Mittwoch, 14. Juni 2017

Liebe in Zeiten des Borgos

Gabriel Garcia Marquez, der kolumbianische Nobel-Preisträger und Schöpfer so einzigartiger Beziehungs-Hymnen wie "Liebe in Zeiten der Cholera", hätte seine Freude gehabt hier im Borgo. Denn seine literarischen Gestalten erfahren hier gerade eine Art Wiedergeburt.
Sie nannten ihn Gabi. Für mich der
größte Romancier der Gegenwart
Quelle: Google Download Images

Ich sitze allein auf der Piazza und versuche zu meditieren, da schaue ich auf und denke, ich sei in einem Film. Torto unser Bibliothekar ehrenhalber und Grazia-Maria - seine einstige Sekretärin - als er Leiter des Polytechnikums war - gehen Arm in Arm über die Piazza. Allein schon das grenzt an ein Wunder, denn beide sind im Winter dem "Boanlkramer" nur knapp von der Schippe gehupft. Er hatte einen Schlaganfall, der ihn eine Zeit lang lähmte und sein linkes Auge schädigte. Sie war im Winter auf glattem Untergrund gestürzt, und hatte sich schwerste Brüche zugezogen...

Jetzt wirken sie, wie eines der schönsten Paare, die ich je gesehen habe, und das sage  ich ihnen auch:
"Sete la coppia piu bella del mondo!"

Das war ein wenig frech, wegen meines "Insider-Wissens". Schon immer war Grazia-Maria in ihren Chef verliebt, aber in ufficio ging das ja nicht, und Torto war ja auch verheiratet gewesen. Als er Witwer war, zog sie hier hinauf. Ihm nach. Und nun?

Manchmal bin ich von meinem eigenen Hang zur Romantik echt überrascht. Aber als die Beiden mir und der "Fürsorglichsten"  die Komplimente zurück gaben, blieb mir echt die Spucke weg.

Wie sie sich gegenseitig die Stufen zur Gasse hinunter halfen, musste ich Tränen fort quetschen: Gut 190 Jahre an Galanterie. Die Wirklichkeit muss sich also nicht immer literarisch erfinden.
Ist mit Macondo das schöne aber nicht
ungefährliche Catagena gemeint?
Quelle: Cartagena MOT
Hier  im Borgo ist diese Liebe Realität. In Macondo,  Marquez' erfundener Stadt, aus in "Hundert Jahre Einsamkeit" wurde sie unsterblich. Leider  bin ich nicht Marquez...

Montag, 12. Juni 2017

Und was habt ihr heute so gemacht?

Gestern kamen unsere Musik-Professoren von gegenüber gut gelaunt und schwer bepackt aus ihrer Heimat-Stadt Turin zurück. Sie waren extra zum Wählen dorthin, um einen weiteren Cinque-Stelle-Syndaco in einer italienischen Millionen-Stadt zu verhindern. Aber überall in Italien wie auch in Frankreich haben die Rechtspopulisten ordentlich eines auf den Hut bekommen. Da hat auch der Helm nichts genutzt den Beppo Grillo beim Wählen in seiner Heimatstadt Genua aufgehabt hat. Turin und Genua bleibt auch in der Stichwahl wohl das Desaster Roms erspart...
Beppo Grillo - wie immer ein Späßchen machend - beim Wählen in Genua
Quelle: DasErste.de

Ist das bereits dank Donald Trump die Abkehr von der Parolen-Politik? Das bleibt nur zu hoffen. Die beiden Musiker, die wie die meisten Intellektuellen Italiens eher linksliberal denken, lieben "Montagna Magica" von Thomas Mann genauso wie ich. Wir pflegen hier auf unserem "Zauberberg" einen ähnlichen Lebens-Stil der Kontemplation. Allerdings ohne Tuberkolose - wie Piero spitzfindig anmerkte.

Das heißt, zweimal pro Woche geht es zum Einkaufen auf die Märkte und gelegentlich an den Strand. Manuela kann sich das auch leisten, denn die klitzekleine "Pensionista" mit der ungeheuer voluminösen Stimme hat immer noch eine sexy Teeny-Figur.

