanzler Friedrich Merz zumindest einen geschickten Eröffnungszug gewagt. Außer dem Maut-Mauschler Alexander Dobrindt, den ihm Markus Söder aufgezwungen hat, verspricht die Zusammensetzung seines Teil-Kabinetts nicht nur jungen Schwung mit angemessener Frauen-Quote, sondern zumindest von der Papier-Form her, jede Menge Expertise. Es könnte sogar so sein, dass nie eine Bundesregierung näher an einem Experten-Kabinett war. 

Quelle: Table-Media

Damit hat er Lars Klingbeil nach dem SPD-Basis-Votum möglicherweise schon unter den Zugzwang gesetzt, selbst auf die üblichen Parteisoldaten beim Mitregieren zu verzichten. Wird er es wagen, ebenso auf allseits bekannte Köpfe zu verzichten, um mehr Expertise in den designierten SPD-Ministerien einzubringen?

Das dürfte schwer fallen. Denn die SPD hat bislang ja meist Minister eingebracht, die ideologisch lenken wollten. Ausnahme vielleicht ist der Technokrat Boris Pistorius. Die Damen, die da etwas mit zu regieren hätten, haben entweder einen "Ampel-Schaden" oder sind auf die europäische Ebene gewechselt. Klingbeil bräuchte den Mut, ebenso auf Köpfe zu setzen, die zwar nicht bekannt sind, aber dafür mehr pragmatischen Inhalt haben. Aber wo sind die derzeit in der SPD?

Eines steht fest: Weder mit Populismus noch mit Ideologie ist dieser derzeit so wirren Weltordnung beizukommen; in punkto wirtschaftlicher Erholung nicht und ganz sicher nicht verteidigungspolitisch!

So ein Neuanfang mit im Regieren unerfahrenen, politischen "No-Names" birgt natürlich auch ein Risiko. Aber die Chancen, dass ein pragmatischeres Regieren zum Erfolg führt, sind ungleich größer. Hauptsache die Egos blähen sich nicht wieder profilneurotisch auf, und neue Ideen werden erst einmal hinter verschlossenen Türen am Kabinetts-Tisch ausdiskutiert. Ungelegte Eier sind eben schlecht auszubrüten! Das müsste den künftigen Ministerinnen und Ministern nach dem "Ampel-Pampel" klar sein.

Quelle: ARD-Audiothek
Sorgen macht mir im künftigen Kabinett nur der als Ex-FOCUS-Chef "einäugige", gelernte, eher populistische "Wort-Verdreher", Wolfram Weimer als Staatsminister für Kultur und Medien. Aber immerhin hat er große Erfahrung in der Medien-Digitalisierung. Der "Rechts-Publizist" dürfte Merzens Geheimwaffe für ein gnadenlos geschöntes Erscheinungsbild seines Wirkens werden. Ob Stefan Kornelius von der SZ als Regierungssprecher für die Große Koalition da ausgleichend moderieren kann, muss sich erst erweisen. Blasser als Steffen Hebestreit kann er aber wohl kaum noch agieren.

Sonntag, 27. April 2025

Wie wird es weiter gehen?

 Der Wonne-Monat Mai wird für mich zum Warte-Monat: In Wartezimmern sowie vor und nach der OP.

Wird alles Böse aus mir heraus geschnitten oder werde ich von diesen kleinen Monstern zerfressen auch noch auf das Ende warten müssen?
So lange mir in den Zwischenzeiten die Laune bleibt, werden ich weiter schreiben. Sollte das Warten belohnt werden und die Ärzte grünes Licht geben, könntet Ihr nach den Pfingstferien auch wieder "Briefe von der Burg" bekommen.

Bleibt mir bitte gewogen, auch wenn die Posts nicht mehr im gewohnten Rhythmus kommen