Ja, wenn das mit dem Italienisch so einfach wäre! Viele Begriffe ergeben isoliert betrachtet einfach einen Sinn. Aber nur für die, die einem Wörterbuch (und keinesfalls dem Google-Übersetzer) vertrauen...
Nähmen wir also die beiden Substantive aus der Überschrift so, wie sie dort stehen, dann sind das eben:
Vorfahrt und Vorrang.
Aber weil die italienischen Autofahrer, respektive die ligurischen, eben die Feinheit ihrer Sprache besser beherrschen als die Verkehrsregeln, kommt der Deutsche Verkehrsteilnehmer immer wieder in Bredouille. Hier hat nämlich jeder Begriff noch eine verkehrstechnische Auslegung, die vom täglichen Umgang mit ihm und von der Sprache des Herzens - oder präziser - dem Temperament geprägt wird.
Zunächst die Ungeduld der Herzen:
Motorrad-Fahrer, Motorini, Rollerfahrer - mögen sie PSmäßig noch so minderbemittelt sein - dulden durchgehende, sich langsamer bewegende Schlangen von Autos nicht. Selbst wenn sie sich nicht nur auf der eigenen, sondern gleichzeitig auch auf der Seite des Gegenverkehrs bilden. Da müssen sie einfach durch, und da lassen sie sich auch nicht von den die vielen blumengeschmückten Gedenktafeln und Kreuzen am Straßenrand stören.
Säßen sie nicht auf dem Bock, sondern im Auto, fände leider kein Umdenken statt. In ihren Herzen ist die Vorfahrt nämlich vorrangig programmiert.
Das wird deutlich, wenn unsere Gastgeber sich eher ungewollt vom Autofahrer, Motorino-Matador, selbst von einem Ciclista in einen Pedone, einen Fußgänger, verwandeln. Sich selber kennend misstrauen sie dann automatisch nicht nur den Schildern "precedenca ai pedoni", sondern auch Fußgänger-Ampeln und Zebrastreifen - striscie. Italien ist tatsächlich das einzige Land auf der Welt, in dem sich Fußgänger dafür bedanken, dass man als Autofahrer vor dem Zebrastreifen hält und nicht versucht, sie über den Haufen zu fahren.
Seit eineinhalb Jahrzehnten versuche ich nun heraus zu finden, ob die Gewichtung von Vorfahrt und Vorrang nicht am Ende von den Genen bestimmt wird, wie das Einhalten von Verkehrsregeln generell. Vielleicht haben wir ja die vielen Hinweise auf der Autobahn über die drohenden Verluste von Punkten (insgesamt gibt es zwölf, die sich nach und nach gen Null zum Führerschein-Entzug reduzieren) nur missverstanden, und es ist wie bei den zehn Geboten, die zwar einleuchten, aber in Ermangelung eines direkten Schmetter-Blitzes vom lieben Gott doch eher als Kann-Regeln missverstanden und daher so oft gebrochen werden...
Also hier ein Beispiel:
Im Tal-Ort gibt es wegen einer Verengung eine Ampel, die vermeidet, dass es Gegenverkehr gibt. Da freut man sich - zumal die Sekunden der Durchfahrt-Dauer digital angezeigt werden - wenn man Grün hat und beschleunigt. Kurz vor der Ampel gibt es jedoch eine Zufahrt, die natürlich keine "precedenza" hat -Wenn man nicht Einheimischer ist und nur die leere Lücke zwischen dem Halte-Strich und der Ampel sieht. Dann gibt man auf gut Glück auch Gas.
Also ich - reaktionsschnell in die Eisen und dem Giovane fast in die Seite. Doch anstatt sich zu freuen, dass er vor einem mächtigen Schaden und Punktverlusten wegen Missachtung der Vorfahrt bewahrt wurde, bremst der Kerl nach seinem Powerslide und brüllt durchs offen Fenster:"
Inserisci la patente da voi vecchio pazzo!!!"
Gib deinen Führerschein ab - du alter Trottel!
Montag, 8. September 2014
Samstag, 6. September 2014
Francobolli
Als sich Ende der 1960er abzeichnete, dass aus der Urlaubsbekanntschaft meiner kleineren Schwester ein Schwager werden würde, der für nachhaltige "italienische Momente" in unserer Familie sorgen sollte, beeilte ich mich zu den italienischen Gesten, die ich ihm bereits abgeguckt hatte, auch ein paar Brocken der Sprache zu lernen.
Damals hießen die dritten TV-Programme der ARD noch Studienkanäle. Neben "Cordialmente da Italia" gab es auch einen Sprachkurs mit einer hinreißenden donna matura, die den Sexappeal der unvergessenen Schauspielerin Anna Magnani ausstrahlte . Es ist anzunehmen, dass meine spätpubertären Sinne eher durch sie angeregt wurden, als durch die Sätze, die sie via Flimmerkiste beibrachte.
Einer ist dennoch wegen seiner Unsinnigkeit in meinem Gedächtnis geblieben:
"Il gatto di signor Borgo ha mangiato il francobollo della signora Bianca."
Was immer den Kater von Herrn Borgo dazu gebracht hatte, die Briefmarke von Frau Bianca zu fressen - keiner konnte damals ahnen, dass Briefmarken dereinst in ein vorfossiles Stadium übergehen würden.