Jetzt, da unsere langjährigen, deutschen Nachbarn wieder einmal ihre Aufenthalts-Intervalle beendet haben, müssen wir ob unserer Faulheit auch kein schlechtes Gewissen mehr haben.
Da die immer nur ein paar Wochen am Stück hier sind, packen sie die Tage voll mit Aktivität, was uns - die Jüngsten in diesem Kreis - natürlich ein leicht schlechtes Gewissen macht.

Aber wir haben ja eine große Teilhabe: Die einen fahren beinahe täglich große Runden durchs nahe kühlere Gebirge und entdecken dabei fabelhafte Restaurants, zu denen wir dann auch mal gemeinsam aufbrechen - wie letztlich zum Lavigna bei Rezzo. Die anderen gehen beinahe täglich zum Strand hinunter und sehen dann aus wie knusprige Brathühnchen. Zum Anbeißen!

Uns ans Ufer zu legen, trauen wir uns mit unseren "ausufernden" Figuren natürlich nicht mehr. Wir haben angst, dass uns Bratspeck-Fans beim Dösen knusprige Scheiben raus schneiden. Oder umweltbewusste Kinder decken uns mit nassen Handtüchern zu und versuchen uns wie gestrandete Wale ins mehr zurück zu ziehen...

Naja, der Witz ist nun auch schon ziemlich abgedroschen. Wie soll ich - wenn sie abends nach einem voll gepackten Erlebnis-Tag zu einem Bier oder Wein zu uns auf die Piazza kommen - die Frage denn sonst, wenn nicht spaßig Beantworten?

"Was habt ihr denn heute so gemacht?" könnte ich schnell beantworten:"Nichts!"

Aber wir wollen ja alles von den anderen erfahren und mit erleben: Den Klatsch vom Strand und die geilen Adressen aus der bergigen Provinz.

Also schmücke ich unsere Erlebnis-Tage mit heiteren Anekdoten aus. Wir eine Jung-Amsel immer gegen das helle Alu-Türblech des aufgelassenen Nachbarhauses geflogen ist, weil sie dachte, da ginge es zum Himmel. Wie sich Leih-Kater Lazaro sich nicht über sie hergemacht hat, sondern mich stattdess aufmerksam machte. Dass die Schimpferei der aufgebrachten aber ihrer Fürsorgepflicht nicht nachgekommenen Amsel-Eltern unverdienter Weise mich traf. Oder ich petze, dass die "Fürsorglichste" beim Sudoku immer nach dem Eintragen einer Zahl gleich hinten nachschaut, um sich Umwege zu ersparen. Es gibt ja so viel zu erzählen.

Dann werden wir auch wieder mitgenommen, damit wir mal unter Leute kommen. Das ergibt schöne, angeregt plaudernde Tafeln in meist malerischer Umgebung.

In Frankreich gibt es für Alters-Reise-Aktivisten eine Organisation "Le Club du Troisième Age".
Lassen es weltweit gerne krachen: Die Mitglieder des
"Dritten Alters"
Wenn ich erzählte, wo und in welchen Hochstimmungen ich diese Reise-Gruppen überall auf der Welt angetroffen habe und uns mit denen vergliche, wäre das gar nicht komisch. Wir sind mit unseren erfüllten Tagen ja jeweils ganz individuell.

Samstag, 10. Juni 2017

Vor mir die Sinnflut!

Vor einigen Tagen musste sich ein deutsches Gericht mit der Frage befassen, ob die Erb-Berechtigung auch für die Hinterlassenschaften der Verblichenen im Internet gilt. Sie wurde ablehnend beschieden.
Posts, Blogs, Tweets und Mitgliedschaften in sozialen Internet-Medien gehören dem Netz. Das entspricht der Ur-Idee des World Wide Web. Ein Erbe kann also nicht an den Computer gehen, um zum Beispiel ihn störende  Inhalte des Erb-Lassers zu löschen oder zu verändern (es sei denn er hat Zugriffs-Quellen).

Ich muss mir da keine Sorgen machen, denn bislang klicken meine potenziellen Erb-Berechtigten nicht oder nur selten meine Blogs. Sie haben einst auch kaum gedruckte Artikel von mir gelesen oder Erzählungen. Vielleicht ist ihnen das peinlich. Um so mehr freut es mich, dass die Kids , die mit meinen in einem stets "open house" aufgewachsen und mittlerweile selbst Eltern sind, zu meinen eifrigsten Lesern gehören. Eine Art Nachwuchs-Pflege?

