Freitag, 29. August 2025

Kein Boom im Borgo

 Die Halbzeit-Bilanz für den Tourismus in Italien vermeldete im Juni bereits ein Rekord-Jahr. Die Gazetten jubelten das Zwischenergebnis sogar als neuen Boom hoch: Italien - so beliebt wie nie. Und wieder stellten Deutsche Reisende mit 59 Prozent Anteil an der Gesamt-Zahl der ausländischen Gäste das Hauptkontingent. Für Urlaub im eigenen Land haben sich mit über 30 Millionen soviel Italiener entschieden wie nie zuvor.

Komisch, nach Jahren komplett ausgebuchter Ferienwohnungen hier im Borgo, war die Hochsaison selbst zum Ferragosto eher ruhig. Dem Vernehmen nach hatte selbst das glamouröse Zelt-Dorf auf den Faschen östlich unserer Mauern auch nicht den enormen Zuspruch wie im Jahr seiner Eröffnung.

Ist Ligurien aus der Mode gekommen? Eher nicht. Die spezifischen Statistiken werden ja erst im Spätherbst erwartet, aber sie fallen vermutlich nicht so aus wie in den vergangenen Jahren.

Mag ja sein, dass im Lauf dieses bewegten Jahres die Geldbeutel lieber verschlossen blieben, aber Statistiken geben ja auch kein klares Bild von jeweiligen, besonderen regionalen Einflüssen. Da hat Rom, die ewige Stadt. heuer eben den Boom gleich mehrfach mit heiligem Geist beflügelt: Heiliges Jahr, Tod des einen, Wahl des anderen Papstes, und dazu noch das katholische Weltjugend-Treffen. - Vielleicht hat es dann für einen Strandurlaub einfach nicht mehr gereicht.

Quelle: katholisch.de
Rom war der Renner 2025
Leo XIV fuhr mit seinem Papa-Mobil
durch 120 000 begeisterte Jugendliche
Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nach meinen persönlichen "Tiefschlägen", die selbst noch durch Kontemplation zur Isolation wurden (im eigenen alten Gemäuer gesteigerte "Eremitage"), genossen wie nie.

Scoppa! Wem gilt der Angriff
auf den Burgfrieden?
Klar, die einheimische, über 300 Lebensjahre zählende Kartenrunde klopfte nach dem Pranzo auch heuer wieder bis zum Cena ihr Scoppa. Ansonsten störte kaum jemand den Burgfrieden. Lag es an der Hitze? Noch nie kreuzten so wenige Bergwanderer unsere Piazza auf dem Weg zum Pizzo.

Nur einmal - wir saßen bei unserer "Happy Hour" mit eiskalten Drinks im Schatten vor unserem Haus - kam eine Großfamilie auf Besichtigungstour und fragte, ob es denn bei uns etwas zu Essen und zu Trinken gäbe. Die haben "Casanna" tatsächlich für eine Trattoria gehalten. Als wir verneinten, rieten sie uns dann unbedingt, Bewirtung doch als Geschäfts-Idee zu verfolgen.

Wenn die wüssten, wie jeglicher Gastronomie hier im Winter die  Bergeinsamkeit den Garaus gemacht hat...

Und obendrein berichtete unsere treue Nachmarin "il Foletto buono" von ihrem ersten Rundgang nach ihrer Ankunft, sie habe noch nie zuvor so viele zum Verkauf stehende Häuser gesehen.
Ich will mal nicht unterstellen, das sei schon ein Erfolg des "agent provocateur", den der Syndaco hier hoch geschickt hat, um mit seinen wilden "Umbau-Arbeiten" die fremden Hausbesitzer zu terrorisieren. Die Anwälte sind schon eingeschaltet.

Fotos: Claus Deutelmoser
Aufgetischt wird auf unserer Piazza nur noch
bei dem mittlerweile legendären Nachbarschaftsessen
"Cena in Piazza"

Mittwoch, 27. August 2025

Das Putin-Trump-Parallelogramm

Wer Mut hat zum Vergleich, könnte auf die Idee kommen, dass sich Trump und Putin im Machtgebaren nicht nur ähneln, sondern auch die selben Ziele verfolgen: Nimm du dir deins, ich nehm' mir meins - und dann scheißen wir auf den Rest der Welt.

Und niemand steht auf, sie an ihrem Trapez-Akt ohne Fangnetz zu hindern!
Wo keine Demokratie mehr ist, hat ein Volk auch keine Macht! Schon gar nicht wenn nur Allmächtige die Waffen haben...

"You dear people don't have to vote anymore!"

Donald Trump ha es ja 2924 im Wahlkampf angekündigt, und es folgt nun "das Schweigen der Lämmer"



 

Montag, 25. August 2025

In die Ferne sehen

Quelle: Wikipedia
Gallileo Gallilei
1564 - 1641
Das Jahrtausend-Genie
in einem Porträt von
Domenico Tintoretto 
(etwa zu Beginn des
 17. Jahrhunderts vollendet)
Am 25. August 1609 stellte Galileo Galilei in Venedig seine Version eines Teleskops vor, dass nicht nur die Erfindung des Jan Lipperley aus den Niederlanden, sondern auch das von Johannes Kepler gefertigte Gerät übertraf. Lipperleys Fernrohr schaffte eine vierfache Vergrößerung, und bei Kepler stand das Gesehene noch auf dem Kopf.

Galileo erkannte schnell, dass er mit gekauften Linsen nicht weiter kommen würde und begann daher, eigene Linsen in unterschiedlicher Stärke selbst zu schleifen. Damit erreichte er im Laufe der Jahre eine bis zu 30fache Vergrößerung!

Quelle für beide Bilder: Museo Galileo


Original-Teleskop von Galileo, bestehend aus einem Hauptrohr mit separaten Gehäusen an beiden Enden für Objektiv und Okular. Das Rohr besteht aus zusammengefügten Holzleisten. Es ist mit rotem Leder (das im Laufe der Zeit braun geworden ist) und Goldprägung überzogen. Das plankonvexe Objektiv (mit der konvexen Seite nach außen) hat einen Durchmesser von 37 mm, eine Öffnung von 15 mm, eine Brennweite von 980 mm und eine Dicke in der Mitte von 2,0 mm. Zitat aus dem virtuellen Museumsführer.