In Zeiten von e-mails, SMS, Twitter und sonstigen Kommunikations-Methoden befinden sich Briefmarken eindeutig auf dem Rückzug; gerade im "telefoninosierten" Italien. Da Postämter immer rarer werden, gibt es nur wenige Verkaufsstellen und noch weniger Käufer...
Nur eine kleine deutsche Frau in einem abgelegenen Wehrdorf besteht noch hartnäckig darauf, frankierte Postkarten und Briefe in alle Welt zu verschicken:
Der kluge Leser wird es erraten haben, es handelt sich dabei um die "Zweitbeste Ehefrau von allen", die immer fleißiger an ihrem Ruf als "ungekrönte Königin des Vergessens" arbeitet. Ich liebe zwar ihren Traditionalismus, aber manchmal geht sie mir damit ganz schön auf den Zeiger und strapaziert meine Langmut. Was ich einfach nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass diese Frau, die noch vor ein paar Jahren mit Computer-Programmen, die ich nie verstanden habe, Finanzbuchhaltung, Löhne, Gehälter und Abschlüsse unserer Firma bearbeiten konnte, zu einer derartigen Elektronik-Verweigerin werden konnte. Selbst ihr mit Strass geschmücktes Uralt-Handy wird bereits von einschlägigen Museen als begehrenswertes Sammlerstück beäugt.
Letzte Woche jedenfalls trieb sie das Thema Briefmarke auf die Spitze. Weil sie sich darüber aufgeregt hatte, dass die Damen hinter dem Schalter immer so langsam sind, ist sie dazu übergegangen Briefmarken auf Vorrat zu kaufen...
Und plötzlich war dieser verschwunden. Sie ließ mich hautnah an diesem Drama teilhaben. Anfangs machte ich mir sogar die Mühe, auch darüber nachzudenken, wo sie sie verwahrt haben könnte. Wir haben nicht weniger als zwei Dutzend Möglichkeiten in Erwägung gezogen, Schließlich riet ich ihr, ihre Tasche, die sich schon mehrfach als Bermuda-Dreieck für Unauffindbares erwiesen hatte, gänzlich umzustülpen. Was sie natürlich verweigerte, weil es Tage gedauert hätte, sie wieder einzuräumen...
Gestern bin ich dann - während sie im Postamt einen neuen Vorrat kaufte - auf die Idee gekommen, mit geschlossenen Augen ihr postalisches Verhalten des in Frage kommenden Zeitraums zu rekapitulieren:
Einen wichtigen, frankierten Brief hatte ich im Tal persönlich eingeworfen, dann erinnerte ich mich, dass sie mindestens dreimal mit einem Packen Briefe über die Piazza zu unserem Dorf-Briefkasten gegangen war. Auch hatte sie später noch zwei Postkarten mit Geburtstagsgrüßen eingeworfen.
Dann kam sie von der Post mit den Marken in der Hand zurück und verstaute sie mit mir als Zeugen - eigentlich wie immer - in ihrer Brieftasche.
Frage: Wie viele Briefmarken kaufst du eigentlich immer?
Antwort: Immer für einen 10-Euro-Schein.
Frage: Könnte es dann nicht sein, dass du den letzten Vorrat nicht verlegt, sondern verbraucht hast?
Ich zählte ihr noch einmal die Stationen auf, die ich aus dem Gedächtnis rekapituliert hatte, und freute mich über das Leuchten der Erkenntnis in ihren Augen. Dann sprang sie aus dem Auto und steuerte erneut auf das Postamt zu.
Frage: Was ist denn nun schon wieder?
Antwort: Ich muss noch mehr Marken kaufen. Ich weiß doch, dass du in deinem doofen Blog gleich wieder Gemeinheiten über meine Vergesslichkeit schreiben wirst. Da muss ich meinen Freundinnen doch schreiben, dass sie das bloß nicht glauben sollen....
Damals hießen die dritten TV-Programme der ARD noch Studienkanäle. Neben "Cordialmente da Italia" gab es auch einen Sprachkurs mit einer hinreißenden donna matura, die den Sexappeal der unvergessenen Schauspielerin Anna Magnani ausstrahlte . Es ist anzunehmen, dass meine spätpubertären Sinne eher durch sie angeregt wurden, als durch die Sätze, die sie via Flimmerkiste beibrachte.
Einer ist dennoch wegen seiner Unsinnigkeit in meinem Gedächtnis geblieben:
"Il gatto di signor Borgo ha mangiato il francobollo della signora Bianca."
Was immer den Kater von Herrn Borgo dazu gebracht hatte, die Briefmarke von Frau Bianca zu fressen - keiner konnte damals ahnen, dass Briefmarken dereinst in ein vorfossiles Stadium übergehen würden.
In Zeiten von e-mails, SMS, Twitter und sonstigen Kommunikations-Methoden befinden sich Briefmarken eindeutig auf dem Rückzug; gerade im "telefoninosierten" Italien. Da Postämter immer rarer werden, gibt es nur wenige Verkaufsstellen und noch weniger Käufer...