Vielleicht ist es auch die Gewissheit, dass mit dem älter Werden Dinge in den Sinn kommen, mit denen sich Jüngere nicht auseinandersetzen wollen oder noch nicht können. Ganz so, wie sich die eignen Erzeuger beim Sex vorzustellen...

Mit den zunehmend herunter gefahrenen Erwartungshorizonten, und den engeren Radien für Aktivitäten kann es entweder zu Phlegma kommen, oder die Sinne übernehmen das Kommando.
Ich bemerke täglich Details des Daseins, die mir früher verborgen geblieben sind. Sie animieren mich nicht nur zu einer Art Meditation, sondern auch zur Reflexion.

Ich bin begierig, diese Gedanken aufzuschreiben. Wenn sich Leser daran erfreuen - gut. Wenn ich bald alleine bin mit meinen Blogs - auch gut. Denn letztlich schreibe ich - wie mein Idol Friedrich Nietzsche das sah - in erster Linie für mich selbst, um später meine jetzigen Gedanken aus der Perspektive der inzwischen vergangenen Zeit zu lesen. Vielleicht...

Also vor mit die Sinnflut!


Die Verkleinerung des Kosmos offenbart mir Dinge, die ich vorher nicht bemerkt hätte

Donnerstag, 8. Juni 2017

Possible Trump-Tweets - hacked but not sent

"Believe me! I find pussy grabbing more convenient than licking. Harms my hairdo!"

"Why shouldn't I say 'Bless me o Lord' when he's obviously allready doing it."













"Merkel is so stubborn, because nobody screws her but Mr. Erdogan."

"I only believe in fake-news I faked myself."

"Truly! When I say 'America first' I mean right after me of course"






"I can do what I want. I don't understand politics!"

"Do you know why the world thinks I'm crazy? Because the world is bad... very bad!"

"Why everybody blames the banks for Cum Cum and Cum EX? Melania always forced me that way to be quick!"



Mittwoch, 7. Juni 2017

Alte Flaschen

An manchen Tagen, wenn mich der Schelm in mir besonders hartnäckig piesackt, stelle ich mir vor, was passiert, so ich den Wanderern, die hier immer häufiger durch die Gassen über die Piazza kommen, die falsche Auskunft erteilte...

Die fragen, durstig an der Fontana angekommen meist, was es denn mit den Flaschen in vielen Hauseingängen auf sich habe.

Was, wenn ich sagte, dies sei eine Gabe für all die Durstigen von einer mitfühlenden Dorfbevölkerung, weil das Wasser von der Fontana nicht mehr so gut sei wie einst...

Natürlich mache ich so etwas nicht. Spätestens beim Anfassen und Hochheben der Flaschen bemerkten sie den strengen Geruch und die eklige Klebrigkeit: Katzen-Pisse.

Unsere meist freilebenden Dorf-Katzen sind eigentlich ständig rollig und versuchen den Mangel an Katern durch freigiebig verteilte Duft-Nachrichten auszugleichen.

Bei Häusern mit Holztüren, die zudem noch zu Gebäuden gehören, die nicht regelmäßig bewohnt werden, frisst sich das ätzend ins Holz und zersetzt es nicht nur, sondern hinterlässt einen Gestank, dem auch mit heftigem Schrubben und Bleiche nicht beizukommen ist.

Um die Urin-Strahle um- oder abzulenken, werden alte Flaschen mit Wasser gefüllt, damit sie auch bei Sturm nicht umfallen.

Wir haben Leih-Kater Lazaro, der um unser Haus seinen für uns nicht wahrnehmbaren Geruch hinterlässt, den die Katzen-Damen mit Respekt umrunden... (?)

Montag, 5. Juni 2017

Spieglein, Spieglein...

Wie nimmt einer sein eigenes Spiegel-Bild wahr? Trump soll angeblich bis zu einhundert Mal täglich seine Erscheinung kontrollieren. Sieht er dann im Spiegel tatsächlich den größten US-Präsidenten aller Zeiten?