Freitag, 22. August 2025

Die andere Öl-Krise

 Als wir vorgestern bei unserer Schweizer Freundin zum Abendessen eingeladen waren, gab es zum Wein vorab so pralle Oliven, wie wir sie in dieser Qualität schon einige Zeit von den Erzeugern hier oben nicht mehr kosten durften.

Im vergangenen Jahr hätten ihre Bäume so getragen wie nie zuvor, erzählte sie uns, aber für heuer sähe sie schwarz. Es seien so wenige Früchte zu sehen, als hätten sich die Bäume bei der letzten Ernte "verausgabt".

Schon seit wir nach der Pause erstmals wieder unsere Zickzack-Straße zu unserem Borgo hinauf gefahren waren, ist uns aufgefallen, dass das "Silber-Meer" durch Beschlag stark ausgedünnt worden ist. Jetzt in der Trockenperiode sind die Zwischenräume auf den Terrassen gefährlich ausgedörrt. Hat die Klima-Krise nun auch die Valle degli Olivi in Ligurien erreicht?

Quelle: pixabay
Die köstlichen Tröpfchen
so kostbar wie nie

Wir beziehen unser Öl privat von einem Nachbarn. Er hat sich bislang noch nicht über Ausfälle beklagt, trotzdem aber seinen Preis pro Liter um 20 Prozent anheben müssen. Das ist immer noch sehr viel günstiger und qualitätvoller als die verschnittenen "Öl-Cuvées" aus dem Supermarkt-Regal. Seit 2020 hingegen haben sich die Preise für Olivenöl in Deutschland fast verdoppelt!

Aber was Hitze und Trockenheit mit den Öl-Hainen in Spanien heuer bei den Superbränden gemacht hat, ist auch hierzulande zu erwarten. Bislang haben die Flieger, die beinahe täglich über dem Trichtertal kreisen noch keine expliziten Warnungen absetzen müssen. Die bange Frage ist, ob die paar Tropfen, die gestern tagsüber und  vorgestern Nacht endlich gefallen sind, eine Verbesserung der akuten Lage bringen.

Wer wirklich vom Öl leben muss, der sollte sich schnell etwas einfallen lassen. Ausgerechnet ein Deutscher aus dem so fernen Niedersachsen, bemüht sich seit einem Vierteljahrhundert darum für Italienische Klein-Erzeuger die Bodenbeschaffenheit in den Oliven-Hainen auf natürlichem Weg gegen die Klima-Herausforderung zu wappnen.

Quelle: 123RF
Nicht nur, dass der Olive
durch den Klimawandel der
Saft ausgeht, auch die
viele Handarbeit, die mit
ihrer Ernte verbunden ist,
wird ja auch nicht weniger
und billiger
Conrad Bölicke von der Genossenschaft "Artefakt" experimentiert bei bald ähnlichen Voraussetzungen daheim mit Pflanzen-Kohle, Regenwurm-Kompost und er veranlasste die Öl-Bauern zudem ihre Bäume mit Kaolin-Mehl zu bestäuben. Erstere binden die Feuchtigkeit länger im Boden, und das Kaolin schützt vor der UV-Strahlung.

In jedem Fall sind all diese Maßnahmen wohl in erster Linie ein Spiel gegen die Zeit, das auch das Ertragsplus  von 31 Prozent hier aus 2024 nicht leichter macht. Auf Dauer meint Bölicke müssten sich die Erzeuger generell darauf einstellen, dass sie aus 100 Kilo Oliven bald nur noch 9 Liter Öl gewinnen können, wo sie früher aus der selben Menge noch 13 oder 15 Liter gepresst haben.

Dienstag, 19. August 2025

Die Frage der Mitschuld

 Seit der Mensch denkt, beschäftigt er sich auch mit der Schuldfrage. Seit der alttestamentarischen Legende von Kain und Abel gewinnt sie auch noch ethisch und theoretisch an Gewicht. weil Schuld generell ein Instrument ist, auch jenen ein schlechtes Gewissen durch Mitschuld zu machen, die selbst nichts böses getan haben. Ein Grundprinzip aller Religionen.

Quelle: SMK Open
Kain und Abel
Gemälde von Frans Floris
1517 - 1570

Daneben beschäftigen sich aber auch Philosophen seit Jahrtausenden und bis heute weltweit mit der Mitschuld des Individuums an den jeweils herrschenden Verhältnissen. Ist es statthaft, die Frage an der Mitschuld auf einen kleinen Kreis der Mitmenschen - also Familie, Verwandtschaft und Freunde - zu begrenzen? Oder weitet sich. schuld zu sein, mit der Wahrnehmung des weiteren Umfeldes und anhand von gemachten Erfahrungen unbegrenzt aus?

Als Bundeskanzler Helmut Kohl im Zusammenhang mit den Nazi-Verbrechen für sich von der "Gnade der späten Geburt" sprach, erhob sich ein Shitstorm. Ein Politiker darf sich wohl nicht von der "Erbschuld" freisprechen, wie der Normalo das rein instinktiv  täte. Schließlich darf de jure der Nachwuchs der Mörder nicht mit bestraft werden, sofern er nicht beteiligt war.
Als hätten die nicht schon genug zu leiden gehabt. Solche Gedanken hat sich Joseph Göbbels vermutlich nicht gemacht, als er im Führerbunker seine unschuldigen Kinder gleich mit gekillt hat. Seiner eigenen Denke über Sippenhaft hätte es entsprochen, sie eben vor der Rache der Nachwelt zu bewahren?

Quelle: SPIEGEL
Mitschuld an der Schuld der Eltern?
Die fünf vergifteten Göbbels-Kinder

Wenn sich Schuld auch rein ethisch nicht zur Mitschuld ausweiten darf, ist es völlig in Ordnung das Israelische Volk nicht der Mitschuld an den Verbrechen Netanjahus zu bezichtigen. Zumal ja auch ein Großteil von ihnen den Mann gar nicht gewählt hat und täglich gegen ihn protestiert. Wenn aber die Verbrechen eines Juden - also vor allem von uns Deutschen - nicht wegen unserer "Erbschuld" als solche benannt werden dürfen, wäre uns dann wieder eine Mitschuld anzukreiden, weil wir beispielsweise die Zwangsbesiedelung des Westjordanlandes und die Umsiedlung von Palästinensern aus Gaza nicht energisch genug als völkerrechtwidrig angesprochen haben?