Nur eine kleine deutsche Frau in einem abgelegenen Wehrdorf besteht noch hartnäckig darauf, frankierte Postkarten und Briefe in alle Welt zu verschicken:
Der kluge Leser wird es erraten haben, es handelt sich dabei um die "Zweitbeste Ehefrau von allen", die immer fleißiger an ihrem Ruf als "ungekrönte Königin des Vergessens" arbeitet. Ich liebe zwar ihren Traditionalismus, aber manchmal geht sie mir damit ganz schön auf den Zeiger und strapaziert meine Langmut. Was ich einfach nicht verstehen kann, ist die Tatsache, dass diese Frau, die noch vor ein paar Jahren mit Computer-Programmen, die ich nie verstanden habe, Finanzbuchhaltung, Löhne, Gehälter und Abschlüsse unserer Firma bearbeiten konnte, zu einer derartigen Elektronik-Verweigerin werden konnte. Selbst ihr mit Strass geschmücktes Uralt-Handy wird bereits von einschlägigen Museen als begehrenswertes Sammlerstück beäugt.
Letzte Woche jedenfalls trieb sie das Thema Briefmarke auf die Spitze. Weil sie sich darüber aufgeregt hatte, dass die Damen hinter dem Schalter immer so langsam sind, ist sie dazu übergegangen Briefmarken auf Vorrat zu kaufen...
Und plötzlich war dieser verschwunden. Sie ließ mich hautnah an diesem Drama teilhaben. Anfangs machte ich mir sogar die Mühe, auch darüber nachzudenken, wo sie sie verwahrt haben könnte. Wir haben nicht weniger als zwei Dutzend Möglichkeiten in Erwägung gezogen, Schließlich riet ich ihr, ihre Tasche, die sich schon mehrfach als Bermuda-Dreieck für Unauffindbares erwiesen hatte, gänzlich umzustülpen. Was sie natürlich verweigerte, weil es Tage gedauert hätte, sie wieder einzuräumen...
Gestern bin ich dann - während sie im Postamt einen neuen Vorrat kaufte - auf die Idee gekommen, mit geschlossenen Augen ihr postalisches Verhalten des in Frage kommenden Zeitraums zu rekapitulieren:
Einen wichtigen, frankierten Brief hatte ich im Tal persönlich eingeworfen, dann erinnerte ich mich, dass sie mindestens dreimal mit einem Packen Briefe über die Piazza zu unserem Dorf-Briefkasten gegangen war. Auch hatte sie später noch zwei Postkarten mit Geburtstagsgrüßen eingeworfen.
Dann kam sie von der Post mit den Marken in der Hand zurück und verstaute sie mit mir als Zeugen - eigentlich wie immer - in ihrer Brieftasche.
Frage: Wie viele Briefmarken kaufst du eigentlich immer?
Antwort: Immer für einen 10-Euro-Schein.
Frage: Könnte es dann nicht sein, dass du den letzten Vorrat nicht verlegt, sondern verbraucht hast?
Ich zählte ihr noch einmal die Stationen auf, die ich aus dem Gedächtnis rekapituliert hatte, und freute mich über das Leuchten der Erkenntnis in ihren Augen. Dann sprang sie aus dem Auto und steuerte erneut auf das Postamt zu.
Frage: Was ist denn nun schon wieder?
Antwort: Ich muss noch mehr Marken kaufen. Ich weiß doch, dass du in deinem doofen Blog gleich wieder Gemeinheiten über meine Vergesslichkeit schreiben wirst. Da muss ich meinen Freundinnen doch schreiben, dass sie das bloß nicht glauben sollen....
Mittwoch, 3. September 2014
Avanti!!!
Zeit meines Lebens als Wärter meines privaten Menschenzoos aber auch als Reporter des Unnützen passierte mir immer das selbe, wenn ich mit Menschen zusammen kam, die das Ideal übertrafen. Ich meine jetzt Menschen, die die ohnehin schon nicht glaubhaften Darstellungen in Romanen, Filmen oder im Fernsehen an Güte in der Realität noch übertreffen... Immer dann muss ich nämlich verstohlen mit Tränen kämpfen Vermutlich aus zweierlei Gründen: Weil mir erstens klar wird, wie weit ich von meinen eigenen Ansprüchen an mich unüberbrückbar entfernt bin. Und zweitens, weil mir auch beim professionellen Nachhaken nicht klar wird, wie es diese mustergültigen Menschen schaffen, dauerhaft so zu sein, wie sie sind.
Unsere Dottoressa hier ist so ein Mensch. Nicht, dass wir permanent bei ihr im Wartezimmer säßen. Ich zum Beispiel war seit dem Infarkt der "Zweitbesten" nicht mehr in ihrer Praxis. Was mich aber zusammen mit anderen Berichten über sie dennoch befähigt, ein Urteil über ihr Gemüt abzugeben. Das unterliegt offenbar keinerlei Schwankungen , obwohl wir erfuhren, was sie zwischenzeitlich hat durchmachen müssen...