In meinem männlichen Bekannten-Kreis lande ich in puncto Attraktivität abgeschlagen im Mittelfeld. In Bezug auf die Eitelkeit rangiere ich aber vermutlich unter den Top Ten.

Meine Beobachtung war, dass besonders schöne Menschen entweder an ihrer Schönheit zweifeln, oder aber sie bis zur Unkenntlichkeit verleugnen. Beruflich hatte ich bei Produktionen mit ein paar weltweit anerkannten Schönheiten zu tun. Eine, die in unserer Nähe wohnte holte ich ab, und wollte es kaum glauben.
"Wer hat die denn gebucht", dachte ich. Ein mausgraues zierliches Etwas im zottelhaarigen Schlabber-Look. Und dann verwandelte sie sich mitten im Schneesturm auf der Zugspitze in einen Skimoden-Schmetterling von tadelloser Schönheit...

Wenn wir hier unsere Zeitungen an der Piazza Dante holen, gehen wir immer ins Ariston. Das ist eine Bar unter den Arkaden. Zwischen zwei Bögen hängt zur Straßenseite hin ein riesiger Spiegel. Meinen Stammplatz wählte ich so, dass ich im äußersten rechten Eck unten jederzeit mein Spiegelbild überprüfen kann.
Meine Frau redet dann sowieso nichts mit mir, weil sie sich gleich in die SZ vertieft. Ich zähle sowieso nichts, weil sie die Stammgästin ist, der die Bedienungen sogar Küsschen zuwerfen, während die mich wohl für eine Art Lebend-Installation à la Duane Kane halten. Was bei eigener Überprüfung auch irgendwie stimmt: Ein Dicker mit komischen Hemden und weißem Bart.

Vor kurzem waren wir im Ariston als die nahe gelegenen Schule gerade Mittagspause hatte. Vier Mädchen und ein Adonis setzen sich rund um einen Tisch im Arkaden-Bogen und starrten sofort in ihre Smartphones, kicherten und tauschten sich aus ohne aufzusehen. Nur eine blieb stehen. Vermutlich weil sie sich im Konkurrenzkampf mit deutlich attraktiveren anderen Mädchen chancenlos wähnte... Also begann sie - unbeachtet von den anderen - ihr - ehrlich gesagt - eher langweiliges Spiegelbild zu betrachten, schnitt Fratzen und versuchte so unnahbar auszusehen wie möglich.

Aber da täuschte sie sich. Auf einmal merkte sie im Spiegel, dass ich sie beobachtete. Einer kurze Beschämung wich der Überraschung, als sie sah dass ich den I-Like-Daumen nachdrücklich nach oben hielt. Dann nach einer kurzen Pause wies ich sie auf mein Spiegelbild hin, das sie auch prompt mit einem Thumb-Up bedachte. Wir lachten beide prustend los. Was sowohl meine Frau als auch ihreTisch-Runde aus d
er Vertiefung riss. In der Annahme, sie hätten etwas versäumt, schauten sie die jeweiligen Lacher an. Aber die behielten ihr "Geheimnis" für sich.
Als die Teenies wieder zurück in Richtung Gymnasium gingen. Zwinkerte die, die mit mir ihr Spiegelbild getauscht hatte, verwegen zu.
Eine 16jährige zwinkert einem 68jährigen zu. Geht doch! We made our day...

Donnerstag, 1. Juni 2017

Natur-Schutz

Heute mal ein wenig Blasphemie - bevor die USA möglicherweise das Pariser Umwelt-Abkommen einseitig aufkündigen.

Der Natur-Schutz ist ja viel zu spät zu einer Art heiligen Mission geworden. Was wieder einmal zeigt, wie hochmütig und arrogant sich das Menschlein über alles auf der Erde stellt. Wer schützt diese einfallsreiche Spezies eigentlich davor, dass die Natur zurück schlägt? Wenn die TV-Doku von National Geographic nur von halbwegs gesicherten Prognosen bestimmt wurde, dann hat sich ein halbes Jahrhundert nach dem Aussterben der Menschen, die Natur bereits den größten Teil der menschlichen Errungenschaften zurück erobert.