Quelle: wikipedia
F. M. Dostojewski
1821 - 1881
In diesem Sinne sollte man allen Denkenden, die sich über das Prinzip von "Schuld und Sühne" auslassen, den Vordenker Fjodor Michailowitsch Dostojewski empfehlen. Der hätte sich nämlich fast in seinem Fortsetzungs-Roman unter diesem nicht so ganz richtig ins Deutsche übersetzten Titel schon im Jahre 1865 thematisch die Zähen ausgebissen. Wenn Raskolnikows "Verbrechen und Strafe" - wie es in neueren Übersetzungen heißt - noch heute in einem eben völlig anderen moralischen Umfeld entsprechend erörtert werden kann, beantwortet das die Frage nach Schuld und Mitschuld so: Beide hingen allein von der parteiischen Perspektive der jeweils Herrschenden ab...
Dostojewskis Raskolnikow, der seine Pfandleiherin aus einer Warte der Überheblichkeit ermordet hatte, konnte sich nach acht Jahren im Straflager läutern und mit seiner Geliebten wieder ein normales Leben aufnehmen.


Montag, 18. August 2025

Die "Hitler-Mechanik"

 Unsere Welt weiß so viel mehr, so viel schneller wie vor hundert Jahren, als Kommunikation und selbst Reden in der Öffentlichkeit sich noch viel schwieriger gestaltete. Der primitive Aufbau der "Hitler-Mechanik" - wie ich sie nenne - obwohl Denker wie Michail Alexandrowitch Bakunin die Empfindlichkeit von Macht-Strukturen schon viel früher  aufgedeckt hatten, funktioniert gerade, weil sie so primitiv ist. Weil sie so verblüffend einfach immer wieder Menschen manipuliert..

Quelle: wikipedia
M.A, Bakunin 1814 - 1876

Am Anfang steht immer die vage Verbesserung für die einfachen, unterprivilegierten und von der Bildung fern gehaltenen Bevölkerungsschichten, bei denen das Bild der Versklavung - leicht verständlich ausgemalt - ankommt.

Um die Idee der Arbeiter-Befreiung verfestigt sich ein idiologisches Bild, dass nur ein Volk derart zu seiner narrativen Größe auferstehen kann, wenn es von unten nach oben neu strukturiert wird. Das ist praktisch das Urbild einer Revolution. Die Vermeintlich Abgehängten sollen durch sie das Sagen haben.

Aber eine Revolution muss eben immer von denen gelenkt werden, die in ihrem Ursprung die Idee dazu gehabt haben. Diese mag ja am Anfang einem guten Willen entsprungen sein, aber die Geschichte zeigt, dass mit Zuspruch Macht und mit mehr Zuspruch noch mehr Macht generiert wird, die sich immer weiter von der einstigen Basis entfernt und als einziges Ziel schließlich die Allmacht im Sinn hat.

Das funktioniert, indem sich vom Kern aus konzentrische Kreise um den Chef-Ideologen bilden.

Quelle: Shutterstock
Um den Chef-Ideologen gruppieren
sich gestaffelt strukturiert zur Allmacht die Follower
- bis hin zum letzten Glied

Die so entstehende Struktur einer Macht ist bis zum heutigen Tag immer wieder, in der Lage Demokratien zu Fall zubringen, weil sich mit zunehmender Bedeutung eigennützige Menschen in sie einbringen, die entweder über viel Geld oder weitreichenden, medialen Einfluss verfügen. Das geschieht nicht um Ideologie zu fördern oder die von ihr verbreiteten Narrative erfolgreich unter die  Leute zu bringen, sondern allein zur Gewinn-Maximierung.

So ist es ein Leichtes, sich immer mehr Einfluss und Stimmenanteile selbst in stabilsten parlamentarischen Demokratien zu sichern, was zur aller höchsten Zielsetzung führt:

Quelle: MDR
Sobald die Justiz nur noch im
Sinne der Macht Recht spricht,
herrscht Allmacht
Die Aufhebung der Gewalten-Teilung mit Hilfe einer sich unterordnenden Justiz. Und meist gleichzeitig "mit dem Finger am Abzug" durch absolute Befehlsgewalt über Militär und Ordnungskräfte. Sind die stark genug, ist in jedem Fall der "Innere Frieden" gesichert.

So ausgestattet kann die Macht dann auch auf schwächere Nachbarn oder durch eine Außenpolitik nach Gutsherrenart auf die Weltpolitik ausgeübt werden.

Quelle: SPIEGEL
Arbeiter und Bauern sind dann immer an vorderster Front
Opfer von Staatsraison, die sich
ja einmal eigentlich deren Befreiung zum Ziel gesetzt hat
Am Ende ist dann der, der Größte, der seine Macht ohne große Gegenwehr ausüben kann. Was in unserer technologischen, digitalisierten Welt den Widerstand gegen die Macht kaum noch möglich macht.
Great again! For ever and ever?
Das Volk das dann aufsteht und zählt, ist das, das jubelnd seine Henker wählt.
Quelle: Deutschlandfunk
Die Symbolik gesprengter Ketten
berührt heute kaum noch jemanden:
Zu oft in der Geschichte wurden
Befreite dann wieder von jenen geknechtet,
die ihnen einst die Freiheit versprachen...

Freitag, 15. August 2025

Nur ein Ablenkungsmanöver

 Während der Rest der freien Welt gebannt nach Alaska schaut, um zu sehen, ob beim Treffen Trump Putin überhaupt etwas für die Ukraine herauskommt, passieren in Washington Dinge, die man schier nicht glauben möchte:

Quelle: web.de

Da setzt die Barbie-Bondi, die für Trump die Justizministerin gibt, nach Gutdünken einen Notfall-Polizeipräsidenten ein, weil Trump das Narrativ initiiert hat, die Hauptstadt gehe unter im Verbrechen und die Verwahrlosung durch Obdachlose nehme überhand. Damit überschreitet die langjährige Staatsanwältin wissentlich nahezu alle einschlägigen Gesetze auf Bundesebene und beschränkt die Unabhängigkeit der souveränen Stadtverwaltung. Vor dem Hintergrund, dass Trump gleichzeitig 900 Nationalgardisten zur Beseitigung dieser "Missstände" aufbietet, kommt das gewissermaßen einem Staatsstreich zugunsten eines anderen Amerikas nach Gusto Trumps nahe: Die erste Stufe zur Festigung einer künftigen und dauerhaften Autokratie. Das erinnert doch Fatal an die Klaviatur, die in Deutschland vor dem Ermächtigungs-Gesetz gespielt wurde.