Das Kommando "avanti!", das je nach Betonung "vorwärts marsch!", "na los!", "mach schon!" oder wie in ihrem Falle "der Nächste bitte!" bedeuten kann, kommt bei ihr mit einem heiteren Gluckser aus der Kehle. Das zeigt zweierlei: Sie freut sich auf den Nächsten, selbst wenn er oder sie ihre Dienste unbekannter Weise zum erst Mal in Anspruch nähme. Zweitens - egal wie voll ihr Wartezimmer ist, lässt sie sich nicht stressen. Sogar wenn ihr Schwager, der als Sprechstundenhilfe wirkt, mal wieder mit dem Computer-Programm durcheinander gekommen ist. Sie ist kaum jünger als wir, müsste eigentlich schon deshalb unter Dauerstress leiden, aber schafft es dennoch mit ihrer Empathie alles in allgemeine Sympathie zu verwandeln.
Sie nimmt sich nicht nur Zeit, sondern geht auf den Menschen im Patienten ein, was wir in Deutschland ja eigentlich gar nicht mehr kennen. Gerade haben die niedergelassenen deutschen Ärzte ja ein Milliarden-Paket beansprucht - für ihr "der Nächste bitte!". Da treibt es uns die Schamröte ins Gesicht, wenn wir wissen, was La Dottoressa einmalig im Jahr dafür bekommt, dass wir in ihrem Patienten-Stamm sind - egal, wie oft wir sie aufsuchen.
Diesen Patienten-Stamm hat sie bei 1.300 Personen gedeckelt, aber zum Urlaub kommt sie im Juli-August-September. dennoch nie.
"Da kommen ja meine ganzen deutschen Patienten. Die brauchen mich doch!" Aber nicht nur die. Sie macht natürlich auch Vertretung für ihre italienischen Kollegen, die wie selbstverständlich ihre Praxen Ferragosto dicht machen.
Dann passiert es schon ein, zwei mal, während man bei ihr sitzt, dass sie sich noch am Telefon geduldig Patienten anhört, deren betreuende Ärzte bereits aus dem Urlaub zurück sind. Sie ist in ihrer Ruhe einfach nicht zu erschüttern, obwohl sie sich zwischenzeitlich von lieblich rundlichen 90 Kilo auf 65 reduziert hat. Ich wäre da nur noch ein Nervenbündel. Sie ist heiter, charmant und mit der kessen Berliner Schnauze auch einmalig witzig. Übrigens hat sie zum Abnehmen einfach nur die Stress-Schokolade nach der Pflege ihres tödlich erkrankten italienischen Ehemanns weg gelassen.
Hätte ich nicht die "Zweitbeste" - ich würde ihr einen Antrag machen. Aber sie würde mich ja ohnehin nicht wollen. Ich bin ja viel zu wenig stressig!
Unsere Dottoressa hier ist so ein Mensch. Nicht, dass wir permanent bei ihr im Wartezimmer säßen. Ich zum Beispiel war seit dem Infarkt der "Zweitbesten" nicht mehr in ihrer Praxis. Was mich aber zusammen mit anderen Berichten über sie dennoch befähigt, ein Urteil über ihr Gemüt abzugeben. Das unterliegt offenbar keinerlei Schwankungen , obwohl wir erfuhren, was sie zwischenzeitlich hat durchmachen müssen...
Das Kommando "avanti!", das je nach Betonung "vorwärts marsch!", "na los!", "mach schon!" oder wie in ihrem Falle "der Nächste bitte!" bedeuten kann, kommt bei ihr mit einem heiteren Gluckser aus der Kehle. Das zeigt zweierlei: Sie freut sich auf den Nächsten, selbst wenn er oder sie ihre Dienste unbekannter Weise zum erst Mal in Anspruch nähme. Zweitens - egal wie voll ihr Wartezimmer ist, lässt sie sich nicht stressen. Sogar wenn ihr Schwager, der als Sprechstundenhilfe wirkt, mal wieder mit dem Computer-Programm durcheinander gekommen ist. Sie ist kaum jünger als wir, müsste eigentlich schon deshalb unter Dauerstress leiden, aber schafft es dennoch mit ihrer Empathie alles in allgemeine Sympathie zu verwandeln.
Sie nimmt sich nicht nur Zeit, sondern geht auf den Menschen im Patienten ein, was wir in Deutschland ja eigentlich gar nicht mehr kennen. Gerade haben die niedergelassenen deutschen Ärzte ja ein Milliarden-Paket beansprucht - für ihr "der Nächste bitte!". Da treibt es uns die Schamröte ins Gesicht, wenn wir wissen, was La Dottoressa einmalig im Jahr dafür bekommt, dass wir in ihrem Patienten-Stamm sind - egal, wie oft wir sie aufsuchen.
Diesen Patienten-Stamm hat sie bei 1.300 Personen gedeckelt, aber zum Urlaub kommt sie im Juli-August-September. dennoch nie.
"Da kommen ja meine ganzen deutschen Patienten. Die brauchen mich doch!" Aber nicht nur die. Sie macht natürlich auch Vertretung für ihre italienischen Kollegen, die wie selbstverständlich ihre Praxen Ferragosto dicht machen.