Wenn beispielsweise die Riesen-Caldera unter dem Yellowstone explodiert, was nachgerade täglich passieren könnte, dann hätte das ganze Gejammer über Gen-Mais und Bienen-Sterben gar nichts genutzt. Nur die Tiere der Tiefsee, die zum Beispiel teilweise sogar in vulkanisch erhitztem Wasser gedeihen, hätten eventuell eine Überlebens-Chance. Dann ginge die Evolution wieder von den Tieren im Meer aus. Wann sich die ersten wieder an Land begeben können, hinge einmal mehr von Äonen ab.. Ob sich dann noch mal Menschen entwickeln, die vielleicht vernünftiger sind, als ihre untergegangene, allwissende Spezies, ist ein interessantes Denkmodell.

Ich finde die Frage, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen wollen ebenso interesseant. Vor allem wenn es darum ginge, ob wir uns nicht eigentlich vor der Rache der Natur schützen müssten.

Hier im Tal fahren wir beinahe täglich an einer einst stolzen Winzerei vorbei. Vor Jahren hat angeblich der Erbe von Rocca San Nicolao krumme Dinger gedreht. Der edle Wein, dem wir gerne zugesprochen hatten, verschwand, weil das Weingut unter Kuratel des Staates gestellt wurde. Bis Gläubiger etwas davon bekommen, dauert es. Das haben wir hier schon öfter erlebt.

Allenfalls erbarmt sich jemand, die Stöcke zu beschneiden, aber damit hat sichs auch meistens. Den Rest holt sich jetzt die Natur nach und nach zurück. In den Asphalt-Spalten wurzelt allerlei Hartnäckiges. Die Auffahrt begrünt sich nach und nach wieder selbst, und manche Fester erinnern an Dornröschen



Da ist der Kampf gegen die Macht der Natur auf unserer Piazza noch harmlos. Die Fürsorglichste aller Ehefrauen liebt Buchsbäume, die sie umsichtig zu ebenmäßigen Kugeln beschneidet. In unseren Gärten in München stand gemessen am Markt-Preis ein Vermögen fest verwurzelt. Aber aus Sentimentalität haben wir ein halbes Dutzend nach hier mitgenommen und über die Terrasse und beim Hauseingang postiert. Anderthalb Jahrzehnte hielten sie durch, wuchsen und gediehen, dann schlug erst das Wetter zu. So geschwächt waren sie in der Folge ein gefundenes Fressen für den Hauptfeind aller Buchsbäume - den Buchsbaum-Zünsler.


Dessen Eroberungs-Feldzug ist beispielhaft für Schäden der Globalisierung. Abgesehen davon, dass Buchsbäume in Ligurien eher Friedhofs-Pflanzen sind, gab es hier oben gar keine. Unsere waren wohl die einzigen auf der Burg. Also wie hat der Zünsler, eine Art Motte, von unseren Kugeln erfahren?

Wie viele andere Schädlinge hat er innerhalb eines guten Jahrzehntes sein "Netzwerk" von nach Nordeuropa transportierten Pflanzen aus Ostasien über die Alpen hinweg nach Nord-Italien und dann auch noch weiter südlich ausgebreitet. Die nimmersatten Zünsler-Raupen sind Leckerschmecker. Nur die grünen Teile des Buchses sind ihnen recht. Die Fürsorgliche will wenigstens die beiden Wächter an unserer Haustür durch radikales Zurückschneiden retten. Aber mit der Gartenschere in  den Händen und der Sprühflasche zwischen den Zähnen wirkt sie irgendwie wie das "letzte Kommando".

Während ich sie unten auf der Piazza fluchen höre, lese ich im Internet, dass der "Italienische Wolf" sich rapide über den gesamten Ligurischen Appenin ausbreitet, weil sich die einst fast ausgestorbenen hiesigen Wildschweine mit nordeuropäischen gekreuzt dank der überall eingerichteten Sanktuarien vermehren wie die Karnickel. Rom hat jetzt das gleiche Wildschein-Problem wie Berlin.

Angeblich ist diese Mischrasse schon mit sechs Monaten fortpflanzungsfähig. Luftlinie von der Burg ein Kilometer nach Osten haben wir ja auch so eine Schutz-Zone. Den Pfad, den ich früher gerne beschritt, meide ich, seit mir eine dort oben lebende Nachbarin erzählte, dass sie eine unheimliche Begegnung mit einer Bache und ihren Frischlingen hatte...