Trump gaukelt der Menschheit den großen Friedensstifter vor, während der "Reichstag brennt". Und wieder steht keiner auf, um der Zerstörung einer Demokratie - noch dazu der ältesten der Geschichte - Einhalt zu gebieten.
Das, was da ohne Dramatik abläuft, konterkariert jegliche noch so abstrusen Szenarien einer Hollywood-Dramaturgie a la "Olympus Has Fallen"

Quelle: HBO Max

Gewissermaßen ein "alaskanisches" Ablenkungsmanöver

Donnerstag, 14. August 2025

A New Fight of The Century















 Donald
The Barbarian

Vs.

Vlad
The 
Destroyer


CD-Paint-Collage mit Unterstützung von Pixabay,
RTL 2 und IMDB

Watch them fight for the end of the world live. Bets are still being accepted.

Mittwoch, 13. August 2025

All-Tag

Ich bin mir ziemlich sicher, dass im zunehmend gottloser werdenden Italien viele von den Jüngeren nicht mehr wissen, was Mariä Himmelfahrt in der Marien-Gläubigkeit für eine wichtige Bedeutung hatte. Für sie ist Ferragosto wie heuer als Brückentag der Höhepunkt des Party-Sommers unter freiem Himmel.

Quelle: katholisch.at

Selbst als Agnostiker weiß ich zumindest, dass Maria nicht ins All aufgebrochen ist, sondern in das Sphärische über uns, in das Gute und Reuige ihr jederzeit folgen können ohne zwangsweise aufs jüngste Gericht warten zu müssen. Zeit im Glauben ist ja keine physikalische Einheit mehr, sondern ein ewiger Wartezustand.

Nachdem ich wegen der Hitze der Nacht schon zwei Nächte nur mit Albträumen dahin gedöst habe, ist es kein Wunder, dass ich so verfluste Gedanken zum Thema Himmel habe. Weil ich heute kaum einer Alltagsroutine folgen konnte, habe ich mir  für heute eine All-Nacht vorgenommen. Denn unsere Dachterrasse war je schon in der Vergangenheit per se eine ideale Warte für den Meteoriten-Schauer der Perseiden, was in diversen Posts auch im Zusammenhang mit "La Notte di San Lorenzo" von mir thematisiert wurde.

Quelle: Nacht_lichter.de

Chinesische Aufzeichnungen von diesem Himmels-Phänomen reichen über 2000 Jahre zurück, und immer noch besticht seine Pünktlichkeit. Klar dass sich auch der Katholizismus  das als "Tränen des Laurentius" mystisch einverleiben musste.

Genau da aber setzt mein hitzeverschmorter Gedankengang heute zum Höhepunkt der Himmelserscheinung an. Ist Maria in den gleichen Himmel aufgestiegen, in dem das eindeutig astrologische Schauspiel alljährlich stattfindet oder doch allein ins Metaphorische. Da es die Perseiden-Schauer schon vor Maria regnete, hätte es  dann dochvzu Kollisionen oder Umlenkungen kommen müssen...

Gerade wird mir voller Erleichterung klar, dass ich vor 500 Jahren mit solchen Überlegungen - wie der gute alte Lorenz - auf dem Rost geschmort hätte... Nur mir würde keiner eine Träne nachweinen!

Quelle wikipedia
Der Heilige Laurentius mit Rost
und Mätyrer-Palme im
Stadtwappen von Zwenkau

Dienstag, 12. August 2025

Wie Julia uns Nachts einheizt

 Es heißt ja, Hochs bekämen normalerweise keine Namen. Doch auf der europäischen Wetterkarte heizt uns "Julia" gerade kräftig ein. Dass im August die Temperaturen hier oben nachmittags über 30 Grad klettern, ist ja keine Seltenheit, aber dass sie nachts nicht zurück gehen schon.

Vergangene Woche habe ich ja noch von den 15 bis 18 Grad nächtens geschwärmt, aber seit Sonntag haben wir um Mitternacht noch über 23 Grad. Es ist ja nicht so, dass wir keinen Schlaf fänden, aber man wacht halt auf, wenn die Sachen, die zum Schutz der Bettwäsche dienen sollten schon nach einer Stunde klatschnass am Körper kleben. So schwer ist meiner Frau und mir die Nachtruhe hier noch nie gefallen. Wir wälzen uns jedem leisesten Windhauch entgegen und erfahren doch erst ab vier Uhr früh eine leichte Linderung.

Quelle: wetter.net
Ich kann mich nicht an eine Wetterkarte erinnern, auf der ein Hoch große Teile des Nordatlantiks und das gesamte Mittelmeer überspannte. Und auch so viele dunkelrot eingefärbten Bereiche habe ich noch nie auf einmal gesehen.

Quelle: tagesschau.de

Was beängstigt, ist mittlerweile die globale Ungleich-Verteilung der Wetter-Extreme. Gestern Abend waren Bilder von riesigen Sturzfluten in Japan mit bis zu 400 Litern pro Quadratmeter in den Nachrichten zu sehen.
Quelle: Spektrum der Wissenschaft
Bei der künstlichen Verdunklung des Himmels muss zunächst
Einigkeit in Form eines Weltfriedens herrschen,
und auch dann ist eine gerechte Verteilung
potenzieller Segnungen nicht garantiert

Einen schnellen Wandel durch geotechnische Maßnahmen wird es vermutlich nicht geben, um die Rasanz der sich anbahnenden Katastrophe abzubremsen, obwohl unermüdlich nach Maßnahmen geforscht wird, die eindringende Sonnenbestrahlung abzuschwächen. Auch die verheißungsvolle Idee mit Geo-Engineering Kleinstpartikel in die Stratosphäre einzubringen, birgt Risiken des Ungleichgewichts:https://www.tagesschau.de/wissen/klima/sonne-verdunkeln-100.html



Montag, 11. August 2025

Another Seward Nonsens?