Dann passiert es schon ein, zwei mal, während man bei ihr sitzt, dass sie sich noch am Telefon geduldig Patienten anhört, deren betreuende Ärzte bereits aus dem Urlaub zurück sind. Sie ist in ihrer Ruhe einfach nicht zu erschüttern, obwohl sie sich zwischenzeitlich von lieblich rundlichen 90 Kilo auf 65 reduziert hat. Ich wäre da nur noch ein Nervenbündel. Sie ist heiter, charmant und mit der kessen Berliner Schnauze auch einmalig witzig. Übrigens hat sie zum Abnehmen einfach nur die Stress-Schokolade nach der Pflege ihres tödlich erkrankten italienischen Ehemanns weg gelassen.
Hätte ich nicht die "Zweitbeste" - ich würde ihr einen Antrag machen. Aber sie würde mich ja ohnehin nicht wollen. Ich bin ja viel zu wenig stressig!
Sonntag, 31. August 2014
Alles eine Frage der Perspektive
Morgen - so sagen die Meteorologen - ist Herbst-Anfang. Vielleicht sollten sich die Wetterfrösche wieder daran gewöhnen, dem kalendarischen den Vorzug zu geben. Denn hier steht die erste Septemberwoche, voll im Zeichen des Sommers. Die Vorhersage sieht Temperaturen vor, wie sie der gesamte August und auch der Juli nur teilweise bereit gehalten haben.
Unseren Gastgebern, aber auch den Deutschen im Schluss-Spurt der Ferien kommt das gerade recht, denn traditionell ist ja dieses Wochenende der Höhepunkt der Ferragosto-Riten. Was bedeutet, dass der Italiener per se und seine europäischen Epigonen im dolce far niente sich in eingeölte Sardinen verwandeln und nur dann zufrieden sind, wenn sie alsbald Hüfte an Hüfte mit wildfremden, triefenden Mitmenschen auf lettini unter Sonnenschirmen zu horrenden Mietpreisen schwitzen. Nicht ohne sich zuvor noch bei den wenigen Parkplätzen auf Goldpreis-Niveau abzocken zu lassen...
Gerade noch mit den Bildern von den Vertriebenen und Ausgebombten in Syrien, im Gaza sowie dem Irak beschäftigt, wo Menschen unfreiwillig solche Enge ertragen müssen, denkt sich unsereiner - privilegiert und vielleicht auch ein wenig hochnäsige - gut, dass uns dieser Zwang am Strand erspart bleibt...
Pustekuchen! Just an diesem denkwürdigen Tag ruft Alborello an, - der Socio, der sich um mein Fischerboot kümmert, das bald genauso betagt ist wie ich,. Nach dreimonatiger Beschaffung von winzig kleinen Ersatzteilen wäre jetzt endlich die Probefahrt zur Reparatur-Abnahme möglich. Zum Boot zu kommen, ist da ja noch leicht, denn wir dürfen für kurze Zeit auf der Mole parken. Aber eine kurze Zeit ist für die "Zweitbeste" ja immer noch zu lang. Sie geht lieber durch die Marktstände der anstehenden Sagra di San Lorenzo und vergisst die Zeit. - Was ja nicht so schlimm wäre, wenn sie ihr Handy dabei hätte.
Jedenfalls muss ich meinen gesicherten Parkplatz verlassen, ehe die Carabinieri mir und dem geduldigen Hafenmeister Ärger machen. Weit und breit kein regulärer Parkplatz in Sicht. Ich rufe die "Zweitbeste" an, lande auf der Mailbox und drehe eine Runde um den alten Ortskern. Da ahne ich noch nicht, dass das eine Never Ending Story werden sollte.
Es ist heiß. Alborello, und ich hatten auf dem Meer gerade noch darüber schwadroniert, wie angenehm der Nachtschlaf in diesem August gewesen sein, und was doch die Feriengäste für ein Pech mit dem Wetter gehabt hätten. Früher als sonst seien aber dadurch jetzt schon die Fische da. Vier Lampuge und neun Naselli habe er am frühen Morgen gefangen.
Ich wäre jetzt schon froh, wenn ich nur einen ganz klitzeklitze kleinen Parkplatz ergattern könnte. Bei der neunten Runde und nach dem zwanzigsten vergeblichen Anruf wird mir langsam klar: Die Königin des Vergessens hat ihr Handy nicht dabei und wohl obendrein mit irgendeiner zufällig getroffenen Bekannten die Zeit verratscht.
Ganz hinten - fast schon in der Nachbargemeinde - ergattere ich nach beinahe zwei Stunden an einem staubigen Bauzaun einen gebührenpflichtigen Parkplatz und mache mich in der Gluthitze des August-Nachmittags auf zu unserer Lieblingsbar (offseason versteht sich!). Ich finde sie zunächst nicht. Im Herbst stehen am Strand ein paar Schirme, aber die Terrasse ist voll belegt. Jetzt sitze ich dort allein. Die "Zweitbeste" ist nicht da. Irgendwo da vorne müsste eigentlich das Meer sein, wenn man es sähe. Aber das geht bei voll besetzten Fünfer-Reihen unter aufgespannten Sonnenschirmen rund um die Bucht nicht.
Ich habe noch Alborellos Mitgefühl mit den armen Feriengästen im Ohr: Wann sollte man sie mehr bedauern? Bei schlechtem Wetter oder im tausendfach geteilten Hochsommer?
Es ist alles eine Frage der Betrachtungsweise oder gar der Perspektive.