 Wenn sich am Freitag, dem 15. August - also wenn hier in Italien Mariä Himmelfahrt Ferragosto einläutet - Trump und Putin in Alaska treffen, werden die meisten Amis und Russen wohl nicht mehr an William H. Seward denken. Von 1861 bis 1869 war Seward Außenminister unter US-Präsident Abraham Lincoln in dessen Amtszeit ja der Horror des Bürgerkrieges die Vereinigten Staaten erschütterte. Seward, der auch an vorderster Front für die Abschaffung der Sklaverei eingetreten war, wäre daher beinahe auch dem Attentat zum Opfer gefallen, das Lincoln während eines Theaterbesuchs am 15. April 1865 ereilte. 


Quelle: Wikipedia
William H. Seward 1801 -1872
Wäre Seward auch Opfer der Verschwörung geworden, hätte es den Big Deal vielleicht nicht gegeben, der so viel bigger war. als alle Deals die Trump noch abschließen könnte. Am 30. März 1867 kaufte Seward in Namen der USA dem russischen Zaren die Territorien Alaskas samt den Aleuten für lächerliche auch auf heute umgerechnete 7,2 Millionen Dollar ab.

Durch die sich nur langsam erholenden Staaten ging ein Aufschrei. Der "Alaska Purchase" wurde als raugeschmissenes Geld und größter Blödsinn aller Zeiten betrachtet. Bis ins 20. Jahrhundert hielt sich der Begriff "Seward Nonsens" als größte zu erreichende Narretei im Sprachgebrauch der Amerikaner.

Die mittlerweile fortgeschrittene Ausbeutung und immer noch nur in Bruchteilen vollendete Erschließung der Ressourcen Alaskas ist eine kaum zu beschreibende, wirtschaftliche Sicherheits-Reserve der US-Wirtschaftsmacht.

Karte: Wikipedia

Gerade weil es im Zusammenhang mit dem Gipfeltreffen auch um Gebietsabtretungen zur Beendigung des Ukraine-Kriegs gehen soll, müssen Trump und seine Berater dies  verhindern.
Wenn nicht nur im Sinne eigener Interessen an Ressourcen, sondern vor allem um Putin nicht durch die Hintertür zum Sieger zu machen. Wäre doch zu blöd, wenn sich ein möglicher,  weiterer historischer Spott wie "Trump Nonsens" bis zum Ende dieser Welt hielte...

Sonntag, 10. August 2025

Ein Wort zum Sonntag

Inbrunst 


Quelle: vectesy

Ach hätte ich nur einen Glauben!
Stattdessen ist mir immer angst und bange.
Die bösen Träume den Schlaf mir rauben.
Den Glauben verloren, hätte ich ihn schon lange,
Zuviel Greul im Namen der Götter geschieht,
Dass sich doch jeder Denkende fragen muss,
Wenn einer soviel Böses in seinem Namen tut,
Was ist mein Glaube doch dann für ein Stuss?
Und welcher tut der Menschheit wirklich gut?

Ein Netanjahu nutzt die Schoah als Schild,
Um in ihrem Erinnern Gaza zu zerstören.
So setzt er Greul durch noch mehr Greul ins Bild,
Versucht Trump mit dem Friedenspreis zu betören.
Aber der hat nur seine eigene Macht im Sinn.
Im Poker mit der Welt blufft POTUS gern.
Dass nach ihm die Sintflut kommen kann?
Was schert es ihn auf seinem Ego-Stern!
Hauptsache, die Angst hält alle in seinem Bann

Quelle: Deutschlandfunk

Der Faschismus ist erneut auf dem Vormarsch,
Wer stellt sich ihm mit Mut und Macht entgegen?
Helden der Freiheit wären einmal mehr im Arsch.
Macht begegnet Ohnmacht auf immer neuen Wegen.
Weil das Böse nicht beim Namen genannt werden darf,
Hilft auch kein neuer Papst Franziskus aus Amerika:
Gottes Wort ist ohne Sprengkraft eben gar nicht scharf.
Wer hat es dann da und schreit am Ende Heureka?

Wer beantwortet denn nun die Fragen unserer Zeit?
Ist gegen Netanjahu zu sein schon ant
isemitisch?
Geht Trump für einen Gesetzlosen zu halten, zu weit?
Sind Zar Putins Kriegsverbrechen am Ende rein politisch?
Und was wird unter Grinsekatze Xi bald aus Taiwan? 
An der Bombe Welt brennen viel zu viele Lunten,
Dass kein Gott sich beim Löschen entscheiden kann.
Eines aber bleibt, wir das Volk, wir bleiben immer unten.


Quelle photoAC


Samstag, 9. August 2025

Aussteigen! Jetzt!

 Damit das Sommerloch nicht zum Abgrund wird, muss dem schlechtesten Kanzler aller Zeiten möglichst rasch der mit der kürzesten Amtszeit folgen. Merz hat seine eigene Fraktion nicht im Griff. Das wird seit kaum 100 Tagen immer mehr zur Gewissheit. Er hat den Total-Versager Spahn an strategisch wichtigster Stelle und den Söder-Knallfrosch Dobrindt, der ihn beinahe täglich in der Medien-Präsenz übertrifft, während er zunehmend den Eindruck vermittelt: Er kann es einfach nicht!

Dabei hat er ja noch das Glück, dass ihm das Weichei Klingbeil eher zur Seite steht als die Rechtsaußen seiner Fraktion, die ja ungeniert bereits Kontakte zur AfD im Falle von Neuwahlen knüpfen. Klingbeils Laschheit lässt einen Verstoß nach dem anderen gegen die Koalitions-Vereinbarungen fast klaglos geschehen, was seiner Partei als offenbar bloßes Anhängsel rechter Politik weiter sinkende Umfragewerte beschert. In gleichem Maße wird der AfD eine Wählergunst zuteil, die längst keine Angst mehr macht, sondern mit Gewohnheit hingenommen wird.

Quelle: Bundesministerium für Verteidigung
Nur eine sich stramm hinter ihrem Spitzen-Mann
geschlossen neu formierte SPD könnte
nun die einzige Waffe gegen einen drohenden Untergan sein

Wäre die SPD an ihrer Spitze nicht so ausgebrannt, zöge sie jetzt sofort die Reißleine, um Neuwahlen mit ihrem einzigen Ass, Boris Pistorius, als Spitzenkandidaten zu erzwingen. Mehr als der Untergang geht nämlich nicht, um eine GROKO aus AfD und CDU/CSU nach Geschmack des Trump-Ziehsohns J.D. Vance zu verhindern. Die Verhinderung der potenziellen Verfassungsrichterin war doch ein deutliches Zeichen, wohin unsere Republik steuern soll,

Zugegeben wäre so eine staatsstrategische Schwäche angesichts der weltweiten Lage nicht förderlich, aber die angestrebte Vormacht Deutschlands im europäischen Missklang stünde ja ohnehin nur auf dem Papier. Ich sage es ja ungern, aber die verbliebenen politischen Kräfte in der SPD sollten nicht länger konfliktscheu erscheinen, sondern sich stramm stehend hinter ihrem "Waffenmeister" versammeln. Das wäre eine "Wehpflicht", die ich als anerkannter Kriegsdienst-Verweigerer durchaus begrüßen würde...

Freitag, 8. August 2025

Zeitkapsel Kleiderschrank

Kurz bevor wir München verlassen haben, kam ich auf die Idee, meinen viel  zu dicht behängten Kleiderschrank von all den verbliebenen Übergrößen aus meiner Obelix-Zeit zu befreien. Ich schaffte zwei große Säcke zum Container. Darunter viel Neuwertiges bei dem ich zweimal hin und her überlegte, bevor ich mir sicher war, nie wieder die Kontrolle über mein Gewicht zu verlieren. Das habe ich nun 36 Monate gehalten.

Als wir dann in Richtung Italien unterwegs waren, fiel mir wieder ein, dass ich Dasselbe ja vor meinem Unfall in Italien vorgehabt hatte. - Nur in umgekehrter Dimension. Ich hatte alles, in das ich wohl nie wieder hinein schrumpfen würde, dort ebenfalls in zwei Müllsäcke verstaut, aber dann wegen meines Sturzes versäumt, es in die Altkleider-Sammlung zu bringen.
Sie stünden also fest verschlossen seit 24 Monaten in der Cantina. Mal sehen, in was ich da nun wieder hineinpassen würde...

Quelle: vectesy
Der Kleiderschrank als Zeit-Maschine geht leider nur retro

Da meine Frau und ich unsere Reisetaschen immer erst später ausladen, weil ja die Erstversorgung zunächst hinauf geschleppt werden muss. nahm ich bei erster Gelegenheit die beiden Säcke mit hoch. Nun lebe ich  seit fast zwei Wochen aus meiner eigenen Altkleider-Sammlung, und es ist noch kein Ende abzusehen.

Ich bin ja kein Saulus, der zum Paulus wird, deshalb erinnerte ich mich sofort an all die Posts, die ich hier schon zum Mode- und Kleidersammel-Wahn verfasst habe. Was hat mich nur geritten, eine derartige Menge von Polo- und T-Shirts anzuhäufen und wieso mussten es derart viele Sommer-Jeans und Hemden sein?

Gleich auf diese Frage folgte die eher Praxis orientierte Erörterung, weshalb wir Männer diesen Wahn überhaupt mitmachen, obwohl sich ja an unseren Freizeit-Outfits eigentlich nichts wesentlich ändert. Da ich nie Polohemden mit auffälligen Logos oder gar "Sinnsprüchen" getragen habe, sind diese teilweise fabrikneuen, zeitneutralen Hemden aus dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts quasi aktuell. Als ich umgezogen in einem gelben Polo-Hemd und gelben Shorts auf die Piazza trat, sagten die Nachbarn unisono: "Bravo Claus! Sempre in alta moda!"

Mit 30 Kilo weniger zwar
nicht wie neu geboren,
aber immerhin nicht
im Schlotter-Look
Natürlich sind die Nachbarn alle schon so alt, dass sie sich nicht mehr daran erinnern können, dass ich vor zwanzig Jahren schon einmal mit diesen Klamotten aufgelaufen bin.
Da ich nie und in keinster Weise mit Shorts hinunter ins Tal ginge, freue ich mich aktuell über Jeans, die den Vergleich zu aktuellen Schnitten auch nicht zu scheuen brauchen. Und sollten wir tatsächlich noch einmal schick zum Cena eingeladen werden, habe ich aus meiner eleganten Zeit einen klassischen blauen Blazer mit Goldknöpfen und passender, gelber Gabardine-Hose. Die waren damals sogar noch Maß-Konfektion!

Was braucht ein alter Mann noch an Mode, wenn er im Sommer nur Jeans und T-Shirts trägt? Hier oben läuft sowieso jeder herum, als käme er gerade aus den Oliven...

Mittwoch, 6. August 2025

La vita semplice

Wer sich augenblicklich von immer mehr Dingen verabschieden muss, die er sein Leben lang als unverzichtbar für sein "Benessere" gehalten hat, kann nur dann seelisch genesen, wenn er aus dem Verzicht eine Philosophie macht. Diesem Punkt nähere ich mich gerade in zögerlichen Schritten.

Quelle: Kopp Verlag
Quelle: Library of America
Henry David Thoreau
1817 - 1862
Ich gestehe, vor langer, langer Zeit war ich schon einmal so weit. Mein Leben als Teen wollte einfach nicht vorwärts gehen.  Da bekam ich als Pflichtlektüre für Buchhändler-Lehrlinge die Fibel für einfaches Leben, "Walden" von Henry David Thoma Thoreau, zur Besprechung auf. Ich beschrieb sie verzückt, denn ich konnte viel  Nachahmenswertes beim Lesen entdecken. Tatsächlich wurde dieses 1854 veröffentlichte Tagebuch als Anleitung für ein möglichst einfaches Leben ein paar Jahre nach meiner Besprechung zur Fibel für die Aussteiger der 1970er, Leider hat mich "Das Leben in den Wäldern" (so der Untertitel) im Vergleich zum beginnenden Waldsterben der Gegenwart nicht derart beeindruckt, dass mein Karriere-Durst als Schreiberling nachhaltig gestillt worden wäre.
Sicher wäre mir manche Abzweigung bei einfacherer Lebensführung erspart geblieben, aber ich hätte auch eine Vielzahl einmaliger Erlebnisse verpasst, von denen andere nur träumen. Und in meiner heutigen Work-Life-Balance fällt doppelt in die Waagschale, dass ich ein Berufsleben hatte, in dem ich mein Geld mit Sachen verdienen konnte, die andere nur in ihrer Freizeit machen.