Heute bei unserem Stamm-Restaurant am alten Hafen von Oneglia weht durch die Arkaden eine angenehme Brise, und es flanieren vor allem junge Paare mit Kleinkindern, die in der Hitze vielleicht quengelig würden. Die Atmosphäre ist heiter und entspannt - wie in einem italienischen Film der fünfziger Jahre. Beim Servieren ist so wenig los, das wir unseren Stamm-Ober sofort vermissen. Einen mehrsprachigen Bullen vom Typ Türsteher, den wir für das Urbild eines Italo-Machos gehalten haben...
Vom Padrone hören wir, dass er sich bis Dezember abgemeldet habe: Wegen eines humanitären Freiwilligen-Einsatzes in Afghanistan. Der dort nämlich Gebürtige hilft, am Hindukusch Zerstörtes wieder aufzubauen.
Wir werden ihn beim nächsten Mal mit ganz anderen Augen aus einer vollkommen neuen Perspektive betrachten. Ist eben alles eine Frage der Perspektive...
Donnerstag, 28. August 2014
"Hummage" an ein Krustentier
Mit Bildern auf Bestellung halte ich es genauso wie mit Witze Erzählen auf Kommando: Ich mag es einfach nicht, und es müssen schon die besten Freunde sein, wenn ich dann doch mal nachgebe. Die neapolitanisch-deutsche Nachbarin Petronella, die zum Geburtstag immer mal wieder ein Bild nach meinem Gusto gemalt bekommt, lag mir seit Jahren in den Ohren, sie hätte gerne für ihre Küche endlich einen Hummer auf schwarzem Grund.
Den hat sie jetzt bekommen, weil sie mein schlechtes Gewissen gegenüber diesem Krustentier kennt. Ihr seht es jetzt hier anstelle des sonstigen Aquarells, damit ich meine Schuld als einer der größten Fressfeinde des Hummers wieder ein wenig abtragen kann.
Mein Lebenslauf ist geprägt von schier unglaublichen Hummer-Orgien und einem permanent wachsenden Bedürfnis nach Ausgleich. Deshalb habe ich schon vor langer Zeit damit begonnen, für jedes Tier, das ich verzehrte, eines zu malen. Das begann allerdings erst in dem Jahr, in dem ich versucht hatte, in meinem Garten-Teich australische Süßwasser-Hummer anzusiedeln. Das waren wirklich niedliche Exemplare von denen eines dreimal soviel kostete wie ein für den Verzehr bestimmtes Tier. Leider konnte ich da nicht ahnen, dass das Entenpärchen, das jedes Jahr seinen Nachwuchs in unserem Garten aufzog, meine Leidenschaft für diese Krustentiere teilte. Ehe ich mich versah, verschmatzten sie die armen Tierchen und verfütterten sie auch an ihren Nachwuchs.
Die zweite tragische Begebenheit traf meinen Vater, der bei einem von mir zubereiteten Weihnachtsessen beinahe an einem Hummerstück erstickt wäre, dass die Internationale der Krustentiere eigentlich als Rache für mich vorgesehen hatte. Schon deshalb malte ich fortan jedes Hummerbild ("Hummagen" als Hommage) mit besonderer Demut und verteilte sie auch weltweit, in der Hoffnung ungestraft davon zu kommen.
Bei den Simpsons gibt es eine Folge, in der Homer unter Tränen aber mit großem Genuss einen lieb gewonnenen Hummer verspeist. Da erkenne ich schon ein paar Parallelen. Mir tat es auch jedes Mal leid, wenn ich die Tiere kopfüber ins kochende Wasser warf. Es wäre aber gelogen, wen ich das als Grund aufführte, sie selbst nicht mehr zu zu bereiten. Der wahre Grund ist, dass die Internationale doch noch einen Weg gefunden hat, sich an mir zu rächen: Durch Gicht-Anfälle und Nierensteine aufgrund des Purin-Gehaltes von Hummerfleisch...
Aber ich bin ja auch nicht alleine Schuld gewesen (das behaupten Unholde immer). Es gab auch diese verführerischen Momente, gegen die man sich nicht wehren konnte:
Auf Valencia Island in Irland waren meine Frau, meine Schwiegermutter und ich einmal wegen anhaltenden schlechten Wetters (!?) die einzigen Gäste in einem Grandhotel. Wir hatten mit Abendessen gebucht. Ob wir etwas dagegen hätten wenn als "Catch of the Day" ohne Aufpreis Lobster serviert würde? Und dann kam für uns drei ein Ungetüm an den Tisch, dessen Zangen alleine schon Fleisch eines Kilo-Hummers hatten.
Auf Rodrigues im Indischen Ozean gibt es im Korallen-Shelf einen hüfthohen Kanal, aus denen bei Ebbe die lizenzierten Fischer quasi die Hummer pflückten, die sie dann auch selbst an Ort und Stelle bis zum ermatteten Abwinken in einer Kokos.Chilly-Sauce zubereiteten und servierten.