Ich schicke das meinem heutigen Post vorweg, damit ihr nicht glaubt, ich sei ein vom Übermaß bekehrter, reuiger Sünder geworden, der Verzicht predigt.
Ganz im Gegenteil: Haut raus, was nur geht, so lange es noch geht! Denn wer weiß, was aus dieser Welt in ihrer augenblicklichen Situation noch wird. Aber seid dessen eingedenk, dass sich auch ein vielleicht erzwungener Maßen reduzierendes Leben noch lohnt, wenn man nur lernt, das Verbliebene entsprechend höher zu bewerten.

Ein Dialog dieser Tage mit meiner Frau war typisch:
"Wollten wir nicht Mittwoch mal wieder am Meer zum Essen gehen?"
"Ach nö! Im August ist es doch unten viel zu voll. Diese Parkplatz-Suche! Und so gut wie die, kochen wir doch schon längst!"
"Ja, aber! Es muss keiner in der Küche stehen, kochen oder abwaschen..."
"Ist doch nur'n Klacks! Rechne mal nach, wieviel wir von den guten Sachen für nur eine Restaurant-Rechnung  einkaufen könnten."

So haben wir früher nie gedacht. Wir haben ein unkontrolliertes Vermögen für Hotels und Restaurants verprasst. Und wir hatten Spaß daran. Aber jetzt haben wir eigentlich mehr Spaß am selber Kochen. Vor allem seit wir einen Schwiegersohn haben, der Chef in einem Geourmet-Restaurant ist, wissen wir auch von der anderen Seite her, dass die Preise, die wir uns in München nicht mehr leisten können, wohl gerechtfertigt sind, aber eben in keinem Verhältnis zum Waren-Einkauf stehen.

Also ich habe mal nachgedacht und nachgerechnet:

Am vergangenen Freitag hat die "Fürsorglichste" einen Polpo e Patate alla Ligure hin gezaubert, wie wir ihn besser von keinem der uns hier bekannten Restaurants für unter 16 Euro pro Nase vorgesetzt bekommen.
Am Sonntag habe ich Peperoni gefüllt mit Salciccia auf Knoblauch-Basmati-Reis gebrutzelt.
Gut, alle Gemüse-Sorten bekommen wir zu Erzeugerpreisen bei unserer Schweizer Nachbarin
Am Montag haben wir uns die Arbeit geteilt. Ich war mit dem Braten von Capocollo (Schweine-Nacken) auf Knoblauch, Peperoncino und Rosmarin betraut, wozu meine Frau einen lauwarmen Kartoffelsalat mir Radicchio, Zwiebel und Bohnen - geschmeidig gemacht durch kalt gepresstes Extra Vergine - komponierte.

Dienstag servierte ich Hühner-Keulen auf Tandoori-Art in Soja-Sauce geschmort auf einem gegrillten Auberginen-Bett.

Ja, heute ist Mittwoch, und wir gehen wieder nicht essen, weil sich meine Frau meine Spezial-Gnocchi auf kross in Butter gebratenen Salbei-Blättern und ebensolchen Knoblauch-Scheiben gewünscht hat.
Unterm Strich stehen bislang noch nicht einmal 70 Euro Waren-Einkauf  zu Buche - und wir hatten obendrein noch Spaß an der Freud!

Dazu haben wir unsere Piazza zum Abendessen meist allein oder genießen den prächtigen, ungestörten Rundumblick im Sonnenuntergang von unserer Terrasse aus,  - The Day Bleeds Into The Nightfall!
Die frischere Luft und die vom Arzt dringend verordnete Ruhe gibt es gratis dazu.
Übrigens, wir schreiben den 6. August, und wir schlafen wegen der kühleren Nächte hier oben noch immer kuschelig zugedeckt bis zu neun Stunden. Das ist eben auch:

La vita semplice!

Montag, 4. August 2025

Die Oma, die mit ihrer Ziege wohnte

paint-collage CD
Als vor mehr als vierzig Jahren die erste Welle der teutonischen Ruinen-Baumeister durch die engen Gassen dieses Borgos schwappte, war das ein großes Abenteuer. Jetzt hat von allen das Zeitliche seinen Tribut verlangt. Aber was sie zum Teil durchmachten und erlebten, ist hier bis heute immer noch Legende. Auch wenn die mit der Zeit durch kolportieren und dramatisches Hinzufügen vermutlich eher zum Narrativ geworden ist.
Die zweite Welle um die Jahrtausendwende schwemmte dann schon eher deutsche Spekulanten auf die Burg. Die nutzten die Hype und die Sehnsucht naiver Käufer nach den "Italienischen Momenten" aus. Wobei sie auch auf die lasche Kaufpreis-Verbriefung unter Umgehung von Wiederverkaufsfristen setzten. Schamlos, was da ab überhöhten Preisen über den Tisch ging, wenn der Notar nur für einen Augenblick das Büro verließ... 

Meine Frau und ich gehörten auch zu jenen, die schockverliebt nichts infrage stellten. Wie manche ebenfalls neue Nachbarn hatten wir nach nur oberflächlichen Umgestaltungen mit Anzeigen zu kämpfen, die ein ums andere Mal zu juristischen Auseinandersetzungen führten. Nicht selten durch die verbliebenen Einheimischen inszeniert, die sich zunehmend wohl ärgerten, dass der Ausverkauf Ihrer Heimat zu lächerlichen Lire-Summen an ihren Geldbeuteln vorbei gegangen war. Vieles geschah ja aus Zweifeln, was nur dem Denkmalschutz geschuldet war oder welche Veränderungen Nachbarn nicht stören könnten. Für vieles kam erschwerend hinzu, dass in der bitter ärmlichen Vergangenheit des Dorfes unzählige Umwidmungen von Räumlichkeiten im Kataster - leicht zu übersehen - registriert worden waren. Wer von den "Ureinwohnern" früher kein Geld aber Räumlichkeiten hatte oder wenn die Ernten mal keinen ausreichenden Ertrag erbrachten, wurde eben wie selbstverständlich mit Zimmern bezahlt, die jetzt aber zunächst unerkannt in einem "Konglomerat" veräußert wurden.

Fotos Claus Deutelmoser
Dass ein Bergfried nicht immer
zum Burgfrieden beitrug, zeigt schon
das Verließ unten
Bei einem Umtrunk auf der Piazza erzählte Paula, eine der letzten "Überlebenden" der ersten Welle, was ihr Schwager gar als Architekt erlebte: Er hatte sich gewissermaßen den "Bergfried" mit den darunter liegenden Räumlichkeiten vorgenommen. Als er bereits verbrieft loslegen wollte und das Haus betrat, hauste im Eingangszimmer eine alte Dame mit ihrer Ziege. Die pochte auf ihr  verbrieftes Eigentum, was sie dann auch belegen konnte. Also musste nachverhandelt werden.

Als wir unser Haus erwarben, wurde vertraglich ein Zimmer hinzu gefügt, von dem wir bis heute nicht wissen, wie man das hätte im Nachbarhaus erreichen können. Es ist heute die "Kemenate", und hätten wir es nicht bekommen, gäbe es unsere vergrößerte Terrasse nicht. 
Was aber auch auch nicht automatisch bedeutete, dass wir die bedrohliche Trockenmauer die über das Nachbarhaus hinweg unseres mit dem übernächsten Haus verband, abreißen und durch einen sichereren, betonierten
Sicherlich nicht "die sieben Säulen der Weisheit",
aber immerhin mehr Durchblick
nach beiden Seiten

Portiko ersetzen durften. Zack, hatten wir die erste Anzeige von einer einheimischen Nachbarin, die wir aber - trotz teurer, nachgereichter und begutachteter Baupläne samt zusätzlicher Strafzahlung - inzwischen sehr zu schätzen gelernt haben...

Freitag, 1. August 2025

La Bellezza e il Benessere

Ziemlich bald nach meinen ersten - bis heute vergeblichen -Versuchen, diese schön Sprache zu erlernen, war mir aber klar, dass es im Italienischen Worte gibt, für die die einfache Übersetzung absolut nicht reicht. Der spätere Mann meiner besten Freundin hatte mir einen Bärendienst erwiesen, als er mir den Tipp gab, mich sprachlich an der Wochenend-Ausgabe von LA REPUBLICA zu orientieren. Heute weiß ich gewiss, dass sie zu jener Zeit noch anspruchsvoller war als das SZ-Magazin. Es war völlig aussichtslos, dass ich jemals nur einen Hauch von dem verstünde, was meine Kollegen da an Wortbildern und Geistesblitzen zu Druck gebracht hatten. Zudem war mir nicht geläufig, wie viele Redewendungen im jeweiligen Kontext die Bedeutung wandeln konnten. Selbst mit dem besten Lexikon oder einem Doodle-Programm blieb das meiste auf der Strecke. Da bewies sich nachhaltig meine Charakterschwäche: Für das, was mir nicht zufliegt, bin ich einfach zu faul, um es zu erlernen.

Quelle: Tour Letterario Ibeo
Italo Clavino 1923 - 1985
So war ein Interview mit dem Sänger Eros Ramazotti, das letzte, was ich von LA REPUBLICA in meine rudimentären Kenntnisse übernahm. Er sagte: Sono sempre remasto con mei piedi sulla terra. Ich bin immer mit meinen Füßen auf dem Boden geblieben. Das hätte zu meinen Bemühungen passen müssen, Stattdessen orientierte ich mich mit dem Wissen, dass das literarische Italienisch wohl zu den schönsten Sprachen gehört, die man hören kann, leider nur an den fabelhaften Übersetzungen meiner zeitgenössischen, italienischen lieblings-Schriftsteller*innen.
Von denen könnte ich jetzt aus dem Stand mindestens zwei Dutzend aufzählen. Aber wer sich traut, in Original-Texten zu lesen, dem lege ich das eingängige Italienisch im umfangreichen Werk von Italo Calvino ans Herz; vor allem seine Märchen.
Bei amazon auf Lager

Womit ich alter Schwafler endlich bei der Überschrift angelangt wäre:

So wie la Bellezza nicht einfach die Schönheit ist, kann il Benessere nicht allein mit Wohlbefinden übersetzt werden. Wer für die vielzitierten "Italienischen Momente" empfänglich ist, findet das schnell heraus. Bellezza kann man zwar sehen, aber sie ist viel wirkungsvoller als Vollwert-Gefühl, das einen anspringt und das Herz im "Sinnlichen" zum Platzen bringt. Benessere kann sich nach einem Teller perfekter Pasta einstellen oder in der wahren Liebe schon nach dem ersten Kuss.

Meine Italienischen Freunde, die meinen Lebenslauf kennen, fragen mich immer wieder nach solchen Erlebnissen. Und dann schmeichle ich ihnen mit Momenten, die ich hier in ihrem Land erleben durfte.

Ich erzähle ihnen dann gerne von einem einsam vor einem sizilianischen Häuschen stehenden Sonnenschirm samt Plastikstühlen. Im Mittagslicht flirrenden Dunstkreis des Ätna, dem meine Frau und ich auf der letzten Allein-Reise ohne Kinder entfliehen wollten, hielten wir das Ensemble fälschlich für eine Trattoria. 

Quelle: Impatto Italia
La dissacatione della bellezza
Die Entweihung der Schönheit
Auf die Frage, ob wir denn etwas zu essen bekämen, fragte der junge Mann mit unverkennbarem Mafia-Amerikanisch: Was denn? Und weil ich meiner Frau von den Salsiccie vorgeschwärmt hatte, die ich oben am Vulkan im mittlerweile von einer Lavazunge verschütteten Rifugio nach dem Skifahren gegessen hatte, bestellte ich die. Und dazu den schweren lokalen Roten. Darauf trabte die Nonna los und besorgte alles im nahe gelegenen Ort, während ihr Enkel mit mir Erinnerungen an New York austauschte.
Die Salsiccie waren frisch vom Metzger: kross, lecker und kamen mit hausgemachtem Brot zu einer pikanten Peperoncino-Sauce einher. Der Vulkan-Wein schlug wie ein rechter Haken von Rocky Balboa in die Birne, so dass wir erst einmal - länger als gewollt - in der "neutralen Ecke" sitzen bleiben mussten.

Quelle. Ricette siciliane
Salsiccie in rotem Sugo nach sizilianischer Art

Als ich dann zahlen wollte, waren Oma und Enkel regelrecht empört. Sie seien ja schließlich kein Restaurant, sondern äußerst entzückt (really delighted), dass sie endlich mal jemanden bewirten konnten, der Casareccia  zu schätzen wisse...

So etwas - liebe einheimische Nachbarn hier in Ligurien - nenne ich la Bellezza und il Benessere in einmaligem Einklang!