Und selbst im noblen Boston konnte ich nicht nein sagen, denn das "Legal Seafood"-Restaurant serviert im Ambiente einer Fischhalle so genannte Lobster-Platters. Fünf pfundschwere, megafrische Hummer mit Baguette und Knoblauchbutter. Allerdings mit der Herausforderung, wenn du zu zweit zwei schaffst, bekommst du eine dritte gratis. Wenn du fünf schaffst, zahlst du gar nichts und kommst auf die Ehrentafel. Auf der standen noch keine deutschen Gäste...Allerdings dürften die Betreiber durch unsere Champagner-Rechnung mit einem blauen Auge davon gekommen sein.
Ich bin da nicht stolz drauf. Vor allem im Rückblick ist mir das jetzt beim Schreiben doch peinlich. Auch wenn ein weiterer Verführer, Alf Ramsey, Lobsterkönig von South Australia, mich mit seinem Spruch bestätigte, den er immer anbrachte, wenn ihn jemand danach fragte, wie er seinen Hummer am liebsten äße:
"The only way I like Lobster is with more Lobster!"
Nach dem Motto werde ich zumindest meine "Hummagen" weiter malen - wenn ich die Viecherl schon nicht mehr essen darf...
Dienstag, 26. August 2014
Komische Wiederholungen
Normaler Weise zappen die "Zweitbeste" und ich sofort weiter, wenn das Werbefernsehen kommt. Seit sich die Sender jedoch offenbar zeitlich mit ihren Unterbrechungen abstimmen, resignieren wir immer häufiger und werden durch die permanenten Wiederholungen der Werbe-Botschaften konditioniert.
Mit komischen Folgen:
Seit da in einem Spot ein junges Pärchen in einem Auto mit gesprochener e-mail-Wiedergabe fährt, hat sich dieser eine Satz in unsere Gehirne gehakt:
"Deine Eltern sind ja auch irgenwie komisch!" Sagt der junge Mann.
Nicht, dass wir uns diesbezüglich hinterfragen, ob wir als Eltern komisch sind. Nein, keiner von uns beiden kann seither noch das Wörtchen "komisch" aussprechen, ohne dass der andere dieses Wort erheblich in die Länge gezogen wiederholt. Ein dümmlicher Wiederholungseffekt, aber lachen tun wir dennoch jedesmal.
Bei mir führt das selbstkritisch zu der Frage, ob wir komisch finden, wenn sich etwas wiederholt, oder ob Wiederholungen uns einfach nur geistig abstumpfen.
Für erstere Überlegung gibt es ja vor allem das Beispiel "Dinner for One", das sich die meisten von uns jedes Jahr an Silvester wieder reinziehen, um immer wieder an den gleichen Stellen zu lachen. In grauer Vorzeit war ich mal ein gefragter Witze-Erzähler, seither muss ich im langjährigen Freundeskreis immer wieder die gleichen Witze vom Huber-Bauern erzählen, damit die sich wie vor vier Jahrzehnten vor Lachen ausschütten können. Nun bin ich mit neuem Repertoire äußerst vorsichtig... Habe aufgehört, der Pausen-Clown zu sein.
Selbst hier auf der Burg ist das Leben eine schier endlose Wiederholung von Vorgängen, die uns erheitern, die wir komisch finden:
Wenn beispielsweise unser Nachbar Vittorio pünktlich über die Piazza schleicht, um die Happy Hour bei seiner ehemaligen Geliebten und immer noch Angebeteten unten in der Bar Girasole zu verbringen. Dabei schmunzeln wir gewiss nicht über den von den Folgen eines Aneurismas betroffenen Freund, sondern über seinen Kater Lazaro, der ihm wie ein Hündchen brav an den Fersen bis zur ersten Stufe der Treppe folgt und da mit einem beleidigten und auch vorwurfsvollen Maunzen sitzen bleibt, bis sein Herrchen außer Sichtweise ist. Seine Maunz-Mimik ist echt komisch!
Don Mario, der letzte aus der Reihe der Hundertjährigen Geschwister, hat auch so ein komisches Ritual. Unter dem Torbogen zum Burgplatz hat er ein Gewölbe, in dem er sein Holz und andere Versorgungsgüter lagert. Das Gewölbe hat kein Schloss. - Nicht etwa weil ich, der von Gott ausgemachte Schlüssel-Dieb, ihn entwendet hätte. Mario hat die Tür schon immer mit einem dicken Faden - als Achten um zwei Nägel gewickelt - sorglos verschlossen. Wenn ich auf der Piazza sitze, dreht er sich verhuscht um, als könne ich die Kombination seines geheimen Safes ausspähen. Wenn er in seiner Remissa alles an seinem Platz gefunden hat, schickt er mir auch heute noch, da sich unser Verhältnis erheblich verbessert hat, einen triumphierenden Blick zu. Gerade dadurch, dass sich das immer auf gleiche Weise wiederholt, finde ich das komisch. Und deshalb schenke ich Mario ein heiteres Lächeln über die Piazza, das er mit einer verschmitzten Burggeist-Grimasse erwidert.
Die "Zweitbeste" und ich können auch davon ausgehen, dass die Zahl von Signora Electras Versuchen, uns nachhaltig für il Signore zu gewinnen, identisch ist mit der zur Zeit nicht endenden Zahl der von ihr überreichten Gurken. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, aber wir würden nicht auf die Idee kommen, uns damit über unsere Nachbarin lustig zu machen, denn Wiederholungen haben eben auch tragische Schatten-Effekte.
Gestern gerade habe ich - quasi als Initial-Zündung für diesen Text - Heinrich August Winklers zweiten Band zur "Geschichte des Westens" zum wiederholten Mal nach kurzem Weiterlesen aus der Hand gelegt. Da vergeht einem jeder Sinn für Komik bei Wiederholungen, denn gerade beweist der Westen zum wiederholten Mal, seine Hilflosigkeit gegenüber Diktatoren, Despoten, Tyrannen und Terroristen. Man könnte meinen, die Abstumpfung bei sich wiederholenden Signalen der Geschichte folge einem höheren Plan. Und das - liebe Leser - ist gar nicht komisch.
Freitag, 22. August 2014
Die "Babylonische Gefangenschaft" in der Ära Google
Als kleiner Junge in der Vor-Lego-Zeit hatte ich wunderschöne Vollholz-Bauklötze, die farbig lackiert waren. Mein Ehrgeiz war es, sie mindestens so hoch aufzutürmen, dass sie meine Körpergröße erreichten: drei Käse hoch also.
Da die Zahl meiner Bauklötze begrenzt war, ersann ich immer neue Fundamente und fragilere Konstruktionen um den Turm höher zu machen. Wann immer aber ich das Ergebnis meiner Baumeister-Tätigkeit stolz meinen Eltern zeigen wollte, konnte ich sicher sein, dass eine meiner um einiges älteren Schwestern aus Versehen dagegen stießen...
Als die alttestamentarische Infiltration der Volksschule beim Turmbau zu Babel anlangte, hatte ich längst kapiert, dass wo einer einen hohen Turm baut, immer auch einer in der Nähe ist, um ihn zum Einsturz zu bringen. Wobei Jehova eben mit der Sprachverwirrung den nachhaltigsten Schaden angerichtet hat.
Schon im toskanischen San Gimignano der Renaissance passierte etwas, das mit Fug und Recht dem Schwanzlängen-Vergleich von Machos gleich gesetzt werden kann: Ich habe den Höheren (Längeren). Ergo bin ich reicher und mächtiger als du!
In New York setzte sich das bis zum Einsturz der WTC-Towers fort, was dann als Willen Allahs mit endlosem Blutvergießen bis heute propagiert wird. Besteht da ein psychologischer Zusammenhang, dass nun mit dem Burj Khalifa in Dubai und dem Mecca Clock Tower Hotel zwei der höchsten Gebäude in diesem Dunstkreis stehen, und mit dem Kingdom Tower im saudiarabischen Dschidda erstmals die 1000m-Marke übertroffen werden soll???
Die Botschaft ist klar: Unser Gott ist viel größer als Eurer, und wir sind viel reicher als alle. Deshalb finanzieren wir auch die IS-Terroristen, auf dass sie einen Gottesstaat von grausamer, mittelalterlicher Realität schaffen.
Wenn zwei wechselseitig die gleiche Sprache des jeweils anderen sprechen, heißt das in diesen Zeiten aber noch lange nicht, dass sie sich auch verstehen müssen - wie der Dialog Merkel-Putin drastisch zeigt.
Aber der Gott, der die Sprachverwirrung auf dieser Welt oder gar unsere "Babylonische Gefangenschaft" beenden könnte, heißt mit Sicherheit auch nicht Google.
Sorry für diesen scheinbar unpassenden Querstrich in meiner Parabel, aber wenn die Computer-Algorithmen des Google-Übersetzers es nicht schaffen, die Hilflosigkeit gegenüber denen, die eine andere Sprache sprechen zu überbrücken, sind wir ja weiter von inobjektiven Dolmetschern aus Fleisch und Blut abhängig. Wir können also niemals ganz sicher sein, dass in Verträgen, Abkommen und Resolutionen nicht ein verhängnisvoller Übersetzungsfehler die Menschheit ins Verderben führt...
Ein Beispiel von der Burg:
Da ich leider immer noch nicht gut genug Italienisch kann, um eine für geschäftliche Abschlüsse hier häufig erforderliche carta bollata aufzusetzen, baue ich mir Texte aus alten vertraglichen Vereinbarungen mit den neuen Fakten zusammen und gebe sie dann in das Übersetzungsprogramm ein. Zur Sicherheit formuliere ich aber das Ganze auch noch mal komplett auf Deutsch. Meine rudimentären Kenntnisse in der Sprache meines Gastgeberlandes lassen das meist nur so lange plausibel erscheinen, wie ich nicht den Fehler mache, den italienischen Text noch einmal zurück ins Deutsche übersetzen zu lassen. Das Deutsch, das dann dabei heraus kommt, lässt mich ahnen, dass das Italienisch ähnlich unverständlich ist. Gott oder Allah oder Google sei Dank, dass es bloß um eine Fassaden-Ausbesserung meiner mittelalterlichen Bruchbude geht. Nicht auszudenken, wenn die NSA meinen zusammen gestückelten Text falsch interpretiert und dadurch hier eine Belagerung des Borgos auslöste.
Na, wenigstens haben die Bürger aller europäischer Nationen hier oben noch nicht mit dem Bauen von Türmen angefangen...
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